Crowdfunding: Die Gründerinnen von Seifen-Start-up Kaikua teilen ihre Erfahrungen

Crowdfunding bietet Start-ups nicht nur die Möglichkeit, ihre Idee der Öffentlichkeit vorzustellen und auf Resonanz zu prüfen. Es bedeutet auch die Chance, ein Projekt bei erfolgreichem Verlauf auf unkomplizierte Weise zu finanzieren. Vanessa Bischof und Katharina Weißhaar haben diesen Weg für ihr Seifen-Start-up Kaikua gewählt. Die beiden Unternehmerinnen haben in der Vergangenheit selbst schon zahlreiche Crowdfunding-Aktionen unterstützt. Mit Beauty Independent teilen sie ihre Erfahrungen – aus GründerInnen- und SupporterInnen-Sicht.

 

Gemeinsam mit den Niederlanden und Frankreich zählt Deutschland zu den drei größten Märkten für Crowdfunding und Alternative Finance in Europa außerhalb Großbritanniens. Das geht aus einem Report der University of Cambridge aus dem Jahr 2018 hervor. Dieser belegt außerdem, dass 2017 europaweit insgesamt mehr als 10,4 Milliarden Euro über Crowdfunding finanziert wurden – davon 595 Millionen Euro in Deutschland.

Deutschland zählt zu den größten Märkten für Crowdfunding

2010 ist hierzulande als erste Plattform Startnext gestartet – und genau diese Plattform haben auch Vanessa Bischof und Katharina Weißhaar als vielversprechenden Katalysator für ihr Unternehmen gewählt: Mit Kaikua wollen die beiden Gründerinnen handgefertigte, plastikpositive Naturseifen für Haut und Haar auf den Markt bringen, die vegan und palmölfrei sind. Außerdem schwebt ihnen ein besonderes Tool für ihre KundInnen vor: der Soap Designer. Mit dessen Hilfe soll es möglich sein, seine eigenen Seifen online selbst entwickeln zu können – von den Inhaltsstoffen bis hin zum Etikett. Ein Tool, für das die Gründerinnen viele Einsatzbereiche sehen, nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für Unternehmen, Hotels oder etwa Yoga-Studios, als KundInnen- oder MitarbeiterInnengeschenke.

„Mit der Gründung von Kaikua wollten wir ins Machen kommen und Ideen für eine nachhaltigere Welt nicht nur spinnen, sondern in die Tat umsetzen und den Wandel mit vorantreiben“, sagt Vanessa Bischof, die einen Background im Marketing mitbringt. Co-Founderin Katharina Weißhaar ist Betriebswirtin und arbeitet in der Luftfahrtbranche. Mit Beauty hatten die beiden also beruflich bisher nicht viele Berührungspunkte – außer dass Katharina Weißhaar privat bereits seit mehr als sieben Jahren Seifen selbst herstellt. Alle Formulierungen bei Kaikua sind demnach Eigenkreationen. Und die sollen auch weiterhin von Hand produziert werden – in einer eigenen Manufaktur.

Corona-Krise: Startnext verzeichnet erhöhten Zulauf

Gegründet haben die beiden im Frühjahr dieses Jahres. Neben der Entfernung – Vanessa lebt in Hamburg und Katharina in Hannover – kam mit Corona dann auch noch eine weitere Herausforderung für das Gründerinnen-Dasein hinzu. Nichtsdestotrotz sind sie den Schritt gegangen: „Corona wird uns sicher noch länger begleiten, daher haben wir uns nicht abschrecken lassen und sind froh, dass wir direkt gestartet sind. Während des Lockdowns haben wir sogar eher von den Folgen der Krise profitiert: Da andere Aktivitäten zu dem Zeitpunkt komplett weggefallen sind, hatten wir plötzlich sehr viel Zeit, um an langen Abenden unsere Idee weiter voranzubringen.“

Tatsächlich schlägt sich die weltweite Pandemie in den steigenden Zahlen von Crowdfunding-Projekte nieder. „Wir haben in den letzten Monaten durch den erhöhten Zulauf auf unsere Plattform gemerkt, wie wichtig alternative Finanzierungsformen für Kreative und GründerInnen gerade während Covid-19 sind“, berichtet Wiebke Herger, Pressesprecherin bei Startnext. „Zu Beginn des Shutdowns haben wir direkt eine Corona Hilfsaktion ins Leben gerufen. Im Rahmen derer wurden 1620 Projekte finanziert. Dabei sind knapp 12 Millionen Euro zusammengekommen von über 160.000 UnterstützerInnen.“ Neben Startnext zählen Kickstarter, Ulule oder auch Indiegogo und WeMakeIt zu bekannten Plattformen.

