Couperose & Rosazea: Bieten Indie Beauty Brands ausreichend Lösungen?

Der Beauty Markt wird immer kleinteiliger: Statt Skincare-Produkte in Kategorien für „sensible“, „fettige“ oder „trockene“ Haut einzuordnen, erwarten KonsumentInnen heute Lösungen, die explizit auf ganz spezifische Hautbedürfnisse und -problematiken abgestimmt sind. Neben dem Fokus auf Akne, die viele Brands bereits seit Jahren in ihrem Produktportfolio berücksichtigen, ist die chronische Hauterkrankung Rosazea ein Thema, das die Beauty Industrie zunehmend umtreibt und für Indie Beauty Brands mit ihren innovativen und nischigen Ansätzen viele Chancen birgt.

 

Seitdem die Haut viel stärker als Spiegel von Gesundheit und Wohlbefinden wahrgenommen wird, findet auch bei der Beziehung von KonsumentInnen zu Beauty-Produkten ein Wandel statt. Statt zu Kaschieren, zu Korrigieren und zu Überschminken gilt es zunehmend, die Haut als gesunde Basis zu erhalten und Unreinheiten sowie Alterserscheinungen bestmöglich vorzubeugen. Statt einen gewissen „Glow“ – so wie er auf Selfies im Instagramfeed immer wieder per Hashtag verortet wird – nur mit Foundation, Highlightern oder Strobing-Technik zu erzeugen, soll er bereits einen Schritt vorher, mithilfe der richtigen Seren, Cremes oder Facials, erzeugt werden. Wie groß der Hype um „dewy skin” ist, beweist etwa ein Foto, das Hailey Bieber im April auf Instagram mit der passenden Caption „… trying to keep that glow from the inside out“ postete: Es erhielt mehr als 1,5 Millionen Likes und wurde von zahlreichen Onlinemagazinen im Zuge von Skincare-Routine-Texten geteilt.

Für KonsumentInnen, die mit Rosazea zu kämpfen haben, ist es allerdings ungemein schwierig, überhaupt eine Skincare-Routine zu etablieren, die die Bedürfnisse der Haut erfüllt oder gar die Beschwerden lindert. Die chronisch Hautkrankheit tritt für gewöhnlich ab dem 30. Lebensjahr auf, oft aber auch schon früher, und äußert sich in Form von erweiterten Blutgefäßen und Entzündungen der Haut im Gesicht: Die Wangen, und zum Teil auch Nase und Stirn sind stark gerötet, hinzu können Knötchen und eitrige Pusteln kommen sowie ein Wärmegefühl und Juckreiz. Die Krankheit tritt in verschiedenen Varianten auf, ist mal stärker, mal schwächer oder in Form von Couperose – dem Vorstadium – ausgeprägt.

Weltweit rund 400 Millionen Betroffene

Die Zahlen gehen zwar etwas auseinander, doch es sind schätzungsweise circa vier Millionen Menschen in Deutschland von der Erkrankung betroffen, darunter mehr Frauen als Männer. Besonders helle Hauttypen sind anfällig für Rosazea. Weltweit leiden laut kalifornischem Marktforschungsunternehmen Grand View Research rund 400 Millionen Menschen daran. Die Firma prognostiziert, dass der Markt für die Behandlung der Erkrankung im Jahr 2025 einen Wert von 2,6 Milliarden US-Dollar erreicht.

Die Besonderheit bei der Hautkrankheit: Sie kann in sekundenschnellen Schüben ausbrechen und wird von bestimmten Faktoren begünstigt. Demnach sollten Rosazea-Betroffene UV- bzw. starkes Sonnenlicht meiden. Auch Stress, Alkohol, sehr zuckerhaltige Nahrungsmittel und scharfe Speisen kann einen Ausbruch auslösen. Die entsprechenden „Trigger“ sind aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Und da Rosazea eben tatsächlich von innen heraus provoziert werden kann – nicht nur durch externe Umstände wie unverträgliche Pflegeprodukte – ist das Thema insbesondere auch für den Supplement-Markt interessant.

