Makeup Geek: Neupositionierung in Zeiten rückläufiger Rendite aus dem Influencer-Marketing

Als die Gründerin von Makeup Geek, Marlena Stell, vor mehr als einem Jahrzehnt damit startete, Make-up-Tutorials für YouTube zu produzieren, hatte sie kaum eine Vorstellung davon, welchen Einfluss soziale Medien auf die Beauty-Branche haben würden. Die sozialen Netzwerke brachten Brands wie ihre erst richtig ins Rampenlicht, sie veränderten das Beauty-Marketing und eröffneten den Verbrauchern eine Möglichkeit, direkt mit den Unternehmen zu kommunizieren. Makeup Geek ist Partnerschaften mit Influencern eingegangen, hat auf Kundenfeedback gesetzt und seine Reichweite in den sozialen Medien mit mehreren Millionen Followern beachtlich ausgebaut. Der Erfolg mit einem Anstieg des Jahresumsatzes auf über 22 Millionen Dollar konnte sich sehen lassen. „Ich liebe es, meine Fans mit einzubeziehen“, so Stell. „Sie sind ein maßgeblicher Faktor für das Wachstum des Unternehmens.“

 

Doch die Dynamik der Social Media verändert sich aktuell rasant, und Beauty-Brands sind gezwungen, ihre digitalen Strategien zu überdenken, da zum einen die Kosten für das Sponsoring von Influencern steigen und zum anderen die Sichtbarkeit auf Social-Media-Plattformen nachlässt. „Die Rendite ist nicht mehr besonders attraktiv, deshalb bemühen sich alle um eine neue Marketingstrategie,“ so Stell. „Wir wollen nicht auf Zeitschriften- und Fernsehwerbung zurückgreifen, das funktioniert nicht. Der Blick in die Zukunft ist schon sehr beunruhigend.” Beauty Independent sprach mit ihr über die Idee, Makeup Geek angesichts der unsicheren Zukunft offline weiter aufzubauen, auch bei Target und möglicherweise mit eigenen Geschäften. Wir sprachen ebenso über die Optionen, ihr Geschäft durch den Launch von mehreren Marken zu vergrößern, mehr Hautpflege-Produkte zu entwickeln, ihre Arbeit intern und extern auf YouTube weiter auszubauen und sich für Dinge einzusetzen, die wichtiger sind als Kosmetik.

 

Wie ist Ihre Marke entstanden?

Sie entstand aus Social-Media-Aktivitäten heraus. Ich war viele Jahre Musiklehrerin und fing 2008 an, meine Make-up-Tipps auf YouTube zu veröffentlichen. Das war nur ein Hobby. Ich liebe Make-up einfach. Als ich merkte, wie sehr ich mich für Make-up begeistere, beendete ich 2010 meine Unterrichttätigkeit, um mich voll auf den Bereich Make-up zu konzentrieren. Im Jahr 2011 habe ich dann die Marke eingeführt. Damals klaffte noch eine riesige Lücke zwischen Drogerieprodukten und hochwertigem Make-up. Es gab nichts, was wirklich exklusiv und dabei erschwinglich war. Ich begann meine Marke mit Lidschatten, denn genau dafür brannte meine Leidenschaft. Er wurde in den USA hergestellt, war qualitativ hochwertig und nicht so megateuer wie die Produkte von Luxusmarken.

 

Marlena Stell, Gründerin von Make-up Geek

 

Haben Sie das als reines Onlinegeschäft betrachtet?

Ich hatte keine Ahnung, dass es das mal werden würde, was es jetzt ist. Ich wollte einfach nur etwas haben, das ich meinem Publikum verkaufen konnte. Ich habe so viel Zeit damit verbracht, andere Marken zu promoten, jedoch ohne davon leben zu können. Mein Wunsch war es, Produkte entwickeln, um mir ein finanzielles Standbein aufzubauen und sie meinen Followern in Videos präsentieren zu können.

Das Publikum war da, denn ich zeigte ihnen ja in meinen Videos, wie man Make-up verwendet. Der Vertriebsaufbau war einfach, da ich die von mir hergestellten Produkte ja selbst vorführte. So konnte ich meine eigenen Produkte gezielt bewerben und zeigen, wie man sie verwendet. Das brachte automatisch Umsätze. Im Gegensatz zu traditionellen Marken habe ich das Pferd quasi von hinten aufgezäumt. Zuerst baute ich mein Publikum auf und begann dann, Produkte zu verkaufen, anstatt erst dann auf Publikumsfang zu gehen, wenn du mit deinen Produkten loslegst.