„Gute Planung ist extrem wichtig. Die ersten Tage sind entscheidend für den Erfolg des Projekts.“
– Vanessa Bischof

Vanessa Bischof und Katharina Weißhaar sind selbst langjährige UnterstützerInnen von Crowdfunding-Kampagnen. In der Theorie waren sie mit dem Konzept bereits vertraut: Beim (reward-based) Crowdfunding erhalten SupporterInnen eine Gegenleistung für den gestifteten Geldbetrag – in der Regel das fertige Produkt, welches mit der Kampagne finanziert werden soll. Eine Kampagne verläuft in den meisten Fällen allerdings nur erfolgreich, wenn das gesetzte Funding-Ziel erreicht wird. Gelingt das nicht vor Ende der Laufzeit, so erhalten alle UnterstützerInnen ihr Geld zurück.

Neben Crowdfunding existieren außerdem ähnliche Konzepte wie Crowdinvesting, wobei UnterstützerInnen hier in ein Unternehmen investieren und am möglichen Gewinn beteiligt werden, oder Crowdlending. Hierbei verleihen UnterstützerInnen Geld an GründerInnen und erhalten es am Ende verzinst oder unverzinst zurück. Donation-based Crowdfunding ist ebenfalls ein Modell. In diesem Fall wird das Projekt allein durch Spenden finanziert. Was Crowdfunding an sich für GründerInnen so spannend macht, bringt Vanessa Bischof auf den Punkt: „Man erhält viel Feedback und bekommt ein Gefühl dafür, wie viele UnterstützerInnen man von seiner Idee begeistern kann. Und das, ohne im ersten Schritt selbst einen Online Shop aufzubauen.“

Für drei detaillierte Fragen zu ihren Erfahrungen mit dem Thema Crowdfunding standen die beiden GründerInnen Beauty Independent Rede und Antwort.

Q&A: Drei Fragen zum Thema Crowdfunding

Vanessa Bischof (links) und Katharina Weißhaar haben für ihre Brand Kaikua eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Image via Kaikua

 Was waren bisher eure zwei größten Learnings im Crowdfunding-Prozess?

Erstens: Gute Planung ist extrem wichtig. Die ersten Tage sind entscheidend für den Erfolg des Projekts. Daher sollte vor allem der Start, aber natürlich auch die Kommunikation für die Kampagnenlaufzeit, sehr gut geplant sein.

Und zweitens: Es ist viel Arbeit, das sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Wir haben unser geplantes Startdatum mehrmals nach hinten verschoben, damit zum Start auch wirklich alles sitzt.

Ihr habt nicht nur eines, sondern zwei Funding-Ziele festgelegt. Wieso?

Das erste Fundingziel ist der Mindestbetrag, den wir benötigen, um unsere Idee zu verwirklichen und die Dankeschöns, also die Gegenleistungen in Form von Seifen und Schalen, an unsere UnterstützerInnen zu verschicken. Wenn man das erste Fundingziel nicht erreicht, geht das Geld (zumindest bei einer Alles-oder-Nichts-Kampagne wie unserer) zurück an die UnterstützerInnen und als StarterIn bekommt man nichts. Das ist also die wichtigste Hürde. Danach bekommt man den Betrag ausgezahlt, der zusammengekommen ist, auch wenn das zweite Fundingziel nicht erreicht wurde.

Das zweite Fundingziel haben wir festgelegt, um auch unseren Soap Designer verwirklichen zu können. Die Programmierung ist komplexer und dafür benötigen wir das zweite Ziel von 9500 Euro.

Das erste Funding-Ziel habt ihr bereits erfolgreich erreicht. Nun läuft eure Kampagne noch bis zum 27. Oktober. Welche Tipps würdet ihr GründerInnen geben, die selbst darüber nachzudenken, ihre Idee über Crowdfunding zu initiieren?

Wir haben uns gefreut wie verrückt, als wir nach nur acht Tagen das erste Fundingziel erreicht hatten – jetzt geht es auf zum zweiten Ziel! Unsere Tipps: Wir sind immer noch total begeistert davon, wie viel Support und Tipps man auch von anderen StarterInnen erhält. Tauscht euch also mit so vielen Leuten wie möglich aus. Wir haben viele Kanäle genutzt, um auf unsere Kampagne aufmerksam zu machen. Neben unserem eigenen Netzwerk haben wir einen guten Mix aus Social Media und Newslettern eingesetzt. Interessant und vielleicht für viele überraschend dabei: Social Media ist gut und wichtig, bringt aber im Hinblick auf tatsächliche UnterstützerInnen deutlich weniger als zum Beispiel ein Newsletter-Anstoß in einer Zielgruppe, die nah am Thema Gründung dran ist.

Hero Image Courtesy of Kaikua