Welche Chance Kourtney Kardashians Wellness-Website Poosh für Indie-Beauty-Labels bietet

Als im September 2008 der erste Newsletter von Goop an 10.377 Abonnenten verschickt wurde, konnte nicht mal Gründerin Gwyneth Paltrow erahnen, dass sie damit den Grundstein für ein heute auf 250 Millionen Dollar geschätztes Imperium legte. Einige Stars versuchten daraufhin, Goops Erfolg mit eigenen Newslettern, Websites und Brands nachzuahmen. Manche scheiterten unglücklich, wie Lena Dunham mit  Lenny Letter oder Blake Lively mit  Preserve. Was mit Rosie Huntington-Whiteleys  Rose Inc. oder Reese Witherspoons  Draper James passiert, steht heute noch in den Sternen. 

 

Key Takeaways
  • Kourtney Kardashian launchte im April 2019 ihre Plattform Poosh, die einen Healthy-Lifestyle-Ansatz verfolgt. Sie ist schon seit längerem eine Verfechterin der Clean-Beauty-Bewegung, eine digitale Influencerin.
  • Für Indie-Beauty-Brands, insbesondere jene, die sich der Clean-Beauty verschrieben haben, bietet Poosh eine potentiell lukrative Möglichkeit um ein größeres Publikum zu erreichen und somit Verkäufe zu generieren.
  • Knackiger Content, und ganz klarer Kommerz: Bei fast jedem Artikel gibt es am Ende Produktplatzierungen – oder „Empfehlungen“ – mit Affiliate-Links, die Leser direkt zu den Onlineshops führen. Experten nennen diese Integration die „Zukunft des Einkaufens“.
  • Einige Branchen-Insider haben Zweifel an der Qualität und Originalität des Inhalts und somit an der Konkurrenzfähigkeit der Seite. Für Indie-Beauty-Brands, die auf der Seite genannt werden, ist Poosh eine Chance für mehr Sichtbarkeit und Aufklärung bezüglich der Produkte.
  • Letzten Endes werden die Verkaufszahlen ihre Seite der Geschichte erzählen. Beauty-Experten sind sich sicher, dass Poosh die kommerzielle Komponente noch ausbauen wird.

 

Die neueste im Entrepreneurinnen-Bund: Kourtney Kardashian und ihre Wellness-Website  Poosh, die am 2. April 2019 online ging. Dahinter steckt eine Art digitaler „von Frau zu Frau“-Ratgeber, der ganz klar den Fokus auf „einen modernen Lebensstil, der von jedem erreicht werden kann“ basiert – und somit ein direktes, aber völlig unabhängiges Pendant zu Paltrows Goop darstellt. „Ich habe Poosh gelauncht, weil ich das Gefühl hatte, dass es im Healthy-Lifestyle-Space eine Lücke gibt“, verkündet die Älteste des Kardashian-Clans auf ihrer Website. „Eine gesunde, bewusste Lebensweise hat immer noch einen schlechten Ruf. Es ist fast so, als ob man nicht sexy oder cool sein kann, nur weil man darauf achtet, wie man mit seinem Körper umgeht. Aber das stimmt nicht. Das will ich mit Poosh beweisen.“

So ganz aus der Luft gegriffen ist ihr Business-Modell nicht, denn Kourtney Kardashian ist schon seit Längerem eine Verfechterin der Clean-Beauty-Bewegung, eine digitale Influencerin und unterstützt grundsätzlich gerne Indie-Beauty. Als ehemalige Pressesprecherin des Körperpflege-Labels  Manuka Doctor setzte sie sich gemeinsam mit der Environmental Working Group (EWG) für strengere Regulierungen in Kosmetika ein. 

Für Indie-Beauty-Brands, insbesondere jene, die sich der Clean Beauty verschrieben haben, bietet Poosh eine potenziell lukrative Möglichkeit, ein größeres Publikum zu erreichen und somit Verkäufe zu generieren. Kourtney Kardashian folgen mehr als 80 Millionen Menschen auf Instagram und von der Reality-TV-Serie, durch die sie Bekanntheit erlangte (Keeping Up With the Kardashians), wurde kürzlich schon die 16. Staffel ausgestrahlt. Und obwohl die Zuschauerzahlen gesunken sind, gilt der international bekannte Fernsehhit als absolute Geldmaschine – und dass eben auch für die eigenen Unternehmen der Kardashians, Poosh mit eingenommen. 

