Corona: So haben drei Brands das Beste aus der Ausnahmesituation gemacht

Beauty Stores waren geschlossen, Zulieferer aus Nachbarländern teils nur beschränkt erreichbar und das Kontaktverbot erschwerte die Produktion von Bildmaterial und Kampagnen zu Produktneulancierungen. Gerade für kleine Indie Beauty Brands stellten die durch die Corona-Krise bedingten Einschränkungen eine große Herausforderung dar. Doch die vergangenen Monate waren nicht allein nur zehrend – sie haben bei einigen GründerInnen und Brands auch dazu beigetragen, auf neue Art und Weise in das eigene Unternehmen und ihre Vision zu investieren, sich auszuprobieren und den Fokus neu zu schärfen.

 

Vor allem Social Media haben viele Beauty Brands in den vergangenen Monaten für sich neuentdeckt und via Instagram-Live den direkten Austausch mit ihrer Community gesucht. So auch Lioba Keller, Gründerin und CEO von LIOBA Skincare, die nicht nur Tipps zum Thema Gesundheit und Ernährung teilte, sondern ihre Follower auch zu Live-Workouts einlud. Mitte Mai ist sie schließlich auf Douglas zugegangen, um ein Live-Video für deren Instagram-Account zu filmen – ein Versuch, der bei KundInnen besonders gut ankam. Auf Anfrage von Beauty Independent hat Lioba Keller ihre Erfahrungen und Learnings aus den vergangenen Monaten erzählt.

“Man weiß nie genau, was gut ankommt, daher bin ich jetzt ein großer Freund der Devise: Einfach testen und schauen, was passiert.” – Lioba Keller

„Für uns war die ganzheitliche Pflege schon vor Corona ein fester Baustein unseres Brandings bei LIOBA. Jedoch habe ich verstärkt die Themen wie Gesundheit, Stärkung des Immunsystems, Ernährung, Sport und Wohlbefinden in der Zeit des Lockdowns mit meiner Community geteilt. Neben Essens-Tipps, Entspannungsübungen und Ratschlägen, wie man effektiv im Homeoffice arbeitet, habe ich auch zu Live-Workouts aufgerufen. Es war toll, mit meiner Community zusammen virtuell Sport zu machen und ich denke, dass der Zusammenhalt dadurch auch noch enger geworden ist. Ich habe auf diese Weise auch noch einmal mehr gelernt, wie wichtig es ist, sich eine echte Community aufzubauen. Und tatsächlich hatte ich schon länger vor, Live-Videos zu machen. Der Lockdown lieferte dann quasi den perfekten Zeitpunkt, um selbst ins kalte Wasser zu springen und Dinge einfach mal zu machen, ohne vorher groß darüber nachzudenken. Und das Feedback war toll! Man weiß vorher nie genau, was gut ankommt, daher bin ich jetzt ein großer Freund der Devise: Einfach testen und schauen, was passiert.

Bei Douglas habe ich selbst angefragt, ob es möglich wäre, eine Kooperation einzugehen. Douglas hatte parallel das Douglas Live Format gelauncht und es war ein super Fit. Ich bin dankbar für die Möglichkeit und denke, es hat sowohl für Douglas als auch für uns als Indie Brand einen starken Effekt auf die KundInnentreue. Natürlich konnten wir dadurch auch neue KundInnen gewinnen, was uns sehr gefreut hat. Zu dem Live-Video habe ich insgesamt extrem viele positive Nachrichten erhalten – auch von BestandskundInnen. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich mich getraut habe. Außerdem hat es mir wieder gezeigt, dass man durch gute Ideen auch mit großen Marken mithalten kann und eine Plattform erhält.

