Die Gründung einer Brand ist auch eine Sache der Motivation – erklärt uns Henriette Frädrich

Motivation ist alles. Doch aller Anfang ist schwer – das wissen vor allem diejenigen, die sich zur Gründung der eigenen Brand oder des eigenen Unternehmens entschieden haben. Denn neben vielen, hauptsächlich organisatorischen Hürden, wie einen Business Plan zu schreiben, die Strategie festzulegen oder die richtige Form der Finanzierung zu finden, gibt es besonders eine Herausforderung, die sich nicht immer ganz leicht aus dem Weg räumen lässt: das eigene Ich. Denn oft blockieren wir uns selbst, demotivieren uns, vergessen an uns zu glauben, obwohl wir gerade dabei sind, uns den eigenen Traum zu erfüllen.

Henriette Frädrich kennt diese Probleme nur zu gut. Gemeinsam mit ihrer Mutter gründetet die Diplom-Medienwirtin 2009 pharmatching.com und damit eine Plattform, die als Google der Pharma- und Biotech-Branche bekannt ist. Ihre dort gesammelten Erfahrungen gibt die hochschulzertifizierte Management-Trainerin nun in Form von inspirierenden, lehrreichen, humorvollen und bewegenden Vorträgen, Seminaren und Unternehmensschulungen weiter. Neben eigenen Buchprojekten ist das motivierende Multitalent auch Initiatorin des Geile Uschi Kongresses, der am 26. Oktober in Köln erstmals stattfindet und viele inspirierende Power-Frauen auf die Bühne holt.

Wie man sich selbst zum besten Freund macht, warum Rückschläge immer völlig in Ordnung sind und warum wir den inneren Schweinehund lieber an die Hand nehmen, anstatt ihn zu bekämpfen, erklärt Henriette Frädrich Beauty Independent in dem folgenden Interview.

Ihr Motto: „Mach doch einfach, was du willst. Und wie du es willst. Leben und arbeiten nach eigenen Regeln. Mit Herz und Hirn.“

 

Das hört sich prima an, ist aber keine einfache Aufgabe. Vor allem, wenn man nicht weiß, ob die eigene Idee tatsächlich die richtige ist. Wie findet man das heraus?

Dafür gibt es einen sehr guten Indikator: Wenn die Idee einen nicht mehr los lässt. Wenn man deswegen nachts nicht schlafen kann. Ich sage immer: Popcorn poppt nur, wenn es heiß ist. Das heißt: Wenn man sprichwörtlich „heiß“ auf die Idee ist, dann ist sehr gut möglich, dass es die richtige ist. Wenn ich mich selbst zum Leuchten bringe, dann kann ich es vergessen. Denn auch wenn man sich viel Mühe gibt, das Projekt fällt einem dann auf die Füße.

Und dann?

Als allererstes muss man sich von den Sicherheitsgedanken verabschieden. Man muss bereit sein ein Risiko einzugehen, Mut beweisen und verstehen, dass es keine Garantie für irgendein Handeln gibt – auch wenn wir den besten Businessplan der Welt schreiben und eine Million Jahre Marktforschung betreiben. Die Idee muss deswegen auch das Bauchgefühl und die Intuition wecken. Mit dem Kopf können wir uns viele Dinge schön reden, aber das reicht nicht. Gerade für Gründer, die viel Energie, Zeit und Geld investieren: Die Idee muss etwas sein, wofür das eigene Herz wirklich schlägt. Ansonsten wird es gerade mit dem Durchhalten schwierig.

Gerade bei Entscheidungen scheinen Kopf und Bauch uns auseinander zu reißen: Die eine Seite sagt das, die andere etwas anderes…

Kopf und Bauch, Verstand und Herz müssen Hand in Hand gehen. Der Bauch ist oft ein guter Indikator, um die richtige Entscheidung zu treffen. Denn hier spielt uns der Kopf gerne einen Streich, macht uns etwas vor und wir belügen uns selbst. Wir spüren es nämlich, wenn wir eine falsche Entscheidung treffen. Nichtsdestotrotz ist unser Verstand großartig, um Strategien zu erarbeiten, Pläne zu schmieden und analytisch vorzugehen. Erfüllend wird es dann, wenn beide eine Allianz bilden und man sich selbst vertraut. Das Selbstvertrauen ist wie ein Muskel, der trainiert wird und wächst, wenn ich ihn beanspruche.

