Mikroplastik in Kosmetik und Ozeanen: Beauty4Future will diesem Problem ein Ende setzen

Nur 22 Jahre jung ist Eloy Caudet, der Initiator der Non-Profit-Organisation Beauty4Future. Mit seiner Initiative will der Informatikstudent aus Aachen ein Marketplace für mikroplastikfreie Beautyprodukte schaffen, die Brands mit in die Verantwortung zieht. Beim Kauf eines Produktes werden zudem 5 Prozent an The Ocean Cleanup gespendet, um die Ozeane vom schädlichen Plastikmüll und Mikroplastik zu befreien. Beauty Independent hat mit dem Gründer über seine Motivation und die nächsten Schritte für sein Projekt gesprochen.

 

Lieber Eloy, Sie sind 22 Jahre alt, Informatikstudent aus Aachen. Wie passt das mit der Beautyindustrie zusammen? Wie kamen Sie auf die Idee zu Beauty4Future?

Die Idee entstand, als mich eine Freundin auf die Mikroplastikproblematik in der Kosmetikindustrie aufmerksam machte. Mir war gar nicht bewusst, wie stark die Kosmetikindustrie an der Verschmutzung unserer Ozeane beteiligt ist. Und weil ich mich eh schon seit längerer Zeit sehr für Umweltfragen interessiere und mich auch selbst in meinem Alltag bemühe, etwas zu verbessern, war das quasi die Zündung für meine Ideen.

 

Welches Ziel verfolgen Sie mit dieser Initiative?

Ich habe 3 große Ziele mit Beauty4Future: Zum einen will ich unter den Verbrauchern mehr Bewusstsein und Sensibilität für unsere Umwelt schaffen. Ich möchte, dass die Leute wirklich wissen, was sie kaufen. Des Weiteren will ich mich aktiv an der Reinigung unserer Ozeane beteiligen, indem ich 5 % der Verkäufe an The Ocean Cleanup spende. Und natürlich soll die weitere Verschmutzung unserer Meere durch Mikroplastik größtmöglich vermieden werden.

 

Sie sind ja, wie gesagt, Student – wie viel Ihrer Zeit investieren Sie in die Non-Profit-Organisation?

Momentan habe ich mein Studium auf „stand by“ gesetzt, weil ich mich jetzt erst einmal um Beauty4Future kümmern möchte. Das liegt mir sehr am Herzen. Um dieses Projekt schnell voran zu bringen, erfordert es meine ganze Zeit und vollen Einsatz. Ich bin der festen Überzeugung, dass Beauty4Future ein richtig gutes Projekt mit erstaunlichen Ergebnissen ist.

 

Warum liegt Ihr Fokus gerade auf Mikroplastik, und nicht einem anderen in Kosmetik enthaltenen, oft umweltschädlichen Inhaltsstoff?

Mikroplastik ist deshalb so schädlich, weil es so viele negative Folgen für unsere Gesundheit hat, wie Entzündungen der Körperzellen, Schädigungen der Lungen bis hin zu Veränderungen des Erbgutes (Mutationen). Die Gefahren betreffen aber nicht nur uns Menschen, sondern auch die gesamte Tierwelt und ihr Ökosystem. Das ist höchst alarmierend: Das Mikroplastik landet in den Ozeanen, wo es dann von Fischen und Meerestieren aufgenommen wird. Da diese Partikel so winzig klein sind, können diese über große Distanzen transportiert werden. An der Meeresoberfläche, in Tiefseesedimenten und sogar in der Arktis – überall wurde schon Mikroplastik nachgewiesen.

 

What you do makes a difference ans you have to decide what kind of difference you want to make.
Die Entscheidung liegt bei jedem von uns. ❤️ Credit: BEAUTY4FUTURE

 

Wie funktioniert Beauty4Future im Hinblick auf die teilnehmenden Brands? Welche Vorteile bietet es ihnen?

