Mangolds und Kussmund: Zwei nachhaltige Beauty Concept Stores aus Österreich

Nachhaltigkeit ist in der Beauty zu einer Top-Priorität geworden. Besonders bei jungen und regionalen Brands sind Themen wie Natürlichkeit, ein sorgfältiger Umgang mit Ressourcen und alternative Verpackungen oft grundlegend mit ihrer CI verknüpft. Sie überzeugen mit Innovationen und ihrer Einzigartigkeit und führen uns sanft an grünere Pflege heran. Ein Grund, warum sich die beiden österreichischen Beauty Concept Stores Mangolds in Graz und Kussmund in Wien speziell diesen Marken gewidmet haben. In ihren Shops verschaffen sie zukunftsorientierter, sustainable Kosmetik Sichtbarkeit und sorgen für ein nachhaltigeres Bewusstsein ihrer Kundschaft. Beauty Independent wirft einen genaueren Blick auf die Konzepte beider Stores.

 

Mangolds, Graz

Seit 30 Jahren bedient Mangolds als voll-vegetarisches Bio-Restaurant Liebhaber der gesunden Küche in Graz. Als Julia Pengg 2007 das Restaurant übernahm, war es nur der nächst logische Schritt, auf ein ganzheitliches gesundes Konzept auszuweiten: Auf Mindset, Bewegung und Yoga sowie eben auch Pflege und Kosmetik. “Alles, was den Körper und den Kopf betrifft, soll natürlich sein”, beschreibt Julia ihre Vision. “Für mich ist Nachhaltigkeit ein Gesamtkonzept. Produkte sollen nachhaltig für die Umwelt sein und gesund für mich – aber gleichzeitig dürfen sie auch schick und schön sein und Spaß machen.”

Seit gut vier Jahren ist im Restaurant eine Fläche für nachhaltige Kosmetik freigeräumt, ein zugehöriger Onlineshop ergänzt das Angebot. Heute bleibt das Café zwar weiterhin die Haupteinnahmequelle, aber der Beauty Store hat Fuß gefasst. Manche Kunden kommen nur zum Essen, andere stöbern hinterher durch die Produktpalette, viele schauen gezielt vorbei, um die ein oder andere Kosmetik-Neuheit zu entdecken. “Die Umstellung hat eine Weile gedauert. In Graz mussten wir erst die Geschichte erzählen, warum wir jetzt auch Kosmetik anbieten, umgekehrt wusste bei der Fashionweek in Berlin niemand, dass da noch ein Café dranhängt.”

Mangolds startete als vegetarisches Bio-Restaurant; heute bietet es zudem nachhaltige Kosmetik an.

 

Magolds zelebriert die Menschen hinter den Marken

Die Produkte, die Mangolds anbietet, sind sehr gut gewählt. Viel Zeit fließt in die Recherche von kleinen, feinen independent Labels, die idealerweise zwischen Österreich und Skandinavien produzieren. Wichtige Kriterien sind Bio-Zertifizierung, vegane Inhaltsstoffe und nachhaltige Verpackungen. Auf der Website kann nach Zero Waste, vegan und bio gefiltert werden. Bevor sich eine neue Marke am Regal findet, wird getestet: “Wir probieren alles aus und nehmen nur auf, was wir persönlich für gut befinden. Nur so können wir auch hinter unseren Marken stehen, über sie schreiben und sie bewerben.” Das bedeutet auch, dass teilweise schon renommierte Marken nicht ausgewählt wurden.

Dafür steht die Bühne frei für neue, kleine, innovative, nachhaltige Labels, die in großen Stores meist gar nicht anzutreffen sind, vielleicht sonst nur über einen eigenen Webshop versenden. Was gefällt, wird auch schön angeworben, und freundschaftliche Kooperationen mit den Marken entstehen nicht selten. Die KundInnen haben im Gegenzug beim Kauf die Gewissheit, nur auf nachhaltige Produkte zu treffen und müssen durch die transparente Präsentation nicht erst selbst erforschen. “Bei uns kann man davon ausgehen, dass hinter jeder Marke Menschen stehen, die es ernst meinen und mit gutem Gewissen und viel Liebe an ihren Produkten arbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass man das beim Produkt auch spürt.”