Ich habe mit Lidschatten angefangen, einfach, weil ich Farben so liebe. Ich bin besessen von der Vielfalt der Farben. Zu dieser Zeit waren MAC und Make Up For Ever die einzigen Marken, die Lidschatten-Pans angeboten haben. Aber die Preise waren alles andere als günstig. Ich habe mich an mehrere Labore gewandt, und wurde von vielen abgelehnt, doch ich blieb hartnäckig. Ich fuhr mit meiner Mutter durch das ganze Land, und es dauerte zwei Jahre, bis ich endlich ein Betrieb fand, der mit mir zusammenarbeiten wollte.

 

Ab wann hat die Marke dann Fuß gefasst?

Es war so 2012. Influencer fingen an, die Produkte zu verwenden, und da sie ihre YouTube-Kanäle kurz nach mir starteten, möchte ich auch gerne einige von ihnen nennen. Wir waren eine der ersten Marken, neben Sigma, die ein Partnerprogramm anbot. Ich wollte sicherstellen, dass die Influencer ihren Lebensunterhalt davon bestreiten können.

 

Ab wann haben sich die Einzelhändler an Sie gewandt, um Makeup Geek zu verkaufen?

Im Jahr 2016 gab es mehrere Einzelhändler, die uns kontaktierten. Dazu gehörten Sephora, Ulta, Old Navy, Forever 21, Urban Outfitters und Target. Da unsere Gewinnmargen viel geringer waren als bei größeren Unternehmen, gestaltete sich eine mögliche Kooperation ziemlich schwierig. Wir hätten die Preise erhöhen oder die Qualität reduzieren können, aber das war nicht das, was ich wollte. Als Target uns kontaktierte, hatte ich das Gefühl, dass es passen könnte, denn das Unternehmen hatte so ein ähnliches Publikum wie wir, das nach Produkten im mittleren Preissegment suchte. Target ist bekannt für eine interessante Auswahl an qualitativ hochwertigen Produkten, und ich mag, wofür sie stehen. Einer der Gründe, warum das Unternehmen mit uns zusammenarbeiten wollte, ist die Tatsache, dass wir großen Wert auf Inklusion legen.

Ich persönlich war schon immer ein großer Fan von Target. Ich muss dazu eine kurze Geschichte erzählen. Im November 2011 führte ich die Marke Makeup Geek ein, und das war der Monat, in dem mein Vater starb. Ich lebte damals in einer kleinen Stadt in Michigan, und Target war mein sicherer Hafen. Als er starb, war ich tatsächlich in Target, und ich hatte immer eine emotionale Bindung zu dem Unternehmen. Es ist für mich ein sehr positiver Ort. Das ist auch Grund dafür, mit Target zusammenarbeiten zusammen arbeiten zu wollen, weil ich das Unternehmen ja seit jeher liebe.

 

Wie war es, als Ihre Marke von Target aufgenommen wurde?

Es war ziemlich beeindruckend, besonders, da es sich um ein so imposantes Einzelhandelsunternehmen handelt. Letztes Jahr haben wir im Rahmen eines Pilotprogramms die Kooperation mit Target gestartet. Wir waren eine von acht Indie-Marken, die aufgenommen wurden, und schon nach wenigen Tagen waren unsere Produkte online ausverkauft. Seit diesem Jahr sind wir auch in den Filialen präsent, und unsere Produkte gibt es in fast 400 Geschäften zu kaufen. Und es wurde uns mitgeteilt, dass unsere Produkte bis Ende dieses Jahres in 200 weiteren Filialen erhältlich sein werden. Bei Target bieten wir kleine Quads und kleine Lidschattenpaletten an.

Das ist allerdings neu für uns, denn wir verkaufen auf unserer Website normalerweise die Farben nur einzeln. Außerdem bieten wir weitere Make-up-Produkte an wie Pinsel, Bronzer, Highlighter, Lippenstifte- und pflege, Augenbrauenstifte und falsche Wimpern. Insgesamt haben wir über 300 Artikel im Bestand, und unsere Lidschatten als Einzelartikel sind unsere absoluten Bestseller. Unsere Lidschatten mit Metallic-Effekt sind wirklich super, denn ihre Zusammensetzung ist einzigartig.

