Algen: Bahnbrechende Beauty-Ingredients der Zukunft?

Mit Blick in die Zukunft können wir uns auf eines verlassen: Das Thema Nachhaltigkeit wird uns eingehend und immer detaillierter beschäftigen. In diesem Zusammenhang steht die große Frage nach effektiven, ressourcenschonenden und schnell-nachwachsenden Rohstoffen, die sowohl für die Nahrungsmittel- als auch für die Kosmetik-Industrie interessant sind. Hier kommen Algen als bahnbrechende Ingredienzen ins Spiel.

In Margate, knapp zwei Stunden von London entfernt direkt an der Nordseeküste gelegen, hat die britische Indie Beauty Brand Haeckels ihren Sitz. 2012 gegründet, wurde die Marke bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, unter anderem für ihr hochwertiges Design. Doch neben dem chicen, minimalistischen Look und den zu 100 Prozent natürlichen Inhaltsstoffen überzeugt die Brand ihre AnhängerInnen wohl vor allem mit einem ganz speziellen Inhaltsstoff: Seetang. Und dieser wird vom Haeckels-Team selbst per Hand geernet – direkt am Strand, nur wenige Schritte vom Headquarter entfernt. Dort werden schließlich die Produkte mit Namen wie Exfoliating Seaweed Block (eine Seife) oder Algae Plump + B3 (ein Serum) formuliert.

Zwei Prozent der innerhalb von 2011 bis 2015 lancierten Bodycare-Produkte basieren auf Algen

In der Regel hat heutzutage jede große Marke mindestens ein Produkt im Sortiment, das auf der vielversprechenden Wirkungsweise von Algen basiert. Allen voran La Mer, die Brand, die bereits seit 1995 zu Estée Lauder Companies gehört und 2018 die vierte Marke im Firmen-Portfolio wurde, die über eine Milliarde US-Dollar zum Nettoumsatz des Unternehmens beiträgt. Doch auch Bobbie Brown, Origins (beides ebenfalls Firmen von Estée Lauder Companies) sowie Mario Badescu bieten Produkte, die auf den Power-Organismen basieren. Laut Mintel-Report haben rund zwei Prozent aller Bodycare-Produkte, die zwischen 2011 und 2015 lanciert wurden, Algen als Inhaltsstoff enthalten. Fakt ist: Dass diese reich an Antioxidantien, Aminosäuren und Vitamin C sind, die Kollagenbildung der Haut aktivieren und hydratisierend sowie entzündungshemmend wirken können, macht sich die Beauty-Industrie an verschiedenen Stellen zunutze.

Der Ansatz von Haeckels allerdings ist besonders konsequent. Gründer Dom Bridges, einst Filmemacher, hat als ehrenamtlicher Strandwächter in Margate eine ganz besondere Beziehung zur Küste entwickelt. Er begann schließlich mit seiner Frau Jo in seiner Küche mit Seetang und regionalen Pflanzen zu experimentieren. So wurden die ersten Produkte entwickelt, das Unternehmen im nächsten Schritt komplett selbstfinanziert und im vergangenen Jahr eröffnete nun das erste Haeckels Day Spa in Margate. Dem Ansatz, die Küste und das Meer zu bewahren, ist sich der Gründer bis heute treu geblieben: Gemäß dem Rubbish for Products Schema der Brand erhält jeder, der einen Sack Müll, der am Strand aufgelesen wurde, zu einem Haeckels-Shop bringt, einen Rabatt-Code. Das clevere Prinzip funktioniert ganz nebenbei auch digital – per Hashtag #HaeckelsBeachClean auf Instagram. Außerdem werden regelmäßig Beach Cleans durch die Brand veranstaltet.

Der Unterschied: Makroalgen und Mikroalgen

Bei Haeckels kommt überwiegend Seetang als Inhaltstoff zum Einsatz. Er ist auch unter dem Begriff Makroalge bekannt, unter diese Gattung fallen die Braunalge, die Rotalge und die Grünalge. Die Braunalge etwa mit ihren bräunlichen, von Bläschen überzogenen Blättern, beruhigt die Haut, regt die Kollagenproduktion an und hat eine hydrierende Wirkung. Die Grünalge ist ebenfalls ein Feuchtigkeitsbooster und hat darüber hinaus reparierende Fähigkeiten. Die Rotalge verhilft der Haut zu mehr Widerstandsfähigkeit und regt die Produktion von Hyaluronsäure an.

Im Gegensatz dazu stehen die Mirkoalgen, wozu etwa Spirulina und Chlorella gehören. Beide sind aufgrund ihrer Proteine, Mineralien und Spurenelemente als Beauty-Superfoods bekannt, in vielen Supplements, aber auch in Tiegeln zu finden.

Ernährungstrends beeinflussen die Beauty-Welt

Doch nicht nur aufgrund ihrer Beauty-Effekte, sondern vor allem auch mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit sind Algen für die Industrie bahnbrechend: Sie zählen zu den am schnellsten nachwachsenden Organismen unserer Erde. Die Schätzungen gehen auseinander, doch bekannt sind uns heute bis zu 40.000 Arten. Bereits in der Lebensmittelindustrie werden sie immer wieder als Nahrungsmittel der Zukunft gehandelt, weil sie reich an Eiweiß sind und künftig einen Ersatz zur herkömmlichen, klima-unfreundlichen Proteinquellen Fleisch bilden könnten. Das prognostiziert etwa auch die Zukunftsstudie Food Trends für 2030 des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé.

Da der „clean“ Trend bei der Ernährung begonnen und in die Beauty-Branche übergewandert ist, ist es nur naheliegend, dass auch der Wunsch nach innovativen, umweltfreundlichen und nachhaltigen Inhaltsstoffen in der Kosmetikindustrie immer stärker wächst. Dazu hat Mintel ebenfalls Daten ausgewertet: Die Blaualge zählte zu den „Top 3 Skincare Ingredients To Trend 2019“, nachdem 2018 immer mehr Beauty-Unternehmen sie in der Formulierung ihrer Produkte berücksichtig hatten. Auch hier zeigt sich eine Parallele zur Food-Welt: Neben Matcha-Latte tauchte plötzlich der Smurf-Latte auf, ein Getränk, dessen blaue Farbe auf das enthaltene Spirulina-Pulver zurückzuführen ist.

Diese weiteren Indie Beauty Brands setzen erfolgreich auf Algen

Neben Haeckels zählen auch Osea aus Malibu oder Mara aus Los Angeles zu den wegweisenden Indie Brands, die Seetang beziehungsweise Algen in einer Vielzahl ihrer Produkten als Key-Ingredient nutzen und kommunizieren. Osea wurde bereits 1996 lanciert und greift über mehrere Generationen hinweg auf das Wissen um die heilsame Wirkung von Salzwasser und Algen zurück. Mara ist 2017 lanciert worden und geht auf die Faszination von Gründerin Allison McNamara für den Ozean zurück – die Brand zählt bereits Celebrities wie Chrissy Teigen und Olivia Munn zu ihren Fans.

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