Gemeinsam stark: So reagieren Indie Beauty-Entrepreneure auf die Corona-Krise

Die Corona-Pandemie macht uns mehr denn je bewusst: Wir sitzen alle im selben Boot. Wir alle stehen vor einer großen wirtschaftlichen und humanitären Herausforderung, befinden uns im Balanceakt zwischen Schadensbegrenzung und der Suche nach kreativen Wegen zum Weiterbestehen. Deswegen ist es jetzt umso wichtiger, gemeinsam zu handeln – Zusammenhalt zu beweisen, gegenseitige Unterstützung anzubieten und Inspiration zu teilen. 

 

Sicher ist, dass wir Social Distancing perfektionieren müssen, um die Gemeinschaft zu schützen. Sicher ist auch, dass wir Social Solidarity zeigen müssen”, schrieb unsere Editor-in-Chief in unserem Newsletter. Viele Indie Brands und Retailer setzen dies bereits um: Sie geben Rabatte auf Produkte, starten Live-Workshops und Beratungen auf Instagram, tun sich mit anderen kleinen Labels zusammen. Es zeigt einmal mehr, wie agil, reaktionsschnell und community-orientiert unabhängige Brands sind. Das ist eine Stärke, das haben sie anderen einfach voraus.

Und genau das wollen auch wir bei Beauty Independent weiter fördern, indem wir Ihre Gedanken und Ideen teilen und Indie Beauty-Entrepreneure zu Wort kommen lassen. Welche direkten Auswirkungen bekamen Sie zu spüren, welche Maßnahmen haben Sie ergriffen? Und: Was raten Sie der Beauty-Community? Wie verbreiten Sie ein positives Mindset? GründerInnen und GeschäftsführerInnen berichten.

 

Katharina Bürger, BINU

Unser lang geplanter Messeauftritt bei der Indie Beauty Expo Ende März ist leider ausgefallen. Hier wollten wir den Relaunch und die neuen Produkte unserer Marke Sandawha präsentieren und haben alle Maßnahmen darauf abgestimmt. Die wundervolle Gesichtspflege-Line auf Basis der Camellia japonica hätte wirklich Aufmerksamkeit verdient. Außerdem musste ein Großteil unserer Partner – Einzelhändler in Deutschland – vorübergehend schließen. Wir kennen die meisten Händler persönlich, die jetzt existenziell bedroht sind, das geht uns nah. Diese Schließungen betreffen uns natürlich auch wirtschaftlich ganz erheblich. Bestellungen im stationären Einzelhandel sind sofort nach dem Ausbruch von Corona ausgeblieben.

Wir haben gerade das Glück, einen funktionierenden Onlineshop und einen zuverlässigen Versanddienstleister zu haben. Außerdem haben wir uns der sehr kreativen Initiative #strongertogether von Swantje van Uehm angeschlossen, die mit einer eigenen Plattform kleine nachhaltige Labels vorstellt. Auf der Website www.stronger-together.de werden alle teilnehmenden Labels präsentiert. Alle Brands bieten mit dem Code TOGETHER einen Rabatt in ihren eigenen Webshops an. Notgedrungen schwenken wir nun alles auf online um und intensivieren die Maßnahmen. Auch der Content wird angepasst, um relevant zu bleiben.

Seid schnell und kreativ, vereint euch. Unterstützt selbst privat kleine Unternehmen statt Großkonzerne. Das ist sicher manchmal etwas holpriger, aber die Welt wäre schrecklich langweilig, wenn es die vielen kleinen bunten Läden und Persönlichkeiten nach Corona nicht mehr gäbe.

 

Marina Zubrod, Matica Cosmetics

Die Umsätze im Onlineshop gehen zurück, unseren Laden in Hamburg mussten wir schließen, wöchentliche Workshops sind nicht mehr möglich. Darüber hinaus hatten wir große Pläne: Eine TV-Produktion stand an, die IBE Messe in Berlin in Kombination mit einem großen Produktlaunch. Das sind herbe Rückschläge für uns, aus denen wir nun das Beste machen. Glücklicherweise haben wir Produktion und Versand unter Kontrolle, sodass wir einwandfrei produzieren und verkaufen können. Jammern ist sowieso nicht meine Stärke, und als Unternehmerin ist man es gewohnt, Schwierigkeiten zu überwinden.