Der Hauptgrund für den Vertrieb meiner Artikel bei Target ist für mich, den Kundinnen meine Produkte real und zum Anfassen anbieten zu können, genau das Richtige für alle, die nicht so gerne online einkaufen. Das macht uns definitiv glaubwürdiger und verleiht uns mehr Substanz. Früher dachte man, “Oh, eine Social-Media-Marke, naja, die kommt und geht wieder“. Doch unser Produktangebot bei Target verleiht uns mehr Glaubwürdigkeit und macht uns für die Menschen zugänglicher.

 

Make-up Geek wurde letztes Jahr bei Target zum Online-Verkauf eingeführt. Seit ihrer Einführung ist die Marke mittlerweile in rund 400 Filialen erhältlich. Es wird erwartet, dass noch in diesem Jahr weitere 200 Filialen hinzukommen.

 

Wie steigern Sie den Umsatz sowohl bei Target als auch über die eigenen Vertriebskanäle von Makeup Geek?

Wir verwenden für beide ähnliche Strategien. Unsere Stärke liegt ganz klar in unseren Social-Media-Aktivitäten. Wir nutzen sie als Grundlage, um Leute dazu zu bringen, in den Laden zu gehen und zu schauen, was wir so verkaufen. Jetzt konzentrieren wir uns mehr auf bezahlte Werbung auf Instagram, Facebook und Google. Das haben wir früher nicht so oft gemacht. Wir haben uns hauptsächlich auf Influencer und YouTube-Videos verlassen, aber wir jetzt haben wir einiges vor. Die Hälfte unseres Budgets investieren wir traditionell in die sozialen Medien und die andere Hälfte in bezahlte Werbung.

Wir richten unser Augenmerk nun auf bezahlte Werbung, weil die Influencer-Welt mittlerweile ziemlich übersättigt ist, und die Rendite nicht mehr so stark ist, anders als bei bezahlter Werbung. Wenn wir bezahlte Anzeigen schalten, sehen wir eine Rendite von 12:1, das heißt, wenn wir 1.000 Dollar für Anzeigen ausgeben, generieren wir in der Regel einen Umsatz in Höhe von 12.000 Dollar. Wenn wir den traditionellen Weg des [Influencer-Marketings] mit Postings auf Instagram und YouTube gehen, ist der ROI nicht so vielversprechend. Es ist immer noch eine großartige Möglichkeit, Produkte zu vermarkten, aber wir verlassen uns nicht ausschließlich darauf, nur weil wir diese Rendite brauchen.

Wann hat sich die Rückläufigkeit bei der Rendite aus dem Influencer-Marketing bemerkbar gemacht?

Bis 2016 war der ROI besser. Ab 2016 konnten wir eine ziemlich starke Rückläufigkeit spüren, mögliche Gründe dafür gibt es viele. Ein Grund ist die Übersättigung. Außerdem haben die Verbraucher langsam gemerkt, dass die Influencer nicht mehr so authentisch und natürlich sind wie früher, und außerdem werden sie bezahlt, um für Produkte zu werben. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Kundin einen Abdeckstift kauft, nur weil eine Influencerin davon schwärmt, ist heute wesentlich geringer als damals. Denn sie denkt sich mittlerweile: „Ach, das ist halt Werbung. Genauso wie der Werbespot im Fernsehen, in dem Halle Berry sagt, dass sie ein Produkt liebt.“ Das Versprechen [des ROI] war höher angesetzt als das, was Marken tatsächlich rausbekommen, und das führt zu einem gewissen Konflikt zwischen Marken und Influencern.

Glauben Sie, dass sich die aktuelle Dynamik des Influencer-Marketings und der entsprechenden Rendite wieder ändern könnte?

Wenn die Influencer-Szene insgesamt wieder authentischer werden würde, könnte das bestimmt einigen helfen. Ich glaube nicht, dass es wieder genauso sein würde, wie vor 2016. Wenn die Bezahlung pro Post mehr im Einklang mit dem stehen würde, was ein Unternehmen macht, wären alle glücklicher. Die Preise sind so aufgebläht, dass eine Investition angesichts des schwindenden Renditeertrags nicht mehr sinnvoll ist. Wenn sich die Preise nach den tatsächlichen Umsätzen eines Unternehmens richten würden, wäre das wesentlich rentabler.

Was halten Sie von TikTok?

