Körperrasur: Ja oder Nein? Estrid rückt diesem Thema zu Leibe

Das junge Label Estrid aus Schweden will den Rasierermarkt so richtig aufmischen und rückt dem Thema Körperbehaarung zu Leibe – und zwar mit einer modernen Philosophie, veganen Inhaltsstoffen und einem großen Maß an femininer Selbstbestimmung.

Für nur 9,95 Euro kann man sich online das Starter-Kit bestellen: dieses kommt mit einem Rasierergriff in der Lieblingsfarbe sowie 2 Köpfen. Wer von Estrid überzeugt ist, kann sich danach neue Wechselköpfe bequem nach Hause liefern lassen, die entweder alle 30, 60 oder 90 Tage versandt werden. Mit dem Design trifft der Estrid Rasierer den aktuellen Zeitgeschmack und kann auch in Sachen Bildsprache punkten: Körperbehaarung wird hier zelebriert anstatt verpönt. Es gibt keine durchgestylten Models und niemandem wird suggeriert, dass man nur dann schön ist, wenn man perfekt enthaart und lachend am Strand entlang läuft.

Amanda Westerbom, Gründerin von Estrid
Amanda Westerbom, Gründerin von Estrid. courtesy of Estrid

Durch den erschwinglichen Preis, die makellose Ästhetik und die praktische Handhabung sowie die vielen cleveren Extras (Rasierer-Etui) macht Estrid den bisherigen großen Marken ordentlich Konkurrenz. Beauty Independent hat mit der 31-jährigen Gründerin Amanda Westerbom über die fehlende Innovation in diesem Segment, das veraltete Frauenbild und über die großartige Black-Friday-Kampagne von Estrid gesprochen.

 

Sie haben Estrid erst dieses Jahr gelauncht. Was hat sie dazu bewegt?

Es fing eigentlich alles mit einer einfachen Frage an: „Wie kommt es, dass sowohl ich als auch so viele andere Frauen Männerrasierer benutzen?“ Bereits 2017 haben wir versucht, dieses Phänomen innerhalb unseres Freundeskreises zu beantworten. Wir sind dabei auf viele Probleme im Markt gestoßen: Es gibt nur sehr wenige, aber mächtige Anbieter und diese fokussieren sich oft nur auf Männer, obwohl 90 Prozent aller Frauen Rasierer kaufen. Die fehlende Auswahl erklärt demnach, warum über ein Drittel der Frauen Männerrasierer benutzen.

 

Was haben Sie also jetzt anders gemacht?

Wir sind eine komplett vegane Alternative. Das bedeutet konkret, dass die Feuchtigkeitsstreifen unserer Rasierer weder Lanolin noch Glyzerin enthalten – im Gegensatz zu den meisten unserer Konkurrenten. Unsere bestehen hauptsächlich aus Aloe Vera und Shea Butter. Zudem haben wir darauf geachtet, dass zwischen den Klingen so viel Platz wie möglich ist, damit weder Rasierschaum noch Haare oder ähnliches dazwischen stecken bleiben. Die Auflage für die Wechselköpfe hat zusätzlich abgerundete Ecken, damit man schwer zu erreichende Stellen eben besser erreicht.

 

Überzeugend in Funktion und Design: Mit ästhetisch ansprechenden Rasierern, die nicht nur praktisch in ihrer Handhabung, sondern auch mit vielen cleveren Extras (Rasierer-Etui) zu haben sind, macht Estrid den bisherigen großen Marken ordentlich Konkurrenz. courtesy of Estrid

 

Der Estrid Rasierer wurde speziell für Frauen entwickelt. Worauf haben Sie noch geachtet?

Unser Griff besteht aus japanischem Stahl und wurde so designt, dass er besonders handlich ist und bei Kontakt mit Wasser nicht wegrutschen kann. Außerdem waren wir es leid, nicht zu wissen, wo wir den Rasierer hinstellen sollen. Also haben wir zusätzlich einen hübschen Saugnapf kreiert, der dieses Problem geschickt löst. Alles soll so ästhetisch sein, dass man den Rasierer nicht mehr versteckt, sondern im Bad präsentiert. Und das alles zu einem sehr fairen Preis und bequem nach Hause lieferbar.

 

In den letzten Jahren wurde das Thema „Frauen und Körperbehaarung“ viel diskutiert. Sie wollen mit Estrid den weiblichen Körper, Körperpflege und Rasur in ein neues Licht rücken.

Wir sind eine der ersten europäischen Brands, die weibliche Körperbehaarung in der Werbung zeigen. Jahrelang haben die großen Unternehmen alles dafür getan, dass man als Frau ein beklemmendes Gefühl bei diesem Thema bekommt: Sie zeigen diese perfekt aussehenden Frauen, die ihre bereits glatten Beine „rasieren“. Die Wahrheit ist jedoch, dass Körperbehaarung sehr persönlich und sehr individuell ist. Wir zelebrieren die Entscheidungen jeder Frau – ob sie nun ganz glatt, behaart oder etwas dazwischen sein will. Wir wollen die Debatte und Kultur rund um Körperbehaarung verändern. Dies ist eine unserer Hauptmissionen als Brand und als Unternehmen.

 

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass es bisweilen in diesem Segment grundsätzlich wenig Innovation gab?

