Kosmetik aus fermentiertem Gemüse: Hands on Veggies im Gespräch

Es ist ein wahrer Boom in der Kosmetikbranche Südkoreas – und langsam bahnt dieser sich seinen Weg zu uns. Neben Sauerkraut, Bier und Wein findet der Prozess der Fermentation immer häufiger auch in der Kosmetik Anwendung. Die österreichische Marke Hands on Veggies ist im deutschsprachigen Raum Vorreiter: Sie setzt in jedem ihrer Produkte auf natürliche Biofermente – aus Gemüse.

 

Eine ungewöhnliche Kombination: Gemüse und Kosmetik. Aber wenn es darum geht, mit innovativen Konzepten neue Wege freizuschaufeln, dann ist Lisa Dobler die richtige Ansprechpartnerin. Mit ihrer veganen Biomarke Pure Skin Food hat sie bereits eine Linie geschaffen, die zu 100 % mit biozertifizierten, veganen und natürlichen Inhaltsstoffen auskommt, nachhaltig verpackt, klimaneutral produziert und transparent kommuniziert. Entstanden ist das Konzept aus einem persönlichen Anliegen: Die Betreiberin eines veganen Onlinemagazins begann mit Kosmetik zu tüfteln und merkte bald, dass es das, was sie suchte, am Markt nicht gab. Ganzheitlich biologische, vegane Naturkosmetik – eine Vorstellung, die ihrer Meinung nach nicht so weit hergeholt sein sollte. “In der Bio-Kosmetik hat man immer einen gewissen Spielraum, den man mit Zusatzstoffen besetzen kann, die nicht bio sein müssen. Das hat mich geärgert, weil es für KonsumentInnen ein sehr undurchsichtiges Versprechen ist.” Wie viele kreative Köpfe das tun, musste Abhilfe geschaffen werden: Mit einer eigenen Marke. Pure Skin Food entstand durch die konzeptionelle Unterstützung einer Naturkosmetikerin als Nebenprojekt, das so schnell so gut anlief, dass es bald zu einem Hauptjob wurde.

Als das Label auf Biofermente gestoßen ist, entstand prompt die Folgemarke Hands on Veggies – weil es ein innovatives und doch sehr traditionelles Konzept ist, und es am Markt wiederum kein Label gab, das völlig biozertifiziert ist. “Das Problem bei den Fermenten ist, dass die Verarbeitungsschritte eigentlich ein chemischer Prozess sind – das Endprodukt ist so weit weiterverarbeitet, dass es nicht mehr als bio gilt.”

 

Das Sauerkraut-Prinzip

Genauso wie Sauerkraut, Kimchi, Kombucha und Co. kann man sich auch den Fermentationsprozess und dessen Wirkung in der Kosmetik vorstellen. Es gibt einen Ausgangsstoff, der Zucker oder Stärke enthält. Durch den Fermentationsprozess wird eine Bakterienkultur gewonnen, die das Produkt stabil hält und vor schlechten Bakterien schützt. Einerseits spart man sich in der Kosmetik so Konservierungsmittel und garantiert Haltbarkeit. Zusätzlich werden die Wirkstoffe in den Pflanzen aufgespalten und für Haut und Haar erst zugänglich gemacht, was für einen super Pflegeeffekt sorgt und dem Körper die Aufnahme erleichtert. Wie beim Sauerkraut eben.

 

Inhaltsstoffe aus fermentiertem Gemüse: Diesen Trend aus Südkorea bringt Hands on Veggies in den deutschsprachigen Raum. courtesy of Hands on Veggies

 

Der Einzug fermentierter Inhaltsstoffe in die Kosmetik eröffnet neue Wege in der Naturkosmetik. Die vielfältigen pflegenden Wirkungen pflanzlicher Produkte entfalten sich so oft sogar breiter als ihre synthetischen Kontraparte. Für die Herstellung werden pflanzliche Rohstoffe im Fermenter durch Mikroorganismen gebrochen. Allergene Proteine werden zum Teil in nicht-allergene Stoffe umgewandelt, was sich positiv auf die Verträglichkeit der Stoffe auswirkt. Schlummernde Pflegewirkungen werden freigesetzt: Viele Inhaltsstoffe der Pflanzen können erst durch den Fermentationsprozess zugänglich gemacht werden, wodurch sie vom Körper auch leichter aufgenommen werden können. Ein Beispiel ist Kokosferment, das aus Kokosnussfleisch gewonnen wird. Durch die Fermentation entfaltet sich eine antimikrobielle Wirkung, die Konservierungsstoffe ersetzt. Chiliferment regt die Durchblutung an und beugt Hautirritationen vor.

 

Gemüse auf dem Vormarsch

“Weil jeder weiß, dass Gemüse gesund ist, haben wir uns darauf fokussiert”. Schließlich wollten Lisa und ihr Team keine Inhaltsstoffe in ihren Produkten haben, die kritisch sind oder man nicht kennt. Besser solche, die man theoretisch auch essen kann. Seine Fermente bezieht Hands on Veggies von einer Firma aus Italien, die sich entsprechend auf deren Herstellung spezialisiert hat. Irgendwann sollen sie in der Produktion in Feldbach vielleicht auch selbst hergestellt werden, bislang reicht die Ausstattung nicht. Dazu braucht es spezielle Maschinen und viel Fachwissen zu deren korrekter Bedienung.

