Influencer-Business: Wie verändert Corona die Arbeit von Content Creators?

Unternehmen haben in den letzten Wochen viele finanzielle Rückschläge durchlebt und gleichzeitig alles versucht, um ihr Business über Wasser zu halten. Viele re-evaluieren deshalb ihre Kosten, insbesondere jene, die nicht zwingend zur Existenzsicherung des Unternehmens essentiell sind, etwa Budgets für Marketingmaßnahmen, Werbung und Kommunikation.

Die Konsequenz: InfluencerInnen, die im Normalfall mit den Marken zusammenarbeiten und deren Produkte testen und bewerben, fehlen plötzlich Aufträge. Kooperationen liegen auf Eis oder werden abgesagt, Events fallen aus, Sponsorings sind erstmal nicht drin. Auch digitale Content Creators seien zutiefst von der Corona-Krise bedroht, heißt es.

Beauty Independent hat drei der wichtigsten Beauty-InfluencerInnen in Deutschland gefragt, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen und wie stark die Krise ihren Arbeitsalltag und damit ihre Existenz wirklich beeinflusst.

Karoline Herr, frolleinherr.com

Liebe Karoline, wie und wann hast du denn die Auswirkungen der Corona-Krise zum ersten Mal zu spüren bekommen?

Meine Google-Analytics-Zahlen wussten es tatsächlich noch bevor es bei mir so richtig angekommen ist. Bereits in den 10 Tagen vor dem offiziellen Shut-Down hatte ich so wenig Traffic auf dem Blog, wie seit einem Jahr nicht mehr. Die Verbindung zu Corona habe ich allerdings zunächst gar nicht hergestellt. Als ich mich dann aber mit ein paar Blogger-Kolleginnen ausgetauscht habe und es denen genauso ging, war klar: Die Leute ziehen gerade Corona-News und Live-Ticker-Blogs vor. Das hat sich dann aber ca. in Woche 2 der Isolation wieder komplett normalisiert. Jetzt, wo die Leute so viel zuhause sind und sich ganz langsam an die neue Situation gewöhnt haben, wird wieder sehr viel Blog gelesen und da eben auch primär die nicht Corona-spezifischen Artikel.

Wie gehst du seither damit um? Welche kurzfristigen Maßnahmen musstest du als Influencerin und Selbstständige ergreifen, um dein Business an die aktuelle Situation anzupassen?

Um ehrlich zu sein bin ich als freiberufliche Bloggerin da noch in einer sehr komfortablen Position. Mir sind keine Kunden abgesprungen und da ich nicht Event-fokussiert arbeite, wurden bei mir auch keine Veranstaltungen abgesagt, bei denen ich Geld verdient hätte. Ich habe von mir aus aber drei Kooperationen verschoben, weil ich vor allem zu Beginn der Krise einfach nicht das Gefühl hatte, dass dieser Content jetzt relevant ist. Auch für mich persönlich nicht. Ich bin ja mein einziger Maßstab und verlasse mich stark auf mein Gefühl. Und das hat mir einfach gesagt „Produkt xyz ist gerade nicht wichtig, wo doch viele um ihre Gesundheit und ihr Einkommen bangen.“ Deshalb habe ich mich sowohl auf Instagram als auch auf dem Blog zunächst auf die vielen unterschiedlichen Gefühle und Stimmungen konzentriert, diese an- und ausgesprochen und insgesamt weniger produziert.

Jetzt, ein paar Wochen später, bin ich fast schon wieder im normalen Arbeitsalltag angekommen und merke auch, dass die Leute wieder ganz „normale“ Artikel lesen wollen. Komplett unpassende Themen wie Reisen oder ähnliches kommen derzeit natürlich nicht in Frage, aber der große Vorteil des Online-Business ist es ja, dass man mit seinen Lesern kommunizieren kann. Man kann sie direkt fragen, was sie gerne lesen möchten. Interior, Beauty und DIY’s kommen derzeit z.B. super an.

Was man allerdings ganz klar sagen muss, ist, dass ich in Sachen Content-Produktion stark eingeschränkt bin. Ich kann nicht draußen fotografieren und auch mit keinem Fotografen zusammenarbeiten. Deshalb ist vieles derzeit sehr improvisiert – ich habe aber das Gefühl, dass sowohl meine Kunden, als auch meine Leser, großes Verständnis für diese neue Situation aufbringen.

