Das Ende: Die vielversprechende Nischenduft-Brand Commodity gibt auf

Eine erstaunliche Wendung: Die einst so vielversprechende Nischenduftmarke Commodity gibt auf. Am 12. April wurden die MitarbeiterInnen der Unternehmen Commodity Inc. in den USA und Commodity Europe Limited in Großbritannien entlassen. Die Produkte von Commodity bei Sephora in den USA sind zu heruntergesetzten Preisen erhältlich. Der Räumungsverkauf läuft. Grund für die Aufgabe von Commodity scheinen finanzielle Probleme zu sein. Ash Huzenlaub, ehemaliger CEO und Managing Director von Commodity, wies in einem Instagram-Post darauf hin, dass er versucht habe, die Marke zu kaufen und sie als „strategisch besser aufgestelltes und fokussiertes Londoner Unternehmen“ zu führen, um sie vor dem Ruin zu bewahren. Er schrieb: „Ich habe viel dazu gelernt, und es tut mir wirklich sehr leid, dass das Leben der Marke so abrupt endet. Unser Einsatzteam und ich, wir haben alles Mögliche unternommen, um weiterzumachen und unsere Lieferanten bestmöglich weiter zu bedienen, denen wir alles verdanken.“

In dem gleichen Instagram-Post lobte Huzenlaub die Brand auch für die Erwirtschaftung von Einzelhandelsumsätzen in Höhe von 23 Millionen US-Dollar, für die Etablierung der Marke in 642 Filialen in 16 Ländern und für den Aufbau einer Direct-to-Consumer-Infrastruktur in 30 Ländern über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren. Zusätzlich zu Sephora in den USA gehörten Commodity Space NK in den USA und Großbritannien, Sephora Middle East und Nordstrom zu dem Einzelhandelsnetz des ehemaligen Unternehmens. Das Sortiment umfasste Unisex-Düfte wie die Kultfavoriten Gold, Rain, Mimosa, Moss, Wool and Nectar, Body Lotion, Baderiegel und Kerzen. Vor der Schließung von Commodity standen eigentlich Hautpflegeprodukte auf der Liste, die bald lanciert werden sollten.

 

Commodity begann 2013 mit einem Probe-Set für Kunden. So konnten sie die Produkte testen, bevor sie die Düfte in Originalgröße kauften. by courtesy of Commodity

 

Huzenlaub, der über eine Direktnachricht auf Instagram kontaktiert wurde, ging nicht weiter auf die Bedingungen ein, die zum Ende von Commodity führten. Er teilte jedoch mit, dass er keinen Anteil an der Brand besitze. In den Registrierungsdokumenten der Commodity Europe Limited beim Handelsregister für England und Wales wird Konstantin Glasmacher als Person mit Leitungsfunktion angegeben. Glasmacher, Gründungspartner der Lagovent Ventures Group, ist Mitbegründer von HauteLook Inc. und Sole Society. Eine E-Mail an die Lagovent Ventures Group am Donnerstag blieb bis zur Pressekonferenz unbeantwortet. Laut Huzenlaubs Darstellung in einem Fashionista-Artikel vom Januar 2018 traf er Glasmacher 2014 in einem Londoner Café. Huzenlaub war früher bei Sweet Leaf Tea und ChicBaby tätig gewesen.

Yo Santosa und Owen Gee, die Köpfe hinter Ferroconcrete, einer Markenagentur aus Los Angeles, die Pinkberry populär machte, lancierten 2013 Commodity mit dem personalisierten und digitalisierten Verkauf von Düften. Sie verpassten der Brand eine minimalistische Ästhetik und ein Vertriebsmodell im Warby Parker-Stil. Die Kunden füllten einen Duftfragebogen aus. In Anlehnung an die Auswertungsergebnisse schickte Commodity ihnen anschließend fünf Duftproben zum Testen zu, um erst anschließend und bei Gefallen die Düfte in Originalgröße zu kaufen. Zur Geschäftsfinanzierung führten Santosa und Gee eine Kickstarter-Kampagne durch, die fast 57.000 US-Dollar einbrachte. (Beauty Independent bat um einen Kommentar von Ferroconcrete zu dieser Geschichte, erhielt aber keine Antwort.)

