Ioniq One ist das zukünftige Beauty-Device, das Sonnenbrand verhindert.

Ein in der Beauty-Industrie bisher noch recht unbekanntes Startup aus dem schwäbischen Markdorf verspricht dem Sonnenbrand endgültig ein Ende zu setzen. Hinter der Firma steht dabei kein geringerer als der Weltmarktführer in Oberflächenbeschichtung. Was Felgen mit der Haut zu tun haben? Mehr, als man im ersten Augenblick denken mag.

Begriffe wie „revolutionär“, „Game Changer“, „weltweit einzigartig“ hört und liest man in der Beauty-Branche oft – manchmal vielleicht sogar zu oft. Doch nicht jedes Produkt hat auch wirklich das Potenzial, die Innovationsfähigkeit, um diesen Beschreibungen gerecht zu werden. Ioniq als „Game Changer“ zu bezeichnen wäre jedoch falsch. Eher ist das Startup – und das von diesem erfundene Gerät – ein „Game Creator“. Denn wirkliche Konkurrenz hat das junge Tochterunternehmen der Wagner Group, einem 1947 gegründeten Maschinenbauunternehmen und Weltmarktführer in der Oberflächenbeschichtung, nicht. Das Aerosolspray, und die damit bisweilen fortschrittlichste Technologie auf diesem Gebiet, wurde vor rund 100 Jahren entwickelt.

Löst Ioniq One die Aerosolsprays endgültig ab?

Vor noch nicht ganz so langer Zeit, nämlich rund sechs Jahren, fiel Valentin Langen, Mitarbeiter von Wagner, auf das Thema Sonnenbrand. Wie kann es sein, dass wir uns trotz Eincremen mit LSF immer wieder und immer noch verbrennen und Hautkrebs riskieren? Die Gründe sind individuell, kommen aber auf einen gemeinsamen Nenner: das schlechte oder falsche Auftragen der Produkte. Was also, wenn es ein Gerät gäbe, das das Aufsprühen von Sonnenmilch auf die Haut so präzise ausführe, wie das Beschichten einer Porsche-Autofelge oder eines Ikea-Regals? Das Sprüh-Know-How ist ja schließlich vorhanden. Vor allem für KonsumentInnen hieße das: nie wieder klebrige Finger, die falsche Dosierung, schmerzhaften und gefährlichen Sonnenbrand.

Die Idee überzeugte so sehr, dass Wagner dafür ein internes, aber eigenständiges Startup gründete. Valentin Langen ist heute Gründer und Managing Director von Ioniq. Das Unternehmen zählt mittlerweile 12 MitarbeiterInnen. Die Erfindung hört auf den Namen Ioniq One. Es ist das weltweit erste Sprühgerät, das Lotionen akkurat am ganzen Körper – und sogar an den schwierigsten Stellen – aufsprayt. Die sogenannte „Magnetic Skin Techologie“ macht es möglich: „Wir nutzen die natürliche Ladefähigkeit der Haut aus und laden unsere kosmetischen Produkte in der Kartusche gegenteilig“, erklärt Philipp Gross, Co-Gründer und Head of Customer Experience. „Dadurch entsteht ein Anziehungseffekt und die Tröpfchen werden wie eine Art Magnet von der Haut angezogen. Sobald der Nutzer also die Trigger Button auf dem Ioniq One drückt, entsteht eine Art magische Verbindung zwischen den beiden.“ Der Körper wird durch das Betätigen der Knöpfe geerdet, die Flüssigkeit gegenteilig geladen, wodurch „Device und User einen geschlossenen Kreislauf bilden“.

Lückenloses Auftragen von Sonnenschutz und Co.: Ioniq One macht es möglich dank “Magnetic Skin Technologie”.
Das „Virus“ in Markdorf

Nicht nur Sonnenschutzmittel, auch Selbstbräuner oder Hautpflege stellt Ioniq dafür selbst her. Ursprünglich sollte die Kosmetik der „Weltmarktführer Nummer 1“ – so Gross – für das Startup entwickeln. „Als Newcomer bei einem Großkonzern hat man allerdings nicht zwingend Priorität“, sagt er, und so war zwar der Prototyp von Ioniq vorhanden, die entsprechende Sonnencreme vom Kosmetikkonzern wurde jedoch nie geliefert. Auch beim nächsten großen Beauty-Giganten haperte die Zusammenarbeit, und so entschloss man 2017, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Zu genau diesem Zeitpunkt stieg auch Phlipp Gross mit ins Boot.

