Eine Lektion in Rücksicht und Optimismus von Maryll Beaux, Gründerin von Amalthéa

„Positive vibes only“ – so könnte das Motto der französischen Brand Amalthéa lauten, einer jungen Hautpflegemarke, die 2018 von der in Montpellier geborenen Maryll Beaux gegründet wurde. Eigentlich ist das in Paris ansässige Label viel mehr als „nur“ Skincare: Amalthéa folgt einem wirklich holistischen Konzept, wobei das Produkt zwar der Kern, aber eben nicht alles ist. „Einheitlich und konsequent – so beschreiben unsere Kunden die Brand und das schätzen sie auch daran. Ich finde es toll, dass für sie Amalthéa eng mit Werten verbunden ist“, erklärt die Markengründerin. Es sind genau die Werte, die die 31-Jährige aber erst einmal selbst erkennen musste. 

Vor ihrer Selbstständigkeit arbeitete sie nämlich in der Finanzbranche – ein Background, der sich heute bestimmt als hilfreich erweist, aber mit der Zeit unheimlich Druck ausübte: „In meiner Kindheit und Jugend hatte ich immer den Traum, etwas zu schaffen, das einen positiven Einfluss auf die Welt hat. Aber dann passiert das wahre Leben, und ich habe meinen Traum auf Eis gelegt. In der Unternehmensfinanzierung zu arbeiten, wurde dann nach und nach sehr problematisch. Ich war weit entfernt von den Dingen, die im Leben wirklich zählen“, erklärt die Französin. Zu ihrem 30. Geburtstag entschloss sie sich, dies zu ändern und ihr Glück wieder zu finden. „Jeden Morgen beim Aufstehen musste ich mir unsere heutigen drei Ideale wieder beibringen: Vertrauen, Wohlbefinden und Teilhabe. Mit 30 fühlte ich mich auf einmal selbstsicherer – in meinen Zielen und Entscheidungen.“ Sie legte damit den Grundstein für ihre werteorientierte Brand, die Schönheit weit über den normativen Begriff hinaus interpretiert. 

Besonders wichtig für Gründerin Maryll Beaux (rechts): Alle Produkte von Amalthéa sind wiederauffüllbar.

Das fängt schon beim Labelnamen an: Amalthéa war eine griechische Göttin und die Stiefmutter von Zeus. Anders als in den meisten Legenden ist Amalthéa aber eine liebevolle, zärtliche Ziehmutter. In England wird sie gerne als pflegend und hegend beschrieben. Dieses Zarte, Respektvolle, aber dennoch Erzieherische ist genau das, was die Brand erreichen will. „Wir sind nicht nur eine Kosmetikmarke. Es ist ein Weg, auch in Bezug auf die eigene Gesundheit und unsere Umwelt, respektvoller zu konsumieren. Deswegen sind wir eine Direct-to-Consumer-Brand, ohne Zwischenhändler“, erklärt die junge Entrepreneurin.

Dass es bei Amalthéa darum geht, Kunden an die Hand zu nehmen, anstatt ihnen einfach nur Produkte zu verkaufen, zeigen auch die sogenannten „Moments“: „Wir wollten mit der heute gängigen Zwölf-Schritte-Beauty-Routine brechen und haben daraus die vier ,Momente‘ gemacht. Dabei geht es um die Tageszeit, wann welches Produkt aufgetragen werden kann – morgens, abends, vor dem Zu-Bett-Gehen und die Körperpflege nach der Dusche. Der Konsument soll sich diese Zeit für sich ganz alleine nehmen.“ So ist auch die Produktreihe von Amalthéa vereinfacht und übersichtlich: Feuchtigkeitscreme von leicht bis reichhaltig, fünf nährende Öle für Gesicht oder Körper sowie ein Reinigungswasser und ein Öl zum Abschminken.  

In allen Produkten ist die Geheimwaffe des Labels enthalten: auf Pflanzen basierende Öle, hergestellt aus puren Konzentraten aktiver Inhaltsstoffe, vollgepackt mit wertvollen Omega-Fettsäuren und Tocopherol (Vitamin E). Alle Inhaltsstoffe werden von Biofarmern bezogen, sind COSMOS-Bio-zertifiziert, während die Öle in Frankreich hergestellt, kalt gepresst und verpackt werden. „Made in France“ steht dabei für Maryll Beaux als absolutes Qualitätssiegel: „Alle unsere Cremes, Öle, Lotionen und Reiniger werden in einem französischen Labor, das auf natürliche Inhaltsstoffe spezialisiert ist, hergestellt. Sogar unsere kleinen Säckchen aus Bio-Baumwolle, die wir unseren Bestellungen beilegen, werden lokal gefertigt. Das französische Know-how ist einzigartig in der Kosmetikindustrie.“ Doch auch hier trennt sich die Spreu vom Weizen, denn um ein Labor zu finden, das den Vorstellungen der Labelgründerin entsprach, hatte es rund 100 Anläufe gebraucht: „Nur ein einziges von den hundert Laboren, die ich kontaktiert habe, konnte meine Wünsche umsetzten. Ich hatte eine ganze No-go-Liste an Substanzen und einzigartig war auch, dass ich mit pflanzlichen und nicht-ätherischen Ölen arbeiten wollte.“ 

„Alle unsere Cremes, Öle, Lotionen und Reiniger werden in einem französischen Labor, das auf natürliche Inhaltsstoffe spezialisiert ist, hergestellt. Sogar unsere kleinen Säckchen aus Bio-Baumwolle, die wir unseren Bestellungen beilegen, werden lokal gefertigt. Das französische Know-how ist einzigartig in der Kosmetikindustrie.“ – Amalthéa-Gründerin Maryll Beaux

Maryll Beaux‘ Anspruch ist hoch – den an sich selbst, an ihre Produkte und an ihre Marke. So unterstützt sie mit ihrem Label zudem die Maison des Femmes im französischen Saint-Denis, eine 2016 gegründete Initiative, die Frauen hilft, die Opfer von Gewalt geworden sind. „Ich glaube nicht an diese Idee der ,ewigen Jugend‘, also habe ich mich auf die Suche nach wirklich inspirierenden Persönlichkeiten jeden Alters gemacht, die Amalthéa verkörpern. Dabei bin ich auf Ghada Hatem gestoßen, die Gründerin der Organisation. Jeden Tag kämpft sie gegen Geschlechterstereotypen. Sie glaubt daran, dass Gewalt an jenem Tag aufhören wird, an dem Frauen und Männer komplett gleichberechtigt sind. Ich sehe das genauso.“ Optimismus – ist das also der Weg zum Erfolg? Maryll Beaux glaubt: Ja. „Meine Unternehmensgründung lief ziemlich glatt, aber das heißt nicht, dass es einfach war. Einen Tag, bevor wir unsere Boutique in Paris eröffnen sollten, gab es einen technischen Ausfall, und wir hatten kein Licht; alles war kaputt. So kurzfristig konnten wir nicht alles neu ersetzen. Und was haben unsere Gäste bei der Eröffnung gesagt? Dass sie die heimelige, intime Atmosphäre so toll fanden. Das erinnert mich stets daran, in jeder Situation positiv zu bleiben.“