Hast du dir konkret neue Konzepte/Formate/Strategien überlegt, neue Projekte lanciert?

Nicht direkt. Mein erster Artikel in der Krise war ein Shopping-Artikel zu meinen liebsten kleinen Labels mit Onlinepräsenz, die man gerade jetzt super unterstützen kann. Das war eine ganz spontane Entscheidung aus dem Bauch raus und kam super an. Ansonsten versuche ich bei jedem Thema abzuwägen, ob es in der Situation Sinn macht oder nicht. Außerdem habe ich mich mit einer Freundin zusammengetan, die Therapeutin ist und in einem Interview Tipps und Strategien gezeigt, mit denen man mental besser durch die Krise kommt. Ich habe also reagiert, mich aber nicht komplett umgestellt. Konkrete Infos oder Fakten habe ich dabei weitestgehend gemieden. Online scheint ja gerade jeder ein Hobby-Virologe zu sein und da möchte ich mir lieber nicht die Finger verbrennen. Für harte Fakten gibt es die Seiten der etablierten Medien, für Gefühle oder persönliche Tipps gibt es Blogs.

Thema Social Media: Hast du den Content, den du auf Instagram spielst, auch überdacht? Gibt es Dinge, die du seither nicht mehr so gerne postest? Oder spielt dies deiner Meinung nach keine Rolle?

Das spielt in meinen Augen eine sehr große Rolle! Jeder Account, der sich da keine Gedanken drüber gemacht hat, ist in meinen Augen ignorant. Zu oft habe ich vor allem in den ersten, sehr kritischen Tagen der Krise gesehen, wie noch schnell Kollaborationen rausgehauen wurden – ohne Rücksicht auf Verluste. Das ist mir tatsächlich sehr sauer aufgestoßen, auch wenn ich natürlich weiß, dass da Existenzen dran hängen. Trotzdem glaube ich, dass das größte Kapital eines jeden Bloggers/Influencers irgendwo seine Menschlichkeit ist und genau die habe ich versucht stärker in den Vordergrund zu stellen. Wenn es mir schlecht ging, habe ich das mitgeteilt und mich zurückgezogen, statt das perfekte Insta-Girl vorzuspielen, das den lieben langen Tag Bananenbrot backt und Home-Workouts abdreht. Das war aber meine ganz persönliche Entscheidung und ich finde jeder da draußen soll mit der Krise so umgehen, wie er es als richtig erachtet.

Mich selbst hat die Situation auch privat sehr belastet und tut es noch, sodass ich einfach so handeln musste. Aber genau deshalb bin ich ja Bloggerin: Ich kann schnell und flexibel reagieren, Themen aufgreifen oder interagieren. Dieser Vorteil ist mir gerade in der Krise noch einmal so richtig bewusst geworden. Ein echtes Privileg.

Was ich allerdings sehr schwierig finde, sind Produktvorstellungen. Ich möchte niemanden vergraulen, der gerade in einem wirtschaftlichem Engpass steckt, bekomme aber auch sehr viele konkrete Wunsch-Nachrichten zu Shopping-Artikel und Tipps. Da versuche ich mich Stück für Stück vorzutasten und zu sehen, wie meine Community reagiert.

Welche Folgen glaubst du wird diese Situation auf die Beauty-Industrie haben?

Ich hoffe/denke, dass sich nach der Krise einiges ändern wird. Dazu müssen aber wichtige Debatten erstmal angestoßen und dann auch geführt werden. Die Fragen nach dem allgemeinen Konsum, der Nachhaltigkeit und der Schnelllebigkeit waren immer da, aber bekommen jetzt nochmal neues Gewicht. Ich würde mir wünschen, dass vor allem die kleinen Labels gestärkt aus der Krise hervorgehen und sie viel Unterstützung (auch von Konsumentenseite) erfahren.

 

Veronika Haslinger, Theoriginalcopy.de
Foto Credit: S.wolfsteiner

Liebe Veronika, wie haben dich die Auswirkungen des Corona-Virus bisher beeinflusst?

Ich merke gerade deutlich, dass sich viele Marken noch mehr auf den Onlinebereich konzentrieren. Egal ob Bild-Kreation, Aktionen im Zuge von #stayhome oder Anfragen für Kooperationen, die den Fokus auf den Onlineshop oder einen Produkt-Launch lenken. Auch wenn ich das meiste davon nicht machen kann oder möchte, weil es nicht cruelty-free ist oder einfach nicht passt, ist es statt weniger eher mehr geworden.