4000 Personen auf der Warteliste

Die französische Unternehmerin Mathilde Lacombe etwa co-gründete ihre Nahrungsergänzungsmittelbrand Aime, nachdem sie selbst jahrelang an Rosazea litt und erst im Gespräch mit Valérie Espinasse, Doktorin der Pharmazie und Expertin für Mikronährstoffe, realisierte, wie sehr ihre Haut davon abhängt, was in im Körper vor sich geht. Valérie Espinasse entwickelte schließlich auch die Formulierung der Supplements. Und bereits kurz nach dem Launch im September 2018 war die Nachfrage nach einem der Produkte – dem Pure Glow Supplement – so groß, dass die Warteliste 4000 Personen zählte. Bis heute wirbt Aime mit dem Hashtag „#glowriousday. Everyday.“

Doch auch bezüglich der eigentlichen Hautpflege gibt es bei Rosazea-Betroffenen viel zu beachten: Ätherische Öle oder generell Skincare auf Ölbasis verträgt sich oft nicht mit den Bedürfnissen der Haut. Eine Marke, die sich bereits sehr breit in der Nische aufgestellt hat, ist die Pierre-Fabre Brand Avène. Angefangen beim Thermalwasserspray („hartes“, sehr kalkhaltiges Wasser begünstigt den Ausbruch von Rosazea) bis hin zur Sonnenpflege hat die Brand mit ihrer Antirougeurs-Linie eine Pflege entwickelt, die ganz speziell für zu Rötungen beziehungsweise zu Rosazea neigende Haut gedacht ist. Preislich lässt sich diese Pflegelinie im mittleren Segment einordnen, erhältlich ist sie vor allem in Apotheken und bewahrt dementsprechend eher ein Image, das in Richtung Arzneimittel geht. Ähnlich verhält es sich mit der medizinischen Hautpflegemarke Dermasence, die mit ihrer RosaMin-Linie eine Pflege speziell für Rosazea-Betroffene entwickelt hat.

Pflegelinien für verschiedene Hautproblematiken

Besonders innovative Ansätze in Sachen Behandlung bzw. Skincare, die auf die chronische Hauterkrankung ausgerichtet sind, liefern unter anderem die Marken Gladskin und mawiLove.

Gladskin, hinter der Brand steht das niederländisches Biotechnologie-Unternehmen Micreos, hat spezielle Pflegelinien für ganz verschiedene Hautproblematiken entwickelt: eine Linie für Akne, eine für Neurodermitis und eine für Rosazea. Die Produkte basieren auf dem Wissen, das Mikrobiom bestmöglich zu unterstützen. In der Formulierung der Produkte ist das Enzym Staphefekt™ enthalten, das die Staphylococcus aureus-Bakterien abtötet – Bakterien, die unter anderem Hautprobleme wie Akne oder Rosazea verursachen oder begünstigen.

Ganzheitlicher Blickwinkel und Millennial-getriebene Ästhetik

mawiLove, eine Indie Beauty Brand aus Hamburg, versteht sich selbst als „Serum Company“. Dementsprechend besteht das Portfolio der Marke fast ausschließlich aus Seren – für verschiedene Hautpartien und Bedürfnisse. Währen die meisten Marken bei Seren vornehmlich auf Anti-Aging- oder Glow-Effekte setzen, hat die Brand allerdings auch eines speziell für Couperose-Symptome entwickelt: das My Ceo Couperose Elixir mit anti-inflammatorischer Wirkung, das außerdem die Kapillargefäße im Gesicht stärkt.

Während Gladskin sich preislich etwa im selben Segment wie Avène bewegt, ist mawiLove bereits im Premium-Segment einzuordnen. Die Brand beweist allerdings, dass sich Pflege für problematische Haut mit einem innovativen Branding und einem „instagrammable“ Look vereinen lassen. Denn wo vor allem auf dem DACH-Markt mit Blick auf Rosazea und Couperose aktuell medizinische Hautpflegemarken dominieren, ist noch viel Platz für Indie Beauty Brands, die das Thema aus einem ganzheitlichen Blickwinkel und mit einer Millennial-inspirierten Ästhetik im Hinterkopf in Angriff nehmen.

 

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