Beauty4Future bietet Naturkosmetikbrands die Möglichkeit, schnell, einfach und ohne großes Risiko ihre Ware online zu verkaufen. Jeder kann sich zunächst auf Beauty4Future als Verkäufer registrieren und seine mikroplastikfreien Produkte anbieten. Jeder Verkäufer bekommt seine eigene Shop-Seite bei uns, übernimmt eigenständig den direkten Kundenkontakt und versendet selbst seine Ware. Der große Vorteil besteht darin, dass die Verkäufer das Geld direkt von den Kunden erhalten, ohne Umweg über Beauty4Future. Verkäufer profitieren kostenlos von unseren Marketingstrategien und werden kostenlos auf unserer Instagram-Seite präsentiert.

 

Welche Marken konnten Sie bisher für das Projekt gewinnen?

Wir haben innerhalb von 4 Wochen bereits sehr positive Rückmeldungen von vielen Marken bekommen, und viele davon haben schon ihre Produkte bei Beauty4Future eingestellt. Da sind zum Beispiel Natura Pur, Charly Baron Cosmetics, Nelumbo Kosmetik, Kaerel Skin Care, Vitalkind, Only Sunday, Ashera Cosmetics und Olival Cosmetics. Bis auf eine sind es bisher alle deutsche Marken.

 

Welchen Herausforderungen begegnen Sie beim Kontakt mit neuen Brands? Woran scheitert zum Beispiel vielleicht eine Kooperation?

Die Herausforderung besteht immer darin, die passenden Brands zu finden und diese von Beauty4Future zu überzeugen. Manch interessierter Verkäufer scheitert daran, dass seine Produkte Mikroplastik enthalten, was ihm nicht bewusst war. Natürlich helfe ich auch gerne Kosmetikherstellern dabei, ihre eigenen Produkte auf Beauty4Future einzustellen. In Zukunft hoffe ich, dass sich viele Firmen beteiligen werden.

 

Microbeads: Face to Fish
Mikroplastik: Der Kreislauf der Partikel. Ist das der Preis für unsere Schönheit? 😕 Credit: BEAUTY4FUTURE

 

Bei jedem Produkt wird angezeigt, wie viel Plastik aus dem Ozean beim Kauf dessen rausgefischt wird. Wie wird dies bemessen?

Dieser Wert bezieht sich auf eine Studie von The Guardian. Aus der Studie folgt, dass die Kosten für die Plastikverschmutzung der Ozeane 33.000 US-Dollar pro Tonne Plastik betragen. Beauty4Future spendet ja 5 Prozent des Produktwertes an The Ocean Cleanup. Aus diesen beiden Informationen habe ich eine ganz einfache Funktion erstellt, die den herausgefischten Plastikwert für diese 5-Prozent-Spende berechnet.

 

Was passiert mit den anderen 95 Prozent?

5 Prozent werden an The Ocean Cleanup gespendet, weitere 5 Prozent werden von Beauty4Future für eigene Kosten, wie z.B. Server, Software, Wartung etc. behalten, und 90 Prozent des Verkaufswertes behält dann natürlich der Verkäufer des Produktes.

Das Geniale an Beauty4Future ist, dass diese Aufteilung automatisch und sofort geschieht, sobald der Kunde bezahlt. Dadurch bekommen die Verkäufer ihr Geld direkt und ohne Umweg von den Kunden – für die Händler sehr attraktiv. All das habe ich eigenständig programmiert.

 

Was sind Ihre nächsten Schritte, um Beauty4Future noch bekannter zu machen?

Im Moment stecke ich viel Zeit in Social-Media-Marketing, insbesondere Instagram, da Insta eine sehr beliebte Plattform für junge Leute ist. Dort erhalte ich schon sehr positive Rückmeldungen.

Da wir nicht gewinnorientiert arbeiten, verfügt Beauty4Future nur über ein ziemlich begrenztes Budget für Werbung. Deswegen ist es sehr wichtig, dass jeder, der diese Idee unterstützen will, unsere Seite mit Freunden und Bekannten teilt.

 

Hero Pic courtesy of BEAUTY4FUTURE