Unternehmen haben sich auf kleine Innovationen konzentriert, die als große Innovationen vermarktet wurden, um die Preise zu erhöhen. Konkurrenz ist jedoch das beste Rezept für Innovation. Wir glauben, dass diese Problematik zum Teil auch an einem einzigen mächtigen Unternehmen liegt, das die Industrie seit über einem Jahrhundert dominiert.

 

Körperbehaarung: Rasieren oder nicht? Die Entscheidung liegt indivduell und selbstbestimmt bei jeder Frau. Die Debatte und den Kult rund um Körperbehaarung zu verändern, das ist eine der Hauptmissionen der Brand und des Unternehmens Estrid.

Glauben Sie denn, dass Frauen insgeheim noch so aussehen wollen, wie in den gängigen Werbungen?

Wir haben diesen Punkt längst überschritten. Frauen und Männer wollen glücklich sein, so, wie sie sind und mit dem, was sie wollen. Und nicht unerreichbaren Marketing-Idealen nacheifern, die von irgendwelchen meilenweit entfernten Agenturen erfunden wurden. Authentizität, Inklusion und Ehrlichkeit sind heute und morgen die Schlüsselfaktoren, um sich als Brand mit seiner Community zu verknüpfen.

 

Inwiefern integrieren Sie Nachhaltigkeit in Ihr Unternehmen?

Es ist etwas, an dem wir sehr hart arbeiten, und wir sehen in diesem Bereich ein enormes Potenzial für Verbesserung – nicht nur für uns, sondern für die gesamte Industrie. Zum jetzigen Zeitpunkt sind all unsere Verpackungen recycelt und recycelbar, unsere Griffe sind aus Stahl und der Versand wird klima-kompensiert. Hoffentlich können wir Ende nächsten Jahres dazu mehr innovative News preisgeben!

 

Apropos nachhaltig: Sie haben am Black Friday 2019 die Preise verdoppelt anstatt gesenkt. Hat diese umgekehrte Strategie denn funktioniert?

Ja, hat sie! Wir waren überwältigt von dem Effekt der Kampagne und über den Zuspruch und die Aufmerksamkeit, die sie bekommen hat. Für uns war klar: Wir wollen ein Zeichen gegen den Konsumdruck setzen, der uns jedes Jahr an diesem Tag begegnet. Wir glauben an bewusste, wohlüberlegte Kaufentscheidungen und daran, Dinge zu kaufen, die man wirklich will und die man nicht nur kauft, weil der Rabatt in 24 oder 72 Stunden ausläuft. Der beste Weg dies zu verdeutlichen, war dementsprechend unsere Preise zu verdoppeln und den Profit an die Organisation Kvinna till Kvinna zu spenden.

nacktes Frauenbein und eine Hand mit einem Rasiere in der Hand
Das Starter-Kit kostet nur 9,95 Euro und kann ganz einfach online bestellt werden: Der Rasierergriff wird in der Lieblingsfarbe inklusive 2 Köpfen geliefert. Wer von Estrid überzeugt ist, kann sich anschließend Wechselköpfe bequem nach Hause liefern lassen: entweder alle 30, 60 oder 90 Tage. courtesy of Estrid

Diese unterstützen Sie ja auch ganz öffentlich. Wie sieht Ihr Engagement konkret aus?

Kvinna till Kvinna“ ist eine schwedische Stiftung und heißt übersetzt „Frau zu Frau“. Die global agierende Organisation setzt sich in mehr als 20 von Kriegen und Konflikten betroffenen Ländern in Afrika, Europa, im Mittleren Osten und im Südkaukasus für Frauenrechte rein. Die Arbeit, die diese Stiftung leistet, liegt uns sehr am Herzen, und somit geht ein Teil jedes verkauften Estrid Rasierers direkt an sie. Zusätzlich haben wir mindestens ein Mal pro Woche eine spezielle Kampagne, die Kvinna till Kvinna involviert, damit ihre Message so viele Menschen wie möglich erreicht.

Vor kurzem haben wir auch eine Zusammenarbeit mit der deutschen Organisation Terre Des Femmes gestartet, eine Non-Profit-Organisation, die 1981 in Hamburg gegründet wurde. Wir hoffen, auf diese Weise so viel Unterstützung wie möglich bieten und den Frauen helfen zu können, für die sie sich stark machen.

 

Aktuell vertreiben Sie Estrid in Schweden, Norwegen, Finnland und eben Deutschland. Warum ist gerade der deutsche Markt interessant für Sie?

Es haben uns sehr viele deutsche Frauen kontaktiert und gefragt, ab wann denn unsere Produkte in Deutschland erhältlich sind. Wir freuen uns sehr über diesen Zuspruch, und dass wir Frauen bei ihrer persönlichen Wahl in Sachen Körperbehaarung mehr Entscheidungsfreiraum bieten können – ganz egal, wo sie sich befinden.

 

Welche nächsten Ziele verfolgen Sie mit Estrid?

Wir planen gerade unsere Expansion in UK, den Niederlande und Dänemark. Zudem werden aktuell noch andere potenzielle Märkte analysiert. Wir werden Körperpflegeprodukte launchen und haben einige spannende Design-Kollaborationen in der Pipeline. Unser Ziel ist es, weiterhin mit der Verbreitung unserer Message über Selbstliebe möglichst viele Frauen zu erreichen.

Hero Pic courtesy of Estrid