Ich habe da ein Auge drauf, klar. Ich habe den Aufstieg von TikTok genau verfolgt, doch für uns ist es ein wenig tricky, da man nie weiß, welche [Social Media Plattform] sich hält, welche nicht und welche mit unserem Publikum harmoniert. Als Snapchat losging, versuchte ich, da mitzuhalten, aber es funktionierte überhaupt nicht, weil das Publikum viel jünger war als unser Publikum. Wir versuchen immer, mit einem Account zu starten und auf jeder Plattform zu posten, aber erst nach einem knappen Jahr können wir erkennen, ob die Plattform zu uns passt, und ob es sich lohnt, Zeit in die Erstellung von Inhalten zu investieren. Für uns waren Instagram und YouTube die besten. Ich denke, TikTok funktioniert so ähnlich wie Snapchat, wo die Leute unsere Produkte sehen, aber es ist nicht unbedingt eine verkaufsorientierte Plattform. Es ist schwierig, aus Menschen, die sich bei TikTok Videos anschauen, Käufer bzw. Käuferinnen unserer Produkte zu machen. Es ist gut für uns, wenn wir in diesen Videos vorkommen, aber wir versprechen uns davon keine Umsätze.

 

Ohne Fremdinvestitionen hat sich Makeup Geek zu einem Unternehmen entwickelt, das einen Jahresumsatz von über 22 Millionen US-Dollar verzeichnet.

 

Wie hat sich der Umgang mit den sozialen Medien für Sie persönlich verändert?

Er hat sich dieses Jahr enorm verändert. Ich habe mich entschieden, keine Videos mehr als Influencerin zu machen, weil sich das Klima auf YouTube seit meinem Start vor 11 Jahren drastisch verändert hat. Natürlich ist YouTube immer noch eine großartige Plattform, aber die Videos, die jetzt angesagt sind, das sind eher die spektakulären, nicht die „Lernvideos“. Es geht nicht so sehr darum, alles zu Thema Make-up zu wissen. Tutorials sind auch deshalb nicht mehr so in, weil sie jeder schon x-mal gesehen hat und die Leute sie ein wenig leid sind. Ich nutze YouTube jetzt zur Ankündigung von Markteinführungen, und um alle Interessierten über das Unternehmen auf dem Laufenden zu halten, aber nicht mehr, um informative bzw. Lerninhalte anzubieten.

Wie sieht das Wachstum von Makeup Geek aus?

Unser Wachstum hat sich in den letzten Jahren verändert, da nicht mehr nur Endverbraucher unsere Produkte kaufen, sondern unsere Umsätze auch von internationalen Großhändlern und von Target generiert werden. Unser Umsatz teilt sich in ein Verhältnis von 70 % zu 30 % auf, wobei die 70 % vom Direktverbraucher und der Rest vom Einzelhandel und von internationalen Großhändlern stammen. Früher haben wir unsere Produkte über unsere Website zu 100 % an Direktkunden verkauft. Etwa 40 % unserer Umsätze stammen aus dem Ausland, unabhängig davon, ob die Kunden direkt über unsere eigene Webseite oder über andere Seiten kaufen. Wir sind in Großbritannien, Australien, Europa und Kanada präsent. In Großbritannien arbeiten wir mit Beauty Bay zusammen, und in anderen Ländern kaufen die Kunden und Kundinnen direkt bei uns ein, und wir liefern die Produkte direkt an den Endverbraucher.

Ich sehe für mich definitiv ein wachsendes Geschäft in Richtung Einzelhandel, und bedingt durch den massiven Wandel in den sozialen Medien möchte ich so breit wie möglich aufgestellt sein, damit ich für zukünftige Veränderungen gut vorbereitet bin. Ich denke, dass ein Teil der Kundschaft wieder dahin zurückkehrt, in echten Geschäften wie Target einzukaufen. Babytücher und Toilettenpapier werden dort ja bereits gekauft, und dann wirft man eben auch schnell mal ein Make-up mit in den Wagen. Wir hoffen, dass wir in Zukunft auch bei anderen Einzelhändlern einsteigen können. Ich schätze, dass langfristig die Hälfte unseres Umsatzes über den direkten Weg zum Verbraucher und die andere Hälfte durch den Einzelhandel erzielt wird.

Wo sehen Sie die Chancen für die Marke im Handel?

