Accelerator & Inkubatoren-Programme für unabhängige Beauty Unternehmen in DACH 

Im Inkubator starten und mit Akzelerator-Programmen wachsen. Wörtlich übersetzt bedeutet Inkubator Brutkasten und gemeint ist ein Gründerzentrum. Die Inkubatoren fördern die Gründung von Start-ups und bescheren dem jungen Unternehmen im Regelfall eine höhere Überlebenschance. Die Gründerzentren beraten Start-ups, helfen mit Kontakten, stellen ihnen Arbeitsplätze bereit und unterstützen die Gründer beispielsweise, einen Business-Plan zu erstellen. Manche Inkubatoren sind auf eine kurze Verweildauer ausgerichtet, in anderen bleiben die Start-ups mehrere Jahre.  Dabei gibt es staatlich geförderte Inkubatoren und solche, die Konzerne bereitstellen. Der privatwirtschaftliche Investor bietet zum Start Know-how und Finanzmittel und erhält im Gegenzug Anteile am Unternehmen. Ist das Unternehmen die ersten Schritte erfolgreich gegangen, bietet sich der Pitch für ein Akzelerator-Programm an. Häufig offerieren große Konzerne solche Mentoringprogramme, um das Wachstum aussichtsreicher Start-ups zu fördern und zu beschleunigen. Für einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten versorgen sie das Unternehmen mit Geld, Räumen oder Material. Sie bieten dem Start-up kompetente Berater, ermöglichen Weiterbildung oder stellen Kooperationen in Aussicht. Die Vernetzung mit Business Angels, Medienvertretern und Persönlichkeiten der Branche gehört häufig ebenso zum Programm der Akzeleratoren wie eine Unterstützung in Marketing und PR.

 

Welche Akzelerator-Programme gibt es?

Üblicherweise fokussieren sich die Akzelerator-Programme auf bestimmte Branchen. Tech-Start-ups können zwischen einer großen Zahl von Programmen wählen, im Bereich Beauty-Start ist die Auswahl kleiner. Die Next Commerce Accelerator (NCA) GmbH aus Hamburg spricht mit ihrem sechsmonatigen Programm Start-ups unterschiedlicher Branchen an, inklusive Beauty. Dabei ist ein Team aus Gründern sowie technisches Know-how gewünscht. Die Start-ups des jeweiligen Jahrgangs von NCA (genannt Batch) bekommen die Chance, geschäftliche Beziehungen zu Konzernen wie Beiersdorf, Edeka oder Tchibo aufbauen.

Zudem gibt es Kosmetikkonzerne, die Akzeleratoren speziell für Start-ups der Beautybranche ins Leben rufen. Die Unternehmen leben damit nicht alleine ihre altruistische Ader aus. Gezielt schauen Sie nach interessanten neuen Marken und Trends. Längerfristig kaufen sie oftmals Anteile an den Unternehmen oder übernehmen sie ganz. Gleichzeitig findet eine Art Reverse Monitoring statt, und die Konzerne lernen von der Agilität der innovativen Start-ups.

 

Das Akzelerator- Programm von L’Oréal

L’Oréal ist ein Vorreiter in der Vernetzung mit Start-ups. Über den Venture Capital Fund „Bold“ finanziert der Kosmetikkonzern innovative Start-ups und fördert sie durch Mentoringprogramme. Wir haben mit Dr. Niklas Teichmann, Head of Data Science bei L’Oréal Deutschland, über das Engagement des Konzerns für Start-ups gesprochen.

 

Herr Dr. Teichmann, welche Akzelerator-Programme haben Sie bei L’Oreal für die DACH-Region im Programm?

Dr. Teichmann: „Wir arbeiten hier in Düsseldorf mit dem Rheinland-Pitch zusammen, den wir bereits zweimal in unserem Bürogebäude mit einer Pitch-Veranstaltung für Start-ups unterstützt haben. Zudem sind wir mehrfach im Rahmen der Start-up-Woche Düsseldorf Ausrichter gewesen mit einem speziell auf Start-ups zugeschnittenem Angebot (“Meet the Beauty-Experts”). Hier konnten sich Start-ups bei unseren Experten aus den verschiedensten Bereichen Rat und Expertise holen.“

Das Headquarter von L’Oreal in Paris arbeitet mit Inkubatoren und Akzeleratoren für Start-ups zusammen, dazu zählen die Station F und die Founders Factory. Die Preisträger des von L’Oreal seit 2019 verliehenen «Intrapreneurship Award» dürfen in einem Campus für Start-ups in Paris die ersten Prototypen ihres Produkts herstellen. Einigen teilnehmenden Studienabgängern macht L’Oreal auch ein Jobangebot.

