Der eigene Salon: Carolin Skorbier von Beauty Carousel zeigt, wie es geht

Aufgeben ist keine Option, zumindest war es nie eine für die in München lebende Unternehmerin Carolin Skorbier. Mit ihrem Beauty Carousel hat sich die gelernte Friseurmeisterin ihr größtes Herzensprojekt erfüllt: ein neuartiges Schönheitskonzept, in dem Kundinnen einen Look von Kopf bis Fuß in nur 60 Minuten erhalten. Das klingt alles erst einmal traumhaft, doch auch Carolin Skorbier hat einige Hürden meistern müssen, bevor sie ihren Laden in der Leopoldstraße 154 eröffnete. Mehrmals versuchten Investoren und ihr Umfeld sie davon zu überzeugen, ihr Business umzudenken, sich komplett neu zu orientieren oder einen Plan B parat zu haben. Den hatte – und wollte – die Zweifachmutter aber nicht. Mit Beauty Independent sprach sie über die Umsetzung ihres weltweit einzigartigen Salons, was sie heute anders machen würde und in welche Richtung sich das Beauty Carousel in Zukunft drehen soll.

 

 

Vom Traum zu Papier: So gelang Carolin Skorbier der Neustart

„Wenn du viel willst, musst du viel geben“, so Carolin Skorbier, die bis heute nach diesem Prinzip lebt und arbeitet. Fünf Jahre lang führte sie in Bogenhausen ein kleines doch erfolgreiches Beautystudio, das auf Intimität und Zweisamkeit basierte. „Es war wie ein VIP-Service und ich habe es sehr gerne gemacht. Doch irgendwann habe ich mir die alles entscheidende Frage gestellt: ‚Will ich das noch die nächsten dreißig Jahre so weiterführen?’“ Im Mai 2016 entschied sich Carolin Skorbier daraufhin ihr Business zu verkaufen und musste sich zunächst komplett neu finden. „Ich bin tatsächlich erst einmal in ein Loch gefallen. Auch, weil ich damals noch nicht in Worte fassen konnte, was es ist, das mir da im Kopf rumschwirrt.“

Ein simples, aber intensives Brainstorming half ihr dabei, ihre Gedanken und Ideen zu sortieren. „Ich habe mich ganz einfach gefragt ‚was will ich?’ unabhängig davon, ob es realisierbar ist oder ob es das schon gibt. Ganz in der Mitte stand in großen Lettern ‚Ich möchte ein Unternehmen, das auf der ganzen Welt bekannt ist’.“ Zugute kam Carolin Skorbier bei ihrer Suche nach einer neuen Geschäftsidee ihre bisherige Karriere. Sie evaluierte früheres Kundenfeedback, analysierte den Markt, notierte sich Defizite – ging also strukturiert und strategisch vor – und strich am Ende alle Begriffe von der Liste, die sie als unwichtig empfand.

 

Beautysalon von Beauty Carousel mit Stühlen und Ansicht des Salon in Weiß und Rosacourtesy of Beauty Carousel
Ein Traum in Weiß und Rosa: Das Interieur von Beauty Carousel ist in zarten Farben gehalten und kombiniert romantische Elemente mit modernen Komponenten.

 

„Als ich meinem Mann dann versucht habe, meine Idee zu erklären, war das für ihn einfach nur konfus. Er verstand den Zusammenhang nicht“, erzählt Carolin Skorbier heute lachend. Doch genau aus diesem Gespräch heraus entwickelte sich der ausschlaggebende Begriff. „Ich sagte: ‚Weißt du, eigentlich wie in einem Carousel’ – und da wusste ich, dass ich meine Idee gefunden hatte.“ In dieser Nacht träumte die Entrepreneurin sogar von ihrem heute realen Beauty Carousel: dem Design, den Lichtelementen, den Proportionen und dem ganzen Look and Feel. „Mir wurde alles schlagartig klar, so als hätte ich einen 500-seitigen Businessplan soeben in meinem Kopf zusammengestellt.“ Sie zeichnete sogleich die erste Skizze ihres Karussells auf Papier und arbeitete in einem nächsten Schritt mit jemandem zusammen, der ein Rendering, also ein fotogetreues 3D-Bild, davon anfertigte. „Mit meiner amateurhaften Skizze konnte ich ja nicht der Bank oder Investoren gegenübertreten. Ich wollte, dass sie sich diesen Raum bis ins Detail visuell vorstellen konnten.“

