How to run a Webshop: Erfolgreicher Onlineshop für Indie-Brands

Im Zuge einer Gründung spielt der Onlineshop als eigenes Vermarktungstool eine essenzielle Rolle. Jede Indie-Brand aus dem Netzwerk von Beauty Independent setzt seit den Anfängen auf einen Webshop – und das nicht nur den Verkäufen wegen. Durch die eigene Onlinepräsenz lässt sich das Wachstum entfesseln, das Konsumverhalten und die Target Group besser verstehen und analysieren. Die gute Nachricht vorweg: Eine eigene Website oder einen eigenen Shop zu bauen, war noch nie so einfach wie heute. Einen Überblick über die aktuell beliebtesten Shop-Systeme, Zeit- und Kostenaufwand und Programmier- und Designfragen finden Sie hier. Außerdem teilt Jennifer Baum-Minkus, Gründerin der veganen Nagellack-Brand Gitti aus Berlin, ihre persönlichen Erfahrungen zum Thema E-Commerce.

 

Welche Shop-Systeme gibt es zu welchen Kosten?

Was Sie zuerst nach Ihrer Geschäftsanmeldung tun sollten: Sichern Sie sich eine benutzerdefinierte Domain! Die gibt es schon für wenige Euro im Monat bei unterschiedlichen Anbietern. Möglich ist je nach Plattform auch der Kauf einer Domain bei einem Shop-System. Das führt uns zur zweiten und ebenfalls essenziellen Entscheidung: Mit welchen Shop-System möchten Sie Ihr E-Commerce-Business aufbauen?

Das Tool BuiltWith hat die E-Commerce-Nutzungsverteilung weltweit von über 11 Millionen Webshops analysiert. Laut der Statistik zählt Shopify mit 21 Prozent zum beliebtesten Anbieter, gefolgt von WooCommerce und Wix Stores. Auch PrestaShop und Magento tauchen neben einigen weiteren Systemen auf. Grenzt man die Suche auf Deutschland ein, platziert BuiltWith Shopware und Zen Cart mit jeweils 13 Prozent auf Platz eins, Magento und Gambio folgen auf Platz zwei und drei.

Beachtenswert sind bei der Auswahl eines geeigneten E-Commer-Systems die Faktoren Programmierkenntnisse sowie Größe des Unternehmens. Systeme wie Shopify, Jimdo oder Shopware richten sich durch Funktionen, Aufmachung und Handhabung auf kleine und mittelständische Unternehmen. Der Gigant Magento ist primär auf Unternehmen aus den USA sowie an Großunternehmen ausgerichtet – was sich auch in den Kosten niederschlägt. Hier berichteten uns GründerInnen aus der Indie-Beauty-Szene außerdem von Herausforderungen in der Bedienung. Auch PrestaShop wird mittelständischen bis großen Unternehmen empfohlen.

 

Top Shop-Systeme für Start-ups

Jimdo

Jimdo wurde 2007 in Deutschland gegründet, um es Selbstständigen und kleinen Unternehmen zu ermöglichen, in wenigen Schritten eine rechtssichere Website mit Onlineshop zu erstellen. Laut eigener Aussage wurden mit Jimdo weltweit knapp 1,5 Millionen Websites und Onlineshops für Health und Beauty erstellt. Der Vorteil von Jimdo liegt in seinem Baukasten-System, das so entworfen wurde, dass man ohne Programmier- oder Designkenntnisse eine professionelle Website oder einen Onlineshop erstellen kann. Hervorzuheben ist hier die übersichtliche und gut erklärte Benutzerfreundlichkeit.

Außerdem bietet Jimdo nützliche Tools und Features an, die speziell auf die Bedürfnisse kleiner Unternehmen zugeschnitten sind. Beispielsweise automatisierte Brancheneinträge, sodass Unternehmen mit einem Klick auf über 15 Plattformen wie Facebook oder Google zu finden sind. Oder einen Rechtstexte-Manager für abmahnsichere Texte von AGB bis Widerrufsbelehrung. Für Business-Zwecke bietet das Shop-System ein Package ab 19 Euro im Monat an. Die Wirtschaftszeitschrift Brand eins kürte Jimdo zum Innovator des Jahres 2019.

 

Shopify

Der beliebte Shop-Baukasten Shopify ermöglicht es ohne besondere Vorkenntnisse und Fachwissen, einen eigenen Webshop zu erstellen. Die Plattform richtet sich an kleine und mittelständische Händler. Dabei verfügt das System über alle Features und Funktionen, die man braucht, und ist logisch aufgebaut. Es gibt einfache SEO-Funktionalität, verschiedene Themes für das Design, die Möglichkeit, detaillierte Produktbeschreibungen zu erstellen und der Webshop ist responsive. Möchte man die Templates anpassen, hat man außerdem vollen Zugriff auf den Code.