Generell haben mich die vergangenen Monate darin bestätigt, dass Gesundheitsthemen jetzt noch wichtiger werden. Deshalb bleibe ich weiterhin dabei, LIOBA als ganzheitliche Hautpflegemarke zu positionieren und künftig unser Skin-Life-Balance-Programm noch weiter auszubauen, auch hinsichtlich Themen wie Rosazea und Akne. Außerdem werden wir auch den Fokus noch mehr auf Sicherheit und Reinheit der Inhaltsstoffe legen.“

Lioba Keller, Co-Gründerin und CEO von Lioba Skincare Image via Lioba Skincare

 

Nadia Trabelsi, Gründerin von Koko & Clay, hat die Coronakrise inmitten des Relaunches ihrer Brand erwischt. Neben der Entwicklung einer neuen Brand-Strategie samt Online-Shop und neuem Design widmete sie sich schließlich einem spontanen besonderen Projekt: Dem Launch eines Selfcare-Packages, das sie kurzfristig anbot und ihren KundInnen einen Mehrwert lieferte, indem sie persönliche Nachrichten handschriftlich niederschrieb und den Paketen für Freunde und Familie beilegte. Im Gespräch mit Beauty Independent berichtet sie davon, inwiefern die vergangenen Monate sie auch positiv hinsichtlich des Rebrandings ihrer Marke beeinflusst haben.

“Mir ist noch einmal mehr bewusst geworden, für wie viele Menschen Beauty-Produkte Teil eines sehr bewussten und achtsamen Rituals sind, statt einfach ein quick Fix.” – Nadia Trabelsi

„Ich habe ein Jahr lang in China gelebt und durch meine Freunde dort schon viel über Corona gehört, bevor sich das Virus auch in Europa und den USA ausgebreitet hat. Meine chinesischen Bekannten haben immer wieder berichtet, dass speziell in diesen Monaten das Thema Selfcare gefühlt im ganzen Land eine wahnsinnig große Rolle spielt. Auch dort haben sich viele Marken einer sehr positiven Kommunikation verschrieben. Es ging sehr viel darum, was sich die Leute zuhause Gutes tun können: Yoga, Meditation, DIY-Projekte und eben auch Hautpflege sind plötzlich verstärkt in den Fokus gerückt. Dieses Wissen hat mir für meine Brand natürlich geholfen, als Corona auch in Deutschland angekommen ist. Für Koko & Clay war das ein extrem schwieriges Timing, da ich gerade dabei war, die Brand zu relaunchen. Ich habe eine neue Webseite gebaut, neue Bilder geshooted und ein neues Packaging samt Labels entwickelt – all das lief definitiv nicht so, wie ich das ursprünglich geplant hatte. Die Kommunikationswege waren sehr viel schwieriger. Ich konnte wegen der Kontaktbeschränkungen weder beim Fotoshooting dabei sein, noch in der Druckerei über die Produktion der Labels schauen.

In all dem Chaos habe ich dann schließlich beschlossen, mich auf die wirklich wichtigen Dinge zu fokussieren und meiner Community irgendwie zur Seite zu stehen. Ich habe sehr viel über Instagram Live über das Thema Selfcare geteilt und dann auch spontan ein Selfcare-Package mit Koko & Clay Produkten zusammengestellt – unter anderem mit einer Maske zum selbstanrühren und einem beruhigenden Room & Pillow Mist –, das man in dieser schwierigen Zeit an seine Freunde oder Familie verschicken konnte. Die Resonanz war überwältigend. Mich haben so viele persönliche Nachrichten erreicht, die ich dann im Namen der KundInnen auf kleine Kärtchen geschrieben und samt Selfcare-Package an deren Bekannte geschickt habe. Das waren zum Teil wirklich sehr rührende und emotionale Texte, die ich weitergeleitet habe.

Mir ist dabei noch einmal mehr bewusst geworden, für wie viele Menschen Beauty-Produkte Teil eines sehr bewussten und achtsamen Rituals sind, statt einfach ein quick Fix. Ich hatte plötzlich das Gefühl, mit meiner kleinen Marke einen Impact zu leisten und dazu beizutragen, dass es einigen Menschen vielleicht ein bisschen besser geht.