 

Beharrlichkeit beim Pitchen des Konzepts

14 Mal habe Carolin Skorbier ihre Businessidee gepitcht und 14 Mal erhielt sie eine Absage. „Es war sehr frustrierend, weil ich den Leuten, die mir gegenüber saßen, genau ansehen konnte, dass sie meine Idee gut fanden. Es scheiterte jedes Mal in der nächsten, zweiten Phase. Man fühlt sich machtlos und erlebt einen totalen Kontrollverlust“, beschreibt die Gründerin ihre Erfahrung. Grundsätzlich findet Carolin Skorbier, dass es EntrepreneurInnen in Deutschland erschwert würde, ihr Business in die Realität umzusetzen. Die Politik beschwere sich über zu wenig Entwicklung, doch stelle sie Gründern Steine in den Weg. „Irgendeine Person, die nicht mal beim Gespräch dabei war, entscheidet darüber, ob ich als Gründer einen Kredit bekomme oder nicht. Wir müssen wieder menschlicher werden“, findet sie.

Bank Nummer 15 glaubte schließlich an Carolin Skorbier und ihre Idee. „Ich wusste, dass dieser Zeitpunkt, dass dieser Tag kommen würde. Auch, wenn ich damals mit diesem Gedanken so ziemlich die Einzige war.“ Oft hieß es aus ihrem Umfeld, sie solle doch „etwas anderes machen“. Doch das wollte die Mutter eines zwölfjährigen Sohnes und einer zehnjährigen Tochter nicht. Und Recht sollte sie behalten. Heute ist sogar eine der Bankmitarbeiterinnen, die ihr damals kein Kredit gab, Kundin im Beauty Carousel. Seit März 2019 hat der außergewöhnliche Salon geöffnet und heißt KundInnen allen Alters willkommen. Besonders gefragt ist die Location für Geburtstage oder Junggesellinnenabschiede. Denn wo sonst beginnt eine Behandlung mit Kirmes-Musik und Lichtspielen und dreht sich der Sessel alle 20 Minuten im Kreis weiter? „Es ist eben ein Erlebnis“, so Skorbier.

 

Materialkosten so gering wie möglich halten

89 Euro kostet das sechzigminütige Allround-Treatment im Beauty Carousel. Darin enthalten sind drei von vier möglichen Services: Frisur, Make-up, Maniküre oder Pediküre. Ein demokratischer Preis, der deutlich unter dem aktuellen Marktangebot liegt. Doch wie kann die Unternehmerin diesen niedrigen Preis gewährleisten? „Grundsätzlich muss man sich als Gründer immer im Klaren darüber sein, was der Kostenapparat ist. In dieser Rechnung stehen ganz oben meist die Materialkosten, die den Angebotspreis in die Höhe treiben. Meine Idee war es also, Firmen dazu zu bringen, uns ihre Waren umsonst zur Verfügung zu stellen“, erklärt die Salonbesitzerin. Nur so könne sie die Serviceleistung kostengünstig anbieten und jedem ermöglichen, sich das Treatment auch zu gönnen. Um dies zu schaffen, arbeitet Skorbier mit ausgeklügelten Werbeideen, nutzt intensiv Social-Media-Kanäle und bietet ihren Laden als Eventräumlichkeiten für Brands und Start-ups an. „Da wir hier eine einzigartige Location haben, ist es für alle Gruppen interessant: Endkonsumenten, Blogger, Presse und demzufolge auch Kooperationspartner. Frequenz bedeutet Umsatzpotenzial und dies wiederrum Sponsoring-Potenzial.“