Das Angebot des digitalen Kardashian-Kosmos ist ein kleines Wellness-Potpourri: Artikel über biologischen Wein, Lebensmittel für einen flacheren Bauch, mineralische Sonnencremes, Sportübungen für den Urlaub sowie Tipps für glänzendes Haar. Knackiger Content und ganz klarer Kommerz: Bei fast jedem Artikel gibt es am Ende Produktplatzierungen – oder „Empfehlungen“ – mit Affiliate-Links, die Leser direkt zu den Onlineshops führen. Hinter Kardashian steht laut  Women’s Wear Daily ein nicht unbekanntes Team aus Beauty- und Marketing-Experten: Sarah Howard, Gründerin des Blogs  Beauty Banter, soll als COO für Poosh tätig sein, während Michelle Scange, ehemalige Managing Editor bei  Who What Wear, diese Position nun bei Kardashians Site innehat. 

 

„Kontextbezogener Kommerz – oder die Fähigkeit, Einkaufserlebnisse subtil zu integrieren – ist die Zukunft des Shoppings. Medien wie Pooshstellen für Marken eine Verbindung zu Konsumenten her, indem sie diesen eine sehr selektierte Produktgruppe präsentierten und ihnen ermöglichen, sie direkt zu kaufen.“ – Angela Johnson, Director of E-Commerce Strategy, VaynerMedia

 

Jessica Maniatis, die als Beraterin im Clean-Beauty-Bereich tätig ist und  Follain oder  Organic Bath Co. zu ihren Kunden zählt, begrüßt die zusätzliche Präsenz, die Poosh Clean-Beauty-Brands verleiht und lobt Kourtney Kardashian für ihre Leistung: „Das Branding sowie das Design passen zu ihrer Ästhetik – sehr clean und modebewusst. Es ist vielleicht nichts Neues, aber es funktioniert“, sagt sie. „Die Seite lässt sich einfach navigieren und gerade die kürzeren Artikel sind erfrischend. Es ist toll, so viele bekannte Brands, Produkte und Gesichter in ihrer Beauty-Kategorie zu sehen. Die breit gefächerte Preisspanne der gezeigten Produkte macht das Konzept viel zugänglicher, als ich erwartet hatte.“ 

Martin Okner ist Präsident und Geschäftsführer von  DpHue, der Marke hinter dem Verkaufsschlager-Haarprodukt  ACV Hair Rinse, das auch auf Poosh beworben wird. Er ist der Meinung, dass die Website Klarheit über ein Produkt und die Brand-Positionierung auf einem doch recht überfüllten Markt schaffen kann: „Mehr als je zuvor geht es darum, Kunden aufzuklären“, erklärt Okner. „Die Industrie ist so überladen, dass kuratierter Content, der zeigt, wie eine Marke in das Leben eines Konsumenten passt, eine starke Überzeugungskraft besitzt.“  

 

Nachdem Kourtney Kardashian die Haarpflege-Produkte von DpHue’s ACV Hair Rinse postete, stiegen die Verkaufszahlen rasant an.

 

In einer von Amazon dominierten E-Tail-Landschaft bieten Plattformen wie Poosh für Kunden einen Mehrwert, welcher der Online-Riese noch nicht bedient. Angela Johnson, Director of E-Commerce Strategy der digitalen Agentur VaynerMedia, sagt: „Kontextbezogener Kommerz – oder die Fähigkeit, Einkaufserlebnisse subtil zu integrieren – ist die Zukunft des Shoppings. Medien wie Poosh stellen für Marken eine Verbindung zu Konsumenten her, indem sie ihnen eine sehr selektierte Produktgruppe präsentierten und es ermöglichen, sie direkt zu kaufen.“ 

