Wie das Hamburger Label Matica Cosmetics mit dem Motto „Fuck Start-up, do Business“ zur Traditionsmarke werden will

Dass der Weg zur Selbstständigkeit viel Mut und Durchhaltevermögen abverlangt, das weiß Label-Gründerin Marina Zubrod nur allzu gut. Mit der in Hamburg ansässigen Naturkosmetik-Brand Matica Cosmetics hat sie in nur einigen Monaten nach dem Launch ihr sogenanntes „Stammhaus“ im Stadtteil Harvestehude eröffnet, das sowohl als Office, Shop, Treffpunkt und Event-Location fungiert. Auch das Design des Stores hat die Selfmade-Entrepreneurin mit kroatischen Wurzeln kurzerhand selbst in die Hand genommen. Für Marine Zubrod scheint keine Aufgabe zu groß, keine Hürde unüberwindbar – nebenbei arbeitet die Finanzexpertin nämlich auch noch als Unternehmensberaterin, um ihren Traum der eigenen Kosmetikmarke weiterhin verwirklichen zu können. Woher ihre Leidenschaft rührt und wie sie ihre Yin-und-Yang-Seite in Einklang bringt, hat Marina Beauty Independent im Interview verraten.

 

In nur ein paar Worten: Was ist das Konzept hinter Matica Cosmetics?

 

Lifestyle-Naturkosmetik – natürliche Inhaltsstoffe, luxuriöse Düfte und stylishes Packaging für einen schönen Look im Bad!

 

Was hat Sie dazu bewegt, Ihre eigene Brand zu gründen?

Seit ich vor einigen Jahren die Pille abgesetzt habe, hat sich meine Haut maßgeblich verändert – und fuhr eine ganze Zeit lang Achterbahn. So begann ich, mich mit den Inhaltsstoffen in meinen Pflegeprodukten auseinanderzusetzen und habe mir die Tipps meiner kroatischen Mutter zu Herzen genommen. Sie hat in Sachen Hautpflege schon immer auf die Natur gesetzt. Einerseits früher aus finanziellen Gründen und andererseits, weil das die sicherste Qualität bietet für unsere Haut. Ihre Tipps beinhalteten puristische Hautpflege, wie zum Beispiel grüner Tee oder Propolis. Auf dem deutschen Markt haben mich die wenigen Naturprodukte jedoch abgeschreckt, weil mir der Duft häufig zu neutral war und das Packaging zu „öko“.

 

Marina Zubrod, Founder der Indie-Brand Matica Cosmetics in Hamburg. courtesy of Matica Cosmetics

 

Ihr Highlight-Ingredient ist Bienenwachs. Warum genau dieser Inhaltsstoff und wie haben Sie diesen für sich entdeckt?

Bienenwachs ist für mich einfach der effektivste Wirkstoff überhaupt: Wer einmal über Nacht mit Propolis oder Bienenwachs eine raue Stelle eingeschmiert hat, der weiß, wovon ich rede. Bienenwachs spendet Feuchtigkeit, zahlreiche Vitamine, kurbelt den Anti-Aging-Prozess an und ist extrem hygienisch, da Bienen sehr hygienische Tiere sind. Allen Tierschützern und Veganern kann ich nur sagen: Entweder verwenden wir das Bienenwachs weiter oder es landet im Müll. Denn Bienen würden niemals wieder in einen Stock zurückkehren, in dem sie bereits ihr Wachs ausgeschieden haben.

Im Sinne der Nachhaltigkeit verwende ich Bienenwachs viel lieber für meine Matica Cosmetics Produkte weiter.

 

Welches ist Ihr Bestseller-Produkt?

Es ist kaum zu unterscheiden und kommt stark auf Marketingbewegungen und Kundenwünsche an. Im Sommer war es unsere natürliche Sonnenbutter – ich persönlich liebe unser Peeling über alles! Alle finden bei uns ein Lieblingsprodukt, denn unser kleines Sortiment ist dennoch vielfältig: Bodybutter, Maske, Peeling, Sonnenbutter und Männerbalsam.

 

Wo werden Ihre Produkte hergestellt?