Zahlreiche Ideen habe ich bereits umgesetzt: Unsere DIY-Workshops bieten wir jetzt online an und wir wollten sowieso auf Amazon starten, das steht jetzt nächste Woche an. Darüber hinaus haben wir eine 24-Stunden-Comeback-Party unserer Limited Edition STELLA aus dem letzten Jahr gefeiert. Wir müssen kreativ sein, um die Kunden zu unterhalten und den Onlineshop am Leben zu halten. Diese Woche habe ich mit einer bekannten Online-Plattform gesprochen, hoffentlich können wir dort eine Aktion starten. Die Teilnahme an der IBE Berlin wollen wir umwandeln in eine Teilnahme an der IBE LA 2020. Darauf hatte ich sowieso nach einer erfolgreichen IBE Berlin 2020 gehofft. 

Seid offen mit euren Mitarbeitern und Geschäftspartnern mit Blick auf Liquidität und Möglichkeiten. Wir wissen alle nicht, wie lange die Situation anhält und ob es sich nicht noch weiter zuspitzt. Sucht den Dialog zu euren Bank- und Steuerberatern und haltet Ausschau nach allen Hilfen der Regierung. Falscher Stolz ist gerade fehl am Platz, wir sind alle in irgendeiner Form negativ betroffen. Nutzt die Zeit und arbeitet an strategischen Themen, wie zum Beispiel Relaunches von Webseiten, Branding oder Marketing-Material. Tauscht euch mit Branchenkollegen aus – ich bin täglich mit zahlreichen Unternehmerinnen im Whatsapp-Dialog. Wir klagen uns gegenseitig unser Leid und unterstützen uns mental. Die Sicherheit unserer Gesellschaft ist wichtiger als das Individuum, wir müssen zusammenhalten und gemeinsam können wir das schaffen!

 

Asita Morgan & Katharina Hartwich, Philokalist

Wir hätten niemals gedacht, dass wir viereinhalb Monate nach der Eröffnung unseres Stores die Türen wegen landesweiten Sicherheitsmaßnahmen wieder schließen müssen. Solch eine Krise hatten wir in unserem Business-Plan natürlich nicht berücksichtigt, und wir haben uns kurz geärgert, noch keinen Online-Shop zu haben. So mussten wir mit unseren eigenen Mitteln kreativ werden. Relativ spontan kam uns die Idee, eine virtuelle Shopping-Tour via Instagram-Live-Funktion anzubieten. Auch wenn wir beide keine Profis vor der Handykamera sind, haben wir uns schnell damit arrangiert. Außergewöhnliche Situationen verlangen eben, dass man sich aus seiner Komfortzone herausbewegt und hoffentlich an den Herausforderungen wächst. Die Reaktionen auf die Live-Session und der Support aus unserer Community waren sensationell. Es ist unbeschreiblich schön, den Rückhalt von so vielen Menschen zu haben, die uns mit ihren Einkäufen unterstützen, aber auch praktisch mit “anpacken” und uns nun beim Aufbau des Online-Shops helfen. Sofern es die Situation zulässt, werden wir weitere Live-Sessions anbieten und diese immer weiter optimieren, bis wir unseren Online-Shop launchen können. Wir werden uns aber auch weiterhin kreative Wege ausdenken, KundInnen unser Sortiment zugänglich zu machen. Im Frankfurter Raum fahren wir die Bestellungen aktuell wie ein Lieferservice aus.

