Eigenheim oder Beauty Brand? Gründerin Inna Artemenko entschied sich für letzteres

Risikoavers sind die meisten GründerInnen wohl nicht. Doch Inna Artemenko, Gründerin der Wirkstoffkosmetik-Brand Artlift, setzte vor zwei Jahren alles auf eine Karte. Sie entschied sich gegen den Kauf einer Immobilie und für den Traum der eigenen Skincare-Marke.

Kosmetik-Label statt Immobilie, Bootstrapping statt InvestorInnen: Inna Artemenko ist eine Frau, die immer ihrem Bauchgefühl folgt. Mit 28 Jahren entdeckte sie bei sich die ersten Fältchen und wollte dem entgegenwirken – jedoch ganz ohne Eingriffe und Unterspritzungen. „Botox ist Gift. Wie kann es sein, dass wir im 21. Jahrhundert keine Alternative dazu haben? Dass es keine einzige Pflege gibt, die es schafft, sicher und nachhaltig Falten zu reduzieren?“, wunderte sich Inna Artemenko damals. Jegliche Behandlungen und Produkte, die sie ausprobierte, konnten keine zufriedenstellenden Ergebnisse liefern.

Premium Wirkstoffkosmetik

So begann sie, sich intensiv mit Wirkstoffen zu beschäftigen, las Studien und recherchierte auf eigene Faust. Dabei stieß sie auf den Stoff, Argireline, ein Peptid, der auf die Haut ähnlich wie Botox wirken soll. „Es ist der einzige Wirkstoff, der eine klinisch nachweisliche Faltenreduktion ermöglicht und somit die einzige, schonende Alternative zu Botox“, so die Entrepreneurin. Zu diesem Zeitpunkt lebte Inna Artemenko noch in der Schweiz, plante jedoch, in ihre Heimat nähe Düsseldorf zurückzukehren. „Ich habe mir dann folgende Frage gestellt: Entweder kaufst du dir von deinem Ersparten eine Immobilie, lässt dich nieder, oder du machst etwas Extremes, und gründest deine Brand für Wirkstoffkosmetik“, erinnert sie sich.

Nachdem sie sich eine Dermatologin zu Rate zog und bei einem deutschen Labor nachfragte, ob ihre Pläne umsetzbar seien, entschied sie sich letzten Endes für die eigene Hautpflegemarke. Mit einem fünfstelligen Betrag als Einstiegsinvestment kreierte Inna Artemenko die ersten vier Produkte ihrer Brand für High-Tech-Wirkstoffkosmetik und lancierte im Dezember 2018 Artlift. „Sichtbare Resultate sind mir bei meinem Produkten das Wichtigste“, so die Unternehmerin. Deswegen reiht sich ihre Kosmetik auch in die der Cosmeceuticals ein, also der Schnittstelle zwischen Kosmetika und Pharmazeutika. Inhaltsstoffe wie eben Argireline, aber auch Hyaluronsäure oder Aquaporin kommen zum Einsatz.

Ihr jüngstes Produkt, das Rejuvenation Ceramide Elixier mit Star-Wirkstoff Astaxanthin, war bereits nach drei Tagen ausverkauft. „Ich habe nach einer verunglückten Gesichtsbehandlung starke Verbrennungen im Gesicht gehabt. Mein Arzt meinte, es würde Jahre dauern, bis die Haut wieder ihren normalen Zustand erreiche. Aus Verzweiflung habe ich mein Labor um Hilfe gebeten, und so ist das magische Ceramide Elixier entstanden“, erzählt sie. Nach vier Tagen konnte Inna Artemenko bereits ein deutlich verbessertes Hautbild erkennen. Sie postete das Vorher-Nachher-Foto auf Instagram und das Produkt wurde zum Verkaufsschlager.