Ich möchte definitiv keine Drogeriegeschäfte mehr machen, weil Makeup Geek für mich keine Massenmarke ist. Wir verstehen unsere Produkte eher als Masstige-Produkte. Sie sind eher auf der mittleren Ebene angesiedelt, das heißt, die sind preislich gesehen günstiger als Luxus-Artikel, doch die Qualität ist erstklassig. Wenn ich den nächsten Einzelhändler auswählen müsste, fiele mein Wahl auf Ulta, oder ich würde eigene Geschäfte in verschiedenen Städten betreiben. Sie wären Dreh- und Angelpunkt für unsere eigenen unterschiedlichen Unternehmen. Das wären dann Make-up Geek, [das Bekleidungslabel] Marste und Adelina Jewelery. Ich hatte letztes Jahr eine Fehlgeburt, und wir wollten das Baby Adelina nennen, also ist die Marke ihr gewidmet.

Warum glauben Sie, dass der Verkauf von Farbkosmetika rückläufig sein wird?

Trends kommen und gehen. Ich habe bemerkt, dass Sachen für ein paar Jahre beliebt sind und dann in ihrer Beliebtheit von Produkten abgelöst werden, die genau das Gegenteil sind. Wir sind Menschen und langweilen uns schnell. Es gab so lange den Trend der flüssigen Lippenstifte und jetzt gibt es farbige Lippenbalsame. Die Farbkosmetik hatte mehrere Jahre lang eine ausgesprochen starke Position, doch nun kehren die Menschen zu einem natürlicheren Look zurück, bei dem es eher um strahlende Haut und nur ein wenig Mascara geht. Wenn Unternehmen diesen Trend erkannt haben, werden sie sich auf Foundations, Concealer und hybride Hautpflegeprodukte konzentrieren. Ich werde definitiv an dieser Produktauswahl für 2020 arbeiten, um so sicherzustellen, dass wir den Trends immer einen Schritt voraus sind.

 

Derzeit stammen 70 % des Umsatzes von Makeup Geek aus dem Direktvertriebskanal, der Rest aus dem Einzelhandel und dem internationalen Großhandel. Unser Ziel ist es, 50 % des Umsatzes in Zukunft aus unseren Verkäufen im Einzelhandel zu erwirtschaften.

 

Sie haben über Ihr Engagement im Kampf gegen häuslichen Missbrauch gesprochen. Fühlen Sie sich verpflichtet, die Aufmerksamkeit auf Dinge zu lenken, die Ihnen am Herzen liegen?

Ich fühle mich persönlich verpflichtet, weil ich eine Plattform für 1,5 Millionen Menschen betreibe. Wenn man das Unternehmen mit einbezieht, sind es über 4 Millionen Menschen. Ich habe mich entschieden, mich auf etwas Wichtigeres als nur Make-up zu konzentrieren. Deshalb möchte ich meine Plattform nutzen, um auf bestimmte Dinge aufmerksam zu machen, die ich leider selber durchgemacht habe. Und häuslicher Missbrauch ist mit das Schlimmste von allem. Da ich studierte Inhaberin von zwei Unternehmen bin, denken die Leute vielleicht nicht, dass jemand wie ich Erfahrung mit einer missbräuchlichen Beziehung gemacht haben könnte.

Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals Opfer solch einer Beziehung sein würde, aber es ist tatsächlich passiert. Mein Gefühl war, dass es einfach nicht genug Informationen gibt, um diese Stereotypie zu durchbrechen. Ich fühle mich persönlich dafür verantwortlich. In Zukunft wird ein prozentualer Anteil aller Makeup Geek-Verkäufe an Zufluchtsstätten gehen, die Menschen helfen, sich aus missbräuchlichen Beziehungen zu befreien.

Ich möchte mit jedem Geschäft, das ich neu anfange, auch Projekte mitfinanzieren, die mir am Herzen liegen. Bei Makeup Geek richtet sich mein Augenmerk auf häuslichen Missbrauch. Bei Marste muss ich noch herausfinden, welches Projekt ich mit meinem Beitrag unterstützen möchte. Mein Mann und ich gründen die Schmucklinie Adelina, und wir hoffen, dass ein Teil ihres Umsatzes zur Finanzierung von Kinderbetreuung, Pflegeheimen und Waisenhäusern in Sri Lanka beitragen wird. Ich habe auch vor, auf Konferenzen über die Stärkung und Förderung von Frauen zu sprechen.

Wie teilen Sie Ihre Zeit auf Ihre verschiedenen Unternehmen auf?

