Levity Parlour: Seifenmanufaktur, Family Business, Black-Owned Company

Seit vier Jahren betreibt Nadja Ella Hutton-Mills die Brand für nachhaltige, feste Seifen, Levity Parlour. Ihre damalige DIY-Geschenkidee hat sich inzwischen zu einem kleinen, aber feinen Familienunternehmen entwickelt, das auch für mehr Diversität und Repräsentation in der Beauty-Landschaft kämpft. Wir haben mit der Gründerin darüber gesprochen, und sie zu den Themen Female Leadership und Family Business befragt.

Liebe Nadja, erzähle uns von den Anfängen deiner Seifenmanufaktur Levity Parlour. Warum haben dich gerade Seifen so in den Bann gezogen?

Zur Naturkosmetik kam ich teilweise auf Umwegen, dennoch hat das Thema Nachhaltigkeit mich schon immer sehr interessiert. Mein Urgroßvater führte eine kleine Reformhauskette im Sauerland und vermittelte dadurch viel Wissen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, gesunde Ernährung und natürliche Hautpflege an die folgenden Generationen in meiner Familie.

Der Wechsel von meiner betriebswirtschaftlichen Ausrichtung zur Naturkosmetik begann an Weihnachten 2016, als ich online nach kreativen DIY-Geschenkideen für Freunde und Familie suchte. Ich stieß auf das Thema Seifen sieden und merkte schnell, dass feste Seifen und Shampoos ein wahnsinnig tolles und nachhaltiges Produkt sind. Kaltgesiedete Seifen haben die besondere Eigenschaft, dass sie alle wertvollen Vitamine und Nährstoffe aus den zugegebenen Inhaltsstoffen perfekt konservieren und ihre hundertprozentige Wirkung auf der Haut entfalten können.

Dadurch kann man die Seifen mit tollen Skin-Superfoods bestücken. Ab da begann die aufregende Reise von Levity Parlour. Heute sind wir ein gesund wachsendes kleines Unternehmen mit eigener Produktion im Sauerland. Ich bin stolz und gespannt, was wir in Zukunft noch alles realisieren werden.

Nachhaltige Duschseifen gibt es ja mittlerweile einige – was macht die Produkte von Levity Parlour so besonders?

Es gibt ein paar besondere Aspekte, die die Produkte von Levity Parlour besonders machen. An erster Stelle stehen die besonders innovativen Rezepturen. Ganz nach dem Motto „think global, act local“ produzieren wir regional im Sauerland nach Rezepturen, welche von globalen Skincare Trends und Bewegungen inspiriert sind. Jedes unserer Produkte ist mit einem besonderen Skin- oder Hair-Superfood bestückt und entfaltet somit eine besondere Wirkung. So verwenden wir zum Beispiel Bio-Hibiskus-Blüten-Puder und Bio-Rosenwasser in unseren Hibiscus Blossom Shampoos, welche stark regenerierend wirken, oder CBD Isolat und Bio-Hanföl in unseren Minty CBD Gesichtsseifen. Als Gin Liebhaberin konnte ich es mir auch nicht nehmen lassen, unsere erfrischende Green Gin Duschseife zu entwickeln, welche einen Schuss Gin enthält und die Haut besonders im Sommer abkühlt.

Außerdem sind wir begeistert vom Thema „Consumer Co-Creation“. So haben wir bereits ein paar Levity Parlour Produkte mit den Ideen und Wünschen unserer KundInnen entwickelt. Weiterhin sind die Produkte besonders, weil sie aus einem Familienbetrieb stammen. Wir sind wirklich mit Leidenschaft bei der Sache und freuen uns riesig über den Support unserer KundInnen.

Levity Parlour produziert nachhaltige Seifen mit Superfoods.

Welches ist dein Lieblingsprodukt und warum?

Mein absolutes Lieblingsprodukt ist unsere feste Mango Butter Haarspülung mit pflegender Bio-Mango-Butter, Bio-Shea-Butter und einem leckeren Mango-Duft. Ich habe von Natur aus lockige Haare, welche viel Pflege brauchen, und die Spülung gibt meinen Haaren genau das, was sie brauchen: viel Pflege, Geschmeidigkeit, Glanz und Kämmbarkeit.

