Auch L’Oréals neuer Corporate Venture Fonds zeigt großes Interesse – an Beauty-Startups

L’Oréal tritt in die Welt des Venture Investments ein und einen Fonds ins Leben gerufen, der auf Startups setzt, die mit ihren Konzepten die Beauty-Branche revolutionieren sollen.

Die allerersten Geldmittel aus dem BOLD Business Opportunities for L’Oréal Development Fonds flossen in das Unternehmen Sillages Paris, das ein auf KI basierendes Konzept zur Personalisierung von Düften entwickelte. Laurent Schmitt, seit sechs Jahren Global Head of Corporate Finance bei L’Oréal, wurde zum Präsidenten von BOLD ernannt und ist heute derjenige, der das Unternehmen in eine strahlende Zukunft führen soll. Im Fokus seiner Begierde: Unternehmen aus den Bereichen Marketing, Digitalität & Internet, Einzelhandel, Kommunikation, Supply Chain und Verpackung. „Mit der Gründung eines eigenen Corporate Venture Fonds unterstützen wir vielversprechende Startups sowohl mit unserer Expertise, unserem Netzwerk und Mentoring als auch finanziell unter Wahrung ihrer Autonomie“, so Laurent Schmitt in einer Stellungnahme. „Der Fonds unterstreicht unsere Open Innovation-Strategie, bei der wir die Expertise von L’Oréal mit einem Ökosystem engagierter Unternehmer im Beauty-Bereich verbinden, um so gemeinsam auf neue Verbraucherbedürfnisse und -wünsche in unserer Branche einzugehen.”

Im März 2019 gab L’Oréal den Kauf von ModiFace bekannt und bekundet durch diese Übernahme eindeutiges Interesse an führenden Technologieunternehmen im Beauty-Segment.

 

Erst kürzlich investierte der Konzern in ModiFace, den Spezialisten für Augmented Reality oder in Pulp Riot, einer professionelle Haarfärbemarke mit starker Social Media-Präsenz. Gesponsert wurde etwa auch ein digitaler Beauty Accelerator namens Station F, ein Campus für aufstrebende Unternehmen, wo auch Sillages Paris gegründet wurde. Ebenfalls strategisch unterstützt wird der Inkubator Founders Factory.
In der Kosmetikindustrie folgt L’Oréal Unilever bei der Einführung eines Venture Fonds. Unilever Ventures wurde 2002 gegründet und gehörte im vergangenen Jahr, laut CB Insights, zu den fünf aktivsten Corporate Venture Fonds in der Sparte der Konsumgüter. Zu berühmten Investitionen gehören Beauty Bakerie, Nutrafol, True Botanicals und Gallinée.

 

„Die größeren Unternehmen können noch viel von den flinken, innovativen und revolutionären Beauty-Startups lernen. Meiner Meinung nach ist das eine positive Entwicklung für das Beauty-Ökosystem, und ich denke, dass es in Zukunft weitere Projekte, wie diese, geben wird” – Tina Bou-Saba, Investorin 

 

Fernab von der Kosmetikindustrie haben Google, General Electric, Samsung, Salesforce, Qualcomm und Microsoft aktive Venture-Ableger ins Leben gerufen. CB Insights schätzt, dass 2017 243 Unternehmensgruppen 1.791 Deals mit einem Finanzierungsvolumen von 31,2 Milliarden US-Dollar abgeschlossen haben. Corporate Venture Groups beteiligten sich zu 20 Prozent an allen, jährlich abgeschlossenen Venture-Capital-Deals mit einem durchschnittlichen Investitionsvolumen von 22 Millionen US-Dollar. Das ist ein Betrag, der die Investitionssummen übersteigt, die Venture-Konsortien von Beauty-Konzernen typischerweise in ihre anvisierten Startups investieren.

Die Einführung von BOLD ist also keine Überraschung. Nicole Fourgoux, Senior Vice President of Business Development and Acquisitions bei L’Oréal Luxe, erwähnte auf dem BeautyX Capital Summit im August, dass L’Oréal erwägt, von dem Mentoring kleiner Marken zu einer offiziellen Partnerschaft überzugehen. Estée Lauder arbeitet noch daran, wie sie ihre Beziehung zu Startups pflegen kann. Die Funktion von ELC Ventures, einer Einrichtung zur Förderung aufstrebender Marken wie Rodin Olio Lusso, Le Labo und By Kilian, scheint sich einem Wandel zu unterziehen.

Gute Investition: Unilever Ventures tut sich mit Gallinée zusammen.

 

„Diese größeren Unternehmen können noch viel von den flinken, innovativen und revolutionären Beauty-Startups lernen. Meiner Meinung nach ist das eine positive Entwicklung für das Beauty-Ökosystem, und ich denke, dass es in Zukunft weitere Projekte, wie diese, geben wird,” so Tina Bou-Saba, eine der ersten, die in die Marken Mented, Volition und Ellis Brooklyn investiert hat. Richard Gersten ist Partner von Tengram Capital, einem Private Equity-Unternehmen mit Investitionen in Cos Bar, Lime Crime, Algenist und RéVive: „Das steht im Einklang mit dem, was andere Unternehmen tun. Es ist nicht verwunderlich, dass größere Unternehmen nach Wegen suchen, in aufstrebende und wachsende Unternehmen mit einem geringeren Kapitalrisiko zu investieren, als zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen einer vollständigen Übernahme.”

Eine unabhängige Beauty-Marke profitiert von unzähligen Vorteilen, wenn sie das Finanzierungsangebot durch das Venture-Geschäft eines Corporate Beauty Players annimmt. Margo Layton Cole ist ein unabhängiger Investor und zählt Marken wie MLC Brands, Dirty Lemon, Ursa Major und True Botanicals zu seinem Portfolio. Er erklärt, dass die Investition aus einer Corporate Venture Group den kleinen Unternehmen, denen sonst üblicherweise der  Zugang zu großen Wirtschaftspartnern ermöglichen kann. Des Weiteren gewinnen kleine Brands eine besser Ausgangsposition bei Verhandlungen mit wichtigen Vertragspartnern hätten. Hinzu kommen außerdem wertvolle Erkenntnisse von Marken und Führungskräften, die für die Realisierung von Projekten in großem Maßstab verantwortlich sind und möglicherweise Folgeinvestitionen bieten könnten.

Die wichtigste Frage, die sich Startups bei einer Investitionsbeteiligung durch den Venture-Ableger von Kosmetikunternehmen stellen sollte, ist jedoch mit dem Austritt verbunden: „Bei einer Kooperation ist es sicherliche ein möglicher Nachteil, dass sich in wahrscheinlich die Tür für andere Strategien schließt”, so Layton Cole. „Dies sollte jetzt nicht als Gesprächskiller verstanden werden, sondern bei Aufnahme von Verhandlungen mit Investoren muss sich die Marke immer die zentrale Frage stellen: Bin ich bereit, mich auf eine möglicherweise lebenslange Partnerschaft mit diesem Konzern einzulassen?”