Sich selbst auf einem kurvigen Weg, wie bei einer Unternehmensgründung, bedingungslos zu vertrauen, ist wahrscheinlich nicht für alle Entrepreneure einfach. Es werden einem oft Steine in den Weg gelegt. Wie räumt man diese zur Seite?

Man darf vor diesen keine Angst haben, sondern muss sie akzeptieren. Dazu passt meine Lieblingsmetapher: Ein Krabbenfischer fährt mit seinem Kutter und einem Freund aufs Meer hinaus. Der Freund schaut sich den Krabbenkorb an und sagt: „Da muss man einen Deckel drauf machen, sonst kriechen alle Krabben raus und laufen weg.“ Da sagt der Fischer: „Nee, das brauch ich nicht. Ansonsten würde eine Krabbe versuchen nach oben zu klettern und die anderen diese wieder runterziehen.“ Genau das passiert mit uns:

Es gibt Menschen, die nicht wollen, dass wir ausbrechen und unseren eigenen Weg gehen. Sie wollen uns zurückziehen, uns klein halten.

 

Anstatt zu sagen: Doch, ich krabbel da nun raus und ich verbünde mich mit den Krabben, die auch schon rausgekrabbelt sind. Ich würde mich immer mit Leuten zusammentun, die auf einem ähnlichen Weg unterwegs sind wie ich.

Und was macht man mit all den anderen?

Man muss sich bewusst entscheiden, von wem man Feedback annimmt, wer produktive Kritik äußert und von welcher Person man Kritik am besten an sich abprallen lässt, weil sie weh tut –ob aus der Familie, der Partner oder Freunde. Aber: Ein Unternehmen zu gründen, ist auch deswegen interessant, weil man das eigene Umfeld hinterfragen kann: Wer ist wirklich daran interessiert, mich wachsen zu sehen, und wer möchte mich klein halten? Es ist nicht unüblich, dass man auf so einem Weg das eigene Umfeld verändert. Das ist völlig in Ordnung so und gehört zum Prozess dazu.

Manche Aufgaben gehen einfacher von der Hand, andere sind nervig, anstrengend und langweilig. Wie schafft man es durch diese „Dürrephasen“?

Erstmal muss man akzeptieren, dass auch kleine Kröten mit dazugehören. Wenn das große Ganze stimmt und für mich einen Sinn ergibt, dann ist es gut. Man muss sich aber von der Idee verabschieden, dass nun jeder einzelne Schritt erfüllend ist und einen immerzu jeden Tag und jede Minute glücklich macht. Man muss auch mal zum Steuerberater oder zum Anwalt, wahrscheinlich ist das weniger erfüllend.

Aber solange das große Ganze stimmt, dann hält man auch das Kleine durch. Da hilft nur Selbstmotivation: super, ist zwar nervig, aber ich lerne was. Manchmal hilft es, nicht so viel über die Dinge nachzudenken, sondern einfach ins kalte Wasser zu springen. Nach dem Motto: eat that frog. Man muss einfach akzeptieren, dass auf dem Weg immer Dinge auftauchen, die einfach keinen Spaß machen.

Und wie sieht es mit großen Aufgaben aus, bei denen man nicht mal weiß, wo man anfangen soll?

Nicht erschlagen lassen. Den Mount Everest erklimmt man auch nicht an einem Tag, sondern in vielen Etappen. Man nennt das auch „chunking“, das bedeutet, dass man sich die Aufgaben in kleine Teile zerlegt, auf verschiedene Tage aufteilt und sich so realistische Ziele steckt.

 

Dann kann es auch passieren, dass man nach ein paar Wochen merkt: Hoppla, das habe ich ja geschafft.