Nach welchem Prinzip entwickelst du neue Produkte/Formeln? Wie ist da dein Vorgang?

Die Produktentwicklung ist mein absoluter Lieblingsbereich! An dieser Stelle muss ich mich als begeisterte Produktentwicklerin outen. Ich liebe es, den Markt regelmäßig nach neuen Trends in der internationalen Naturkosmetik zu scannen und mich im Bereich der natürlichen Wirkstoffe sowie Skin- und Hair-Superfoods weiterzubilden.

Die Idee für ein neues Produkt entsteht meistens durch die Marktrecherche zu neuen Trends oder auch durch Feedback, welches wir von KundInnen bekommen. Wenn mehrere KundInnen zum Beispiel fragen, ob wir nicht auch feste Rasierseifen mit bestimmten Inhaltsstoffen herstellen können, gehe ich gerne auf diese Bedürfnisse ein und entwickle darauf basierend neue Produkte oder Rezepturen. Mit der Idee für ein neues Produkt geht es dann in die Rezeptur-Entwicklung, bei der ich gerne den Status quo von bereits bestehenden Produkten in dieser Kategorie scanne und die gängigen Inhaltsstoffe für ein solches Produkt recherchiere. Mit dem gesammelten Wissen entwickle ich anschließend eine eigene Levity Parlour Formulierung, welche im Anschluss in kleinen Mengen produziert und getestet wird. Meistens folgen noch einige Anpassungen, bis die finale Rezeptur steht. Erst dann übergebe ich die Rezeptur an unser Labor und unseren Sicherheitsbewerter, die die Rezeptur auf ihre Verträglichkeit prüfen. Sobald wir grünes Licht bekommen, wird das neue Produkt in größeren Mengen produziert und kann gelauncht werden.

Insgesamt setzen wir als Unternehmen auf qualitativ hochwertige Rezepturen mit einem großen Anteil an Bio-Rohstoffen. Wir gehen auch mehr und mehr in Richtung High Performance-Produkte, welche besondere Wirkstoffe und Skin-Superfoods enthalten.

Was hast du vor Levity Parlour beruflich gemacht und inwiefern hat dir dies als Brand Gründerin geholfen?

Ich habe davor bei einem Mobility Tech-Unternehmen im Bereich Business Development gearbeitet. Der Job hilft mir heute vor Allem bei der Marktrecherche und beim Identifizieren von neuen KundInnengruppen. Durch Projektarbeiten in meiner vorigen beruflichen Tätigkeit konnte ich außerdem andere Wirtschaftssparten kennenlernen und sehen, wie diese das Thema Nachhaltigkeit immer mehr einbinden. Last but not least konnte ich meine Verkaufsskills durch Telefonakquise trainieren, was mir heute für meine Brand entscheidend zu Gute kommt. Denn als Gründerin muss man natürlich erst einmal an einigen Türen klopfen, um GeschäftspartnerInnen und KundInnen für sich zu gewinnen.

Was ist das Wichtigste, das du seit der Gründung gelernt hast?

Das Wichtigste, was ich seit der Gründung gelernt habe, ist, dass man meistens „einfach anfangen“ muss, anstatt alles durchzuplanen. Allzu oft habe ich mich selber aufgehalten, indem ich ein Projekt oder eine Aufgabe bis ins letzte Detail durchplanen und alle Antworten bereits am Anfang zur Verfügung haben wollte, bevor ich den ersten Schritt mache. Zu meiner Überraschung kamen viele Antworten jedoch aber auf dem Weg und es taten sich tolle Geschäftsmöglichkeiten mit wundervollen GeschäftspartnerInnen während des Prozesses auf.

Diversität und Repräsentation können wir am besten in der Gesellschaft implementieren, indem wir sie aktiv leben. In dem Zuge möchte ich alle Black oder BIPoC FounderInnen dazu ermutigen, sich zu trauen, ihr Unternehmen zu gründen oder sich für ihren Traumjob zu bewerben.