Bisher hat uns diese Krise gelehrt, dass wir nur gemeinsam hier durchkommen. Und dass Zusammenarbeit und der gesellschaftliche Zusammenhalt immens wichtig sind. Das fängt beim Einkaufsverhalten an, etwa der Einhaltung des Sicherheitsabstandes, und geht hin bis zum gegenseitigen Support von lokalen Geschäftseinrichtungen. Es gibt viele Wege, uns gegenseitig zu unterstützen: Instagram-Stories reposten, die auf die kleinen Läden aufmerksam machen, bei lokalen Restaurants bestellen und sein Essen abholen oder liefern lassen, diese Gastronomien wiederum auf Sozialen Medien teilen, Gutscheine kaufen…

 

Dr. Theresa Friedrich, Derma ID

Unser Geschäft mussten wir schließen, aber zum Glück haben wir einen Onlineshop. Unsere Produktion befindet sich direkt bei uns im Haus und das hat für uns nun einen großen Vorteil, da wir auf keine andere Firma angewiesen sind. Aber man spürt schon ein hohes Level an Verunsicherung unter unseren Kunden. Wir nutzen die Zeit, um unsere Projekte neu zu ordnen und überlegen, welche strategische Ausrichtung wir weiter verfolgen wollen. Definitiv werden wir das Onlinemarketing und den digitalen Kundenkontakt stärker ausbauen. Das wird uns hoffentlich auch nach der Krise helfen. Auch wenn oder gerade weil wir alle räumlich entfernt sind, finde ich es umso wichtiger, vernetzt zu bleiben. Ich glaube, wir werden eine kollektive Kraft brauchen, um wieder vorwärts zu kommen. Die Welt wird nach der Krise anders sein. Ich finde es sehr schön, dass viele kleinere Brands sich gegenseitig auf den sozialen Netzwerken verlinken und Inhalte teilen. Es sind auch Webseiten entstanden, auf denen sich kleine Unternehmen eintragen und zeigen können, was für Services sie anbieten. Gemeinsam schaffen wir es!

 

Anja Raiser, aynio GmbH, SHAMANIC & ASHÉ

Unsere MitarbeiterInnen und wir arbeiten bereits seit dem 12. März von zuhause aus. Die Abstimmungen sind andere, aber es klappt alles in allem gut. Bei uns wird weiter bestellt, allerdings ist eine gewisse Vorsicht spürbar. Dennoch brauchen die Menschen wohl gerade jetzt gute Energie über unsere Energy Perfumes (in dem Fall von ASHÉ) – oder nehmen sich etwas Zeit fürs Home Spa (mit SHAMANIC). Wir freuen uns darüber, dass wir weiter Bestellungen erhalten und im Dialog mit vielen KundInnen sind. Unsere selektiven Stores, Parfümerien und Kosmetikstudios, national wie international, sind teilweise geschlossen oder haben kaum noch Kundschaft. Das ist für alle Beteiligten hart. Aber gerade in dieser Zeit möchten und werden wir zu ihnen stehen und uns da solidarisch zeigen. Wir kommen unseren Händlern, mit denen wir partnerschaftlich arbeiten, sehr entgegen und machen diesen nicht noch zusätzlichen Druck und Stress.

Mit unseren KundInnen kommunizieren wir intensiv, beraten sie online und sind viel im Austausch (über unsere Social Channels, unsere Chat-Funktion, per E-Mail und Skype). Wir freuen uns über Nachrichten und nehmen uns Zeit für die Beantwortung. So füttern wir unser SHAMANIC Magazin auf der Website mit spannendem und interessantem Content für alles, was man zuhause machen kann. Daneben gibt es spezielle Aktionen. Aktuell ein ASHÉ Parfum als Geschenk beim Kauf von zwei SHAMANIC Pflegeprodukten. Unsere Online-Kanäle sind für uns weiterhin parallel zum Handel von großer Bedeutung. Aber es wird auch wieder die Zeit kommen, wo offline und online verzahnt läuft.

Nutzt die Zeit, um nicht nur an das Business zu denken. Kümmert euch: um euch selbst, eure Kids, eure Eltern (auch wenn ihr sie nicht sehen könnt), eure Liebsten. Helft auch anderen, wo ihr könnt. Seid froh, dass ihr gesund seid – und bleibt trotz aller schlechten Nachrichten optimistisch und positiv! Es geht nicht nur ums Finanzielle – viele Dinge kosten nichts und bringen Freude in den Alltag. Konsum ist schön und wir freuen uns alle darüber, aber es ist nicht der Sinn des Lebens.

