Indie Brand Handz holt Desinfektionsmittel in die Lifestyle-Kategorie

Die Mission der Brand ist es, Handdesinfektionsmittel anzubieten, das schützt, pflegt und gleichzeitig stylisch ist.

Das wohl meistgefragteste Produkt des Jahres 2020? Desinfektionsmittel. Aufgrund der Pandemie und der daraus resultierenden überproportionalen Nachfrage nach Hygieneprodukten wurde das einst gelegentlich verwendete Gebrauchsprodukt zum absoluten Alltags-Must-Have. Im besten Fall haben KonsumentInnen heute überall wo sie hingehen ein kleines Fläschchen dabei. Der Markt reagierte entsprechend: aus allen Ecken sprießen Brands aus dem Boden, die die Handhygiene in den Fokus setzen. Ihr Ziel: Desinfektionsmittel attraktiver machen.

Größeres Bewusstsein unter Konsumentinnen für Hygiene-Produkte

Auch deutsche Brands ziehen jetzt nach. Eine davon ist die in Essen ansässige Marke Handz, die seit circa fünf Wochen auf dem Markt ist. Ähnlich wie viele andere MitbewerberInnen entstand das Label für stylische Handhygiene aus der Krise heraus und mit dem Ziel, die Nachteile herkömmlicher Produkte – austrocknend, schlechter Geruch, unästhetisch – anzugehen und eine Alternative zu bieten.

Handz macht Desinfektionsmittel vom Gebrauchsgegenstand zum Lifestyle-Produkt.

„Wir glauben daran, dass die Gesellschaft zunehmend bewusster und empfindlicher für Hygiene wird. In diesem Sinne soll Hygiene nicht als zwingende Maßnahme angesehen werden, sondern mit Handz zum persönlichen Lifestyle passen. Dadurch wollen wir bezwecken, dass das Hygienebewusstsein leichter in den Alltag eingegliedert wird und sogar Spaß macht“, so Cem Ak, CEO und Co-Gründer des Labels. Gemeinsam mit zwei weiteren Gründern, Resul Gönül und Sebastian Nisch, rief er die Marke ins Leben.

Doch das nicht ganz ohne Herausforderungen, denn die Pandemie mag zwar Ideengeber gewesen sein, gleichzeitig aber auch eine Hürde für die Entwicklung der Marke und Produkte. „Die komplette Planung und Abwicklung mussten wir remote bewältigen. Produktentwicklungen, Lieferantenverhandlungen, Meetings, Werksbesichtigungen wurden auf unkonventioneller Weise vollständig digital durchgeführt“, erzählt Cem Ak. „Gründung 4.0.“ nennt er das, und auch zum jetzigen Zeitpunkt operiere das Unternehmen weiterhin auf diese Weise.

Wie Handz sich von WettbewerberInnen unterscheidet

Das Desinfektionsspray Hydrating Hand Cleaner wird in sechs verschiedenen Duft-Varianten angeboten – Melonizer, Sweet Berry, Aloha Vera, Magic Mint, Citrus Summer und Natural – zu einem Preis von 9,50 Euro pro 45-Milliliter-Flasche. Für die Formulierung werden Ethanol, Aloe Vera, Glycerin und ätherisches Limonenöl verwendet, um sowohl vor Bakterien zu schützen, als auch die Haut zu pflegen. Das Design der Produkte ist clean, modern und farbenfroh – ein Look, der sich eben ganz bewusst gegen die sonst so sterilen Flaschen und Sprays stellt.

Dass Handhygiene jetzt chic sein kann, das beweisen derweil auch andere Brands. Touchland aus Barcelona etwa machte es vor: ein sleekes, handliches Design mit transparenten Behältern und farbigem Flüssiginhalt. Das Label von Andrea Lisbona konnte allein in der Periode von Mai bis Juli diesen Jahres ein Verkaufsanstieg von 125% registrieren. Die Marke Haan, ebenfalls aus Barcelona, folgt einem ähnlichen Konzept mit ästhetischen Behältnissen in unterschiedlichen Farben, die eher aussehen wie das neueste Tech-Gadget, als wie gängige antibakterielle Lotionen.

Handz-CEO Cem Ak ist sich der Ähnlichkeit mit einigen seiner KonkurrentInnen bewusst: „Touchland hatte eine sehr kluge Vision und hat diese erfolgreich umgesetzt.“ Dennoch möchte er den USP seiner Marke hervorheben und sieht Handz „nicht nur auf dem Markt der hygienischen Handreinigung. Wir wollen die gesamte Hygieneindustrie neu definieren und zwischen den alteingesessenen Wettbewerbern frischen Wind erzeugen. Deshalb sind wir bereits mit weiteren großen Projekten intensiv beschäftigt.“

Den Hydrating Hand Cleaner gibt es in sechs verschiedenen Duft-Varianten, von Sweet Berry bis Natural.
Groß denken dank starkem Partner

Das Start-up aus Essen hat dabei gute Chancen, dieses Ziel zu erreichen und den Markt aufzumischen. Hinter dem Unternehmen steht nämlich ein starker Investor: Crealize, ein Start-up-Inkubator und gleichzeitige Gründerschmiede von FitX-Gründer Jacob Fatih. Nachdem er seine Anteile an der Fitnesskette Ende 2018 verkaufte, suchte der ehrgeizige Entrepreneur nach neuen Herausforderungen. Entstanden ist die Holding Crealize, die junge Unternehmen und dessen GründerInnen sowohl in Sachen Funding als auch in der konkreten Umsetzung pusht.

Vielleicht auch der Grund, warum bei Handz nicht klein und exklusiv gedacht wird: „Der Hydrating Hand Cleaner ist ein massentaugliches Produkt. Wir planen, die Produkte in Drogeriemärkte, Tankstellen, Flughäfen, Bahnhöfen und mehr zu platzieren“, so Cem Ak. Sinn macht das allemal. Denn überall, wo sich Leute in diesen Zeiten bewegen, sollen sie die Desinfektionsmittel der Brand benutzen – und eben auch kaufen – können. Momentan gibt es die Desinfektionsmittel ausschließlich via Webshop.

Um die Brand-Awareness zu steigern, setzt das Label auf die Macht der InfluencerInnen: „Wir arbeiten sehr viel mit Influencer-Marketing, da es das perfekte Produkt für Social Media ist. Außerdem sind Influencer auch die besten Meinungsmacher und können das Produkt authentisch vorstellen.“ Eine gewisse „instagram-ability“ ist ja heute ebenfalls Voraussetzung für den Erfolg eines Produkts. Das Feedback sei seit dem Start vor etwas mehr als einem Monat sehr gut gewesen, ein Restock bereits beim Lieferanten bestellt. Und der Erfolg soll sich auch in den nächsten zwölf Monaten zeigen: Für das erste Geschäftsjahr erhofft sich Handz einen siebenstelligen Umsatz.

Hero Image Courtesy of Handz