Doctor-Brand Augustinus Bader: Stammzellen & Beauty neu definiert

Den Google-Test hat Augustinus Bader direkt bestanden: In den ersten Wochen dieses Jahres wurde die Marke weltweit öfter in die Suchmaschine eingetippt als andere Doctor-Brands wie etwa Dr. Barbara Sturm, Dr. Loretta, MZ Skin oder Royal Fern. Business of Fashion hatte Augustinus Bader bereits im Sommer 2019 als „the most googled name in skincare“ bezeichnet. Doch was steckt eigentlich hinter dem Erfolg des Unternehmens, das innerhalb kürzester Zeit die Top Shelves von Hailey Bieber, Victoria Beckham und Alexa Chung erobert hat?

Der Ansatz, Erkenntnisse aus der Stammzellenforschung auf die Entwicklung von Beauty-Produkten anzuwenden, ist sicherlich nicht neu. Eine Vielzahl an Beauty-Brands setzt auf Formulierungen, die pflanzliche Stammzellen enthalten, darunter Sarah Chapman, Juice Beauty oder auch Annemarie Börlind. Seit einigen Jahren machen zusätzlich Produkte und Behandlungen von sich reden, bei denen menschliche Stammzellen zum Einsatz kommen. Doch egal welchen Ursprungs, in erster Linie haben Stammzellen aufgrund ihrer regenerierenden Wirkung besonders bei Anti-Aging-Produkten lange eine Rolle gespielt. Mittlerweile sind sie immer häufiger auch fester Bestandteil von Foundations oder Tagescremes – weil VerbraucherInnen heute Produkte erwarten, die der Hautalterung durch diverse Umwelteinflüsse frühstmöglich und ganz selbstverständlich vorbeugen.

In den Produkten von Augustinus Bader ist nicht eine einzige Stammzelle zu finden. Und das ist die Innovation. Die Cremes erhalten einen patentierten Trigger Factor Complex, TFC8, der sich aus Vitaminen, natürlichen Aminosäuren und Molekülen, die ebenso in der Haut vorkommen, zusammensetzt. Statt Regenerationsprozesse der Haut durch die Anwendung eigener oder externer Stammzellen zu aktivieren, triggert diese Technologie die Erneuerungs- und Reparaturmechanismen der körpereigenen Stammzellen. Der Vorgang im Körper verläuft gemäß der von Bader benannten ABC-Methode: Aktivierung, Boosting, Commitment – Zellen werden sensibilisiert, die Neubildung von Gewebe wird angeregt und die Regeneration ausgelöst. „Die Rolle der Wissenschaft ist es, von der Natur und aus natürlichen Prozessen zu lernen. Andererseits ist es ihre Aufgabe bereits bestehende Prozesse unterstützen. Unsere Produkte basieren auf genau dieser strengen Definition von Wissenschaft“, sagt Prof. Dr. Augustinus Bader. Seit 30 Jahren forscht er im Bereich regenerative Medizin und Stammzellen und hat sich besonders intensiv mit der Entwicklung von Behandlungsmethoden von Brandverletzungen auseinandergesetzt. Seit 2003 ist er Leiter und Professor am Institut für Angewandte Stammzellbiologie und Zelltechniken der Universität Leipzig.

 

Augustinus Bader, Gründer und Geschäftsinhaber von Augustinus Bader.
Prof. Dr. Augustinus Bader, Gründer und Geschäftsinhaber von Augustinus Bader. Credit: Augustinus Bader

 

