Coronavirus: Die Auswirkungen auf die Beautyindustrie

Das Sars-CoV-2 oder Coronavirus hält aktuell die gesamte Welt in Atem und birgt jetzt schon große Herausforderungen für viele Industrien. Auch die globale Beautybranche ist betroffen.

 

Die Schließungen vieler Landesgrenzen sowie die Einschränkung des öffentlichen Lebens beeinflussen maßgeblich auch die Beautyindustrie. Kosmetikgeschäfte müssen ihre Läden bis auf weiteres schließen, die Laufkundschaft und damit auch die Einnahmen und zuletzt der Umsatz bleiben aus. In den Drogerien und Supermärkten wird hingegen fleißig weiter eingekauft, vor allem Hygiene-Artikel sind Top-Seller. Was erwartet jetzt die Beautybranche?

 

Sorge um internationale Lieferengpässe

Die Konsequenzen von COVID-19 sind auch in der Beauty- und Pflegeindustrie spürbar. Die Weltwirtschaft hat Sorge um Lieferengpässe über viele Industrien hinweg, da der langanhaltende Stillstand in den Manufakturen einen erheblichen Einfluss auf die gesamten Produktions- und Lieferprozesse hat. Und obwohl die Produktion in vereinzelten Regionen wie etwa in China langsam wieder anläuft, wird es noch dauern, bis wieder Normalität einkehrt – oder andersrum: die Verzögerung  erst wirklich spürbar wird.

In Europa am stärksten betroffen von der Pandemie ist Italien, seit mehr als einer Woche ist das gesamte Land Sperrzone. Viele Kosmetikunternehmen, darunter auch Indie-Labels, beziehen von dort ihre Inhaltsstoffe und Materialien oder lassen vor Ort produzieren. Ähnlich wie in China wurden Fabriken geschlossen, die Menschen gebeten Zuhause zu verweilen. Die Herstellungs- und Lieferprozesse sind eingestellt und daraus resultiert ein Mangel an Neuware. Dass dies auch gravierende finanzielle Auswirkungen auf gerade kleinere Brands und Unternehmen hat, war vor einigen Tagen noch reine Spekulation. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es wahrgewordene Realität.

 

Der stationäre Handel bleibt aus

Panik und Hysterie sollte man in solchen Zeiten vermeiden. Jedoch gilt es nun, gerade für UnternehmerInnen, realistisch zu sein. Die aktuelle Lage hat einen erheblichen Einfluss auf das tägliche Business, das durch die von der Regierung verordnete Schließung nicht zur Grundversorgung gehörender Geschäfte beeinträchtigt wird. Darunter leiden jetzt besonders kleine und mittelständische Unternehmen, etwa Indie Beauty Marken, die auf ihren Stock-Waren sitzen bleiben. Wenn die Nachfrage ausbleibt, bleibt auch der Cash Flow aus. Obwohl sie vor nie da gewesenen Herausforderungen stehen, sollten sich UnternehmerInnen und MarkengründerInnen jetzt nicht entmutigen lassen und neue Wege finden, ihre Waren zu vertreiben. Ein aktuelles Beispiel aus der Gastronomie: Gutscheine, die Gäste jetzt schon erwerben und zu einem späteren Zeitpunkt einlösen können. So können sich die Unternehmen zumindest für eine überschaubare Periode über Wasser halten und sicherstellen, dass sie weiterhin – wenn auch deutlich weniger – Einnahmen haben, und damit etwa ihre Angestellten bezahlen können.

Zudem ist es wahrscheinlich und sogar ratsam, Produkt-Launches in Anbetracht der Lage zu verschieben (wie im Fall von Drunk Elephant). Obwohl dies ein weiterer Kostenverlust für Unternehmen bedeuten kann, rät die Venture Capital-Expertin Elizabeth Edwards: „Wenn Menschen so abgelenkt sind von dem, was um sie herum passiert, ist es nicht unbedingt eine gute Zeit.“ Brands, die gerade jetzt launchen wollen oder neue Produkte lancieren möchten, sollten laut der Expertin abwarten und schauen, wie sich die Situation weiterentwickelt. „Lassen Sie sich Zeit und evaluieren Sie die Lage erneut in ein paar Monaten“, erklärt Elizabeth Edwards weiter.

 

Internetnutzung verzeichnet hierzulande Rekord

Im Gegenzug scheint der Onlinehandel stabil, wenn nicht sogar anzusteigen. Laut De-Cix, Betreiber des Internetknoten Frankfurt, erreicht hierzulande die Internetnutzung in Zeiten des Coronavirus seinen Rekordwert. Dies hängt primär damit zusammen, dass Menschen die Ausbreitungen und News zum COVID-19 in Onlinemedien und sozialen Netzwerken verfolgen. Doch es ist anzunehmen, dass der digitale Handel – und gerade das Einkaufen von Lebensmitteln und Hygiene-Artikeln – einen Boom erfährt, wenn auch nur kurzfristig. In den USA geht man jetzt schon davon aus, die Prognosen für den E-Commerce 2020 wegen des Virus zu überschreiten. Der Internationale Versandhandel ist derzeit noch nicht von den Einschränkungen betroffen, der Warenverkehr ist auch bislang über die Grenzen hinaus gestattet.