Dabei richtet sich Artlift trotz Anti-Aging-Fokus nicht zwangsläufig an eine ältere Zielgruppe: “Anti-Aging fängt schon mit 25 Jahren an. Je später du damit anfängst und je tiefer die Falte liegt, desto schwieriger wird es, sie wieder zu glätten. Das sage ich auch ganz ehrlich bei meinen Produkten von Artlift. Wenn jemand mit 40 Jahren zu mir kommt und sehr tiefliegende Falten hat, wird diese Person das nur mit Wirkstoffkosmetik nicht loswerden”, sagt Inna Artemenko. Eine Minimierung von 30-50% seien jedoch mit der Technologie erreichbar.

Bestseller von Artlift: Das Rejuvenation Ceramide Elixier mit Astaxanthin.
Eigenfinanzierung und Initiative

„Die ersten drei Monate waren hart. Zusätzlich zur Entwicklung kosten ja auch Zertifizierungs- und Stabilisierungstest eine Menge Geld. Es dauerte eine Weile, bis wir die perfekte Rezeptur hatten und auch auf die EU-Genehmigung musste ich acht Monate warten“, sagt sie. Doch die Geduld wurde belohnt. Fast eineinhalb Jahre später ist ihr Sortiment um weitere 11 Skincare-Produkte gewachsen und Artlift konnte sich einen treuen KundInnenstamm aufbauen. Anfangs setze Inna Artemenko noch auf eine reine B2C-Strategie mit eigenem Onlineshop, doch auch hier zeigte sich die Flexibilität der Gründerin: „Als ich zu Beginn gemerkt habe, dass der Andrang ausbleibt, habe ich angefangen, HändlerInnen, Parfümerien und auch Hotels zu kontaktieren.“ Die Cremes, Seren und Co. sind mittlerweile bei Douglas, in ausgewählten Parfümerien und in Kosmetikinstituten zu finden, die ausschließlich mit Artlift arbeiten.

Dabei ist Artlift eine echte One-Woman-Show: Inna Artemenko steuert praktisch alle Bereiche alleine – vom Versand über das Business Development bis hin zum Marketing. Einen Investor oder eine Investorin mit ins Boot zu holen kam für sie bisher nicht in Frage. Zu groß seien da der Druck und das Mitentscheidungsrecht. „Für mich ist es wichtig, dass ich selber viel entscheiden kann und Freiraum habe. Ich möchte innovativ und kreativ bleiben. Ich glaube, ich hätte zu diesem Zeitpunkt ein Problem damit, wenn jemand externes einsteigt. Somit investiere ich nur das, was ich auch selber habe.“

Unterstützung erhält sie in besonders turbulenten Zeiten von ihrer Mutter und ihren Schwestern, die gerne mal mithelfen, wenn zwei Hände nicht ausreichen. Ihre vorherige professionelle Laufbahn kommt ihr ebenfalls zugute: Die Entrepreneurin war bei einem Google Partner-Konzern als SEA Managerin tätig, kennt sich also im strategischen und operativen Digital-Marketing bestens aus. Praktischerweise betreute sie dort auch einen großen Beauty-Kunden.

“Ich wüsste: Du hast es versucht.”

„Ich würde allen Neu-GründerInnen raten, sich einen Businessplan zu erstellen. Man muss sich stets im klaren darüber sein, über wie viel Eigenkapital man verfügt, wie rentabel die Geschäftsidee ist. Bei einer SWOT-Analyse habe ich geschaut, was meine Schwächen sind und ob ich diese outsourcen kann. Meine Stärken sind wiederrum auch die Bereiche, wo ich Geld sparen kann“, erklärt sie. Geduld zu haben und sich auf die eigene, innere Stimme zu verlassen, haben der Unternehmerin zusätzlich bei ihrem Beauty-Abenteuer geholfen. Ihre Entscheidung hat sie auf dem Weg nie angezweifelt. „Ich war mir einfach immer sicher, dass ich das mit meinen Mitteln hinbekomme. Natürlich habe ich darüber nachgedacht, was schlimmstenfalls passieren kann. Auch wenn ich gescheitert wäre, wüsste ich: Du hast es versucht.“

Hero Images Courtesy of Artlift

 

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