Hast du in der Art und Weise, wie du deinen Instagram-Kanal nutzt und bespielst, irgendetwas geändert oder angepasst?

Wie wohl die meisten bin ich noch mehr online. Was auch daran liegt, dass ich noch mehr Nachrichten bekomme. Ich setze tatsächlich auf mehr Sorgfalt bei meinen Inhalte, gerade was die Stories angeht. Viele schreiben immer wieder, dass gerade die ansprechende Ästhetik für eine schöne Ablenkung sorgt, und nicht nur dem Auge, sondern auch der Seele guttut. Dazwischen gibt es dann aber mal gar keinen Content. Ich denke, irgendwann brauchen beide Seiten auch mal eine Pause, es ist einfach so eine Menge an Inhalten, die vor allem auf Instagram aktuell angeboten werden.

Und bei deinen Followern: Hast du irgendeine Veränderung bei ihnen festgestellt? Sind sie vielleicht jetzt noch rezeptiver für Content, der sie unterhält oder inspiriert und den Alltag kurz vergessen lässt?

Sie sind wie gesagt noch viel munterer und schreibfreudiger als sonst, was auch schön ist. Es waren vorher schon nicht wenig Nachrichten, aber jetzt haben alle noch viel mehr Zeit und beschäftigen sich wesentlich mehr mit Self- und Skincare – dementsprechend bekomme ich mehr Fragen zu Produkten, Tipps oder einfach Reaktionen auf meinen Content. Memes sind mit am beliebtesten – neben Beauty, Self-Care, Food und Co. ist (Galgen-)Humor mit das beliebteste und beste Mittel für viele, um mit schwierigen oder ungewohnten Situationen zurechtzukommen. Mich eingeschlossen.

Wie findest du gehen Beauty-Unternehmen mit dieser neuen Situation um?

Sehr unterschiedlich, vor allem die größeren Marken. Wer auf Instagram Esteé Laundry folgt (auch in den Highlights abgespeichert), kann aktuell sehr gut verfolgen, wie Brands reagieren – da ist alles dabei, viel Licht und leider auch viel Schatten. Marken die Sanitizer produzieren, um damit wirklich zu helfen und andere, die das als Vorwand nutzen, um weiterhin ihre Produkte produzieren zu können. Bei mir merke ich keinen großen Unterschied, wie sich Green und Indie Beauty Brands verhalten, also keine komischen oder panischen Aktionen. Einige schließen sich zusammen und machen gemeinsame Aktionen, das gab es aber auch schon vorher.

Glaubst du, dass die Krise einen langfristigen Effekt darauf haben wird, wie wir Beauty-Produkte (auch digital) konsumieren?

Auf jeden Fall. Die aktuellen Trends #supportyourlocals #supportsmallbusinesses und auch die Auseinandersetzung mit Inhaltsstoffen (weil mehr Zeit), werden zumindest teilweise bleiben. Außerdem denke ich, dass kritischer konsumiert wird, es reicht nicht mehr, eine hübsche Instagram-Marke zu sein. Die Inhaltsstoffe, die Herstellung und natürlich das Auftreten der Marke werden an Bedeutung gewinnen. Digital bedeutet auch ein kürzerer Informations- und Reaktionsweg – im besten Fall. Das sollte jede Marke ernst nehmen.

Und in Bezug auf das Influencer-Business im Allgemeinen – wie glaubst du wird sich dieses nach dieser prägenden Zeit ändern? Oder wünschst du dir, dass alles wieder wie vorher wird?

Da ist noch Luft nach oben, es darf sich also gerne etwas ändern. Weniger plumpe Werbung und dafür wieder zurück zu dem, was ursprünglich so gut war an dieser Art von Produktvorstellungen: ehrliche Meinungen, Authentizität und konstruktive Kritik. Marken und Influencer, die gut zusammenpassen. Dass guter Content, in dem viel Sorgfalt und Arbeit steckt, wertgeschätzt wird. Kritische Abonnenten, die aber freundlich bleiben – Netiquette sollte ganz großgeschrieben werden. Keine bzw. weniger Fakes, egal ob falsche Zahlen oder Meinungen.