In Hamburg in unserem Stammhaus haben wir uns eine eigene kleine Produktionsstrecke aufgebaut wie in einem Labor. Ursprünglich haben wir in Kroatien produzieren lassen, jedoch ließ sich das mit dem Wachstum nicht mehr vereinbaren. Produktion, Logistik und Qualität wollen wir selbst kontrollieren können.

Beautyprodukte sind ja im wahrsten Sinne des Wortes sehr sinnliche Artikel: Wir wollen sie riechen, fühlen, ausprobieren. Glauben Sie, dass Beauty nur online auf Dauer nicht funktioniert?

Ich glaube, dass der Mix aus offline und online ein Shopping-Erlebnis perfekt machen kann. Wenn ich in einer fremden Stadt bin und eine lokale Marke entdecke, freue ich mich sehr, wenn ich die Produkte online nachkaufen kann. Zwar bin ich persönlich ein „digital first“-Konsument, jedoch wollen die meisten Deutschen immer noch offline einkaufen.

 

Sie haben kürzlich einen Store in Hamburg eröffnet. Warum war Ihnen ein physischer Ort wichtig?

Kosmetikprodukte muss man fühlen und riechen, da hilft die beste Webseite oder ein Influencer-Posting nicht. Ein physischer Ort erhöht die Glaubwürdigkeit ungemein, daher war für uns klar, dass unser Office mit einer Ladenfläche kombiniert werden muss. Wir haben mit unserem Matica Stammhaus einen einzigartigen Ort für Arbeit, Shopping und Netzwerken geschaffen. Wir bieten auch regelmäßig Kurse zum Thema „Naturkosmetik selber machen“ an oder veranstalten kleinere Events.

 

 

Matica Cosmetics: Der neu eröffnete Store in Hamburg. courtesy of Matica Cosmetics

 

Was kann gerade ein Indie-Label mit einem Store erreichen, was es online vielleicht nicht kann?

Glaubwürdigkeit, Transparenz und lokale Bekanntheit. Ein Store sagt: „Hier bin ich, hier bleibe ich erst mal“.

Haben Sie für Ihren Store mit einem Architekten zusammengearbeitet?

Als Start-up hatten wir leider kein Budget für einen Architekten, also mussten wir sehr viel selbst mit Moodboards, abgestimmten Farbpaletten und ähnlichen Tools arbeiten. Dies hat viel Zeit in Anspruch genommen. Es hat sich jedoch gelohnt, denn nur so konnten wir als Laien ein stringentes Raumkonzept entwickeln. Den gemeinsamen Konsens im Team zu finden war jedoch kein leichtes Unterfangen.

 

Das Interior des Stores von Matica Cosmetics ist kreativ und liebevoll gestaltet. courtesy of Matica Cosmetics

 

Sie verkaufen in Ihrem Laden auch die Produkte anderer junger Brands, die nichts mit Beauty zu tun haben.

Ich unterstütze vor allem junge Hamburger Brands, etwa die von der jungen Modedesignerin Sinah Orlandi. Jedoch möchte ich weder regional noch geschlechterspezifisch diskriminieren. Mir geht es um Qualität und gemeinsame Werte. Ich glaube fest daran, dass wir alle gemeinsam und miteinander wachsen sollten, anstatt gegeneinander zu agieren. Vor allem am Anfang ist es schön, wenn man direktes Kundenfeedback erhalten kann. Außerdem freut es mich, wenn unsere Kunden mehr als nur Kosmetikprodukte shoppen können.

Sie sind die Gründerin von Matica Cosmetics – welche Rolle haben Sie denn heute im Unternehmen eingenommen? Was sind Ihre täglichen Aufgaben und Verantwortungen?

Bei uns im Team bin ich als CEO hauptsächlich für die Themen PR, Strategie, Kreation und Design zuständig. Nach außen hin bin ich das Gesicht meiner Marke. Meine täglichen Aufgaben sind sehr unterschiedlich, je nachdem, was derzeit ansteht – in den letzten Tagen hat mir der Kopf geraucht, weil ich mit unserer Grafikerin an neuen Etikettendesigns gearbeitet habe. In solchen Phasen bleibt kaum Zeit für andere Themen. Da ich auch noch als selbstständige Unternehmensberaterin arbeite, um Matica Cosmetics zu finanzieren, gibt es somit keinen klassischen Alltag bei mir.

