Beautybrand Ringana zeigt, wie es anders geht: Mit Frischekosmetik

Manche Menschen denken anders. Manche Firmen fügen sich nicht dem Mainstream, sondern sind darauf fokussiert, gegen den Strom zu schwimmen. Nicht unbedingt, um zu revolutionieren: Sondern weil sie gemerkt haben, dass man mit der richtigen Technik auch flussaufwärts rudern kann. 1996 entstand in einem kleinen Labor in Hartberg in der Steiermark eine Beautymarke, die frische Kosmetik mit kurzem Haltbarkeitsdatum zu 100 % rein, vegan und CO2-neutral produziert und die herkömmliche Industrie mit ihrer Emulsion aus Hightech und Naturkosmetik herausfordert. Bis heute ist Ringana weltweit die einzige Beauty-Marke, die Frischekosmetik herstellt und vertreibt. Zwar geben das einige andere Labels an, in so einer konsequenten Form sei Ringana jedoch ein absolutes Nischenprodukt. “Das machen wirklich nur wir – Marktrecherche ist mein Hobby,” schmunzelt Gründer Andreas Wilfinger.

 

Das Thema Kosmetik war bei Wilfinger von jeher präsent. In den elterlichen Gesundheitshotels war und ist Beauty großgeschrieben. Ihrer Zeit voraus beschäftigten sich seine Eltern bereits in den 70ern in ihren Schönheitsfarmen oder heute Spas mit dem Thema Gesundheit und Ernährung. Dadurch stand Wilfinger schon früh in unmittelbarem Kontakt mit der Branche. Der Auslöser, sich auch selbst intensiver mit der Materie auseinanderzusetzen, und der Bedarf nach einer eigenen Marke ergaben sich 1993 über seinen Sohn. Die “Zahnputztante” besuchte den Kindergarten und brachte den Kindern Zahnpasta mit. In dieser enthalten war Triclosan, ein Stoff, der in Krankenhäuser zur Keimabtötung benutzt wird. Der hatte da drinnen eigentlich nichts verloren, weil er in ständigem Kontakt eine Resistenz entwickelt – und damit in einem tatsächlichen Notfall nicht mehr wirkt. Da brodelte es schon im Kopf. Als junge Eltern wollten er und Ulla Wannemacher ihren Kindern eine bessere Welt ermöglichen – und in Folge beweisen, dass es solche aggressiven Stoffe in der Kosmetik nicht braucht. Drei Jahre lang mixte Wilfinger im kleinen Labor, experimentierte mit Inhaltsstoffen und Verpackungen. Dann wurde gegründet.

 

Bis heute ist Ringana weltweit die einzige Beauty-Marke, die Frischekosmetik herstellt und vertreibt.

 

Das Thema entstand zwar über die Zahnpasta, das Zahnöl gibt es jedoch erst seit 2003, angelehnt an die ayurvedische Lehre, wo Öle verwendet werden, um Keime im Mund zu entfernen. Begonnen hat alles mit der Gesichtspflege. Durch seine betriebswirtschaftliche Ausbildung hat der selbst auserkorene Weltverbesserer von Anfang an auch das Geschäft im Blick behalten: Der Start mit alternativer Zahnpasta hätte ihm nicht die Möglichkeiten geboten, sich am Markt zu platzieren. Zu Anfang war auch von Frische keine Rede. Wilfinger wollte Naturkosmetik herstellen, in einer Zeit, in der diese noch als absolut exotisch galt. Dass Ringana mit dem Frischeversprechen noch einen oben draufsetzte, war der Not geschuldet: Mit den Mitteln, die er für gut empfand und als Inhaltsstoffe integrieren wollte, bekam er die Haltbarkeit nicht hin. Das Ergebnis war stets verderblich. Die Innovation der Produkte entstand wie so oft bei großen Initiatoren aus Zufall.

 

Was Frischekosmetik auszeichnet

Im Gegensatz zur industriellen- oder auch Naturkosmetik wird Frischekosmetik in sehr kurzen Zeitabständen und in kleinen Chargen produziert, bei Ringana acht Mal im Monat. Gute, natürliche Inhaltsstoffe wie hochwertige Öle werden relativ schnell ranzig – man kennt das aus der Küche: Avocado- und Macadamiaöle etwa werden selbst bei Zimmertemperaturen schnell schlecht. Ringana verhindert diesen Negativeffekt, indem die Produkte kurzgehalten werden.

Damit Produkte länger haltbar sind und hochwertige Öle eben nicht ranzig werden, ist die Verwendung von Konservierungsmitteln sehr populär. Dabei machen diese gar nicht den größten Unterschied in der Haltbarkeit aus – es gibt eine Reihe Tipps und Tricks, die auf natürliche Weise für Haltbarkeit sorgen. Dabei ist Sauerstoff ein großes Thema: Luftdurchlässige Verpackungen wirken sich negativ auf die Wirksamkeit eines Produktes aus. Deshalb wird bei Ringana luftdicht in hygienische Flakons abgefüllt, die über einen guten Luftabschluss verfügen, anstatt in die handelsüblichen Tiegel.

 

Andreas Wilfinger, Gründer der österreichischen Frischekosmetik-Marke Rigana.courtesy of RINGANA/ringana.com
Andreas Wilfinger, Gründer der österreichischen Frischekosmetik-Marke Ringana.

 

Ganz verzichtet man auf Konservierungsstoffe dann doch nicht – aber was verwendet wird, ist weder unaussprechlich noch unbekannt. Denn auch diverse natürliche Zusatzstoffe schränken das Bakterienwachstum ein und sorgen für die entsprechende Konservierung. Wie der Zucker in der Marmelade oder der Essig im Eingemachten werden natürliche Trägerstoffe verwendet, um Kosmetik länger frisch zu halten. Birkenzucker etwa eignet sich super als Feuchthaltemittel und sorgt für unverfälschte, verlängerte Haltbarkeit.