Diese Erfahrung hat mich darin bestärkt, noch mehr auf Produkte zu setzen, die wirklich gut für Körper und Seele sind. Und in diese Richtung will ich Koko & Clay nun auch nach dem Relaunch noch stärker lenken. Durch die vergangenen Monate habe ich für mich noch einmal mehr verstanden, dass Beauty überhaupt nichts Oberflächliches ist, sondern dass gerade natürliche Inhaltsstoffen und Vorgehensweisen, zum Beispiel das Selbstanrühren von Gesichtsmasken, eigentlich etwas ist, das Menschen schon vor vielen Jahrhunderten als Ritual gepflegt haben, aber dazu teilweise einfach den Bezug verloren haben. Ich arbeite daran, dass hier eine Rückbesinnung stattfindet. Und ohne die vergangenen Monate im Ausnahmezustand wäre mir das vielleicht auf diese Weise gar nicht so stark bewusst geworden.“

Nadia Trabelsi, Gründerin von Koko & Clay Image via Koko & Clay

 

Maria-Liisa Bruckert, Björn Bak und Martin Pentenrieder sind die GründerInnen der App  Sqin, vormals BeQu. Die Zeit des Lockdowns haben die drei genutzt, um sieben Wochen lang gemeinsam zu brainstormen, wie sie ihre Brand weiterentwickeln können. Am Ende hat ihr Start-up nicht nur einen neuen Namen erhalten, die App zeichnet sich nun auch durch ein neues Feature aus, das vor allem in dieser Zeit interessant ist, in der Beauty-Tester nicht genutzt werden können: Eine Scan-Funktion, die UserInnen auf Grundlage eines Haut- und Produktscans Produktempfehlungen gibt, abhängig von Inhaltsstoffen und der Beschaffenheit der Haut. Maria-Liisa Bruckert, Gründungsmitglied und zuständig für Sales Marketing & Operations bei Sqin Technologies teilt mit uns, wie die Umstrukturierungen der Brand durch die Monate im Lockdown beeinflusst wurden.

“‘Try before you buy’ im Retail war plötzlich stark eingeschränkt, es konnten keine Termine bei KosmetikerInnen oder in Beauty-Studios wahrgenommen werden, aber der Wunsch unserer UserInnen nach Beauty-Produkten war stärker denn je.” – Maria-Liisa Bruckert

„Diese Ausnahmesituation hat gezeigt, wie schnelllebig die Welt und der Beauty-Markt sind, wie rasch sich der Fokus der KonsumentInnen ändern kann. Für unser Produkt waren die vergangenen Monate eine spannende Zeit, denn in unserer App können wir auch Live-Daten auswerten und in der Corona-Zeit hatten wir ein besonderes Augenmerk darauf. Relativ schnell ließen sich entscheidende Indikatoren für uns ableiten: „Try before you buy” im Retail war plötzlich stark eingeschränkt, es konnten keine Termine bei KosmetikerInnen oder in Beauty-Studios wahrgenommen werden, aber der Wunsch unserer UserInnen nach Beauty-Produkten und kosmetischer Unterstützung war stärker denn je.

So haben wir QUIN entwickelt – eine (digitale) Beauty-Expertin. Dahinter steckt eine Recommendation-Engine, die Produkte anhand ihrer Inhaltsstoffe über einen Produktscan und die richtigen UserInnen zusammenbringt. So können unsere UserInnen immer und überall die Produkte finden, die wirklich zu ihnen passen. Außerdem haben wir in unseren neuen Shopping-Club nun auch limitierte Deals integriert, um mit dem anhaltenden Shift hin zu E-Commerce – der ja auch bedingt durch Corona eine wichtige Rolle gespielt hat – mitzuhalten.

Wir hatten in den vergangenen Monaten also einen klaren Fokus. Was besonders klasse ist: Durch die neuen Funktionen bei Sqin – also die virtuelle Produktempfehlung und die Special-Deal-Option – konnten wir besonders auch unsere Brandpartner in dieser schwierigen Situation unterstützen.”

Sqin GründerInnen Maria-Liisa Bruckert, Björn Bak und Martin Pentenrieder Image via Sqin