Wie sie Werbung subtil in das Gesamtkonzept integriert, zeigt sich in der Verwendung der Monitore im Beauty Carousel: Über die Salon-App können KundInnen selbst entscheiden, ob der vor ihnen angebrachte Monitor als Spiegel genutzt werden oder ausgeschaltet bleiben soll. Ist dieser aus, wird darüber Werbung der Produktpartner abgespielt, so etwa für die Pinsel von Jacks Beauty Line. Skorbier entwickelt dadurch eine Win-Win-Situation für alle Parteien: Die Brands profitieren von der gratis Produktplatzierung, sie kann ihre Materialkosten gering halten und KundInnen können sich die Leistungen für einen angemessen Preis leisten.

 

Kontinuierlicher Ausbau und flexible Strukturen

Vier Mitarbeiterinnen beschäftigt Carolin Skorbier aktuell. Bei zwei KundInnen pro Stunde sind das insgesamt und im Idealfall 16 am Tag. Dass da noch Luft nach oben ist, ist der Unternehmerin bewusst: „Wir befinden uns momentan noch in einer Testphase. Ich muss zuerst alle Eventualitäten ausprobieren um zu schauen, ob das wirklich so funktioniert, wie ich mir das vorgenommen habe.“ An Freitagen und Samstagen sei der Salon völlig ausgelastet,  dienstags und mittwochs die Frequenz noch nicht optimal. Daran will Carolin Skorbier arbeiten. Generell ist ihr wichtig, kein Business zu führen, das in Stein gemeißelt ist. Dafür habe sie sowieso noch viel zu viele Ideen für die weitere Entwicklung ihres Geschäftsmodells. „Die Dienstleistungen im Beauty Carousel werden wir in Zukunft erweitern und diese sollen auch trendbasierter werden. Alles, war der Beauty-Markt heute und zukünftig zu bieten hat, wird hier zu finden sein“, sagt sie.

 

Rosa Beauty-Salon mit Werbemonitoren an einer Säule von Beauty Carouselcourtesy of Beauty Carousel
Ein cleveres Werbekonzept sind die Monitor im Beauty Carousel: Über die Salon-App können KundInnen selbst entscheiden, ob der vor ihnen angebrachte Monitor als Spiegel genutzt werden oder ausgeschaltet bleiben soll.

 

Ihre Motivation, ein international bekanntes Unternehmen zu etablieren, hat die Münchnerin dabei stets im Blick. „Ich weiß, dass das, was ich bisher geschafft habe, nur ein Zentimeter auf dem Meterstab ist. Doch ich weiß genauso, dass es eigentlich unmöglich war“, so Skorbier. Momentan arbeitet sie fokussiert daran, das Beauty Carousel für Deutschland markttauglich zu machen, um es dann als Franchise zu verkaufen. Ihr Traum ist es, das Karussell in den USA und Asien zu sehen, oder an Flughäfen, etwa in Frankfurt oder München. „Alle behaupteten, ‚wenn so etwas funktioniert, dann in München’. Das stimmt aber nicht. Ich sage eher: Wenn es in München funktioniert, funktioniert es auf der ganzen Welt.“

Ob sie rückblickend auf ihrem bisherigen Weg etwas anders machen würde? Ja. Von der halben Million Euro Startkapital würde Skorbier 50.000 in gezielteres Marketing investieren. „Ich war da etwas naiv und dachte, dass sich das Konzept anhand seiner Neuartigkeit schneller herumspricht und bekannter wird“, gesteht sie. Doch jeder Kunde der zur Tür des Beauty Carousel reinkomme bringe sie einen Schritt weiter zum Ziel und habe das Potenzial am Ende der entscheidende Faktor zu sein, dass das Konzept auch international funktioniert. Denn, so empfindet Carolin Skorbier selbst: „Der Weg ist nicht das Ziel. Das Ziel ist das Ziel.“

 

HERO PIC COURTESY BY BEAUTY CAROUSEL