Hübsch verpackt: Die Beauty-Pakete von Mangolds mit nachhaltigen Kosmetikmarken.
“Es soll nicht krampfig werden”

Eine dieser besonderen Marken ist Hetkinen aus Finnland. Kaum gibt es Brands, die es schaffen, komplett ohne Plastik auszukommen und wirklich recycelbare Naturverpackungen herzustellen: Hetkinen verpackt in Holzschächtelchen. Mangolds war der erste Retailer im deutschsprachigen Raum, der die junge Brand gefunden hat – mittlerweile hat sich eine tolle Beziehung auf gegenseitigem Vertrauen entwickelt. “Wenn wir kleine Marken aufnehmen,  werden sie auch von uns gepusht und in unsere PR-Arbeit mit aufgenommen. Das kann zu sehr schönen, langfristigen Kooperationen führen.” Das Team ist stets auf der Suche nach neuartigen, innovativen Newcomer-Produkten – von Augenmakeup über Haarpflege bis Deo wird querdurch alles angeboten, was die Beauty Industrie hergibt: Deos von Feygenblatt und Skon, Gesichtspflege von Pure Skin Food oder Haarwachs von Less is More. Als zukünftiger Schwerpunkt kristallisieren sich zudem gerade Frauen- und Zyklusprodukte heraus.

Der Zugang zur Naturkosmetik ist für Julia sehr individuell: Aroma. “Aromen sind so spannend für den Kopf. Gerüche gehen bis in das tiefste Unterbewusstsein und beleben so viel in einem. Mit richtig guten, 100% biozertifizierten Aromen kann man sich den ersten Espresso am Morgen ersparen. Produkte, die besonders und natürlich riechen, werden viel bewusster verwendet, da reicht auch weniger. Das ist dann der Moment, wenn man beim Duschen nicht nur abbraust, sondern das Duschgel öffnet und jeden Moment genießt.”

Trotz Mangolds Allround-Fokus auf Natürlichkeit – sowohl im Menüplan als auch in Sachen Beauty – soll ein Lebensstil nie aus Verzicht bestehen, schließt Julia ab. “Es soll nicht krampfig werden. Beim Essen etwa ist Vollwert natürlich besser, aber es spricht nichts dagegen, auch mal keine Vollkornpasta zu nehmen.” Für kleine Labels, die sich mit Mangolds dem österreichischen Markt annehmen möchten, gilt, rundum zu denken, auch das Verpackungsthema miteinzubeziehen, die Inhaltsstoffe zu bedenken. “Wir freuen uns immer über Marken, die mit uns zusammenarbeiten möchten!”

 

Kussmund, Wien

Der Ansatz der Gründerin von Kussmund war der einer ganz klassischen Parfümerie – nur eben gestaltet von Juristen. Als Dr Marion Faber ihren Beauty Concept Store in der Wiener Habsburgergasse startete, befand sie sich gedanklich im Umschwung. “Mir wurden die Fragen immer wichtiger, was steckt in meinem Essen? Woher kommt meine Kleidung? Und damit logischerweise auch die Frage: Wie viel Chemie braucht meine Haut wirklich?” Auf der Suche nach einer Antwort entdeckte sie eine ganze Menge an hochfunktionalen, natürlichen Pflegemarken. Der Grundstock der Parfümerie war geboren.

Kussmund wurde von der Juristin Dr Marion Faber ins Leben gerufen.
Genuss mithilfe von “g’scheiten Produkten”

Bei Kussmund soll man lernen, das Leben für sich einfach mal zu genießen. Kussmund will seine Kunden verwöhnen, sie zur Selfcare auffordern und ihnen zeigen, sich auch mal was zu gönnen – “aber bitte mit g’scheiten Produkten!” “G’scheite” Produkte, das sind für Marion Kosmetika, die nicht nur einem selbst, sondern auch der Umwelt Gutes tun. Ihre Botschaft umfasst auch die Aufforderung, herrlich zu duften – aber “nicht wie alle anderen, sondern nach Parfums, die ein Maximum an natürlichen Inhaltsstoffen enthalten und in kleinen Manufakturen gefertigt wurden.”

Die Produktpalette reicht von Marken wie Santa Maria Novella über Tata Harper,  A4 und Schwarzwald bis Le Pure. Die Düfte erstrecken sich von WienerBlut über Une Nuit Nomade, Jacques Zolty zu MEMO Paris. Die Auswahl ist riesig und bleibt dennoch stets persönlich: Marion kennt fast alle ihre Lieferanten wie auch Produzenten persönlich.

Große Auswahl und doch persönlich: der Beauty Store Kussmund in Wien.
Nachhaltigkeit und Natürlichkeit als Grundprinzipien

Dabei sind Natürlichkeit und Nachhaltigkeit zwei Werte, die sich ganz essentiell in allen Pflegemarken widerspiegeln, die Kussmund vertritt. Das ganze Konzept des Indie Beauty Concept Stores basiert auf diesen Prinzipien. Gerade arbeitet Kussmund an einem größeren Projekt, einer Kult-Marke, die erstmalig nach Österreich geholt werden soll – mehr will noch nicht verraten werden.

Hero Image Courtesy of Kussmund