Sie sind quasi eine Innere-Schweinehund-Expertin und haben ihm sogar einen Namen gegeben, nämlich Günther. Wie bekämpfen wir diesen?

Gar nicht, wir müssen Günther an die Hand nehmen. Auch wenn man das liebt, was man tut: Es ist absolut normal, dass es auch mal Tage gibt, an denen man einen Durchhänger hat. Das darf man sich zugestehen. Aber wer wirklich angetrieben von seiner Idee ist, der hat an Tag Zwei schon wieder Lust auf das, was er tut. Erholungsphasen sind trotzdem wichtig. Ich hatte vorgestern auch einen Tag, an dem sich alles komisch angefühlt hat, an dem ich mich nicht konzentrieren konnte und nichts klappte. Das passiert. Jeder Tag ist wie ein weißes Blatt, und man sollte auf diese Up-and-Downs vertrauen. Wir müssen nicht jeden Tag funktionieren.

Trotzdem sollte man die Ruhephasen nicht übertreiben, oder?

Es darf eben nicht einreißen. Wenn ich eine Woche „rumhänge“, wird es schwieriger wieder in Gang zu kommen.

Viele Menschen glauben, dass die Motivation vom Himmel fällt und dann fange ich an zu arbeiten. Das ist jedoch ein großer Denkfehler.

 

Wir müssen den allerersten Schritt, nämlich vom Nichthandeln zum Handeln, selbst tun. Wie sagt man so schön: „Einfach loslegen“. Wenn wir erst mal angefangen haben, dann merken wir ja: super, wir sind drin. Und dann kommt die Motivation von ganz allein. Dann bleibt man auch dabei.

Ein Tipp: niemals auf die Motivation warten. Es gibt ein Lied von den Fantastischen Vier, an das ich immer denke, und das heißt „Aller Anfang ist Yeah“ – und nicht schwer. Genauso muss man das sehen.

Muss man sich denn öfters mal selbst und die eigenen Errungenschaften feiern und stolz auf sich sein?

Auf jeden Fall! Man darf stolz sein und das auch am Ende eines Tages oder am Ende einer Woche. Gerade als Gründer, wenn so viele verschiedene Themen auf einen einprasseln. Jeden Tag trägt man so viele Hüte, ist man auf so vielen Baustellen unterwegs. Man muss ja nicht immer den Club stürmen und die Magnum-Flasche öffnen, aber anzuerkennen, was man selbst geleistet hat, dass sollte und muss man. Heute wird ja immer so viel geopostet, und es ist auch toll, die eigenen Erfolge zu zeigen. Man kann die Leute aber auch durchaus mal am Gegenteil teilhaben lassen, sprich, der Termin war gar nichts. Ich glaube, es ist wichtig, für sich selbst und die Umwelt ganz realistisch mit dem Prozess umzugehen. So merkt man ja, dass man nicht allein unterwegs ist.

Und wie geht man am besten mit Rückschlägen um?

Das gehört dazu. Es ist völlig utopisch, dass ein Projekt reibungslos von A bis Z durchläuft, wir auf dem gesamten Weg bejubelt werden und uns das Leben den roten Teppich ausrollt. Das passiert nicht. Wir werden Probleme haben, darauf müssen wir uns einstellen. Springt etwa der Cremehersteller ab, gehen damit auch die investierte Zeit und das Geld flöten. Das Leben ist nun mal Lifelong Learning, und dann es ist eine Lektion, dass es vielleicht nicht der richtige Partner war. Natürlich darf ich in diesen Situationen ausflippen, schreien, fluchen und heulen. Aber: Danach macht man am besten eine kurze Pause. Schließlich ist nichts schlimmer, als mit einem gefühlsbeladenen Kopf Entscheidungen zu treffen.

Es ist wie in einem verschmutzten Wasserglas: wenn der Dreck aufgewirbelt wird, dann sollte man nie handeln. Der Schmutz muss erst sinken und erst wenn das Wasser wieder klar ist, kann man durchatmen und eine Lösung finden. Und die gibt es immer und für alles. Man schiebt das Thema am besten zur Seite und weiter geht‘s.