Die Produkte halten sich dann ungeöffnet etwa 6 Monate, geöffnet je nach Produkt zwischen 10 und 14 Wochen. Ein Wimpernschlag in der Kosmetik, wie Wilfinger weiß, aber dieser Nachteil ist ihm der Verzicht auf Stoffe, die er als negativ einstuft, absolut wert.

“Rein” bedeutet bei Ringana auch, auf all jenes zu verzichten, das schlecht ist, um Platz zu schaffen für die guten Dinge. Konservierungsstoffe machen nur einen Teil des schlechten Rufs künstlicher Substanzen aus: “Das Hilfsstoffpotpourri ist mannigfaltig.” Emulgatoren, Parabene, Metallseifen, Geliermittel, Silikone, Mineralstoffe, Neutralöle, Duftstoffe und Mikroplastik sind weitere Zutaten, mit denen bei Ringana nicht gewürzt wird.

“Gut” bedeutet dabei allerdings nicht, nur traditionelle Hausmittelchen zu brauen, deren Inhalte jeder in seiner Küche findet. Hightech ist ein wichtiger Faktor in qualitativer, moderner Kosmetik. Ringana verwendet durchaus auch fancy Inhaltsstoffe aus der ganzen Welt, hoch anspruchsvoll formuliert und wissenschaftsbasiert entwickelt.

 

Ohne Umwege

Die verminderte Haltbarkeit ist Grund dafür, dass die Produkte nicht in Läden anzutreffen sind, sondern stets direkt an den Kunden ausgeliefert werden. Das war anfänglich sehr schwierig, gestaltet sich heute aber als kein Nachteil mehr. Mit den Möglichkeiten des Online-Versands, die sich uns heute bieten, entstehen sogar viele positive Pluspunkte: Ringana kennt seine Kunden und kann Produkte an sie anpassen, ohne aufwändige Marktforschungen zu initiieren. Durch die Revolution in der Logistik steht auch dem internationalen Verkauf nichts mehr im Wege: Dem Online-Handel sei Dank können Pakete innerhalb von nur zwei Tagen bis nach Hongkong geliefert werden. Da funktioniert Internationalisierung sogar mit Frischeprodukten. So gut, dass Ringana mittlerweile der größte Paket-Einlieferer Österreichs ist. “Wir schwimmen nicht nur mit, wir sind auch ein bisschen diese Welle.”

 

Frau vor einem Spiege trägt das Eye Serum von Ringana aufcourtesy of RINGANA/ringana.com
Das FRESH Eye Serum von Ringana ist ein echtes Naturtalent und regt mit einem Pflanzencocktail aus Zypresse, Hamamelis, Rotweinblatt und Mäusedorn die Mikrozirkulation an.

 

Die Kunden von Ringana orientieren sich immer stärker in Richtung Qualität. Zu Beginn der Marke ging es hauptsächlich darum, ein alternatives Verzichtsprodukt zu erwerben; man schaute darauf, was alles nicht drinnen ist und hat seine Kaufentscheidung darauf ausgerichtet. Heute werden die Produkte immer mehr in die Betrachtung der “echten” Kosmetik integriert, die tatsächliche Wirkung immer vorrangiger. Früher gab es nur Lavendelcremen, heute ist Naturkosmetik im Mainstreammarkt angekommen. Auch Falten lassen sich mit ihr verringern. Das verlangt nach Können.

 

Kosmetik als Gesundheitsprodukt

Trotz seines starken Fokus auf natürliche Inhaltsstoffe will Ringana kein Moralapostel sein, höchstens Vorbildfunktion haben. “Wir haben uns angewöhnt, keine allgemeinen Urteile über Mitbewerber oder auch Inhalte zu machen. Das muss jeder selbst entscheiden.” Bei Ringana jedenfalls werden halogenorganische Verbindungen und Parabene als nicht gut empfunden. Schließlich können – wie über 20 Jahre Firmenerfahrung beweisen – auch mit sehr einfachen Mitteln gute und wirksame Produkte erzeugt werden.

 

“Wir schwimmen nicht nur mit, wir sind auch ein bisschen diese Welle.” – Andreas Wilfinger, Gründer von Ringana

 

Generell wird Kosmetik losgelöst von dem dominanten Schönheitsfaktor, wie Wilfinger erklärt. “Kosmetik ist für uns mehr als ein Schönheitsprodukt, es ist ein Gesundheitsprodukt.” Diese Sichtweise ist ein Trend, der sich langsam entwickelt, innerhalb dessen Ringana Vorreiter ist. Kosmetik wird als Gesundheitsanwendung unseres größten Organs verstanden und entsprechend so verwendet. Das würde nach wie vor vom Konsumenten oft übersehen werden. Wir beurteilen Kosmetik in erster Linie nach ihrem Geruch und der subjektiven Wirkung und zu selten nach dem, was es eigentlich sein sollte: Ein Produkt, dass uns dabei unterstützt, unsere Haut gesund zu halten.

Sehr schätzen würde es Wilfinger, wenn es sich KonsumentInnen angewöhnen würden, im Fall von Kosmetik vor der Kaufentscheidung auch die Rückseite der Verpackung zu lesen. Egal, ob das Produkt von Ringana ist, oder nicht: “Wenn sich das jeder angewöhnen würde, speziell auch bei Lebensmitteln, dann würde es uns sehr viel besser gehen, wir wären viel gesünder und viel schöner.”

 

HERO PIC COURTESY OF RINGANA/ringana.com