Indie Beauty Brands können davon durchaus Gebrauch machen: Es gilt, verstärkt auf die digitalen Vertriebskanäle zu setzen und den Onlinehandel anzukurbeln. Konzentrieren Sie sich auf Ihren Onlineshop. Auch hier ist es wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen, sondern neue Wege zu finden, mit KundInnen in Kontakt zu treten. Digital Marketing – oder Marketing und Kommunikation überhaupt – kann in solchen Krisen-Zeiten zum Balance-Akt werden. Seien Sie einfühlsam, jedoch offen und nutzen Sie alle Ihnen zur Verfügung stehenden Channels.

Hoch im Kurs während der Corona-Krise: Hersteller von Desinfektionsmittel

Kein Produkt ist aktuell so in-demand wie Desinfektionsmittel. Von allen Seiten wird darauf hingewiesen, sich gründlich die Hände mit Seife und Wasser zu waschen, und besonders besorgte Bürger decken sich mit Desinfektionsmittel wie Sprays, Gels oder Tücher aus Drogerien und Apotheken ein. Vielerorts sind sie sogar ausverkauft. Laut Marketwatch stiegen in den USA die Verkäufe von Handdesinfektionsmittel um 313% im Vergleich zum Vorjahr. Aktuelle Zahlen wie diese gibt es für Deutschland nicht, dennoch lässt sich die Lage in den Drogerien und Supermärkten live beobachten. Da viele bekannte Marken wie hierzulange etwa Sagrotan und Co. schnell vergriffen sind, suchen die Menschen nach alternativen Brands.

Die Pariser Indie Brand Merci Handy registrierte eine Verdopplung der Produktverkäufe auf dem europäischen Markt in den Sephora-Filialen. Besonders in Frankreich verkaufen sich die Handdesinfektionsgels über die eigene Webseite rasant. „Unser E-Commerce boomt. Die Menschen sind besorgt und haben Angst rauszugehen. Wegen dieser Angst steigt das E-Commerce-Geschäft“, so Co-Gründer Louis Marty im Interview mit Beauty Independent US. 2,95 Euro kostet das 30-ml-Handgel. In den USA sind die Zahlen noch beeindruckender: Die in Miami ansässige Indie-Marke Touchland machte in nur einem Monat über 250.000 US-Dollar mit dem Verkauf von Desinfektionsmittel über die brandeigene Webseite – an manchen Tagen allein stolze 40.000 US-Dollar. Die Produkte sind im E-Shop aktuell ausverkauft und nur auf Vorbestellung erhältlich.

Die Nachfrage nach Desinfektionsmittel ist momentan so hoch, dass viele Brands überlegen müssen, wie sie dieser nachkommen werden. Ganze Produktionsprozesse müssen neu gedacht werden. Doch auch die großen wollen jetzt einschreiten: Der Luxuskonzern LVMH gab jetzt bekannt, seine Produktionsstätten für Beauty-Marken wie Guerlain, Christian Dior und Givenchy zu nutzen, um Desinfektionsgel für Frankreichs Krankenhäuser und Gesundheitsbehörden herzustellen und diese gratis zu verteilen. Die Verknappung der Produkte sorgt auch dafür, dass einige Labels die Mengeneinheiten, die man über den Webshop erwerben kann, beschränken. Denn daraus könnte auch ein weiteres Risiko entstehen: Privatpersonen und Retailer, die die Waren für überhöhte Preis weiterverkaufen und so die Panik weiter schüren. Versandapotheken etwa sollen laut einem Bericht der Apotheke Adhoc die Preise für Desinfektionsmittel erhöht haben.

 

Bundesregierung verspricht unbegrenzte Hilfen für Unternehmen

In Deutschland reagierte die Bundesregierung nun auf die drohende finanzielle Krise vieler UnternehmerInnen und sagt Kredite ohne Begrenzung zu. Somit will man verhindern, dass das Coronavirus zu einer anhaltenden wirtschaftlichen Krise für Deutschland wird. Das „Schutzschild für Beschäftigte und Unternehmen“ soll versichern, dass Arbeitsplätze, Unternehmen und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleiben, heißt es auf der Webseite der Bundesregierung. Die Maßnahme sieht einen Drei-Stufen-Plan vor: Zur ersten gehören Bürgschaften und KfW-Kredite gegen kurzfristige Liquiditätsprobleme. Auch die Erleichterung beim Kurzarbeitergeld soll ermöglicht werden: Wer Angestellte hat, kann nun flexibler Kurzarbeitergeld bei der zuständigen Agentur für Arbeit beantragen. Bereits dann, wenn zehn Prozent der Beschäftigten von einem Ausfall betroffen ist.

Spitzen sich die Folgen des Coronavirus wirtschaftlich weiter zu, sieht die Bundesregierung vor, Kredite flexibler zu gestalten und aufzustocken. Die letzte Stufe sieht weitreichende Konjunkturprogramme vor, wenn Unternehmen ihre Produktion aufgrund unterbrochener Lieferketten in großem Umfang einstellen müssen und die Betriebsschließung droht. Alle Sofortmaßnahmen sind ebenfalls auf der Seite der BMWI zu finden.

 

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