 

Herr Dr. Teichmann, wie geht L’Oreal in Deutschland vor, um Beauty-Start-ups in der Gründungsphase oder beim Eintritt in internationale Märkte zu unterstützen?

Dr. Teichmann: „In Deutschland arbeiten wir gemeinsam mit Start-ups daran, einzelne „User Cases“ in die Praxis umzusetzen, und evaluieren dann, ob wir diese im gesamten Konzern ausrollen.“

 

Herr Dr. Teichmann, können Sie unseren Leserinnen und Lesern ein Beispiel der erfolgreichen Zusammenarbeit von L’Oreal mit einem Start-up nennen?

Dr. Teichmann: „Wir haben mit dem Start-up Wunderpen ein Projekt umgesetzt. Sie haben für unsere Marke Kiehl’s ein besonderes Kundenmailing gestaltet. Mithilfe ihrer entwickelten Technologie haben sie Postkarten angefertigt, die wie handgeschrieben aussahen. Die Aktion kam bei den Kunden sehr gut an. Außerdem haben wir es Wunderpen im Rahmen einer L’Oréal Fördermaßnahme ermöglicht, an einen Pitch am Stand von L’Oréal auf der Messe Vivatech in Paris teilzunehmen.“

 

Beiersdorf und sein Akzelerator-Programm

Beiersdorf startete Ende 2018 ein Akzelerator-Programm in Seoul, um gezielt innovative Start-ups der koreanischen Beautybranche zu fördern.

Aus über 200 Beauty-Start-ups selektierte der Konsumgüterkonzern zehn Finalisten. Eine internationale Jury wählte bei dem Pitch-Wettbewerb im April 2019 die fünf besten Start-ups. Diese sind in den Bereichen Personalisierung, Beauty Tech, Plattform und Indie Brands aktiv. Im Rahmen des im Juni 2019 gestarteten Akzelerators „NX – NIVEA“ bietet Beiersdorf den jungen Unternehmen eine langfristig angelegte strategische Partnerschaft. Dazu zählen Startkapital, kostenfreie Büros und Hilfe beim Distributionsaufbau. Als Mentoren unterstützen Experten der Bereiche R&D, Supply Chain und Marketing Mentoring. Wir fragten Beiersdorf nach einer besonders interessanten Erfolgsgeschichte aus dem Kreis der koreanischen Start-ups. Der Konzern nannte uns das Start-up LYCL Inc., das die Beauty App UNPA entwickelt hat. In direkter Kooperation mit den Nutzern der App entwickeln sie schnell und mit Erfolg Beauty Produkte und vermarkten diese über digitale Kanäle. Dazu zählt mit Bubi-Bubi Lips eines der erfolgreichsten Lippenpflegeprodukte Koreas.

 

Der dritte Weg: die Kooperation mit Company Buildern

Neben Inkubatoren und Akzeleratoren unterstützen auch Company Builder Start-ups. Sie finanzieren, entwickeln und vermarkten das junge Unternehmen mit einem langfristigen Ansatz. Einem Business Angel ähnlich engagieren sie sich finanziell und mit Know-how. Mitunter entfalten sie selbst eine Idee und suchen sich Gründerteams, die sie umsetzen. Da sie gleichzeitig die Gründung und das Wachstum fördern, kombinieren sie Inkubatoren und Akzeleratoren. Ein bekannter unabhängiger Company Builder ist in Deutschland Rocket Internet. Einige Großkonzerne haben eigene Corporate Company Builder gegründet. Dazu zählen beispielsweise die Deutsche Telekom mit ihrem „Techboost“ oder die Otto Group Digital Solutions des Otto-Konzerns.

Ob sich das Start-up einen Inkubator sucht, ein Akzelerator-Programm durchläuft oder mit einem Company Builder zusammenarbeitet, macht in einem Punkt keinen Unterschied. Die Unterstützer werden für ihr Engagement mit Anteilen am Unternehmen bezahlt. Dabei lassen sich Company Builder im Regelfall die umfangreichsten Mitspracherechte einräumen. Die Anbieter von Akzeleratoren nehmen nicht an unternehmerischen Entscheidungen des Start-ups teil.

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