Nachhaltige Kerzen sind der neueste Trend im Wellness-Kosmos

Der Umschwung zu nachhaltigen Alternativen in den Bereichen Beauty, Wellness und Self-Care hat nun auch eine weitere Kategorie erreicht: Duftkerzen. Das junge Label LONY Organics aus Hamburg ist erst ganz neu auf dem Markt, doch hat es das Potenzial dieses Nischenprodukts erkannt und möchte jetzt so richtig durchstarten. Beauty Independent stellt die neue Brand vor.

Schauen Sie sich mal in Ihrer Wohnung um. Wie viele Kerzen sehen Sie? Vermutlich mindestens eine, bestimmt sogar mehr. Kerzen sind nicht nur ein beliebtes Interior-Accessoire, Gastgeschenk oder Mitbringsel, sie gehören mittlerweile auch zur allumfassenden Wellness-Kategorie – und sind damit auch für viele teil ihrer Self-Care-Routine. Kerzen schaffen Atmosphäre, haben eine beruhigende Wirkung und versprühen in der gesamten Wohnung einen angenehmen Duft. Was viele jedoch nicht wissen: Herkömmliche Kerzen sind echte Umweltschädlinge und können sich sogar negativ auf die eigene Gesundheit auswirken.

Der Übeltäter? Das in handelsüblichen Kerzen verwendete Wachs aus Paraffin, einem Rohstoff und Abfallprodukt der Erdölindustrie. In den eignen vier Wänden angezündet entstehen so Gase, die die Luftverschmutzung in Innenräumen erheblich steigern und Sie dann logischerweise auch einatmen. Darüber hinaus kommen in der Kerzenproduktion meist Phthalate, beziehungsweise phthalathaltige Düfte zum Einsatz. Der in der Kunststoffindustrie als Weichmacher verwendete Stoff gilt als stark gesundheitsgefährdend, da er sich im menschlichen Organismus unter anderem auf den Hormonhaushalt auswirken kann. Mit dem Anzünden Ihrer Lieblingskerze tun Sie sich also eigentlich nichts Gutes, sondern das genaue Gegenteil.

Umweltbewusstsein auch bei Duftkerzen immer gefragter

Genauso wie in den letzten Jahren vorwiegend die Kategorie Skincare cleaner wurde, werden es eben nun auch andere Bereiche im Beauty- und Wellness-Kosmos. Über die vergangenen Jahre hat sich auch deutlich gezeigt, dass beide Sphären immer mehr miteinander verschmelzen. „Holistic Beauty/Wellness“, also ein ganzheitlicher Ansatz, tritt in den Vordergrund. Nicht zuletzt deshalb geraten herkömmliche Kerzen – so schön sie auch aussehen und duften mögen – immer mehr in den Fokus. Umwelt- und inhaltsstoffbewusste KonsumentInnen wünschen sich Alternativen, die weder ihnen selbst noch der Umgebung schaden.

Praktisch also, dass nun viele neue, kleine Labels auftauchen, die dieses KonsumentInnenbedürfnis stillen: Sie produzieren nachhaltige, vegane, gesundheitsunbedenkliche Kerzen, die trotzdem herrlich riechen. Klar, solche ökologischen Varianten sind auf dem Markt keine absolute Neuheit. Was jedoch bei den jüngsten Labels anders ist: Transparenz der Inhaltsstoffe, nachhaltige Verpackung und vor allem das Design. Die Idee ist es nämlich, den Premium-Produkten anderer Anbieter in Nichts nachzustehen. Insbesondere in den USA und Großbritannien gibt es bereits einige vielversprechende Brands, etwa Heretic, P.F. Candle Co., Evermore London, Orveda, Eym oder vom Clean Beauty Shop Follain. Doch auch in Deutschland gibt es jetzt Neuzuwachs in diesem Segment: LONY Organics.