 

Hanna Schumi, Hannaschumi.com
Foto Credit: Yelda Yilmaz | yeldayilmaz.de
Hanna Schumi, Hannaschumi.com

Liebe Hanna, der Ausbruch des Corona-Virus liegt nun schon einige Monate, hierzulande mehrere Wochen zurück. Wann und wie hat dich dieses Ereignis erstmals beruflich getroffen?

Erstmal hat es mich gar nicht und dann später komplett getroffen. In den kritischen zwei Wochen wurden mir fast alle Jobs abgesagt, weil keiner wusste, wie und wann es weiter geht und was jetzt Sinn macht. Die Lage hat sich ja generell entspannt und auch in meinem Business sind viele aus der Schockstarre wieder aufgewacht. Sie nutzen und bedienen jetzt einfach das, was vor uns liegt: die Bedürfnisse der Menschen.

Wie wahrscheinlich viele musstest du dich auch erst einmal sammeln, einen klaren Kopf bekommen, und dann neue Wege finden, um deinen InfluencerInnen-Job weiterhin ausüben zu können. Welche waren denn die ersten Schritte, die du eingeleitet hast? Welche „Business Shifts“ hast du, wenn überhaupt, tätigen müssen?

Sammeln mussten wir uns bestimmt alle – egal in welcher Branche. Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich keine neuen Wege finden musste. Ich mache meine Arbeit authentisch, aus dem Bauch heraus – eine Mischung aus dem, was ich sehe, was gefragt ist, was mir gefällt und was die LeserInnen sehen wollen. Dabei bleibe ich meiner Stimme, meiner Meinung und meiner Arbeit sehr treu. Ich musste also keine neuen Arten finden, meine Kommunikation nur ausbauen.

Viele Menschen fühlen sich gerade alleine und da gehe ich direkt in den Kontakt mit meinen FollowerInnen. Außerdem habe ich ein kleines Live-Talk-Format entwickelt, bei dem ich Beauty-Experten und interessante Persönlichkeiten aus dem Bereich Wellbeing, Health und Fashion interviewe. Ähnlich wie bei meinem Podcast, aber der direkte Austausch live macht Spaß und die Interaktion mit den ZuseherInnen gibt noch mal einen Push. Das möchte ich gerne demnächst auf eine andere Art und Weise fortführen – vielleicht als Beauty-Video-Format.

Du bist ja im engen Kontakt mit vielen Beauty-Brands, hast Kollaborationen mit Unternehmen und daher auch Verpflichtungen. Wie handhabt die Beauty-Industrie deines Erachtens nach diese Krise? Was überwiegt: Verständnis und Hoffnung oder eher die Frustration?

Ich glaube, egal ob privat oder beruflich, ist das generelle Gefühl: Mal können wir die aktuelle Situation genießen und ihr etwas Gutes abgewinnen, mal fühlen wir uns limitiert und eingeschlossen. An anderen Tagen vermissen wir Dinge, die für uns lange selbstverständlich waren. Die Beauty-Branche schreibt gerade sehr gute Zahlen online, aber der stationäre Handel fehlt einfach und ich finde es bewundernswert, wie kreativ die Leute geworden sind, auch in meiner Branche. Wer noch keinen Onlineshop hatte, hat jetzt einen. Produkte werden auf Instagram plötzlich ausführlich vorgestellt und auch mir hören die Leute gerade gerne zu, was ich alles im Badezimmer stehen habe.

Schade finde ich, dass manche Neu-Lancierungen gerade unter gehen, insbesondere auch von kleineren Brands. Bei den großen Marken geht es auch um viel und die Leute kaufen gerade definitiv weniger Luxus – da machen sich auch solche Unternehmen umfassende Gedanken. Das hat auch mich bei einigen Kooperationen betroffen, die geplant waren und erst einmal verschoben wurden, weil die Themen einfach nicht zueinander gepasst hätten. Ich habe da völliges Verständnis dafür, das hat für niemanden einen Mehrwert. Bei anderen Absagen wiederum verstehe ich es weniger, aber ich hoffe, dass wir in einigen Monaten wieder an alte Plänen anknüpfen können.

Viele InfluencerInnen müssen momentan auch ein anderes, von außen aufgelegtes Problem lösen: Einerseits wollen die Menschen relevanten Content, der zur jetzigen Situation passt und „angebracht“ ist, etwa Themen rund um Gesundheit/Wellness/positives Mindset. Andererseits ist Social Media ja eine Art Eskapismus, um der realen Welt ein Stück weit zu entfliehen. Wie schaffst Du diesen Balance-Akt?