Gegründet wurde Shopify von dem deutschen Tobias Lütke in Kanada. Die E-Commerce-Software kann weltweit benutzt werden, für die Bezahlung wird ein externes Kreditkarten Terminal verwendet, um Kreditkarten akzeptieren zu können. Je nach Funktionen und Möglichkeiten, kann zwischen drei Tarifen gewählt werden, die mittlere Version liegt bei 79 US-Dollar pro Monat. Hosting, Sicherheit und Updates sind inkludiert. Backend und Support sind auf Englisch.

 

Shopware

In Deutschland entwickelt wurde auch die E-Commerce-Plattform Shopware. Hier handelt es sich um ein vielseitiges System, welches flexibel angepasst und skaliert werden kann. Ab der Version Shopware 5 setzt das Unternehmen neben technischem Fortschritt auf Design und Storytelling. So bieten die Templates kreative und moderne Designs, die sich von anderen unterscheiden.

Die im Herbst 2019 lancierte Shopware 6 nennt sich die „Zukunftslösung für eCommerce-Business“ und setzt in einer komplexer werdenden Shop-Welt auf Wachstum und Vernetzung. Die Version führt außerdem eine Internationalisierung ein – wie die Übersetzung der Website in mehrere Sprachen, der Checkout in verschiedenen Währungen und definierbare Steuersätze. Die Einrichtung von Shopware gestaltet sich für Webmaster und Shopbetreiber, die über grundlegende Erfahrungen verfügen, gut machbar. Wer keine Vorkenntnisse mitbringt, kann sich in einem Handbuch einlesen. Für Einsteiger bietet Shopware die kostenfreie Community Edition; extra Features müssen dazu gekauft werden. Die Professional Edition kostet 2.495 Euro für 12 Monate.

 

Onlineshop selbst erstellen oder eine Agentur beauftragen?

Die modernen und oben vorgestellten Baukasten-Systeme führen Shopbetreiber Schritt für Schritt durch alle wichtigen Attribute eines Webshops. Hier sind oft keine Vorkenntnisse gefragt und mit ein wenig Übung, Zeit und Geduld kann man in wenigen Tagen einen eigenen Webshop auf die Beine stellen. Diese Methode eignet sich für Kleinunternehmer oder Start-ups mit wenig Budget.

Wer keine Programmierkenntnisse, aber außergewöhnliche (Design-)Wünsche oder Anforderungen an seinen Shop hat, kann sich an einen Experten wenden. Agenturen bieten häufig Design und Programmierung als Gesamtpaket an. Auch die Zusammenarbeit mit Freelancern bietet eine flexible Möglichkeit für die Unterstützung bei der Erstellung eines professionellen Web-Auftritts. „Da ich keinen E-Commerce-Background hatte, war ich bei dem Webshop von The Glow auf Unterstützung angewiesen. Die Agentur We Are No Robots und der dänische Designer Jonas Halfter haben die Seite für uns designt und mit dem System WooCommerce umgesetzt“, erzählt Anita Bechloch, Gründerin des Münchner Indie-Brands The Glow. Dafür investierte sie eine niedrige fünfstellige Summe.

 

Checkliste: Was macht einen erfolgreichen Onlineshop aus?

Um einen Onlineshop zu erstellen, benötigt es das System und dann die Inhalte. Vorarbeit erfordert die Produktion und Erstellung von Bildmaterial und die Beschaffung nötiger Informationen. Websites leben von Bildern und einer ansprechenden Produktpräsentation – achten Sie deshalb auf eine High-Resolution-Qualität, eine einheitliche Lichtstimmung und Stil. Auch die Tonalität und eigene Sprache von About-Text und Produktbeschreibungen sollten im Vorfeld entwickelt werden. Duzen oder Siezen Sie Ihre KundenInnen? Stellen Sie sich als GründerIn vor oder geht es um die Marke und deren Philosophie? Wie transparent gehen Sie mit Produktion und Inhaltsstoffen um? Wer auf diese Fragen bereits Antworten gefunden hat, kann mit der Erstellung der E-Commerce-Plattform starten.

 

So schreibt man die perfekte Produktbeschreibung

Das Ziel jeder Produktseite ist die Conversion. Ein entscheidender Faktor, um einen Interessenten in einen Kunden zu verwandeln, ist die Produktbeschreibung. Relevante Informationen sind hier das Stichwort. Alle möglichen Fragen der Kunden und der Kundin sollen beantwortet werden und zusätzlich gute Gründe liefern, warum sie genau Ihr Produkt brauchen. Relevanz, Vertrauen und Emotion sind drei Faktoren für eine erfolgreiche Produktbeschreibung. Experten empfehlen eine Länge von 100 bis 200 Wörter – gegliedert und in Absätzen.