Das Newcomer-Label LONY Organics aus Hamburg launchte vor gerade einmal 12 Tagen.
Umweltfreundlich und handgegossen in Hamburg

Das junge Label LONY Organics aus Hamburg wurde von den Freundinnen und Co-Gründerinnen Jennifer Graf und Vanessa Leonhardy vor gerade einmal 12 Tagen gelauncht. Doch schon jetzt ist das Feedback auf ihre Marke und die Produkte für die beiden überwältigend: „Ab dem Go-Live-Tag ging auf einmal alles ganz schnell. Wir haben so viele positive Nachrichten und Pre-Orders erhalten, und das über unseren Bekanntenkreis hinaus“, so Jennifer Graf. LONY Organics bietet aktuell zwei verschiedene Duftkerzen in den Richtungen Lavendel und Rosmarin sowie Melisse, Pfefferminze und Zitrone zu Preisen von 25 (120g) und 55 Euro (500g) an. Das vorweg Besondere: Die Duftstoffe kennzeichnet das Label nicht wie normalerweise üblich auf dem Etikett unter dem Logo, sondern versteckt sie bewusst im Deckel. „Die Idee dahinter ist, dass KundInnen erst einmal an den Kerzen riechen und ihre eigenen Erinnerungen und Assoziationen damit verbinden. Sie sollen sie frei entdecken können“, so die Gründerin weiter. Außerdem spendet die Newcomer-Brand für jede verkaufte Kerze 1 Euro an ein Senioren-Projekt der Diakonie, das die Ausbildung zukünftiger Pflegefachkräfte unterstützt.

Die Idee zu ihrem eigenen Premium-Label mit nachhaltigem Ansatz kam den beiden bei einem Coffee-Date. Vanessa Leonhardy und Jennifer Graf kennen sich bereits aus der Heimat Coburg, und trafen sich nach mehreren Jahren in ihrer Wahlheimatstadt Hamburg wieder. Jennifer Graf war lange in der digitalen Beratung für IBM zuständig, absolvierte letztes Jahr eine Yoga-Lehre; Vanessa Leonhardy ist seit acht Jahren in der Modebranche tätig und arbeitet als Zentraleinkäuferin bei Peek & Cloppenburg. „Bei unserem Treffen haben wir stundenlang geredet und über unser Leben philosophiert. Wir hatten sogleich einen gemeinsamen Nenner, nämlich das Yoga, sowie beide den Drang, uns mit einem eigenen Produkt im Premiumsegment selbstständig zu machen“, erklärt Vanessa Leonhardy. Sie teilten durch ihre jeweiligen Jobs in Großkonzernen das Gefühl „dass es noch etwas anderes, dass da noch mehr sein muss“. Schnell nahm auch die Idee eine konkrete Gestalt an, nämlich die einer nachhaltigen Kerze, die zwar ökologisch in der Herstellung, aber eben nicht in ihrem Look ist. Luxuriöses, ansprechendes Design kombiniert mit dem Trend um vegane, nachhaltige Zutaten.

„Was uns zudem bei den bisherigen Anbietern fehlte, war Transparenz in der Deklaration der Inhaltsstoffe. Man weiß nicht wirklich, was man da eigentlich einatmet“, so Vanessa Leonhardy. Bei den Produkten von LONY Organics kommen ausschließlich drei Komponenten zum Einsatz: Bio-Sojawachs, ätherische Öle und ein Baumwolldocht. Doch ganz so einfach wie es klingt, ist es in der Umsetzung nicht: „Die Komposition Sojawachs und ätherische Öle ist sehr komplex. Wir mussten sehr lange herumprobieren, um die richtige Mischung und die richtige Verhältnismäßigkeit zu finden“, so die Gründerin weiter. „Wenn man zum Beispiel fünf Tropfen Öl zu viel oder zu wenig reinmischt, dann hat das gleich eine ganz andere Auswirkung auf das Abbrennverhalten. Es ist definitiv eine kleine Wissenschaft für sich.“ Um den richtigen Mix für LONY Organics zu finden, holten sie sich Rat von KerzenexpertInnen aus Manufakturen und ihrem Lieferanten. „Wir haben so viele verschiedene Dochte ausprobiert. Jeder ist anders. Deswegen fokussieren wir uns erst mal auf zwei ausgefeilte Duftrichtungen, und bauen dann nach und nach das Sortiment aus. Was uns zudem bei der Herstellung wichtig ist, ist das Einbeziehen der Community. Wir fragen sie, was sie sich wünscht und versuchen bestmöglich auf die Vorlieben einzugehen“, erklärt Vanessa Leonhardy.

