Beauty Start-ups bei „Die Höhle der Löwen“

Umsatzsteigerung, Business-Anfragen, neue GeschäftspartnerInnen – die TV-Show „Die Höhle der Löwen“ hat seit ihrer Erstausstrahlung 2014 so einigen Start-ups Schwung verliehen. Denn GründerInnen, die hier ihre Ideen vor den Investoren pitchen, erhalten nicht nur die Chance auf eine Finanzspritze und Unterstützung durch Experten-Know-how, sondern auch große Aufmerksamkeit von Medien und potenziellen KundInnen. Wir haben bei den drei Beauty-Brands Mimik Skincare, Strong Fitness Cosmetics und Elixr for Beauty + Mind nachgefragt, welche Benefits und welche Learnings sie aus dem TV-Auftritt mitgenommen haben.

 

2,20 Millionen Zuschauer haben laut offiziellen Zahlen des Senders Vox eingeschaltet, als Mitte März die Auftaktfolge der neuen Staffel von „Die Höhle der Löwen“ ausgestrahlt wurde. Direkt in der ersten Sendung mit dabei: Mimik Skincare. Die Beauty Brand aus Berlin ist Ende 2018 mit ihrer individualisierbaren Gesichtspflegeserie online gegangen. KundInnen können hierbei zwischen verschiedenen Basis-Cremes, speziellen „Boostern“ für diverse Hautbedürfnisse, sowie Düften wählen und sich so ihre Pflege gemäß persönlicher Präferenzen selbst zusammenstellen. 

 

Mit ihrer Idee überzeugten die Gründer Unternehmerin und Investorin Judith Williams in der Show. Allerdings ist nach Gesprächen im Anschluss der TV-Aufzeichnung dann doch keine Zusammenarbeit zustande gekommen. „Das Team von Judith Williams war sehr nett, aber am Ende konnten wir uns leider auf keine einheitliche Marschrichtung einigen“, erzählt Maximilian Winkler, der gemeinsam mit seinem Vater Andreas die Idee zur Marke entwickelt hat. Auch wenn sie weiterhin nun ohne InvestorIn unterwegs sind, hat Mimik Skincare in vielerlei anderer Hinsicht vom TV-Auftritt profitiert: Innerhalb von zwei Tagen nach Ausstrahlung der Folge konnte das Start-up die rund 20-fache Menge an Bestellungen wie sonst in einem Monat verzeichnen. Feedback kam von allen Seiten. Positiv wie negativ berichtet Maximilian Winkler: „Von ‚braucht die Welt nicht’ über ‚mega’ bis hin zu sehr konstruktiven Vorschlägen und hilfreichen Hinweisen, zum Beispiel zum Wording auf unserer Webseite.“ 

 

Credit: TVNOW Bernd Michael Maurer2
Maximilian Winkler und Sandra Zerbe präsentieren zusammen mit ihren Mitgründern “Mimik Skincare”, eine individualisierbare Gesichtscreme. Investorin Judith Williams (M.) nimmt das Produkt genau unter die Lupe.

 

Eine Chance: Community-Management auf Social Media

Zwar waren die Gründer auf einen Ansturm vorbereitet, doch dass sie das Telefon zwischenzeitlich ausschalten würden, um sich auf alle schriftlichen Anfragen konzentrieren zu können, hätten sie nicht erwartet. Viele Nachrichten kamen per Mail und besonders über Social Media. Dabei hat das Team von Mimik Skincare nicht nur die Kommentare auf den eigenen Kanälen im Blick gehabt, sondern auch den Moment genutzt, um Kommentierende etwa auf dem Account von „Die Höhle der Löwen“ und darüber hinaus abzuholen. Das größte Learning aus dem TV-Auftritt? „Dass wir scheinbar den Nachhaltigkeitsaspekt unserer Brand stärker kommunizieren müssen. Insbesondere dahingehend kam Kritik. Dabei bestehen unsere Tiegel zu 80 Prozent aus recyceltem Glas und das gesamte Sortiment ist frei von Mikroplastik“, sagt Maximilian Winkler. 

 

Jennifer Lapidakis, Gründerin der Make-up Brand Strong Fitness Cosmetics, hat bereits im vergangenen Jahr bei „Die Höhle der Löwen“ gepitcht. Seit dem Launch in 2016 arbeitet sie beständig an Erfolg und Wachstum ihrer Marke rund um wasser-, schweiß- und wischfeste Kosmetikprodukte. 2019 machte sie knapp eine Million Euro Umsatz. Obwohl Jennifer Lapidakis schon viele Kontakte zu Investoren und Unterstützern hatte, stellte sie sich der Herausforderung, ihre Idee auch noch einmal vor fünf weiteren potenzielle Business-PartnerInnen – und im selben Zuge vor einem TV-Publikum zu präsentieren. „Ich habe ‚Die Höhle der Löwen’ als eine Art Test gesehen. Ich wollte einfach für mich selbst diese Challenge annehmen und schauen, wie mein Business-Case ankommt. Für mich war klar: Ich werde mich da nicht mit Lampenfieber durchquälen, sondern sehe es als geschäftliche Verhandlung“, erzählt die Gründerin. 

 

Umsatzplus in Höhe des Jahresumsatzes von 2018

Genau wie Maximilian Winkler lässt auch sie durchblicken, dass der reale Pitch am Ende natürlich sehr viel mehr Zeit in Anspruch genommen hat, als der Zusammenschnitt im TV vielleicht vermuten lässt. Der Tag sei lang und werde fast durchgängig von Kameras begleitet. „Ich habe versucht, mich immer wieder ein bisschen zurückzuziehen. Als Unternehmerin habe ich schon in der Vergangenheit gelernt, dass es rein gar nichts bringt, zu viel Nervosität oder gar Zweifel zuzulassen. Ich habe mir immer gesagt: ‚Ich kenne mein Business, weiß, was ich wert bin – egal, wie viele Kameras auf mich schauen oder wie mein Auftritt letztlich geschnitten wird’“, erzählt Jennifer Lapidakis. 