Da Sie als GründerIn Experte in Ihrem Bereich sind, lohnt es sich, die Beschreibungen selbst aufzusetzen. So macht das auch Anita Bechloch von The Glow. Die Texte auf ihrer Website sind klar verständlich und mit der gewissen Emotion aufgeladen, die zum Kauf motiviert. „Da ich vor der Label-Gründung bereits Workshops gegeben habe, konnte ich die Besonderheiten von Produkten und Rohstoffen verständlich weitergeben. Clean Beauty und Inhaltsstoffe sind meine Leidenschaft, so nerdig sich das anhört. Ich schreibe die Texte für die Website selbst, und wahrscheinlich hört man das auch heraus.“

 

Aufbau einer Produktbeschreibung

1. Headline mit Produktbezeichnung

Sofort ersichtlich sollte neben der Artikelbezeichnung auch ein kurzer USP, ggf. der Preis und die Produktgröße (z.B. ml) sein.

2. Teaser

Der Teaser beschreibt das Produkt kurz und verständlich: Um was geht es hier? KonsumentInnen wollen auf den ersten Blick erkennen, um welches Produkt es sich handelt.

3. Produktinformationen

Die Produktinformationen enthalten alle relevanten Produktdetails und klären mögliche Fragen: USP, Vorteile, Besonderheiten, Einsatzzwecke, ergänzende Produkte, Zubehör etc.. Der Teaser kann als kurzer Fließtext oder für mehr Übersichtlichkeit in Listenform gesetzt werden.

4. Liste mit Inhaltsstoffen

KunsumentenInnen sehen genau hin und wollen wissen: Was ist drin? Eine übersichtliche Liste der Inhaltsstoffe gibt Aufschluss.

Tipp: Transparenz schaffen!

Das Kaufverhalten ändert sich mit einer Generation, die nachfragt und wissen möchte, unter welchen Bedingungen Produkte hergestellt werden. Genau deswegen setzen immer mehr Unternehmen auf Transparenz in Bezug auf Nachhaltigkeit, Kosten, Produktion, Herstellung, Herkunft der Wirkstoffe und Packaging. Sehen Sie hier Ihre Stärke? Dann erzählen Sie davon!

 

Entrepreneural Knowledge mit Jennifer Baum-Minkus von Gitti

Gitti zählt zu den derzeit gehyptesten Indie-Brands für veganen Nagellack aus Berlin. Nach knapp zwei Jahren Forschung lancierte sie im Frühjahr 2019 die erste limitierte Kollektion. Die Farben basieren auf natürlichen Inhaltsstoffen und aus 55 Prozent Wasser, womit 17 chemische Stoffe ersetzt werden. Dafür enthält er Vitamine für die Pflege der Nägel. Mit Beauty Independent hat Jennifer über das Konzept ihres exklusiv geöffneten Onlineshops gesprochen und teilt ihre persönlichen Erfahrungen.

Beauty Independent: Ihr Onlineshop öffnet exklusiv einmal pro Monat. Um Zugang zu bekommen, tragen sich Kundinnen online in Ihrem Newsletter ein. Wenn die Nagelfarben ausverkauft sind, schließt der Shop wieder. Wie sind Sie auf die Idee für dieses Konzept gekommen?

Ich habe Gitti als One-Woman-Show ohne großes Marketing-Budget gegründet, mit einem Produkt, was es so noch nicht auf dem Markt gab. In Zeiten von Allverfügbarkeit und Amazon Prime wollte ich wieder Excitement in das Einkaufserlebnis bringen. Der exklusiv geöffnete Shop und limitierte Nagellacke ermöglichen es mir a) das Produkt zu testen und b) Aufmerksamkeit zu erregen. Der erste Drop war nach zwei Stunden ausverkauft.

Welches Feedback hören Sie oft zu diesem Konzept?

Dass der Shoppingprozess endlich wieder Spaß macht! Es gibt aber auch Anregungen von Kundinnen, die sich wünschen, ihre Lieblingsfarben regelmäßig nachkaufen zu können. Dafür arbeiten wir gerade an einer Weiterentwicklung des Shops für 2020.

Zu welchem Zeitpunkt Ihrer Gründung wurde das Thema Onlineshop relevant?

Sofort nachdem ich das Produkt fertig entwickelt hatte, stand für mich der Onlineshop auf dem Plan. Wenn man weiß, was man will, ist der Shop schnell realisiert. Die Erstellung hat vier Wochen gedauert und lief problemlos.

Hatten Sie dabei Unterstützung?

Ich hatte klare Vorstellungen und das Konzept bereits im Kopf. Für die Umsetzung habe ich mit der Agentur Silberpuls in Berlin zusammengearbeitet. Die Seite wurde mit Shopify erstellt, was ich sehr empfehlen kann! Die Designs sind modern und zeitgemäß und die Handhabung einfach. Ich kann das Backend ohne großer Vorkenntnisse selbst bedienen und den Shop selbstständig aktualisieren.

 

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