Hauke Windmüller: “Die Brand macht an der Gürtellinie nicht halt”

“Geprägt durch die Erziehung beschäftigen sich Männer häufig erst in den Dreißigern mit Körperpflege”, sagt Hauke Windmüller. Er selbst zählt sich da mit dazu. Windmüller ist Co-Gründer des Unternehmens Fave Labs, das Marken für den Kosmetikmarkt entwickeln will. Die erste, Groomed Rooster, richtet sich speziell an Männer – und macht auch an der Gürtellinie nicht halt.

Mit dem ersten Label wollen Hauke Windmüller, Benjamin Reiß und Marcell Jansen eine Marktlücke schließen. Körperpflege sei unter Männern immer noch ein Tabu-Thema, und männliche Intimpflege erst recht. Das wollen die drei Gründer ändern. Dabei klären sie nicht nur auf kosmetischer Ebene auf, sondern wollen ihre Kundschaft durch u.a. Blog-Beiträge für Männerkrankheiten wie Hodenkrebs sensibilisieren. Mit Beauty Independent spricht Windmüller über das Konzept der Brand, die Ziele des Trios und auch sein kürzlich erschienenes Buch für Start-up-GründerInnen.

Lieber Hauke, was genau ist eure Mission mit Fave Labs und welche Ziele verfolgt ihr?

Nach einem gemeinsamen Gym-Besuch mit Benjamin und Marcell hatte sich in der Umkleidekabine ein Gespräch entwickelt, das uns nicht losgelassen hat. Uns dreien war aufgefallen, dass Männer untereinander sehr selten über Körperpflege sprechen und es in vielen Fällen immer noch ein Tabu-Thema ist. Das Thema kommt höchstens auf, wenn einer mal wieder sein Duschzeug vergessen hat und die Produkte des anderen mitbenutzt. Gleichzeitig hatten wir das Gefühl, dass sich gerade etwas ändert.

Das früher gar nicht existierende Regal für Männerpflegeprodukte in der Drogerie wird immer größer und Männer scheinen sich zunehmend mit dem Thema Körperpflege zu befassen. Allerdings ist der Kosmetikmarkt zu 95% auf Frauen ausgerichtet, für Männer gibt es also deutlich weniger Auswahl. Unsere Marken werden sich deshalb entweder direkt an Männer richten oder als Unisex-Marken Männer und Frauen gleichermaßen ansprechen. Die Produkte der Marken sind alle speziell für den aktiven, urbanen Alltag konzipiert und haben einen positiven Einfluss auf das persönliche Wohlbefinden. Wirksamkeit durch ausgewählte Inhaltsstoffe mit der richtigen Dosierung steht bei allen Produkten vor losen Marketingversprechen.

Warum gerade Kosmetik/Pflege? Was fasziniert dich an dieser Industrie?

Mit Kosmetik und Pflege hatte ich vorher wenig zu tun, schon gar nicht aus Business-Perspektive. Ich komme aus der Digitalbranche und war als Unternehmer bisher im Bereich Softwareentwicklung aktiv. Geprägt durch die Erziehung beschäftigen sich Männer häufig erst in den Dreißigern mit Körperpflege. Wir sind nicht präventiv unterwegs wie viele Frauen, sondern reaktiv, also wenn die ersten Falten sichtbar werden. So ging es mir auch. Ben, Marcell und ich möchten also primär Produkte für uns selber entwickeln.

Es gibt neben den 2-3 bekannten, großen Marken noch nicht viel Angebot im Bereich Männerkosmetik. Außerdem fasziniert es mich, eigene Produkte zu entwickeln, die einen echten Mehrwert bieten und Probleme lösen und bei denen ich selbst weiß, wie sie hergestellt wurden und welche Inhaltsstoffe sie enthalten. Ein weiterer Vorteil: Unsere Erfahrungen aus der datenbasierten und der nutzerzentrierten Produktentwicklung können wir nun auch in der Kosmetik anwenden. So verlassen wir uns nicht nur auf unser eigenes Gefühl, sondern erkennen Trends für bestimmte Produkte, Inhaltsstoffe und Vorlieben schnell anhand von Traffic- und Searchvolumen-Analysen. Gepaart mit User-Testings ergibt das eine maximal nutzerrelevante Grundlage für die Entwicklung von neuen kosmetischen Produkten.

Ist der Markt nicht bereits übersättigt?

Der Kosmetikmarkt ist im Allgemeinen natürlich ganz schön überlaufen, wächst aber trotzdem Jahr für Jahr. Indie-Brands können den traditionellen Markt mit der richtigen Nische, einer einzigartigen Marktpositionierung und einer nutzerzentrierten Kundenansprache sehr erfolgreich aufmischen. Hinzu kommt: Men’s Skincare ist eines der Trendsegmente, denen verschiedene Studien ein jährliches Wachstum von rund 6% in den nächsten Jahren voraussagen. In Deutschland hängen wir zudem stark den USA, Großbritannien und Südkorea hinterher. Da ist noch viel Luft nach oben.