 

Sarah Clozel, Archipel

Die Schweiz hat am 16. März den nationalen Notstand verhängt und veranlasst, dass alle Läden, die nicht systemrelevant sind, schließen. Wir unterstützen diese Entscheidung, auch wenn es für uns als Ladengeschäft natürlich sehr schwierig ist. Obwohl wir weiterhin Online-Bestellungen abwickeln, ergibt sich für uns ein finanzielles Problem, da wir nach wie vor viele Ausgaben und sehr begrenzte Einnahmen haben.

Ich versuche, die Kosten weitestgehend zu senken, um uns so lange wie möglich über Wasser halten und das Beschäftigungsverhältnis meiner Mitarbeiterin aufrechterhalten zu können. Zusätzlich behalte ich die Maßnahmen im Blick, die auf Bundes- und lokaler Ebene zur Unterstützung kleiner Unternehmen ergriffen werden. Auch bleibe ich in engem Kontakt mit anderen Einzelhandelsgeschäften in der Nachbarschaft. Dies ist erst der Anfang der zweiten Woche in diesem wirtschaftlichen Schockzustand, daher fällt es mir im Moment schwer, kreativ zu sein. Aktuell liegt das Hauptaugenmerk auf den organisatorischen Aspekten und Maßnahmen, die notwendig sind, damit wir als kleiner Wirtschaftsakteur diese Krise überstehen. Ich hoffe wirklich, dass Kreativität schnell einen Platz in unserem Umgang mit der aktuellen Situation finden wird. Das ist aber erst möglich, wenn die auf Regierungsebene ergriffenen Maßnahmen uns helfen können, etwas Erleichterung schaffen und uns die Planung für die Zukunft ermöglichen. Solidarität ist in dieser Zeit eindeutig der Schlüssel. Ich würde mich freuen, wenn UnternehmerInnen, die sich in diesen schwierigen Zeiten mit uns zusammentun und austauschen möchten, sich bei uns melden.

 

Dr. Cinthia Briseño, Tobs

Da wir unsere Kosmetikkabine sowie den stationären Store schließen mussten, sind unsere Haupt-Umsatzquellen komplett versiegt. Wir sind ein kleiner Store mit einem kleinen Team und mussten nun für alle festangestellten Mitarbeiterinnen Kurzarbeit beantragen. Diese Maßnahme sowie die Stundung der Miete sind die wirtschaftlich schnellsten und effektivsten Schritte, die wir vorerst ergreifen konnten und mussten. Wir wünschen uns natürlich, unsere Mitarbeiterinnen zu halten, und hoffen, dass unser Online-Shop einen großen Teil der Umsatzeinbußen wieder auffangen kann. Deshalb versuchen wir jetzt, uns vollständig auf die Stärkung des Internet-Geschäfts zu fokussieren. Wir investieren vermehrt Ressourcen in den Ausbau von Social Media, Online-Marketing, Newsletter-Marketing und einem Podcast. Zudem versuchen wir, uns lokalen Aktivitäten anzuschließen. Es ist aber derzeit noch nicht so einfach für uns, die passende Initiative zu finden. Wir sind auf der Suche!

 

Miriam Jacks, JACKS beauty line

Leider mussten alle unsere Händler ihre Läden schließen, viele Bestellungen wurden gecancelt und der Webshop liegt auch mehr oder weniger brach. Da wir sowieso seit drei Jahren von einer Digitalisierung im Bereich Beauty-Beratung sprechen, werden wir uns nun auf dieses Thema fokussieren. Das heißt, wir werden Online-Workshops zu unter anderem folgenden Themen anbieten: Wie benutze ich Make-up-Pinsel richtig? Wie trage ich meine Foundation am besten auf? Wie betone ich das Gesicht? Da unsere Pinsel relativ beratungsintensiv sind, passt das, glaube ich, ganz gut. Zudem wollen wir Workshops für andere UnternehmerInnen anbieten, indem wir gemeinsam brainstormen, wie es jetzt weitergeht, was man tun kann, um sein Unternehmen weiter aufzubauen und nicht gänzlich zu verlieren.

Gebt nicht auf! Wir müssen jetzt alle kreativ werden, mit unseren Mitarbeitern gemeinsam Konzepte erarbeiten und uns gegenseitig bestärken.

