Beauty im Abonnement:
Ein Potenzial für Indie-Brands?

Abiby, Beautypie, Birchbox, Petit Vour, Boxycharm, Glossy Box, Ipsy, Lookfantastic  – sogenannte „Beauty Subscription Boxes“ sind in aller Munde und überströmen den Markt. Neu ist das Abo-Konzept nicht, doch erlebt die Dienstleistung gerade wieder ein Comeback. Und gerade für Indie-Brands können sie die Chance auf Wachstum und Bekanntheitssteigerung bedeuten.

 

Ein übersättigter Markt, Entscheidungsmüdigkeit bei den KonsumentInnen oder zu wenig Zeit, um durch die gesamte Beauty-Selektion in den Shops zu stöbern – all dies sind Gründe, warum Beauty im Abonnement momentan wieder hoch im Kurs ist. Es ist als Otto Normalverbraucher deutlich schwerer geworden durch die enorme Auswahl an Tuben, Tiegel und Flacons zu navigieren. Bei vielen Händlern und Beauty-Ketten ist das Angebot so groß und teilweise unübersichtlich, dass auch immer ein gewisses Level an „FOMO“ mitschwingt – also die Angst, etwas und in diesem Fall etwas Besseres zu verpassen. Natürlich gibt es Personal, das einem beratend zur Seite steht oder das zumindest sollte. Im Falle zweier quasi identischer Cremes können aber auch MitarbeiterInnen nur selten wirklich erklären, welche denn nun „besser“ für den Kunden bzw. die Kundin ist. Am Ende entscheidet meist der Preis.

Da kommt so eine Beauty Box natürlich gelegen: Meist birgt ihr Inhalt 3 bis 6 unterschiedliche Produkte in Original- und Probiergröße. Das lässt Spielraum und ermöglicht KundInnen, neue Trends oder Formulierungen zu testen, bevor sie sich kopfüber in ein neues Beauty-Programm stürzen. Und gerade bei Pflegeprodukten braucht die Haut schließlich einige Tage, um die Kompatibilität zu offenbaren. Auch preislich bieten die Abos, zumindest auf den ersten Blick, einen Vorteil: Sie bewegen sich zwischen circa 15 bis 30 Euro pro Monat. So gesehen kein schlechter Deal. Zudem ist eine Beauty Box auch immer ein bisschen wie ein Schachtel Pralinen: Die Ungewissheit über die zugesandten Produkte ist wesentlicher Teil des Konzepts und trägt zum „Geschenk“-Effekt bei.

Kleine Pappkartons von Abiby mit Beautyproduktencourtesy of Abiby
Abiby bietet Beauty im Abo und in Boxen aus recyceltem und recyclbarem Pappkarton.

 

Gerade für Indie-Brands birgt der Beauty-Abo-Service ein hohes Potenzial: KonsumentInnen werden unmittelbar auf neue Marken und Produkte aufmerksam gemacht. Einige der Unternehmen werben sogar damit, dass sie neuartige, junge Labels aufspüren und diese in ihre schicken Kisten packen, so etwa Abiby. „Unsere Kunden lieben es, bahnbrechende und innovative Produkte zu entdecken“, sagt Mario Parteli, Co-Gründer des italienischen Beauty-Abo-Services. Eine der Missionen sei es, den AbonnentInnen aufstrebende Beauty-Marken aus der ganzen Welt nach Hause zu liefern. So stecken in jeder Box des Anbieters mindestens 3 Newcomer-Labels.

Abiby funktioniert ebenfalls nach dem Überraschungsprinzip: Die 3 bis 5 Produkte in den monatlichen Boxen sind für NutzerInnen nicht frei auswählbar, lediglich Premium-AbonnentInnen dürfen sich eine der vorgestellten Marken aussuchen beziehungsweise vorher schon erfahren. Laut des Anbieters erreicht eine Box einen Handelswarenwert von rund 90 Euro, wobei jede zwei Produkte in Originalgröße enthält. Marken wie Dr. Botanicals, Monu Skincare, Vitamasques, Skin Regimen, Beauty Papier oder Hair Burst wurden bereits an Abiby-KundInnen verschickt.

 

Eine Chance für Newcomer

„Aus der B2B-Perspektive bietet Abiby neuen Labels die Möglichkeit, in den italienischen Markt einzudringen, eine höhere Markenbekanntheit zu erreichen und so Verkäufe zu generieren“, erklärt Mario Parteli. Die Anforderungen an die Brands sind an zeitgemäße Standards angepasst: „Wir sind eine unabhängige Brand und folgen einem „cleanen“ Ansatz. Unsere Kartons werden aus recycelter und recycelbarer Pappe hergestellt. Ab Januar 2020 produzieren wir unsere dazugehörigen Stoffbeutel nur noch aus GOTS-zertifizierter Biobaumwolle. Deshalb suchen wir auch nur Partner aus, die dieselbe Philosophie wie wir verfolgen: Respekt vor allen Lebewesen und dem Planeten.“

Die Macher von Abiby setzen bei ihren Markenpartnerschaften auf Langzeitkooperationen anstatt One-Hit-Wonder-Produkte. So soll auch eine Kannibalisierung unter den Partnern vermieden werden. „In einigen Fällen hatten wir sogar die Möglichkeit, mit den Brands zusammen neue Produkte zu kreieren“, erklärt Luca Della Croce, der zweite Kopf hinter dem Unternehmen. Bei einem Business, das auf Nachhaltigkeit setzt, stellt sich natürlich auch die Frage, ob es verschwenderisch ist, jeden Monat mehrere neue Produkte zu erhalten. Auf diese Bedenken antwortet Luca Della Croce: „Die Produktmengen in jeder Box sind in einem Monat problemlos aufbrauchbar. Die korrekte Einteilung ist essenziell, um auch eventuelle Probleme mit dem Lagerbestand zu vermeiden. Auch fördert es die Markenloyalität von Seiten der KonsumentInnen.“

Auch den oben genannten Gründen, warum Abonnements im Kosmetikbereich aktuell wieder gefragt sind, stimmen die beiden Gründer zu: „Die soziale Dynamik hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Menschen haben weniger Zeit für sich, und das Angebot ist einfach zu groß. Deshalb sind Subscription-Services eine clevere Lösung. Es ist eine innovative Online-Shopping-Erfahrung und zudem noch praktisch, personalisiert und meist auch günstiger.“

HERO PIC BY ABIBY