So stark empfinde ich das nicht. Das Leben geht, nach ein paar Wochen, auch wieder weiter. In meinen beiden Podcast-Episoden Gepflegte Gespräche habe ich beim Abhören der ZuhörerInnen-Fragen (Sprachnachrichten) bemerkt: Es gibt sehr wohl und sehr viele Beauty-Fragen gerade. Der eine möchte sich ganz bewusst Luxus gönnen, damit es ihm besser geht. Die andere möchte ihre Haut in den Griff bekommen, sieht die Zeit als Chance, und der/die nächste sucht Ruhe im Home Spa.

Wenn man einfühlsam kommuniziert und den LeserInnen nicht ständig etwas verkaufen will – was ich generell nicht als angebracht und nervig empfinde – gibt es da ganz viel Freude über Antworten und Ideen. Mein Instagram-Kanal war übrigens nie ein Platz für Eskapismus und ich nenne die Dinge auch gerne mal beim Namen, diskutiere mit den ZuseherInnen und liefere immer mal wieder Texte, die mir aus dem Herzen kullern. Das passiert ohne Planung und berührt dennoch meine Community. Das schafft ein Gemeinschaftsgefühl.

Du bist ja sozusagen eine Multi-Task-Entrepreneurin: Du bist Journalistin, Influencerin, Podcasterin. Ist es deiner Meinung nach ein Vorteil – gerade jetzt – mehrere Einkommensquellen und kreative Outlets zu haben und sich nicht ausschließlich auf die Tätigkeit als InfluencerIn verlassen zu müssen?

Ehrlich gesagt ist man immer gut beraten, wenn man mehrere Standbeine hat. Ich bezeichne mich selten als „Influencerin“, auch wenn ich damit Geld verdiene, aber es war nie meine einzige Einnahmequelle. Sich als Freelancer auf eine Tätigkeit zu verlassen, die auf dem Konsum der Menschen und einem künstlich kreierten Need basiert, ist naiv. Deswegen bewerbe ich auch nicht nur Produkte, mir geht es immer um den Mehrwert. Mehrwert hinter der Gesichtspflege, Mehrwert bei Makeup, Mehwert für die LeserInnen. Ich habe mir eine fantastische Community aufgebaut, die schätzt, dass ich authentisch bin und dass ich neben der Inspiration auch Texte schreibe, wichtige, auch mal unangenehme Themen anspreche und keine Angst vor Diskussion habe.

Deswegen habe ich auch meinen Beauty-Podcast entwickelt, weil ich sehr wohl glaube, dass man Beauty hörbar machen kann, was mir gelungen ist. Sich also selbst zu verstehen und zu sehen, welche Fähigkeiten man hat, was man alles anbieten kann und sich daraus mehrere Standbeine aufzubauen, ist ein offenes Business-Geheimnis.

Apropos Podcast: Dein Podcast Gepflegte Gespräche hast du im Oktober 2019 lanciert. Erst kürzlich hast du eine „Stay-Home-Beauty“-Hörerfolge passend zur aktuellen Lage veröffentlicht. Wie geht es nun mit diesem Format weiter, so ganz ohne Gäste?

Am 4. Mai kommt eine Folge mit Fabian Hart, die wir vorproduziert hatten. Danach folgt noch eine HörerInnen-Folge zum Thema „Frühling“, weil es so viele generelle Fragen gab, die nicht zum „Stay-Home-Beauty“-Thema passten. Wer eine schlechte Haut hat, den nervt das natürlich auch abseits von der aktuellen Situation und die Frauen signalisieren mir, dass sie sich auch weiterhin für Lippenstifte interessieren. Warum auch nicht?!

Nach dieser Episode wird es spannend, aber es wird natürlich wieder Gäste geben. Ich arbeite seit Anfang an mit einer fantastischen Produktionsfirma zusammen, die aktuell auch für einen anderen Podcast in Deutschland mit „fliegenden“ Mikros arbeitet. Heißt: Die Gäste bekommen ein Mikro und werden zusammen mit mir und meinem Mikro zuhause aufgezeichnet. Das persönliche Treffen fehlt zwar, aber es funktioniert prima. Ich muss dennoch sagen: Ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich mit meinem nächsten Gast wieder ins Studio kann. Der persönliche Austausch ist einfach besonders und ich habe das ganz neu zu schätzen gelernt.

 

Hero Pic: Illustration by Charly Clements