 

Suse Leifer & Claudia Seehusen, Ogaenics

Da der Handel in Deutschland momentan für uns als Geschäftsfeld nahezu zu 100 Prozent wegbricht, konzentrieren wir uns in dieser Krise aktuell auf unsere internationalen Kunden und unseren Online-Shop.

Wir haben uns bei Ogaenics dazu entschieden, alle Immunsystem-unterstützenden Produkte im Preis um zehn Prozent zu reduzieren. Die Aktion wird bis Ende des Monats in unserem Shop laufen. Wir arbeiten gerade mit Hochdruck daran, unsere Produktion an die drastisch gestiegene Nachfrage anzupassen und so sicherzustellen, dass wir diese stets ausreichend auf Lager haben. Unsere Ogaenics-Team-Mitglieder arbeiten gemäß der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts im 14-tägigen Wechsel im Home-Office und im Büro, um die Gesundheit und das Wohlergehen aller und gleichzeitig eine Erreichbarkeit sicherzustellen. Auch in unserem Versand greift ein rotierendes System beim Einsatz der Mitarbeiter, um die täglichen Versände sicherstellen zu können. Dadurch stellen wir auch in diesen turbulenten Wochen sicher, dass die meisten Bestellungen noch am selben Tag unser Lager verlassen und unsere Kunden in kürzester Zeit erreichen.

Wir sind bereits erfolgreich in Hongkong bei Beyorg und starten dort nun auch in den China Cross-Border-Handel. Die Nachfrage in Hongkong ist zudem drastisch gestiegen, da dort kein Shutdown des Einzelhandels stattgefunden hat und wir viele unterstützende Produkte für das Immunsystem haben. Dort werden erfolgreich die Immun-Booster im Rahmen einer Promotion verkauft. Hier gilt es für uns, die gestiegene Nachfrage bedienen zu können und sicherzustellen, dass wir unsere Rohstoffe und Verpackungsmaterialien stets ausreichend vorrätig haben. Das versuchen wir gerade, bestmöglich zu managen, und wir stehen im engen Austausch mit unseren Zulieferern.

 

Kornelia Rose, Organic Luxury 

Da wir in Kontakt mit sehr vielen Marken und Lieferanten weltweit sind, die in den vergangenen Monaten bereits mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen hatten, haben wir schon damit gerechnet, dass es auch in Deutschland zu entsprechenden Maßnahmen kommen würde. Speziell bei Lieferanten aus Italien merken wir aktuell, dass es etwas schwieriger wird. Im Prinzip haben wir uns aber bereits seit Januar mit dem Thema beschäftigt. Was insofern gut war, da wir so unseren KundInnen schon relativ früh kommuniziert haben, dass es eventuell zu einer vorübergehenden Schließung des Geschäfts kommen könnte.

Wir haben da einen sehr persönlichen Weg gewählt und alle StammkundInnen angerufen. Diesen engen Kontakt halten wir nun nach wie vor, bieten Beratungsgespräche über das Telefon an und lassen die KundInnen wissen, dass sie via Online-Bestellung oder per Anruf all die Produkte, die sie sonst nutzen, natürlich weiterhin bei uns bekommen können. Diesen engen Austausch mit KundInnen aufrechtzuerhalten, kann ich jedem nur ans Herz legen. Durch den Online-Shop wird es bei uns auch in den nächsten Wochen weitergehen. Zu den Bestellungen packen wir ein paar Pröbchen mehr dazu. Erstens, weil KundInnen aktuell nicht die Möglichkeit haben, neue Produkte direkt im Laden auszuprobieren. Und zweitens, weil sie nun natürlich auch ein bisschen mehr Zeit haben, andere Brands ganz in Ruhe zu testen und wir ihnen damit vielleicht eine kleine Freude machen können.

 

Kim Petri, Schminkbar

Anfangs konnten wir ziemlich normal mit dem Tagesgeschäft weiterverfahren. Dank dem Vertrauen unserer Kunden in unsere strengen Hygienestandards – wir informierten uns täglich über das BAG und tauschten uns immer wieder mit Ärzten aus – bemerkten wir ein Abflachen der Nachfrage erst mit den härteren Maßnahmen durch die Regierung. Dann erging es uns wie den meisten anderen auch: signifikanter Rückgang der Nachfrage, viele Absagen von bereits gebuchten Terminen, weniger Spontanbesuche und viele Anrufe aufgrund der allgemeinen Verunsicherung in der Bevölkerung.