 

„Ich habe viel dazu gelernt, und es tut mir wirklich sehr leid, dass das Leben der Marke so abrupt endet. Unser Einsatzteam und ich, wir haben alles Mögliche unternommen, um weiterzumachen und unsere Lieferanten bestmöglich weiter zu bedienen, denen wir alles verdanken.“ – Ash Huzenlaub

 

Kurz nach ihrem Treffen im Jahr 2014 traten Glasmacher und Huzenlaub in das Unternehmen Commodity ein, und Gee und Santosa rückten zunehmend in den Hintergrund, obwohl Santosa mit zur Geschäftsführung der Marke gehörte. Im vergangenen Jahr erzählte Huzenlaub L’Officiel die Entstehungsgeschichte von Commodity und sagte, Glasmacher und er hätten aus der Brand schnell eine internationale Lifestyle-Marke gemacht. Im Jahr 2015 eroberte die Marke 24 Sephora Stores, und durch ihre geschlechtsneutrale Positionierung und ihren Duftansatz (Cocktailing) unterschieden sich die Produkte maßgeblich von dem klassischen Angebot an Parfums der Modehäuser. Commodity war auch einzigartig in der Auswahl exzellenter Parfümeure, zu denen unter anderem Donna Ramanauskas von der Robertet Group, Mathieu Nardin von Mane, Olivia Jan von Drom Fragrances und Ketrin Leka von French Color & Fragrance zählten.

Im Mai letzten Jahres erzählte Huzenlaub Women‘s Wear Daily, dass Commodity im Vergleich zum Vorjahr ein zweistelliges Umsatzwachstum ohne Werbeausgaben verzeichnen konnte. In einem Interview für Fashionista vier Monate zuvor erklärte er: „Das Spannende für uns ist jetzt, dass wir an Fahrt gewinnen und mit unserer Brand Identity, bei der wir durch den beabsichtigten Minimalismus das Produkt für sich sprechen lassen wollen, den gewünschten Erfolg erzielen. Ich kann unseren Designern, die großartige Arbeit leisten, nur ein großes Lob aussprechen. Unsere Intention ist es, den Konsumenten eben nicht durch das Marketing von dem eigentlichen Produkt abzulenken, egal ob Duft oder Kerzen oder was auch immer wir in Zukunft entwerfen werden.“

Das Retail-Netzwerk von Commodity umfasste 642 Filialen in 16 Ländern. Die Nischenduftmarke war bekannt für ihre Unisex-Düfte, für ihr minimalistisches Design, ihr Duft-Cocktailing und die Auswahl exzellenter Parfümeure. by courtesy of Commodity

 

Commodity hinterlässt enttäuschte Fans. Vince Veloria, Inhaberin des Blogs The Skincare Idol ist schockiert, dass es die Brand nicht mehr gibt. „Ich habe gesehen, wie die Brand aus dem Nichts aufgestiegen ist, und ich war wirklich beeindruckt von der Arbeit, die sie in der Branche geleistet haben: von der Zusammenarbeit mit verschiedenen Top-Parfümeuren bis hin zur Beschaffung seltener Inhaltsstoffe für ihre Duftnoten“, sagt sie und fügt noch hinzu: „Was die Marke von anderen unterschied, war das Konzept der Verbraucherinformation. Die Brand überzeugte mit ihrem informativen Ansatz, dass Düfte mehr sind als nur die Optik und das Branding. Der Brand lag es wirklich am Herzen, die Leute darüber aufzuklären, was Duftnoten eigentlich sind und wie sie funktionieren.”

Duftprüfer Joseph Secu glaubt, dass das Vermächtnis von Commodity in Huzenlaub weiterleben wird. Er sagt: „Es ist traurig, die Marke gehen zu sehen, aber ich persönlich glaube, dass Ash noch nicht fertig ist. Wie Phönix wird auch er aus der Asche auferstehen: Für Ash sehe eine spannende neue Zukunft.“

 

Hero Pic by courtesy of Commodity