Insight: Affiliate-Marketing für Indie Beauty Brands

Affiliate-Marketing ist ein weitverbreitetes Tool um ein Produkt zu bewerben und Verkäufe zu steigern. Wir zeigen, wie Indie Beauty EntrepreneurInnen Affiliate-Links und -Plattformen nutzen.

 

Einleitung: Wie funktionieren Affiliate-Partnerprogramme?

Das Prinzip ist simpel: Affiliate-Programme sind wie eine Partnerschaft zwischen einem Verkäufer und einem sogenannten Publisher. Letzteres können Webseiten, Blogs oder auch Instagram-Profile sein. Der Publisher macht dabei Werbung für ein Produkt des Verkäufers oder Anbieters und leitet UserInnen, LeserInnen oder FollowerInnen auf die Webseite dieses Anbieters weiter. Kommt es dann etwa zum Kauf eines Produkts durch die dritte Partei, erhält der Publisher dafür eine Provision. Anders ausgedrückt: Publisher sollen auf ihren Plattformen Werbung machen und konkret zum Produktkauf anregen.

Damit jedoch kontrolliert werden kann, ob und wie viele Klicks (und weitere Aktionen) auf die Werbemaßnahmen des Publishers folgen, bekommen diese vom Anbieter einen individuellen Affiliate-Link. Das ist jener Link, der in die Anzeigen des Publishers oder Advertisers eingebunden wird und auf die Webseite des Anbieters führt. Durch solche Provisions-Modelle entsteht eine Win-Win-Situation für beide Parteien.

„Affiliate-Links sind großartig! Wir hatten einige wichtige Platzierungen in Blogs die zu einer Steigerung an Traffic und Instagram-Followern geführt haben“, so Clearstem Skincare Co-Gründerin Danielle Gronich. „Seit wir mit unserem Affiliate-Programm gestartet sind, konnten wir 60 Ambassadors in nur wenigen Monaten für uns gewinnen und die Verkäufe sind um 20% gestiegen.“ Die Brand nutzt für das Monitoring ihrer Affiliates die Software Refersion. Auch das Label für Haar-Tools und –Extensions, Bombay Hair, verwendet dieses Programm.

Verkaufssteigerung & Zielgruppenanalyse

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Provisionsmodellen: Cost-per-Click, Cost-per-Lead und Cost-per-Sale. Einer der bekanntesten Vertreter von Affiliate-Programmen ist etwa Amazon. In der Modebranche ist Rewardstyle, 2011 von Amber Vez gegründet, wohl das prominenteste Beispiel. Beauty-Händler wie Douglas, Flaconi oder Sephora bieten solche Programme an. In Europa sind Dienstleister wie etwa Rakuten oder DaisyCon oft genutzte Netzwerke für Affiliate-Marketing.

„Affiliate-Links können eine sehr effektive Strategie sein, insbesondere für das Online-Business“, so Garonne Decossard, Gründerin von The Ronnie Shop. „Viele von uns im Beauty-Business operieren gerade nur online aufgrund der Pandemie, und das Aufbauen von Beziehungen für Cross-Marketing kann einen erheblichen Boost in Bezug auf Verkäufe und Neukundenakquise generieren.“

Affiliate-Programme können aber auch noch auf eine andere Art und Weise für Indie Beauty Brands wichtig sein. Enjunaya Canton, Gründerin von Zuhuri Beauty, erklärt: „Heute, in der Ära von Social Media, Cross-Promotions und Partnerschaften, ist es weise, Affiliate-Links nicht nur als potenzieller Sales-Boost zu sehen, sondern auch als Hilfsmittel, um besser zu verstehen, wer die KundInnen sind. Wir denken oft, dass wir die ideale Klientel bereits kennen, aber mit einem sich konstant entwickelnden Markt und COVID-19, wissen wir es eigentlich nicht.“ Sie rät, eine klare Strategie bei Affilitate-Programmen zu verfolgen und sie nicht immer ausschließlich im Hinblick auf Conversion zu betrachtet.

Einige Brands, wie etwa The Sunday Standard, geben ihren Affiliates Wochen Zeit, um die Produkte zu testen, bevor sie diese in ihre Programme aufnehmen. Somit soll sichergestellt werden, dass es hierbei nicht nur zu Schleichwerbung kommt, sondern der Affiliate die Brand wirklich kennenlernt und die Produkte tatsächlich mag. Einen weiteren Tipp gibt Gründerin von Ayanna Beauty, Ayanna Henderson: „Wir haben gelernt, dass es bei Affiliate-Programmen um mehr geht, als ein Investment – gratis Produkte – von der Brand, nämlich auch um qualitativ-hochwertiges Werbematerial.“

Affiliate-Marketing: Die aktuellen Entwicklungen in Deutschland

Da die Tätigkeit von Affiliates auf einer Gewinnerzielungsabsicht beruht, müssen die Werbungen in Deutschland auch als solche gekennzeichnet werden. Eine der größten Herausforderungen ist und bleibt aber dennoch das Thema Datenschutz. Ein neuer Leitfaden vom BVDW erklärt: „Um den Nutzer auch zu einem späteren Zeitpunkt dem ursprünglichen Publisher zuordnen zu können, wird auf der Festplatte des Nutzers durch das Affiliate-System ein Cookie gespeichert. Das Setzen von Cookies ist die am meisten genutzte Methode beim Affiliate Marketing, um eine Transaktion (auch bei zeitversetzter und unterbrochener Interaktivität) dem entsprechenden Publisher zuordnen zu können und die Provisionierung zu gewährleisten.“

Der BVDW kam nun zu dem Entschluss, dass „es sich bei Attribution im Affiliate- bzw. Performance-Marketing um eine Verarbeitung handelt, bei der die Interessen des Nutzers auch bei Einsatz eines Cookies nur minimal betroffen sind.” Durch berechtigtes Interesse, sowohl des Werbetreibenden als auch des Publishers, soll diese Attribution gerechtfertigt werden können.

“Unser Internet besteht nicht nur aus großen Portalen. Eine Vielzahl von kleinen und mittleren Webseiten bildet die Grundlage für Vielfalt und Meinungsfreiheit im Netz, die es gilt, aufrecht zu erhalten. Überregulierungen erschweren die Finanzierbarkeit solcher Projekte und gefährden damit demokratische Grundregeln”, schreibt André Koegler, stellvertretender Vorsitzender der Fokusgruppe Affiliate Marketing im BVDW. “Die Akzeptanz des Zulassens von Cookies ist hoch. Der Gedanke, dass die Gegenleistung des Nutzers in seinen Daten besteht, ist inzwischen durchgedrungen”, heißt es ebenfalls in dem Papier.