MATICA Unternehmerkolumne Teil 5: Influencer-Event als Start-up ohne Budget

Seit Anfang Januar berichtet die Indie Beauty Markengründerin Marina Zubrod ein Mal wöchentlich über ihre täglichen unternehmerischen Herausforderungen. Beauty Independent möchte damit seinen Beitrag leisten, den Wissens- und Erfahrungsaustausch unter den Indie Beauty UnternehmerInnen in der DACH Region zu stärken. In dem letzten Beitrag unserer fünfteiligen Serie erklärt die Unternehmerin aus ihrer Sichtweise die Herausforderungen – und zeigt Lösungen! – zu Influencer-Kooperationen und Social Media Marketing.

 

Wie bei jedem jungen Start-up ist Marketing-Budget faktisch nicht vorhanden. Jedes Geld, das gespart werden kann, wird gespart – gleichzeitig gilt jedoch die bekannte Regel: Investitionen in Marketing fördern Reichweite, Reichweite steigert die Bekanntheit, und Bekanntheit bringt mehr Umsatz. Durch mehr Umsatz erhöhen sich die Investitionssummen. Für eine junge Indie Beauty Brand ist dies eine Spirale, in die man schwer und langsam reinkommt. Kooperationen mit InfluencerInnen können ein richtiger, strategischer Weg sein, jedoch ist dieser auch mit finanziellen Investitionen verbunden.

 

Influencer-Marketing und Kooperationen? Am Anfang unmöglich.

Als ich Matica Cosmetics im Mai 2019 gelauncht habe, war ich völlig ahnungslos, wie man mit Influencern zusammenarbeitet, was das kostet oder wie man diese anspricht. In meiner vorherigen Karriere in der Finanzwelt waren Instagram und InfluencerInnen etwas, wovon man maximal in der BILD-Zeitung las. Doch durch intensive Recherche und dem “Learning by Doing”-Prinzip lernte ich sehr schnell die Regeln der Social Media-Aktivitäten kennen: gemeinsame Inhalte herausarbeiten, professionelle und persönliche Ansprache und nicht erwarten dürfen, dass umsonst einfach ein paar Produkte in die Kamera gehalten werden. Es stellte sich jedoch genauso schnell heraus, dass ich nicht das Budget hatte, 300 Euro oder mehr pro Instagram Story Post zu bezahlen, damit über meine Marke von den InfluencerInnen, die zu meiner Marke passen, berichtet wird. Immerhin bin ich überzeugt davon, dass Neukunden im Durchschnitt bis zu 11 Touchpoints mit meiner Marke benötigen, bis sie eine positive Kaufentscheidung treffen! Dies würde eine Investition jenseits von Tausenden von Euro bedeuten.

 

Handybilder mit Personen beim Influencer-Frühstück mit Matica Cosmetics
Die neue Art des Influencer-Marketings à la Marina Zubrod von Matica Cosmetics: Kreativität ist gefragt, und bei einem tollen Frühstück in einer fancy Location knüpft man doch gerne neue Kontakte :). Credit: Matica Cosmetics

 

Den Spieß einfach umdrehen

Jedoch hatte ich eine Erkenntnis: InfluencerInnen mit Followern im 5-stelligen Bereich aufwärts sind UnternehmerInnen, deren Leistung und Zeit völlig unterschätzt wird und leider häufig belächelt. Häufig fragte ich mich selber, welche Kriterien bekannte Influencer für ihre Kooperationen zugrunde legen, oder wie sie vertraglich arbeiten. Waren stets Agenturen involviert? Wurde jedes Mal ein Honorar bezahlt oder gab es eher Produktgutscheine? Wieviel Zeit kostete es, den Content Plan zu pflegen und zu erstellen? Nachdem ich feststellte, dass ich die Influencer für eine “traditionelle” Kooperation mit mir nicht bezahlen konnte, entschloss ich mich alternativ, sie in ihrer Rolle als UnternehmerIn anzusprechen. Ich fragte sie, ob sie nicht die Lust auf einen Business Talk mit Gleichgesinnten hätten. Gleichzeitig konnten sie sehen, wie ich als junge Marke mit ihrer Branche umging. Somit drehte ich den Spieß um und plante ein Event, das meiner Marke lediglich indirekt Reichweite verschaffte, für meine Gäste jedoch inhaltliche, unternehmerische Mehrwerte: Ich lud Hamburger InfluencerInnen zum Business Breakfast ein, um gemeinsam die Herausforderungen, Chancen und Trends 2019 in den sozialen Medien zu diskutieren. Ein Austausch auf Augenhöhe mit dem Ziel, gemeinsam zu wachsen und voneinander zu lernen. Die Zusagen ließen auch nicht lange auf sich warten – denn InfluencerInnen sind zwar Netzwerker und UnternehmerInnen, jedoch sehr häufig ist dies eher ein „Lonesome Rider“-Job, sodass ein Austausch mit BranchenkollegInnen in einem „Business Format“ attraktiv erschien.

 

Die Not macht erfinderisch

Nun hatte ich zwar meine Teilnehmer, die freiwillig und kostenfrei mit mir frühstückten – ein Frühstück in einer fancy Location benötigte dennoch Budget. Einfallsreichtum und Mut führten dann zu der weiteren grandiosen Idee: Wer baut jeden Morgen sowieso ein Frühstücksbuffet auf, ist absolut „insta-worthy“ und würde kostenfrei und ohne Aufwand mein Gastgeber sein wollen? Design-Hotels! Schnell überzeugte ich mit meinem Ansatz ein bekanntes Hamburger 5-Sterne-Design-Hotel, das ohnehin gerade die Zimmer renoviert hatte und dies als perfekter Anlass sah, Instagram- und Influencer-Reichweiten für sich zu nutzen.

Das Event war ein voller Erfolg: Meine junge Marke Matica Cosmetics wurde von allen TeilnehmerInnen in den Instagram Stories erwähnt, meine Produkte wurden im Nachgang mit den Followern geteilt und getestet und somit hatte ich mit 0€ Werbebudget eine Reichweite von mehr als 300.000 Followern auf Instagram. Der PR-Manager des Hotels kam selbst in einen Dialog mit den InfluencerInnen und wurde promoted. Der krönende Event-Abschluss war ein Besuch auf dem Dach des Hotels beim hauseigenen Bienenvolk, was thematisch eine ideale Ergänzung zu meiner Marke war, die auf Bienenwachs setzt!

Last but not least: Ich lernte großartige UnternehmerInnen bzw InfluencerInnen kennen, mit denen ich bis heute in einem super-engen Austausch stehe, und teilweise hat sich sogar eine echte Freundschaft entwickelt. Ich kann nur alle jungen GründerInnen dazu ermutigen, in solchen Situationen die Perspektive zu wechseln, anders zu denken und kreativ zu werden – denn wie man sieht, lohnt es sich allemal.

 

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