Wir haben in der Schweiz das Glück, dass wir mit der Unterstützung der Arbeitslosenkasse und beispielsweise auch den gelockerten Bedingungen für Kredite durch den Bund auf finanzielle Unterstützung durch den Staat zählen können. Gleichzeitig ist mein Mann Marc, der gleichzeitig Mitinhaber ist, in ständigem Kontakt zu unseren Vermietern und Lieferanten, um die monatlich wiederkehrenden Fixkosten auf ein Minimum zu reduzieren. Vom “Heftli-Abo” bis hin zur hohen Miete, wir suchen das Gespräch mit allen Partnern, denn diese Krise kann man nur gemeinsam bewältigen und die Solidarität ist in unserem Fall beeindruckend! Meine Schwester Lia und die restlichen Geschäftsleitungsmitglieder haben gleich zu Beginn des Lockdowns alle Kunden persönlich telefonisch kontaktiert und auch hier war die Empathie und die Treue überwältigend – es gab kaum Gäste, die nicht bereits wieder einen Termin in den Folgemonaten gebucht haben.

Und trotz “Stillstand” im täglichen Geschäft versuchen wir unsere Kunden, soweit es geht, auch weiterhin mit Beauty-Tipps und Produktlieferungen zu versorgen. Ich habe beispielsweise unter dem Hashtag #inmitkim eine Video-Serie auf Instagram gestartet, um allen Frauen, die zurzeit gezwungenermaßen zuhause ihre Zeit absitzen, ein paar erfrischende und hilfreiche Beauty-Tipps zu geben. Für ein Unternehmen ist es extrem wichtig zu wissen, wie es um die eigene finanzielle Lage steht. Wie lange kann ich mein Geschäft über die Runden bringen, bis mir wortwörtlich das Geld ausgeht? Deshalb empfehle ich, falls nicht schon geschehen, dass man eine Liste der Fixkosten macht und versucht, diese so schnell wie möglich zu reduzieren. Und dafür braucht es Gespräche. Kontaktiert eure Vermieter, versucht wiederkehrende Abonnementskosten zu sistieren oder aufzuschieben, sucht das Gespräch und erklärt die Situation, in welcher ihr euch befindet.

Wer keine Kurzarbeit angemeldet hat, sollte dies unbedingt sofort tun. Es ist eine staatliche Unterstützung, die dafür da ist, Arbeitsplätze von MitarbeiterInnen sichern, welche nach der Krise wieder benötigt werden. Es macht keinen Sinn, Menschen zu entlassen, damit man sie danach wieder einstellt. Dafür hat uns der Staat diese Unterstützung eingerichtet und das ist toll. Nutzt eure Kundendaten. Versendet Newsletter, damit eure Gäste wissen, wie ihr mit der Krise umgeht. Informiert auch eure Mitarbeitenden immer wieder. Eine offene Kommunikation ist wichtig und kann euch im besten Fall ein stärkeres Image geben, welches sich nach der Krise positiv auf euer Geschäft auswirken wird. Sucht Rat bei anderen, denen es ähnlich ergeht. Viele haben bereits Maßnahmen ergriffen und erfolgreich umgesetzt. Teilt euer Know-how, um Zeit zu sparen! Und wer kann und die nötige Infrastruktur dazu besitzt: Pflegt euren Onlineauftritt und -handel. Und wer keinen Onlineshop hat und trotzdem Produkte versenden möchte, macht es wie wir: Informiert über alle digitalen Kanäle und per Newsletter!

 

Wenn auch Sie eine tolle Initiative, Aktion oder Inspiration haben: Taggen Sie uns @beautyindependentdeutschland auf Instagram – wir verlinken und teilen den Content gerne und unterstützen alle Indie Brands in dieser herausfordernden Zeit. Wir schaffen das gemeinsam!

 

Hero Pic Credit @knoursbeauty