Zuvor war er als mehrere Jahre als Marketing- und Strategie-Berater tätig, gründete den Skincare Techclub. „Ich glaube, wir haben hier die Möglichkeit, Geschichte zu schreiben“, sagt er über seine damaligen Beweggründe, nach Markdorf zu ziehen und in das Projekt einzusteigen. „Wir können ein Produkt einführen, das hoffentlich zum Standard in der Kosmetik wird, und das aus der Bescheidenheit eines mittelständischen Unternehmens heraus. Rein organisatorisch ist es natürlich auch spannend, aus einer etwas verstaubten Firma einen Diamanten herauszuschleifen. Für viele Menschen hier ist vieles noch Neuland. So einen Transformationsprozess zu begleiten hat mich gereizt. Ich beschreibe uns immer gerne als kleines Virus im System: Wir ecken an vielen Stellen an, sowohl kulturell als auch thematisch.“

Launch-Date im Frühjahr 2021

Im April 2021 soll es dann soweit sein und Ioniq One zunächst in Deutschland und Großbritannien auf den Markt kommen. Auch beim Startup kamen durch die Corona-Pandemie die Zeitpläne durcheinander: viele Dienstleister konnten nicht liefern, die Kickstarter-Kampagne, die für Juli geplant war, wurde verschoben. Und eben auch das Launch-Datum auf einen späteren Zeitpunkt gelegt. Durch das neue Timing habe man aber die Möglichkeit, noch weitere Qualitätstests sowie zusätzliche Studien durchzuführen. Um Weihnachten soll es zudem eine Pre-Sales-Kampagne geben.

Ioniq One wird im Frühling nächsten Jahres über die eigene E-Commerce Plattform als Starter-Kit erstmals erhältlich sein. Dazu gehören das Device, eine Kartusche der Wahl sowie passende Accessoires. Preislich sei man noch nicht ganz fixiert, doch mit circa 200 Euro können KundInnen laut Gross rechnen. Die einzelnen Kartuschen zum Nachfüllen liegen bei 20 bis 25 Euro für den Sonnenschutz sowie 25 bis 30 Euro für die Hautpflegeprodukte. Eine Kartusche kann für ungefähr 10 bis 12 Ganzkörperanwendungen genutzt werden.

Neben dem eigentlichen Spray hat Ioniq auch eine passende App entwickelt, die UserInnen etwa über die Batterielaufzeit informiert oder basierend auf Hauttyp und Standort empfiehlt, welcher LFS benötigt wird. Grundsätzlich wichtig bei der Handhabung des Geräts: ein zusätzliches Nachreiben mit den Händen vermeiden, das sei äußerst kontraproduktiv.

Apple, Amazon, Ioniq?

„Wir wissen auch nicht genau, wie der Markt am Ende reagiert“, so Philipp Gross. Die Unsicherheit ist verständlich, das verbundene Risiko sowohl für das Startup als die Mutterfirma schließlich nicht unerheblich. Doch wer hätte vor 2007 ahnen können, dass Menschen weltweit einmal 500 Euro für ein „intelligentes Telefon“ ausgeben würden? Oder ein Mann aus Albuquerque mit einem Onlineversandhandel zum reichsten Menschen der Welt werden würde? Das große Denken, die großen Visionen sind schließlich das, was erfolgreiche Firmen zu Mega-Unternehmen gemacht hat.

Bei Ioniq schmiedet man folglich auch schon die nächsten Pläne: Auch andere Marken könnten die Technologie für sich nutzen und ihre Kosmetik in die kleinen Behälter umfüllen. Weiter noch: Die Medizin oder speziell Krankenhäuser könnten davon Gebrauch machen, für Desinfektionszwecke etwa oder bei der Behandlung von Brandwunden, die dadurch kontaktlos eingecremt werden könnten. Momentan konzentriere man sich jedoch auf die Beauty-Industrie, suche zum gegebenen Zeitpunkt einen Onlineshop der ein Nischenprodukt wie dieses unterstütze. „Wir wollen uns erst hier fest etablieren. Die nächsten Schritte wagen wir dann in den nächsten Jahren.“

Hero Image Courtesy of Ioniq