Ob Poosh wirklich Leser anziehen und dadurch Verkaufszahlen ankurbeln wird, hängt zum Teil auch von der Qualität der redaktionellen Beiträge ab. Goop hat zweifelsohne viel Kritik eingesteckt, dennoch hat die Plattform durch provokative Artikel mehr als einmal für reichlich Gesprächsstoff – und damit Aufmerksamkeit und Traffic auf der Seite – gesorgt. Überdies haben auch Online-Magazine wie  Into The Gloss und  Violet Grey neue Maßstäbe für Beauty-Berichterstattungen gesetzt. Jayme Cyk, Gründerin der Beauty-Brand-Beratungsfirma  Cannonball Theory und Contributing Editor für Violet Grey, ist von Pooshs Content bisher wenig überzeugt. „Ich habe mir viele Posts angeschaut und fand es sehr ,wiederverwertet‘. Zum Beispiel gibt es einen Highlight-Artikel über den Inhaltsstoff Kurkuma – ein toller Inhaltsstoff, aber eben nichts Neuartiges“, erklärt Cyk. „Dasselbe gilt für Lebensmittel, die für einen flacheren Bauch sorgen sollen. Das sind keine Neuentdeckungen in der Wellness-Industrie. Um bei der Masse an Informationen allen einen Schritt voraus zu sein, muss man schon zukunftsorientiert denken, anstatt über alte Themen zu berichten.“ Die Expertin ergänzt abschließend: „Viele der Produkte, die sie anpreist, sind geläufig. Das ist nicht zwingend schlecht, aber bei all der Konkurrenz in diesem Milieu braucht man schon ein Alleinstellungsmerkmal, um sich als Content-und-Kommerz-Plattform abzugrenzen.“ 

Letzten Endes werden die Verkaufszahlen Klarheit bringen. Einige Indie-Beauty-Brands sind nämlich optimistisch, dass Kourtney Kardashian diese „pooshen“ wird. So konnte etwa  Dr. Dennis Gross Skincare durch die Nennung auf der Plattform mehr Verkäufe verzeichnen, seit die Anti-Akne-Maske DRx SpectraLite FaceWare Pro für 435 Dollar auf der Website vorgestellt wurde. „Ich bin mir sicher, dass diese Art von Werbung sich positiv auf unsere Geschäftszahlen auswirken wird, obwohl es noch zu früh ist, um zu bestätigen, dass dieser spezifische Beitrag unseren Umsatz beeinflusst“, sagt Carrie Gross, CEO von Dr. Dennis Gross Skincare. „Der Wellness-Ansatz von Poosh passt perfekt zu unserem Selfcare-Fokus. Ich mag es, wie die Seite auf kreative Weise selbst gemachte Treatments für zu Hause mit einfachen, natürlichen Zutaten wie Kokosöl präsentiert. Ich finde dieses ganzheitliche Konzept sehr ansprechend.“ 

 

Die Anti-Akne-Maske DRx SpectraLite FaceWare Pro von Dr. Dennis Gross Skincare kostet 435 Dollar und wurde auf Poosh.com vorgestellt, ob diese Art der Werbung verkaufsstiftend ist, wird sich erst noch zeigen.

 

Beauty-Experten sind sich sicher, dass Poosh die kommerzielle Komponente noch ausbauen wird. „Poosh könnte mit Brands direkt zusammenarbeiten, und so Verkäufe auf der eigenen Plattform monetarisieren. Das ist eine riesige Marketing-Chance, vor allem für aufstrebende Indie- und Nischenbrands im Clean-Beauty-Segment“, sagt Paula Scandone, Gründerin der  Bella Strategy Group. „Ich glaube, Kourtney ist sehr authentisch in ihrer Themenauswahl, was sehr wichtig ist. Außerdem kann sie mit anderen Stars zusammenarbeiten oder exklusive Kollaborationen mit Brands eingehen. Das könnte die nächste Phase von Poosh sein.“ Und zweifelsohne werden auch noch eigene Poosh-Produkte auf den Markt kommen – das kennt man ja schon von Goop