Die Kerzen von LONY Organics sind nachhaltig produziert, vegan und schaden auch der eigenen Gesundheit nicht.
Die Geschichte mit dem Glas

Das erwähnte Treffen und die Ideenfindung fanden Ende 2019 statt, jetzt im Mai ist LONY Organics – übrigens ein Zusammenspiel aus den Vornamen der Gründerinnen – offiziell auf dem deutschen Markt gestartet. Doch die Zeit dazwischen war alles andere als entspannend. Besonders die Suche nach einem geeigneten Glasbehältnis stellte sich als größte Herausforderung heraus: „Ursprünglich sollte es helles Glas werden und der Look eher light und clean. Von dieser Idee mussten wir uns aber leider verabschieden. Wir hätten nie gedacht, dass es so schwierig ist, ein ästhetisch ansprechendes Glas zu finden, das nicht über Alibaba verkauft wird“, so die Gründerinnen, „genau das wollten wir eben nicht“. Denn nachhaltig bedeutet für die Unternehmerinnen eben auch, Wege zu finden und zu gehen, die dieser Philosophie auf allen ebenen entsprechen.

Die (jetzt dunklen) Gläser der Kerzen kommen nun von einem Lieferanten aus Europa. Die ätherischen Öle beziehen die Labelgründerinnen aus der Hof Apotheke aus ihrer Heimat Coburg, die sich neben traditioneller Medizin auf Naturheilkunde und Aromatherapie spezialisiert hat. „Die Apotheke von Herr Priesner gibt es bereits seit 1543. Unsere ätherischen Öle werden dort auf Arzneimitteltauglichkeit getestet – ein weiterer Vorteil. Zudem gefällt uns der Bezug zu unserer Heimatstadt“, erklären sie. Dass ihnen Lokalität und ein langsames, organisches Wachstum wichtiger sind, als direkt das große Geld, zeigt sich auch darin, dass die Entrepreneurinnen ein Angebot eines Produzenten in Hamburg abgelehnt haben. „Das wäre wieder in Richtung Massenproduktion gesteuert, was wir wirklich nicht wollen. Dann lieber weniger und genau wissen, was in den Kerzen drin ist. So können wir das selbst steuern, jede Kerze bleibt ein Unikat und entspricht unseren Qualitätsstandards“, so Jennifer Graf. Denn: Die beiden gießen momentan alle Kerzen selbst von Hand.

Ein Blick in die (ungewisse) Zukunft

Wenn die aktuelle Krise uns eines gelehrt hat, dann, dass die Zukunft ungewiss und nie vorherzusagen ist. Doch Pläne schmieden und das Label weiterzuentwickeln gehört nun mal zu einem erfolgreichen Business dazu. Vanessa Leonhardy und Jennifer Graf denken beispielsweise darüber nach, für die Produktion mit einer Werkstatt für behinderte Menschen oder mit Senioren zusammenzuarbeiten. Auch der Onlineshop soll schon bald live gehen, um den Bestellungsprozess zu vereinfachen. In den Tagen seit dem Launch erreichten LONY Organics nämlich bereits mehr Orders, als die Gründerinnen erwartet hatten – und das ohne jegliches Marketing, Werbung oder Kooperationen. „Wir haben unser Netzwerk ganz bewusst noch nicht genutzt“, erklärt Jennifer Graf. Das Produktportfolio wollen sie bis nächstes Jahr ausbauen.

Auch Retail-Anfragen habe das Label bereits erhalten. Aktuell konzentrieren sich die Gründerinnen noch auf das DTC-Modell, arbeiten jedoch schon an einer Wholesale-Strategie. Ein Vertriebspartner sei für die Zukunft nicht völlig auszuschließen, nur „muss es auch passen“. Sie wollen bewusst ein Nischenprodukt bleiben und sehen die Kerzen von LONY Organics eher in kleinen, kuratierten Shops und Stores, als jetzt im klassischen Handel. Ein(e) Mitarbeiter(in) sowie ein Office-Space schwebt auch noch in der Luft. Und einen etwas persönlicheren Wunsch und Kindheitstraum haben die beiden dann doch auch noch: „Einen Artikel in der Vogue!“

Images Courtesy of LONY Organics