Chemie vs. Natur: Der Clean-SPF-Guide

Natürlich, nachhaltig, vegan – der Clean-Beauty-Trend avanciert in schnellen Schritten zum Badezimmer-Liebling (umwelt-)bewusster Verbraucher. Sichere Inhaltsstoffe sind gut für die Haut – und gut für das Gewissen. Eine Kategorie, die jedoch lange vernachlässigt wurde, aber gerade jetzt zur Sommerzeit größte Beachtung geschenkt wird: der Sonnenschutz.

In den USA ist die Marke längst ein Hit: Das Hautpflege-Label Supergoop! wurde 2007 von Holly Thaggard mit der Mission gegründet, die Hautkrebs-Epidemie zu bekämpfen. Hautkrebs gilt in den USA als die meist verbreitete Form der Krankheit, in Deutschland ist sie die vierthäufigste Krebsart. Die Gründerin stellte schnell fest, warum sich Menschen ungern mit Sonnenschutz eincremen: das oft klebrige Gefühl auf der Haut ist störend. Während herkömmliche Formulierungen oft bedenkliche Ingredienzen enthalten, sind mineralische Produkte meist dickflüssig, ziehen schlecht ein und lassen sich nur schwer verreiben. Daraufhin entwickelte Thaggard eine innovative „Feel-Good“-Formulierung, um das Eincremen mit Lichtschutzfaktor alltäglicher, attraktiver und angenehmer zu gestalten.

Eher wie ein leichtes Serum, anstatt wie eine Creme: „Unseen Sunscreen SPF 40“ ist ein Supergoop!-Besteller. Ab 16 Dollar.

Auch Audrey Delort-Laval, Gründerin der französischen Clean-Beauty-Brand Mimitika, kennt die Herausforderungen bei der Herstellung von Sonnenschutzmittel: „Bei unserer Mineralformel war es sehr schwierig, eine Textur zu kreieren, die keine klebrigen, weißen Spuren hinterlässt.“ Um diesen Maskeneffekt zu umgehen, verwendet Delort-Laval natürliche Pigmente, die sofort in die Haut schmelzen. Das hinterlässt einen leichten Glow. „Es besteht keinen Zweifel: jeder bevorzugt Kosmetikprodukte, die so natürlich wie möglich sind, und deswegen entscheiden sich auch immer mehr Kunden für Sonnencremes mit Mineralfiltern“, erklärt sie sich die aufkommende Nachfrage.
Chemische Sonnencremes, besonders das darin enthaltene Oxybenzon, haben einen schlechten Ruf: es soll Hormonstörungen hervorrufen, für Hautirritationen sorgen und für die Vernichtung von Korallenriffen verantwortlich sein. Gleichzeitig ist es in gut 80 Prozent aller Sonnenschutzmittel vorhanden. Mineralische Formulierungen hingegen werden als sicherer betrachtet, weil sie aus den natürlichen Stoffen Zinkoxid und Titandioxid hergestellt werden. Supergoop! launchte in den USA jedoch die erste chemische Formulierung ganz ohne Oxybenzon, Parabene oder chemische Duftstoffe.

Chemische Formulierungen sind also nicht per se schlecht, auf die jeweiligen Inhaltsstoffe kommt es an. „Unsere Perspektive bei Supergoop! ist eine der Inklusivität, was bedeutet, dass wir eine Vielfalt an Produkten für alle Hautfarben, Hauttypen und Tätigkeiten anbieten wollen“, so Holly Thaggard, Supergoop!-Gründerin Supergoop!. 

Thaggard klärt auf: „Es stört mich, dass chemische Rezepturen oft verteufelt werden. Für Athleten ist es zum Beispiel ungesund Mineralformulierung zu verwenden. Diese sollen nämlich absichtlich auf der Haut sitzen, anstatt in sie einzudringen, was gleichzeitig bedeutet, dass man die Hitze im Körper einschließt. Poren sollen bei hoher, körperlicher Aktivität Gifte ausschütten – und das wird durch diese Art des Sonnenschutzes gehemmt.“ Chemische Formulierungen sind also nicht per se schlecht, auf die jeweiligen Inhaltsstoffe kommt es an. „Unsere Perspektive bei Supergoop!ist eine der Inklusivität, was bedeutet, dass wir eine Vielfalt an Produkten für alle Hautfarben, Hauttypen und Tätigkeiten anbieten wollen“, erklärt die Label-Gründerin. Nur so könne man auch wirklich jeden dazu bewegen, Sonnenschutzmittel regelmäßig zu verwenden.
Ähnlich sieht das Audrey Delort-Laval: „Eigentlich benutze ich den Begriff „clean SPF“ nicht gerne, weil dies suggeriert, dass chemische Filter schlecht sind und mineralische gut. Beide sind prinzipiell gut. Es kommt nur darauf an, was man als Endverbraucher möchte.“ Deswegen bietet das Label auch bewusst beide Formulierungen an. „Wir wollen den Kunden die Möglichkeit geben, das beste Produkt für sie selbst zu finden“, so Delvort-Laval. Aber auch sie verzichtet ganz klar auf Oxybenzon, Octocilen sowie Nanopartikel in ihren Produkten.

Keine weiße Paste: Für die Mimitika Minerale 50 SPF Sonnencreme verwendete Gründerin natürliche Pigmente, die sofort mit der Haut verschmelzen.

Supergoop!geht inzwischen noch weiter: Mittlerweile umfasst das Sortiment eine Vielfalt an Pflegeprodukten, die alle UV-Schutz enthalten – von klassischen Sonnencremes über Gesichtspflege bis hin zu Setting-Puder und sogar Liedschatten. Das Unternehmen ist dabei ein Vorbild in Sachen Transparenz: Für jedes Produkt veröffentlicht es einen sogenannten Effizienz-Report der FDA. Außerdem finden Kunden auf der Webseite eine ganze Liste an schädlichen Stoffen, auf die Supergoop!bei der Herstellung verzichtet. Die chemische Substanz Octinoxat, das in vielen Sonnencremes als UV-Filter verwendet wird, will das Unternehmen bis 2020 komplett eliminieren.

Supergoop! ist momentan nur in den USA erhältlich, weitere Infos zum Label finden Sie hier. Die Mimitika Minerale 50 SPF gibt es bei Niche-Beauty.com.