Stehen hinter Levity Parlour InvestorInnen oder ist das Unternehmen selbstfinanziert? Kannst du zu der jeweiligen Entscheidung die Gründe nennen, warum du dich für diesen Finanzierungsweg entschieden hast?

Levity Parlour ist ein größtenteils selbstfinanziertes Unternehmen. Neben ein paar privaten Business Angels aus der Familie, die in das Unternehmen investiert haben, ist das Unternehmen hauptsächlich von mir als Gründerin selbstfinanziert. Bei der Gründung war es mir besonders wichtig, dem Unternehmen und der Marke Levity Parlour Raum zur Entwicklung zu geben. Ich ging mit dem MVP (Minimum Viable Product) auf den Markt und schaute zunächst einmal, wie die Resonanz der KundInnen ist und ob das Produkt Potenzial hat. Durch die Selbstfinanzierung konnten sich Unternehmen, Marke und Produkt ohne den Einfluss eines Investors/ einer Investorin selbst entwickeln und an die Bedürfnisse im Markt anpassen. Jetzt, wo wir etablierter und gefestigter in unserer Unternehmensstrategie sind, sehe ich auf jeden Fall die Vorteile durch InvestorInnen und bin auch durchaus offen für das Thema.

Implementierst du konkrete Marketing-Strategien oder folgst du eher einem Bauchgefühl/deiner Intuition, um Levity Parlour bekannter zu machen und die Brand Awareness zu steigern?

Ich arbeite mit einem Mix aus konkreten Marketing Strategien und meinem Bauchgefühl. Ein konkretes Marketing Tool, welches besonders nützlich bei der Werbung für unsere Produkte ist, sind die „Points of Parity“ und „Points of Difference“.

Points of Parity sind die Aspekte, die Eigenschaften, die ein Produkt besitzen muss, um „legitim“ für die eigene Produktkategorie zu sein, während die Points of Difference, die besonderen Unterschiede oder USP’s beschreiben, die das Produkt von anderen abheben. In der Werbung gilt es, die „Points of Parity“ und die „Points of Difference“ in einem guten Gleichgewicht zu halten. Das Tool ist besonders nützlich bei neuen und innovativen Produkten, die erst noch beim Verbraucher „etabliert“ und „legitimisiert“ werden müssen. Für unsere Produkte erweist sich dieses Marketing Tool als sehr nützlich, da viele Verbraucher bei festen Shampoos immer noch an der Effektivität des Produkts zweifeln und vor Allem bei der Anwendung unsicher sind.

Wir kommunizieren dann zum Beispiel die „Points of Parity“ indem wir erwähnen, dass das feste Shampoo wunderbar schäumt und das Haar reinigt, wie es in der Kategorie für Shampoos üblich ist. Als „Points of Difference“ kommunizieren wir dann, dass unsere festen Shampoos besonders pflegend und umweltfreundlich sind, da sie zum Beispiel Bio-Mandelöl enthalten und plastikfrei verpackt sind.

Familienunternehmen Levity Parlour: Nadja Ella Hutton-Mills und ihr Vater.

Deine ursprüngliche DIY-Geschenkidee ist mittlerweile zu einem Familienunternehmen herangewachsen. Erzähle uns von dieser Entwicklung – was sind die Vorteile, was sind die größten Hürden, als Family Business im Beauty-Geschäft?

Zunächst einmal bin ich sehr dankbar, dass dieses Unternehmen sich zu einem Familienunternehmen gewandelt hat. Als großen Vorteil empfinde ich, dass wir immer mit viel Leidenschaft bei der Sache sind. Außerdem sind wir bei der Ideenfindung sehr stark. Durch die familiäre Nähe kann jeder/jede frei seine/ihre Ideen kommunizieren, ohne Angst zu haben, dass die Idee „zu verrückt“ klingt. Auch die Verteilung der Aufgaben innerhalb des Teams fällt uns etwas einfacher, da wir die Stärken und Schwächen von den einzelnen Personen kennen. Dies kann aber auch eine Hürde sein, wenn man sich auf bestimmte Stärken und Schwächen von Familienmitgliedern festgefahren hat, obwohl diese auch Talente in anderen Bereichen haben.