Die Basis der Produkte bilden nicht die Fermente. Die Bodylotion etwa besteht aus verschiedenen Ölen und Hydrolaten. Fast jedes Produkt enthält außerdem das Lactobazillus- und Kokosferment, zusätzlich Fermente der jeweiligen pflegenden Gemüsesorte. Die Fermente werden verwendet wie Extrakte, die anreichern und bereichern. Durch den Fermentationsprozess haben sie teilweise auch einen eigenen Geruch. “Gemüse hat selten einen Duft, den man in der Kosmetik wiederfinden will,” erklärt Lisa. Daher werden die Düfte mit ätherischen Ölen angepasst und so kombiniert, dass der Gemüsegedanke dennoch Wirkung trägt. Die Artischocken-Bodylotion etwa ist mit Lavendelöl angereichert. Die Auswahl der Fermente orientiert sich dabei auch an der Wirkung des jeweiligen Gemüses: Artischocken etwa sind entwässernd und straffend.

Die Produktpalette von Hands on Veggies wird laufend erweitert. Erst kürzlich kam ein neuer Conditioner auf den Markt, seit diesem Jahr gibt es auch Deos. Als nächstes steht eine Lockenserie bestehend aus Shampoo und Conditioner am Programm. Als ursprüngliche Intention wollte Lisa weg von Blümchendüften und Inhaltsstoffen, die in der Kosmetik üblicherweise verwendet werden: “Wir dachten, wir probieren es mal anders.” Ganz gemüsebasiert sind sie mittlerweile dann aber doch nicht. In der anstehenden Lockenserie etwa wird Bambus verwendet, weil er wie ein natürliches Silikon wirkt. Ein klassisches Gemüse ist dieser jedoch nicht gerade. Schlussendlich zählt die Wirkung.

Ganzheitliche Nachhaltigkeit

Als Naturkosmetiklabel gegründet, verfolgt Hands on Veggies auch den Anspruch, möglichst nachhaltig und transparent zu agieren. Der Anspruch, alle Inhaltsstoffe in verständlichen Worten anzuführen, ist leitend. Die KonsumentInnen sollen schließlich wissen, womit sie ihren Körper pflegen. Für gewöhnlich stehen die deutschen Begriffe in Klammern neben der einheitlichen Normbezeichnungen auf der Verpackung.

Genauso wie auch die Schwestermarke Pure Skin Food ist Hands on Veggies klimaneutral, es gibt eine E-Auto-Flotte und im Hintergrund wird sehr viel gemacht, um die Emissionen wirklich klein zu halten. Was übrig bleibt, wird entsprechend kompensiert. Nächstes Jahr soll auch ein eigenes soziales Projekt gestartet werden, in Zusammenarbeit mit den Landwirten der Umgebung rund um die Produktion in Feldbach. “Eventuell bauen wir auch unser eigenes Gemüse an,” schildert Lisa Dobler. Und abschließend schmunzelt sie: “Vielleicht fermentierten wir auch irgendwann selbst.”

 

Der aus Südkorea stammende Boom fermentierter Inhaltsstoffe in der Kosmetik hinterlässt seine Spuren auch im Ausland. Anstehend zwei weitere Marken, die auf die Fermentation natürlicher Pflegestoffe setzen.

Koreanische Naturkosmetik von Whamisa

Whamisa stammt aus Korea und setzt sich im Namen zusammen aus den Worten Blume, Schönheit und der Zahl Vier, sinnbildlich für die vier Inhaltsstoffe der Basis der Produkte: Blüten, Früchte, Samen und Wurzeln. Nachhaltigkeit wird bei der natürlichen, fermentierten Biokosmetikmarke großgeschrieben. Von der Auswahl der Rohstoffe über den schonenden Verarbeitungsprozess und die Verpackung wird Wert auf Transparenz, Authentizität und Qualität gelegt. Die Produkte sind bio-zertifiziert und die Inhaltsstoffe werden unter Verzicht auf Tierversuchen hergestellt.

 

Nachhaltigkeit wird bei der natürlichen, fermentierten Biokosmetikmarke Whamisa großgeschrieben. Die Produkte sind bio-zertifiziert und die Inhaltsstoffe werden unter Verzicht auf Tierversuchen hergestellt.

 

Durch die Zugabe von Bakterien eines natürlichen Fermentationsprozesses wird eine hohe Konzentration wertvoller Pflanzenstoffe gesichert, welche vom Körper besser aufgenommen ewrden können. Die Besonderheit der Produkte liegt an der Expertise im Bereich der Fermentationstechnologie, mit deren Forschung und Entwicklung sich Whamisa seit 2002 intensiv beschäftigt. In der Herstellung der Kosmetik wird kein Wasser zugesetzt, was dafür sorgt, dass die Produkte sehr sparsam verwendet werden können und lange haltbar sind. Ein positiver Einfluss auf die Naturkosmetik im Ganzen ist ein Herzensanliegen der Marke.

 

Fermentiertes Reiswasser bei 100% PURE

Auch eine Produktlinie des amerikanischen Naturkosmetikherstellers 100% PURE beschäftigt sich mit Fermentationsprozessen. Sake, fermentiertes Reiswasser, sorgt in Serum, Cleanser und Water Toner für eine optimale Versorgung der Haut mit wichtigen Vitaminen, Enzymen und Mineralien. Kojisäure ist ein natürliches Nebenprodukt, das bei der Fermentation von Reis entsteht, dass außerdem die Melaninproduktion anregt. Die Gesichtsprodukte sind außerdem glutenfrei und vegan.

 

Auch die hochwertige Beautymarke 100% PURE setzt auf natürliche, fermentierte Inhaltsstoffe. Bild: via Instagram of 100% PURE

 

100% PURE gibt sich selbst und seinen Konsumenten das Versprechen, nur die reinsten, gesündesten Inhaltsstoffe für seine Produkte zu verwenden. Nachhaltigkeit ist auch hier ein wichtiges Aushängeschild.

 

Hero Pic courtesy of Hands on Veggies