Beauty Start-up Ave + Edam gewinnt Award für bestes Skincare-Produkt

Am 15. Mai verlieh das Branchenmagazin Cosmetics Business die alljährlichen Pure Beauty Global Awards. Unter den GewinnerInnen: Indie Beauty Brands aus DACH!

Dass personalisierte High-Tech-Beauty nicht nur ein vielversprechendes Konzept in der Theorie ist, sondern auch in der Praxis KundInnen überzeugt, das beweist die Berliner Brand Ave + Edam jetzt erneut: Das 2018 gegründete Beauty-Label gewann den Pure Beauty Global Award von Cosmetics Business in der Kategorie „Best New Skin Care Product“. 631 Produkte aus 39 Kategorien und 33 Länder werden von einer Jury auf Leib und Seele über mehrere Monate hinweg getestet. Im Panel sitzen etwa British Beauty Council CEO Millie Kendall, Senior Beauty Editor von WGSN Beauty Theresa Yee oder Vivienne Rudd, Director of Innovation & Insight, Beauty and Personal Care bei Mintel.

Die Berliner Skin-Care Brand Ave + Edam, die Beauty Independent hier bereits im Januar gefeatured hat, konnte sich gegen die Mitstreiter durchsetzen und sicherte sich den Award für das beste neue Hautpflege-Produkt. 2019 gewann das von Dr. Franziska Leonhardt, Kosmetikforscherin Shirin Navab und Informatiker Prof. Dr. Dominik Michels gegründete Unternehmen bereits die #FORWARDBEAUTYChallenge von Douglas. Der Aufstieg von personalisierbarer Pflege ist seit einigen Jahren spürbar und scheint nun immer mehr Einzug in die Beauty-Routinen vieler zu halten.

„Customizable“ ist nicht nur eine weitergedachte, logische Entwicklung der bisher angebotenen Hautpflege, die verspricht, viel präziser auf die Bedürfnisse der eigenen Haut einzugehen, sondern hat auch einen weiteren Vorteil im Kontext des aktuellen Zeitgeschehens: Aus Sicherheits- und Hygienegründen verschwinden Produkttester allmählich aus den Geschäften; in den meisten Läden können KundInnen die Kosmetika nicht mehr ohne weiteres nach Lust und Laune ausprobieren. Sie müssen einzig und allein auf die Beratung im Store vertrauen und darauf, dass sie empfohlene Pflege dann auch wirklich passt. Bei personalisierter Skin-Care, die mithilfe eines Fragebogens sowie einem Algorithmus bestimmt wird, fallen diese Bedenken weg. Darüber hinaus werden die Cremes von Ave + Edam fünf bis zehn Tage nach dem digitalen Hauttest produziert und zu den KundInnen nach hause geliefert. Lange Lagerhaltung und übermäßige Konservierung werden so vermieden – das gibt den KonsumentInnen zusätzlich das Gefühl einer „sicheren“ Kosmetik.

Ebenfalls Sieger: Deo-Brand Ben & Anna aus Deutschland

Auch ein weiteres Indie-Label aus Deutschland, genauer gesagt aus Kassel, konnte die Jury überzeugen: Ben & Anna – eine Brand für Naturdeos. Nachdem das Paar hinter dem Label den Großstadtdschungel Berlins gegen die ländliche Heimat in Hessen austauschte, waren sie auf der Suche nach einer veganen, nachhaltigen und aluminiumfreien Alternative zu herkömmlichen Deodorants. Sie fanden jedoch nichts, was ihren Erwartungen entsprach, und entschlossen sich die Produkte selbst herzustellen. Sieben verschiedene Duftrichtungen gibt es für die Deostick-Version auf Soda-Basis in der FSC-zertifizierten Papiertube – etwa Persian Lime, Nordic Timber oder auch Vanilla Orchid. Den Preis für „Best New Sustainable Skin & Body Care Product“ heimste jedoch die Variation in Pink Grapefruit ein.

Label to Watch: The Inkey List

Zwar nicht aus DACH, aber dafür nicht weniger vielversprechend, ist The Inkey List aus Großbritannien. 2018 von Colette Newberry und Mark Curry gegründet, setzt The Inkey List auf vereinfachte, KonsumentInnen-orientierte Skin-Care in hoher Qualität zu erschwinglichen Preisen. Das Label will „Hautpflege demokratisieren“, heißt es in einem Interview mit Vogue. Der Name bezieht sich auf einen in der Industrie verwendeten Begriff für die Inhaltsstofflisten auf Beauty-Produkten. Bei The Inkey List geht es nämlich nicht um sich überschlagende Marketingversprechen, verlockende Produktnamen oder unverständliche Zutatenauflistungen. Die Produkte beschränken sich lediglich auf das, was drin ist – und heißen meist auch so: Retinol, PHA Toner, Niacinamide, Oat Cleansing Balm, Q10, Bakuchiol Moisturizer. Transparenz und eine unmittelbare Verständlichkeit will das Label so gewährleisten.

Look und Grundkonzept erinnern unausweichlich an The Ordinary, doch Newberry und Curry möchten einen wesentlichen Unterschied unterstreichen: „Wir lieben, was The Ordinary geschafft hat – Premium-Produkte zu kreieren und diese zu einem niedrigeren Preis anzubieten […] doch wir hatten das Gefühl, dass es immer noch eine Lücke gibt, die wir füllen wollten. […] Was in der Industrie bislang fehlte, war Zugriff zu verständlicher Information. Wir haben viel recherchiert und herausgefunden, dass Tausende von Menschen Interesse an Skin-Care haben, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Es gibt zu viele Fragen. ‚Wie funktioniert eigentlich Vitamin C bei meinem Hauttyp? Kann/sollte dieses Produkt ein anderes, das ich bereits verwende, ersetzen? Wann genau verwende ich dieses Produkt?’ Die Menschen sind verwirrt. Retinol zu einem Preis von 6 Pfund anzubieten ist fantastisch – aber nicht, wenn KonsumentInnen nicht wissen, wie sie es anzuwenden haben.“

Bislang ist The Inkey List in den USA bei Sephora und über die eigene Webseite für Großbritannien erhältlich. Für den deutschen Markt – auch das war bei The Ordinary anfangs so – ist dies bestimmt nur noch eine Frage der Zeit.

Herco Pic Courtesy of Reichert+ Communications