Eine weitere Hürde kann auch die Position der Familienmitglieder innerhalb der Familienhierarchie darstellen. Obwohl ich für flache Firmenhierarchien stehe, kann es doch schon mal komisch sein, wenn man einem älteren und erfahrenen Familienmitglied Anweisungen gibt.

Als Female Founder/Gründerin und self-made Entrepreneurin: Was sind deine Beobachtungen der Entwicklungen rund um dieses Thema? Wie verändert sich die Dynamik gerade?

Was ich auf jeden Fall beobachte, ist, dass Frauen mehr und mehr selbst handeln und tolle Events und Programme zum Thema „Female Empowerment“ ins Leben rufen. Anstatt auf die Veränderung im Markt und den Support von männlichen Vertretern in der Wirtschaft zu warten, bauen Frauen nun zunehmend selbstständig und für einander die Netzwerke und Programme, die ihnen zum Erfolg verhelfen. Durch diese „Von Frauen für Frauen“-Dynamik und den starken Community Gedanken unter Frauen ergeben sich interessante Synergien und ein wertvolles Momentum für Wachstum.

Levity Parlour ist zudem eine Black-owned Company. Diversität und Repräsentation von BIPoC in (unter anderem) der Beauty Industrie wurde jüngst viel thematisiert und diskutiert. Was sind deine Gedanken dazu?

Das ist ein Thema, was mir wirklich am Herzen liegt. Mein Großvater war schwarzer Jamaikaner und ich habe durch mein Aussehen auch schon Rassismus erfahren. Insgesamt muss ich wirklich sagen, dass wir einen tollen KundInnenkreis haben, der sehr gut informiert ist und für Diversität und Repräsentation steht. Trotzdem bin ich aber der Meinung, dass Deutschland in dem Bereich noch viel lernen und umsetzen muss. Ein bedeutender Gedanke, der mir gezeigt hat, dass Deutschland noch mehr für Diversität und Repräsentation tun muss, war die Überlegung, ob ich auf Events wegen meines Aussehens weniger Erfolg beim Verkauf meiner Produkte haben könnte. Dass mir dieser kleine Gedanke überhaupt in den Sinn kam, war mich ein Zeichen, dass Rassismus in Deutschland noch präsent ist.

Ich bin der Meinung, dass wir eine gute Balance zwischen Debatten und Handlungen haben sollten. Deutschland ist meiner Meinung noch nicht ausreichend aufgeklärt bei diesem Thema. Dazu braucht es noch mehr Dialog. Trotzdem sollten wir aber auch ins Handeln kommen. Für Levity Parlour heißt das konkret: Wir kreieren mehr und mehr Online Content, der für Diversität steht, wir sponsern mehr InfluencerInnen aus der BIPoC Community, wir arbeiten mit Business Partnern zusammen, die für Diversität stehen und bauen intern ein diverses Team auf.

Diversität und Repräsentation können wir am besten in der Gesellschaft implementieren, indem wir sie aktiv leben. In dem Zuge möchte ich alle Black oder BIPoC FounderInnen dazu ermutigen, sich zu trauen, ihr Unternehmen zu gründen oder sich für ihren Traumjob zu bewerben. Ich glaube ganz fest daran, dass wir irgendwann in einer Gesellschaft leben, in der jeder Mensch seine Stärken und Talente einsetzen und ausleben kann, unabhängig davon, was er oder sie für ein Hautfarbe hat, oder welcher Religion er oder sie zum Beispiel angehört.

Was sind deine nächsten Ziele mit deiner Brand? Wo soll die Reise hingehen?

Zu unseren nächsten Zielen gehört definitiv die Expansion in neue Produktkategorien, wie zum Beispiel die Entwicklung von Gesichtsseren oder festem Putzmittel. Außerdem wollen wir vor allem als Consumer Brand weiterwachsen und im Handel neue wertvolle Partner gewinnen. Ich freue mich riesig auf die weitere Entwicklung von Levity Parlour und die vielen tollen Projekte, die wir in Zukunft realisieren dürfen.

Hero Image Courtesy of Levity Parlour

 

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