 

Gründerin Jennifer LapidakisCredit: Strong Fitness Cosmetics
STRONG fitness cosmetics Gründerin Jennifer Lapidakis

 

Für die Investoren war ihre Brand interessant: Sie erhielt jedoch ein Angebot, bei dem sie einen höheren Prozentsatz an ihrem Unternehmen hätte abtreten sollen, als sie ursprünglich bereit war. Sie lehnte ab. Dafür lernte sie aber infolge des TV-Auftritts ihren jetzigen COO und Co-Founder Bernd Seelinger kennen, der zuvor bereits Positionen bei Shiseido, Coty und Procter & Gamble bekleidet hatte. Neben den äußerst positiven Verkaufszahlen – „Wir haben an jenem Abend in drei Stunden denselben Umsatz gemacht wie im gesamten Jahr 2018“ – sei die große Resonanz vor allem mit Blick auf den Marketing-Bereich für das Unternehmen interessant gewesen. „Wir haben sehr viel gelernt, wer über unsere Kernzielgruppe hinaus noch unsere Zielgruppe sein kann – ProfisportlerInnen, Frauen, die unter Akne leiden, Personen, die beruflich bedingt oder auch bei einer Urlaubsreise einer höheren Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sind… Mit all diesem Wissen können wir effizienteres Marketing betreiben. Denn es ist bei einem B2C-Produkt im E-Commerce ein wichtiger Schlüssel, dass du deine Zielgruppe kennst“, sagt Jennifer Lapidakis.

 

150.000 Euro für 25 Prozent der Firmenanteile

Schon vor „Die Höhle der Löwen“ war Strong bei Douglas sowie Rossmann gelistet, nun finden Gespräche mit Sephora oder auch SportScheck statt und der Launch bei Zalando Beauty steht kurz bevor. Inzwischen sind zudem mehrere InvestorInnen beziehungsweise Business Angels mit an Bord, darunter unter anderem Lea-Sophie Cramer, Gründerin von Amorelie, Delphine Mousseau, ehemalige Vice President bei Zalando, sowie Beate Fastrich, die sieben Jahre lang Geschäftsführerin der Estée Lauder Companies Deutschland war. Außerdem berichtet Jennifer Lapidakis, dass es auch auf internationaler Ebene möglichen GeschäftspartnerInnen imponiert habe, als sie hörten, dass die Gründerin bei der deutschen Version von „Shark Tank“ oder „Dragons’ Den’“ dabei war. 

Der Pitch von Jenny und Philipp Rathgeber, das Ehepaar hinter der 2017 gegründeten Brand Elixr for Beauty + Mind, wurde ebenfalls im Herbst vergangenes Jahres ausgestrahlt. In der Show konnten die beiden Judith Williams mit ihren ayurvedischen Mundziehölen überzeugen, die auf Sonnenblumen- oder Sesamöl sowie ätherischen Ölen basieren. Judith Williams hat 150.000 Euro gegen 25 Prozent der Firmenanteile in die Marke investiert. Einige Monate später wurde das Sortiment bereits um eine Reihe ätherischer Öle zu Zwecken der Aromatherapie erweitert. Im April lanciert Elixr Seifen und auch schon für den Winterbeginn 2020 sind neue Produkte geplant. Über die Zusammenarbeit mit der Investorin berichten die Gründer: „Judith ist eine absolute Ikone im Bereich Beauty. Sie bringt frischen Wind hinein und hilft uns insbesondere bei Neuentwicklungen von Produkten. Sie hat ein sehr feines Gespür und weiß, was funktioniert und was nicht.“

 

Mann und Frau sitzen am Schreibtisch vor einem LaptopCredit: Elixir
Elixr Gründer Jenny und Philipp

 

Erst 20.000 Euro Umsatz, dann knapp zwei Millionen

2019 hat die Brand mehr als zwei Millionen Euro Umsatz erzielt – ein enormes Wachstum im Vergleich zu den Zahlen von 2018: Damals lag der Umsatz bei rund 20.000 Euro. Direkt nach Ausstrahlung der Sendung haben sie sich vor der hohen Nachfrage kaum retten können, erzählen die beiden. „Der Ansturm war so groß, dass wir direkt am nächsten Tag nachproduzieren mussten. Bei uns ging es mehrere Wochen richtig hoch her, und da wir ein kleines Team sind, mussten wir ganz schön kämpfen, um mit allem fertig zu werden.“ Ihre Produkte gibt es unter anderem bei Alnatura oder dm zu kaufen.

Jenny und Philipp Rathgeber haben lange mit sich gehadert, ob sie mit ihrem Unternehmen tatsächlich in die Show gehen sollen. Ihre Geschäftsidee nicht nur vor InvestorInnen, sondern gleich vor einem Millionenpublikum präsentieren? Heute sind die beiden froh, sich der Herausforderung gestellt zu haben. Ihren Pitch haben sie sich im Vorfeld an die hundertmal gegenseitig vorgesagt, erinnern sich die Gründer. Und aus dem TV-Auftritt haben sie zwei wesentliche Dinge mitgenommen: „Erstens: Wenn du für etwas brennst, dann kannst du es auch mit solcher Begeisterung rüberbringen, die sich auf andere überträgt. Zweitens: Wenn du dich etwas nicht traust, mach es trotzdem. Manchmal heißt es tatsächlich einfach Augen zu und durch.“

 

Hero Pic courtesy by TVNOW-Bernd-Michael Maurer