In Love with Indie-Beauty: 8 Fragen an Elina Neumann von BareMinds.de

Wie hat sich die Beauty-Landschaft verändert, seit Sie Ihren Blog Bareminds.de gelauncht haben? Welche wesentlichen Shifts konnten Sie beobachten?

Man kann schon sagen, dass sich das Interesse des Endkonsumenten verändert hat und dementsprechend natürlich auch der Beauty-Markt. Inhaltsstoffe spielen zum Beispiel eine noch wichtigere Rolle denn je. Zwar gab es zu meinen Anfängen CodeCheck & Co., aber die Gruppe derer, die sich für den Inhalt und dessen Herkunft interessiert haben, war eine noch sehr kleine. Nachhaltige und Organic-Beauty-Brands schießen wie Pilze aus dem Boden. Spannend find ich auch, dass der Naturkosmetik-Bereich rasant wächst.

 

Welche Rolle spielen Indie-Beauty-Brands Ihrer Meinung nach in diesem Wandel?

Unabhängige Beauty-Marken bilden einen sehr großen Wachstumssektor der Kosmetiklandschaft. Sie sind flexibler in ihrer Handlung, sie können mit ihrer Philosophie, der Entwicklung der Produkte eher auf den Endkonsumenten eingehen. Ich finde, das ist eine tolle Bewegung, denn gerade im Laufe der letzten vier Jahre, seit sich das Leben schneller um einen dreht, ist es wichtig, sich als Marke mit zu entwickeln. Durch die Digitalisierung sind wir interessierter und sensibilisierter und das sehen unabhängige Brands schneller.

 

Und wann haben Sie persönlich angefangen, auf Indie-Brands aufmerksam zu werden?

Mich persönlich haben Indie-Brands schon immer interessiert, auch zum Start von BareMinds.de war das ein sehr großes und wichtiges Thema. Ich war schon immer ein Trüffelschwein und auf der Suche nach einem noch effektiveren Produkt, nach tollen Wirkstoffen, nach einer Marke, die es anders macht als die großen Konzerne, die ja oft nicht besonders schnell auf Trends reagieren können. Mir ist klar, dass es den internen Strukturen geschuldet ist, aber gerade deswegen halte ich schon immer meine Augen und Ohren offen nach kleinen Marken.

 

Greifen Sie denn heute lieber zu großen, altbewährten Marken oder dann doch zu kleineren Indie-Labels?

Ehrlich gesagt, greife ich zu den Produkten, die performen. Denn wenn man sich mit dem Thema Beauty beschäftigt, kommt man um Inhaltsstoffe und ihre Wirkung auf die Haut nicht herum. Natürlich hat sich mein Gespür nach bedenklichen Inhaltsstoffen noch mehr geschärft, mir ist aber die Wirkung eines Produktes am wichtigsten. Deswegen mische ich und habe neben vielen Nischen-Labels auch Kosmetikhelden von großen Konzernen.

 

Welche sind Ihre Lieblingsprodukte von Indie-Brands?

Ich bin im letzten Jahr ein großer Fan von Josh Rosebrook geworden. Gerade die Nutrient Day Cream with SPF30 gehört zu meinen Lieblingsprodukten. Der Hybrid im weißen Gewand wirkt als regenerierende Feuchtigkeitspflege, aber auch als natürlicher Breitbandspektrum-Sonnenschutz. Aktive Kräuter und Pflanzenöle reparieren, schützen und versorgen die Haut mit Feuchtigkeit. Es heißt auch, dass entzündungshemmende und antioxidative Inhaltsstoffe die Haut regenerieren – bei mir äußert sich das in einem klaren und ebenmäßigen Hautbild ganz ohne Irritationen, neuen Pickelchen oder anderen Entzündungen. Aber auch vom dekorativen Markt gibt es tolle Marken wie Westman Atelier, Und Gretel, OZN Vegan und Ere Perez, die sehr gute Produkte in ihrem Sortiment haben.

 

In welchem Segment ist Indie-Beauty besonders überzeugend?

Ich habe das Gefühl, dass gerade Marken aus dem Skincare-Bereich doch etwas stärker sind. Dies ist vermutlich der direkten Wirkung auf der Haut geschuldet. Dekorative Kosmetik sollte man aber auch nicht unterschätzen, denn gerade die muss da bleiben, wo sie hingehört. Und man sieht, dass auch da gerade richtig viel passiert.

 

Es erreichen Sie ja täglich neue Produkte und Marken – was muss eine Beauty-Brand heute grundsätzlich können, um Ihr Interesse zu wecken?

Inhaltsstoffe und die Performance sind mir am wichtigsten. Aber das Konzept muss eben auch stimmen, das große Ganze, und es muss einen roten Faden geben. Es gibt viele Marken, die auf den Beauty-Hype aufspringen und Produkte entwickeln, ohne wirklich ernsthaft eine Marktanalyse durchzuführen und die Konkurrenz zu beleuchten, und deswegen kein Alleinstellungsmerkmal haben. Ich möchte einfach nicht den x-ten Face Mist oder Serum in der Hand halten, die mich nicht vom Hocker hauen, weil es bereits überzeugende Alternativen auf dem Markt gibt.

Wie sehen die nächsten Jahre in der Beauty-Industrie aus?

Ich glaube, dass nach dem Clean-Beauty-, Achtsamkeits-Trend die Marken nun mehr auf aktive Wirkstoffe eingehen werden müssen. Unisex-Labels werden noch mehr in den Vordergrund rücken und High-Tech-Beauty wird ein großes Thema.

Aber auch der Verkauf, bzw. der Konsum wird sich durch die Social-Media-Macht verändern. Transparenz ist ein ganz großes Stichwort – Marken und Shops werden sich mehr mit dem Thema Social Media auseinandersetzen, weil sich dort die Kunden tummeln.