Geschäftspartner, die sich ergänzen

Mit seinem wissenschaftlichen Hintergrund hat er in Charles Rosier, Mitbegründer und ursprünglicher Initiator der Marke Augustinus Bader, einen ebenso visionär denkenden Geschäftspartner gefunden. Die Zusammenarbeit des Wissenschaftlers und des französischen Geschäftsmanns, der bereits Erfahrungen beim Finanzieren und Investieren in Biotech-Unternehmen gesammelt hat, ist neben dem innovativen Produkt eine weitere Komponente des Erfolgs der Doctor-Brand. Tatsächlich dauerte es aber zwei Jahre, bis Rosier Bader endgültig überzeugt hatte. Währenddessen testete der Mediziner bereits den Prototypen eines Hautpflegeprodukts, das Wirksamkeit zeigte. Der große Zuspruch seiner Patienten war schließlich mitausschlagend für die Entscheidung Baders, 2017 Mitbegründer der nach ihm benannten Firma zu werden. Als weitere Motivation nennt er außerdem den karitativen Aspekt: Zehn Prozent des Erlöses gehen an die Augustinus-Bader-Stiftung. „Bei der Stiftung geht es darum, das Leid von Menschen zu lindern, die schwere Verbrennungen erlitten haben. Die Kosmetikmarke existiert, um Technologien und Entwicklung auf dem Gebiet der Stammzellenforschung voranzutreiben, einschließlich Hauttherapien für Kinder, die an den Folgen schwerer Verbrennungen leiden“, sagt Bader.

 

Die zwei blauen Produkte „The Cream“ und „The Rich Cream" von Augustinus Bader.
„The Cream“ und „The Rich Cream“, die beiden ersten Unisex-Produkte von Augustinus Bader. Credit: Augustinus Bader

Anfang 2018 hat Augustinus Bader die ersten beiden Unisex-Produkte mit den simplen Namen „The Cream“ und „The Rich Cream“ auf den Markt gebracht. Kurze Zeit später, im Frühjahr, eröffnete der Flagship-Store in Paris. Ein interessanter Schachzug, wenn man bedenkt, dass dort anfangs lediglich zwei Ausführungen einer Gesichtscreme angeboten wurden. Doch der Blick auf das Preisschild der Cremes (50 Milliliter kosten 225 Euro) macht die Schaffung eines physischen Stores nachvollziehbar – ein Ort, an dem die Produkterfahrung in exklusivem Umfeld stattfinden kann. Warum die Marke nicht direkt eine gesamte Pflegeserie entwickelt hat, erklärt Prof. Dr. Bader wie folgt: „Ich glaube an Einfachheit. Darüber hinaus konzentriere ich mich aber auch darauf, nachhaltige Produkte zu entwickeln, die messbare Ergebnisse liefern. Der Grund, warum wir zwei Produkte auf den Markt gebracht haben, war, dass wir auf die beiden häufigsten Hauttypen abzielen: normale bis fettige sowie trockene Haut.“

 

Der imposante Flagship-Store von Augustinus Bader in Paris. Credit Augustinus Bader

Die Haut als Zeichen für Gesundheit

Der Hype um die Marke ist wohl zu einem großen Teil auch auf die große Befürwortung der Produkte durch diverse Celebrities zurückzuführen. Schauspielerin Melanie Griffith hat „The Cream“ so sehr überzeugt, dass sie direkt als Investorin eingestiegen ist. Hailey Bieber zeigt die Creme (unbeauftragt) in Instagram-Stories und Alexa Chung nennt sie in Interviews als festen Bestandteil ihrer Beauty-Routine. Nach Produkt Nummer drei – „The Body Cream“ – hat Augustinus Bader nun im November ein viertes Produkt gelauncht – in Zusammenarbeit mit Victoria Beckham. Die Designerin ist ebenfalls Kundin und von sich aus mit der Idee einer Kollaboration auf die Marke zugegangen. Nachdem Victoria Beckham bisher nur dekorative Kosmetik unter ihrem Namen verkauft hat, ist der „Priming Moisturizer“ ihr erstes Hautpflegeprodukt.

Innovation, der Glaube an die Wirksamkeit des eigenen Produkts, eine effiziente Zusammenarbeit, einen Wohltätigkeitsaspekt und die richtigen Kunden – all das kann die Marke Augustinus Bader vorweisen. Darüber hinaus hat sie einen Wandel der Beauty-Industrie erkannt: „Dieser liegt im Wesentlichen in dem Bewusstsein, dass die Haut ein Zeichen für Gesundheit ist“, erläutert Bader.

 

 

Hero Pic courtesy of Augustinus Bader