 

Team-Player vs. Perfektionist: Delegieren Sie auch oder machen Sie lieber alles selbst?

Ich spiele jeden Tag Superwoman und tanze auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig, somit muss ich delegieren. In der Regel bin ich auch fein damit, dass das Ergebnis nicht immer so ist, als wenn ich es gemacht hätte. Leider gibt es auch bei mir Ausnahmen; dann bin ich ungeduldig und werde perfektionistisch. Dann mache ich es am Ende doch selbst, weil es „einfach schneller geht“. Solche Momente werden weniger, weil ich weiß, dass das nicht fair ist und somit niemand dazulernen kann. Neulich las ich zu dem Thema von Anna Wintour: Sie delegiere immer, auch wenn die Ergebnisse überraschend (schlecht) seien – aber das sei ok, denn sie möge Überraschungen, sagte sie.

 

Sie waren vorher als Finanzexpertin und Business Consultant tätig. Inwiefern hilft Ihnen dieser Background bei Ihrem heutigen Beauty-Label?

In der Finanzbranche ist man sehr wettbewerbsorientiert, strukturiert und zahlengetrieben. Man versucht, durch Prozesse und Organisation Umsätze zu optimieren und Kosten effizienter zu gestalten, schlicht: Geld zu verdienen. Gleichzeitig herrscht ein immens hoher Anspruch an die Arbeitsweise – das lebe ich täglich immer noch. Ich bin sehr verbindlich in meiner Kommunikation und Arbeitsweise und erwarte das auch von meinem Team. Gleichzeitig mache ich auch nie einen Hehl daraus und erinnere häufig dran, weshalb wir alle an Bord sind: Weil wir zwar etwas Großartiges erschaffen wollen, aber dabei auch Geld verdienen müssen, damit alle ihre Miete zahlen können.

Trut ist die natürliche Pflege für den Mann, mit Inhaltsstoffen wie Bienenwachs und Sandelholz. Die Körperbutter Kyra pflegt den Körper mit Bienenwachs und Kokosnuss und bietet mit SPF 20 einen guten Sonnenschutz. courtesy of Maitca Cosmetics

Welcher Aspekt Ihres heutigen Business fiel Ihnen denn zu Anfang schwer?

Am schwersten fällt es mir, meine Yin-Seite zuzulassen. Das Beauty-Business ist voller schöner, weiblicher Sachen. Ästhetik, Schönheit, Anmut, Eleganz sind an der Tagesordnung. Das ist eine komplett neue Welt für mich, da ich durch meine vorherige Karriere definitiv auf der Yang-Seite gearbeitet habe. Aber ich werde jeden Tag besser darin, zuzulassen, dass ich nun endlich mädchenhaft sein darf. Meine Welt ist in Wahrheit sehr pink und ich bin eine richtige Tussi. Die wurde nur schon immer unterdrückt, weil ich stets die einzige Frau im Raum war.

 

Was würden Sie anderen Jung-Unternehmern*innen, die ihr eigenes Beauty-Label gründen wollen, mit auf den Weg geben? Welche Tipps können Sie ihnen geben?

Durchhaltevermögen, Begeisterung und Authentizität. Darüber hinaus sollte man Ideen immer erst einmal kostengünstig testen statt sofort alles auf eine Karte zu setzen. Es braucht ein Dorf, um eine Idee zum Leben zu erwecken – also sollte man mit allen Menschen sprechen, die einem mit ihrer Meinung helfen können. Aber man muss irgendwann auch zum „Machen“ kommen und umsetzen, quasi ins kalte Wasser springen. Letztlich natürlich auch mein Lieblingsmotto: “Fuck start-up, do business.”

 

Was möchten Sie noch mit Matica Cosmetics erreichen? Wohin soll es in Zukunft für die Brand gehen?

Ich möchte mit einer jüngeren, günstigeren Marke namens Bee natural demnächst in Drogeriemärkte, weil ich daran glaube, dass Naturkosmetik dort viel zu kurz kommt. Langfristig soll Matica Cosmetics eine Traditionsmarke werden, die mit Jo Malone mithalten kann, während Bee Natural in der Drogerie nicht wegzudenken ist.

 

HERO PIC COURTESY OF MATICA COMETICS