Die erste Brand von Fave Labs ist Groomed Rooster, eine Pflegemarke für Männer. Welche Marktlücke wollt ihr mit diesem Label schließen?

Groomed Rooster richtet sich speziell an aktive Männer und erlaubt einen coolen und unkomplizierten Umgang mit Körper- und Intimpflege-Themen. Die Brand macht an der Gürtellinie nicht halt und entwickelt innovative Produkte gegen unangenehme Gerüche, Schweiß und Wundscheuern. Alles Themen, die jeder Mann vom Sport, aber auch aus alltäglichen Situationen kennt. Dem Zeitgeist entsprechend legen wir einen starken Fokus auf gute und klare Rezepturen, Inhaltsstoffe und Wirksamkeit. Die Produkte sind zudem naturnah und frei von bedenklichen Inhaltsstoffen.

Da für viele Männer Körperpflege bisher (noch) eine untergeordnete Rolle spielt, wird der Aufbau der Marke stark mit Aufklärungsarbeit einhergehen. Aus diesem Grund haben wir auch das Format „Locker Room Talk“ ins Leben gerufen, in dem wir unter anderem über Männerpflege-Themen sprechen.

Auf groomedrooster.com könnt man sich das erste Video mit Marcell Jansen anschauen. Zur Aufklärungsarbeit gehört es für uns auch, dass wir für Männerkrankheiten sensibilisieren. Wir spenden deshalb einen Teil unserer Gewinne an die Deutsche Krebshilfe, um die Prostata- und Hodenkrebsforschung zu unterstützen.

Groomed Rooster bietet Körper- und Intimpflege für den Mann.

Wann launchen die Produkte und wo werden sie erhältlich sein?

Die ersten Produkte werden im Winter 2020 zunächst in unserem eigenen Webshop erhältlich sein, da wir unsere Marken primär als Direct-to-Consumer-Marken entwickeln. Ziel ist der langfristige Aufbau einer treuen Kundschaft und der direkte Draht zu unseren Kunden, um ihnen die bestmöglichen Produkte und Lösungen zu bieten.

Welchen Finanzierungsweg habt ihr gewählt?

Wir Gründer finanzieren Fave Labs zunächst aus eigenen Mitteln.

Du hast ebenfalls ein Buch co-geschrieben namens „Start-up Skills“. Erzähle uns mehr davon.

Das Projekt ist eine echte Herzensangelegenheit, an der ich gemeinsam mit dem Entrepreneurship-Professor Sebastian Pioch 1,5 Jahre gearbeitet habe. Das Buch ist vor wenigen Tagen im Campus Verlag erschienen.

Unsere Mission ist es, so viele Menschen wie möglich zum Gründen zu motivieren und kraft unserer Erfahrungen ein wenig Hilfestellung zu bieten. Ich selbst habe in meiner Zeit als junger Gründer vor 8 Jahren wahnsinnig stark vom Austausch mit erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern profitiert. In 7 Kapiteln durchlaufen wir alle Phasen eines Start-ups. Die Magie liegt in der Kombination aus Theorie und Praxis, weil wir alle Themen von zwei Seiten durchleuchten und werfen uns wie in einem Kamingespräch (ein bekanntes Talk-Format im Start-up-Umfeld) die Bälle zu. Unter www.startup-skills.com kann man sich gern ein Probekapitel herunterladen.

In dem Buch kommen auch andere ExpertInnen zu Wort. Gibt es denn – unabhängig von den Interviewten im Buch – eine/n UnternehmerIn, den/die du besonders für seine/ihre Leistungen bewunderst? Wenn ja, warum?

Darauf, dass jedes Kapitel mit wertvollen Learnings von insgesamt 16 erfolgreichen Gründerinnen und Gründern abschließt, bin ich besonders stolz. Es hätten noch viel mehr sein können, weil ich eine Menge Unternehmerinnen und Unternehmer für ihre Leistungen bewundere. Mich faszinieren vor allem Selfmade-Geschichten, wenn Gründerinnen und Gründer durch die unbedingte Leidenschaft für ein Thema erfolgreiche Unternehmen aufgebaut haben. Die Gründerinnen und Gründer aus unserem Buch waren dabei schon eine sehr selektive Auswahl von für mich faszinierenden Persönlichkeiten.

Was können Beauty-Brands in Punkto Unternehmertum deiner Meinung nach besser machen?

Die Produktentwicklungszyklen dauern sehr lange. Das liegt natürlich in erster Linie an der Qualitätssicherung und den gesetzlich vorgeschriebenen Tests, bevor ein Produkt verkauft werden darf. Das ist natürlich richtig und wichtig, aber die Branche ist vor allem in der Entwicklung und in der Produktion in weiten Teilen noch sehr eingestaubt, langsam und unflexibel. Teilweise sind die Prozesse auch noch nicht ausreichend digitalisiert. Ich würde mir eine daten- und nutzerfokussiertere Entwicklung mit mehr automatisierten Prozessen wünschen.

Das Trio hinter Groomed Rooster: Benjamin Reiß, Hauke Windmüller und Marcell Jansen.
Hero Image Courtesy of Hauke Windmüller