MATICA – Unternehmerkolumne Teil 2 “Visual Branding”

Als 2018 die Idee zu Matica Cosmetics entstand, stand ich vor vielen Herausforderungen: Ich hatte keinerlei Ahnung von der Kosmetikbranche, hatte nur ein paar Euro gespart durch meine Freelancer Jobs. Ich habe viele Fähigkeiten, doch Grafikdesign gehört definitiv nicht dazu. Also machte ich mich auf die Suche nach einer Agentur, die mit mir die Marke Matica Cosmetics visuell entwickeln würde. Schnell hatte ich einen Favoriten aus Hamburg zur Gestaltung meines Visual Branding im Blick, der bereits viele Beauty-Marken begleitet hat. Um Geld und Zeit zu sparen, habe ich ein sehr detailliertes Briefing aufgesetzt mit exakten Anforderungen, sodass das Angebot finanziell und zeitlich einigermaßen realistisch umsetzbar würde. Trotz meiner Bemühungen – und guter Kontakte –  schien es unmöglich eine Agentur zu finden, die bis zum geplanten Launch innerhalb von 4 Monaten weniger als 15.000€ von mir haben wollte. Ich befand mich in einer Sackgasse und musste das Projekt wohl oder über ein paar Wochen liegen lassen, um herauszufinden, wie ich an ein cooles Packaging, ein passendes Corporate Design etc. kommen sollte.

 

Der Kunde ist König – auch beim Branding

Eines Tages hatte ich dann die rettende Idee, bei der ich mich bis heute frage, warum ich da nicht früher draufgekommen bin. Ich rief Moritz von der Agentur Loup aus Stuttgart an – wir hatten in der Vergangenheit bereits Projekte gemeinsam umgesetzt und kannten uns seit unserer Jugend. Er verstand glücklicherweise sofort, was ich von ihm benötigte. Wir einigten uns auf 60 Arbeitsstunden für einen niedrigen dreistelligen Betrag. Wie das möglich war? Ich arbeitete mit einer Absolventin aus seinem Team und versprach ihm, dass die Zusammenarbeit entspannt für sie werden würde. Zudem würde er die Chance haben, eine aufstrebende Beauty-Marke mitzugestalten. Bereits nach einigen Tagen wurden mir verschiedene Entwürfe zur Corporate Identity zugeschickt (Logo, Farbgestaltung, Stil, Schriftarten und vieles mehr), von denen mir mehrere auf Anhieb gefielen. Die Herausforderung war nun die Auswahl des Konzepts, das bei den Kunden am besten ankommt. Als selbstständige Beraterin mit Fokus auf Innovationen erinnere ich meine Kunden mehrfach täglich daran, erst einmal den Kunden zu fragen, was er braucht, anstatt intern fertige Lösungen zu entwickeln, die dann keiner haben will.

 

Screenshots vom Smatphone Matica CosmeticsCredit: Marina Zubrod
Marina Zubrod von Matica Cosmetics: „Ich lass die Community entscheiden“.

Der direkte Vergleichstest

Dieser Aspekt brachte mich auf die entscheidende Idee, wie ich schnell und datengetrieben zu dem perfekten Design komme: Ich suchte die 3 Designs aus, die mir am besten gefielen, setzte simple Webseiten auf und schaltete Facebook Werbung mit „Coming Soon“. 5 Tage lang wollte ich die Designs in Konkurrenz zueinander ausspielen und so sehen, welches denn die meiste Aufmerksamkeit auf sich zieht. Bereits an Tag 3 beendete ich das Experiment, da eines der Designs schon mehr als 40 Newsletter-Anmeldungen hatte und sogar Follower auf Instagram (dabei war es ein Fake und existierte nicht einmal, Wahnsinn!). Die Vorteile dieser Strategie waren enorm: Die Kosten für Korrekturschleifen mit der Agentur waren super gering, ich hatte in kürzester Zeit Fakten geschaffen und für den Newsletter auch noch ein paar E-Mail-Adressen gesammelt. Es war eine clevere und äußerst effiziente Methode, zu der ich auch heute nur jeder Brand kann. Denn besonders für junge Direct-to-Consumer Marken ist solch eine Herangehensweise essenziell, schließlich hat man bis zum Launch ja keine bestehende Kundschaft, die man befragen kann. Darüber hinaus verleiht es dem Team die Gewissheit, dass potenziellen Kunden das Design gefällt – und dies ist zweifellos einer der ausschlaggebenden Faktoren im Onlinehandel.

 

Die Vorlieben der Community sind entscheidend

Guten Gewissens wählte ich das Facebook-Ads-Sieger-Design für Matica Cosmetics – und bis heute bin ich sehr glücklich damit. Ich persönlich kann mich immer noch nicht an unseren Produkten satt sehen, und das Feedback bezüglich des Packaging war stets durchweg positiv.

Diese Erfahrung führte zudem dazu, dass ich heute öfter in meiner Instagram Community nach Meinungen und Präferenzen frage. Ob es sich um die Designs für eine neue Untermarke oder neue Produkte handelt – ich frage sowohl meine privaten Follower bestehend aus Familie, Freunden und anderen EntrepreneurInnen, als auch die von Matica Cosmetics, also hauptsächlich KundInnen, InfluencerInnen und Beauty-LiebhaberInnen. Somit habe ich verschiedene Meinungen von unterschiedlichen Zielgruppen und erhalte einen gesunden Querschnitt.

Denn letztlich möchte ich Produkte und Designs entwickeln, die meine Kunden haben wollen, also frage ich sie einfach vorher, was sie sich wünschen. Denn ein Geheimnis kann ich verraten: Das jetzige Design war damals nicht mein Favorit, ich hätte mich für ein anderes entschieden.

 

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