Warum Jillian Wright die Indie Beauty Expo mitgründete? Hier gibt es die Antworten!

Eine feste Größe im jährlichen Beauty-Kalender, ein international einzigartiges Event und ein Sprungbrett für Kosmetik-Newcomer – so lässt sich die Indie Beauty Expo, kurz IBE, wahrscheinlich am besten beschreiben. 2015 in New York gegründet, präsentieren Entrepreneure heute an fünf Standorten den vielen Tausend Besuchern ihre neuesten Produktkreationen und treffen gleichzeitig auf Industriegrößen: von Einkäufern für Kosmetik-Giganten wie Douglas, Whole Foods bis hin zu Neiman Marcus und Redakteuren renommierter Magazine. Als Teil der US-amerikanischen Indie Beauty Media Group hat auch die IBE ein ganz bestimmtes Ziel: Indie-Brands so zu unterstützen, dass sie in Zukunft große Erfolge feiern können. Wie es dazu kam, erklärt Co-Gründerin, Business-Insider und Mutter von zwei Kindern Jillian Wright in diesem Interview.

In New York leiten Sie seit elf Jahren ein eigenes Spa und lancierten sogar eine eigene Hautpflegeserie namens Jillian Wright Skincare. Wie kamen Sie auf die Idee für die Indie Beauty Expo? ? 

Mein Terminkalender war so vollgepackt, dass ich überhaupt keine Zeit hatte, irgendwelche Leute zu treffen, geschweige denn zu netzwerken. Meine Brand konnte sich so nicht weiterentwickeln. Von einer Veranstaltung wie der IBE habe ich geträumt. Ich habe mir damals einen Ort vorgestellt, der nicht nur großartige Indie-Brands zusammenbringt, sondern diese Entrepreneure auch gleich mit den richtigen, potenziellen Geschäftspartnern und Entscheidern der Beauty-Branche verbindet.

Wie wurden Indie-Brands vor der IBE wahrgenommen?

Quasi gar nicht. Sie hatten keine Plattform und wurden mehr ignoriert als ernst genommen. Nicht nur sie, sondern ich selbst brauchte ein tragfähiges Ereignis, auf das ich mich Jahr für Jahr verlassen konnte, um meine Marke zu stärken, damit sie wachsen kann. Als Nader Naeymi-Rad und ich die erste IBE in New York starteten, waren es die unzähligen Gespräche mit Markengründern bis hin zu Einkäufern, die uns bestätigten, dass dieses Event nur der Anfang sein kann. Wir mussten ein Ökosystem schaffen und das haben wir: mit Beauty Independent oder etwa der Konferenz BeautyX. Und das Beste ist: Indie Beauty ist heute eine ernst zu nehmende Komponente im Markt.

Aus der Not machten Sie eine Tugend,  Sie Ihren Entrepreneur-Spirit. Wie würden Sie die IBE heute beschreiben?

Die Indie Beauty Expo ist ein Kontakt-Knotenpunkt, wo junge Brands auf vertrauenswürdige Unterstützer treffen, die sie sonst vielleicht nicht kennengelernt hätten. Einzelhandelspartnerschaften können so viel einfacher realisiert, und Beziehungen zwischen Retailern und Labels schneller aufgebaut werden. Die IBE ist eine Art Lebensader, die Labels, Retailer und die Presse verbindet. Und unsere Partnerschaften, seien sie mit Douglas oder Neiman Marcus, sind entscheidend am Erfolg beteiligt.

Mittlerweile findet die IBE jährlich in NYC, L.A., Dallas, London und – seit diesem Jahr – auch in Berlin statt. In Manhattan werden 2019 rund 750 Brands teilnehmen. Das ist ein neuer Rekord! Auf welche Marke sind Sie besonders stolz?

Auf sehr viele sogar! Olive + M ist heute Teil des Target-Sortiments, 18.21 Man-made kann man bei Macy’s kaufen und Au Naturale Cosmetics bei Whole Foods. Glamcor gibt es schon bald bei Harrords und Venn bei Douglas. Aber wirklich überall gibt es jetzt Hum Nutrition. Und das sind nur einige…

Erfolge wie diese geben Ihnen natürlich recht. Doch diese gab es nicht von Anfang an. Kamen Ihnen früher auch mal Zweifel?

Ich kann nur sagen: Angst ist ein schlechter Berater. Ich habe nie darüber nachgedacht, ob der Schritt, IBMG oder die IBE ins Leben zu rufen, der richtige oder falsche Schritt sein könnte. Wenn ich mich zu etwas verpflichtet habe, dann höre ich nicht auf, bis das Ganze auf einem guten Weg ist. Das liegt in meinem Naturell. Es gefällt mir, Dinge aufzubauen, sie nach meinen Ideen zu gestalten. In gewisser Weise ist das ein bisschen rebellisch, aber ich hatte eben nie Angst davor, Risiken einzugehen.

Sie selbst sind ein absoluter Branchen-Insider: Was raten Sie jungen Marken aus eigener Erfahrung?

Ich könnte ein Buch darüber schreiben, wie man vor allem ein schlechter Unternehmer ist! Ich habe meine Brand nicht nach dem „Protokoll“, sondern nach meinem Bauchgefühl aufgebaut. Vor allem hatte ich das Glück, dass diese nicht sofort monetär erfolgreich sein musste, weil mein Spa gut lief. Ich kann nur sagen: Es ist egal, ob eine Idee scheitert oder eben nicht. Denn das Ergebnis wird immer einem selbst gehören. Man muss lernen, Triumphe zu feiern und Versagen zuzugeben. Es hilft natürlich auch, einen vertrauensvollen Geschäftspartner zu haben. Nader und ich haben so eine Beziehung, und das ist auch der Grund, warum die Indie Beauty Media Group so schnell wachsen konnte.

Auf was sind Sie besonders stolz? 

Dass ich meine eigene Frustration in eine Indie-Beauty-Bewegung verwandeln konnte. Dafür brauche ich keine Beglückwünschung, sondern erfüllt es mich definitiv mit Stolz, zu wissen, dass all das, was wir mit IBE losgetreten hat, vorher nicht stattfand.

Welche Schritte sind als nächstes geplant?

Ob Vermarktung, Skalierung und Vernetzung – wir suchen ständig nach weiteren Wegen, um diese jungen Brands bestmöglich zu unterstützen. Viele der Brands, die uns von Anfang an begleitet haben, sind mittlerweile so groß geworden, dass sie nicht mehr bei der IBE ausstellen. Aber wir müssen für alle Unternehmensgrößen relevant bleiben. Von Small bis hin zu den Big Playern. Das ist unser Ziel!