Ich muss bei der Zeiteinteilung sehr strategisch vorgehen. Ich weiß, dass ich zum Beispiel montags meine Zeit Make-up Geek widme. Dienstags werde ich mich auf Marste konzentrieren. Ich habe ein großartiges Team aufgebaut, das viele Aufgaben übernimmt. So kann ich mich auf die Produktentwicklung und die kreativen Aspekte zu konzentrieren. Den Rest überlasse ich meinem Team. Ich habe jetzt 40 Leute, die für mich arbeiten.

Ist Make-up Geek fremdfinanziert?

Nein, das sind wir nicht. Wir haben einen Umsatz von Null auf 22 Millionen US-Dollar generiert, und das ohne einen einzigen Kredit oder Investor. Ich habe versucht, aus eigener Kraft zu wachsen. Wir beginnen jetzt, zur weiteren Unterstützung über Kredite nachzudenken. In einem Jahr bin ich dann wohl so weit, mich um die Förderung jeder einzelnen meiner Marken durch Investoren zu kümmern. Ich möchte schauen, ob wir bei Target noch besser Fuß fassen können. Aber der Hauptgrund, warum ich mich bislang noch nicht um Investoren gekümmert habe, ist die Vision für das Unternehmen. Makeup Geek soll nicht zu irgendeiner anderen Marke unter vielen werden, die bei Target und Ulta zu haben ist. Ich will keine nullachtfünfzehn Marke. Wenn ich sicher bin, dass ein Investor auf Einzigartigkeit Wert legt, dann bin ich dabei.

Es ist eine Markenumstellung in Vorbereitung. Wann ist sie abgeschlossen?

Geplant ist November. Die Markenumstellung hat einen speziellen Hintergrund. Wir werden in Zukunft eine Art Matrixsystem haben. Dabei handelt es sich um Farbreihen, aus denen die Kundinnen wählen können. Wir werden immer noch die einzelnen Lidschatten-Pans anbieten, doch sie folgen einer Anordnung von hell nach dunkel. Jede Reihe entspricht einem anderen Farbton. Angeboten werden warme rotbraune Farbtöne, warme Töne in Taupe und Brauntöne in Mauve. So wird sichergestellt, dass jede Farbe vollständig ist, anstatt eine überwältigende Auswahl an 150 zufälligen Farben anzubieten, die es der Kundschaft erschwert, entsprechend auszuwählen.  Die Durchschnittskundin, die nicht weiß, was sie wählen soll, kann nun aus einem „vordefinierten“ Angebot auswählen.

Grundlage bildet jeweils eine Hauptgruppe aus 56 matten und 56 Metallic-Tönen. Aus diesen Basissets von Einzelfarben werde ich Hunderte von Farbkombinationen erstellen, aus denen ausgewählt werden kann. Es ist weniger kostspielig, denn Sie können Ihre einfach Ihre Farben nehmen und selbst eine ganze Anzahl von Paletten erstellen. Es wird ein Booklet dazu geben, das sich als eine Art Katalog versteht, der Ihnen Paletten zeigt, die Sie erstellen können. Wir bieten auch verschiedene Kombinationen an, die Sie fertig zusammengestellt kaufen können. Sie können diese zusammen mit einer Bildergalerie von bereits fertigen Looks kaufen, die als Inspiration dienen soll. Es wird die gleiche Hauptgruppe von Produkten verwendet. Doch es gibt unterschiedliche Kombinationen, bei denen jeweils ein Mix aus den gesamten Farbtönen zusammengestellt ist.

 

Makeup Geek erfährt gerade eine Markenumstellung, bei der ein sogenanntes Matrixsystem geschaffen wird, nach dem die Lidschattenfarben entsprechend sortiert angeboten werden. So können Kundinnen ihre eigenen Paletten einfacher erstellen.

 

Und wie sieht es mit deiner Funktion aus?

Ich übe seit langem schon diverse Funktionen aus. Sobald ich ein starkes Führungsteam aufgebaut habe, möchte ich mich schließlich als CEO zurückziehen und als Creative Director arbeiten. Ich möchte die Gesamtstrategie entwickeln und mich nicht nur auf Make-up Geek konzentrieren, sondern auch der kreative Visionär für alle meine Unternehmen sein.

Wo wird deiner Meinung nach Make-up Geek in fünf bis zehn Jahren stehen?

Ich habe nicht vor, die Firma für immer zu behalten. Irgendwann werde ich sie verkaufen, und ich hoffe, dass sie in gute Hände gelangt. Ich möchte, dass das Unternehmen eine internationale Marke wird, die Produkte anbietet, die für alle erschwinglich sind.