Super 7: Diese Inhaltsstoffe sind jetzt relevant

Durch die vermehrte Zeit zu Hause konzentrieren sich KonsumentInnen jetzt weniger auf perfekte Nägel und Gesichter als auf blitz-blanke Hände. Während sie mit desinfizierten Fingern auf ihre (im besten Fall ebenso desinfizierten) Smartphones tippen, recherchieren viele im Netz nach Inhaltsstoffen, die antibakterielle, antivirale, antiseptische und entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. Sie hoffen damit Erreger abzuwehren, das Immunsystem zu stärken und die Haut zu besänftigen, die vom vielen Waschen und Reinigen sowie Maskentragen beansprucht ist. Wir haben mit Beauty Brand-GründerInnen und Marktforschungsunternehmen gesprochen, um Inhaltsstoffe zu identifizieren, die umsatzsteigernd sind und im Internet oft gesucht werden.

Hypochlorsäure: Hypochlorsäure oder HOCI ist ein infektionsabweisender Bestandteil im menschlichen Körper, der seit dem Zweiten Weltkrieg zur Behandlung von Wunden verwendet wird. Die aufstrebende Beauty Brand Tower 28 integriert den Stoff in dem beliebten SOS Daily Rescue Facial Spray, einem Produkt gegen Ekzeme. Die gesamte Produktlinie des US-Labels Lumion beinhaltet ebenfalls Hypochlorsäure. Seit letztem Jahr konnte die Brand ihren Umsatz um 800 % steigern. Die Verkäufe des Miracle Mist stiegen sogar um 3.500 % in der Zeitspanne von Februar 2019 bis März 2020.

Reishi: Reishi und andere Pilze wie etwa Löwenmähne oder Chaga werden seit Jahrtausenden in der traditionellen Chinesischen Medizin verwendet und sind auch bei uns pre-Corona-Virus bereits angekommen. Die Pandemie jedoch kurbelt den Rausch um die Vitalpilze nochmal richtig an. Daten der Google Search Datenfirma Spate zeigen, dass die Suchanfragen für Reishi von Februar bis März um 33 % angestiegen sind. Die positiven Eigenschaften der „Magic Mushrooms“ adressieren mentale und physische Probleme, die besonders jetzt vermehrt auftauchen. Eingenommen sollen die Pilze das Immunsystem stärken und Entzündungen bekämpfen.

Reishi gilt als Adaptogen. Adaptogene sind Inhaltsstoffe, die dem Körper dabei helfen, Stress loszuwerden und die Homöostase, also die Selbstregulierung des Körpers, aufrechtzuerhalten. Sie sollen zudem schlaffördernd sein und Depressionen reduzieren. Für die Hautpflege kommen die im Reishi enthaltenen Betaglukane, die vor allem gereizte Haut beruhigen, ins Spiel. Moon Juice etwa verwendete Reishi in ihren Nahrungsergänzungsmitteln und anschließend auch in der Cosmic Cream Feuchtigkeitspflege. Im deutschen Raum wegweisend in der Verwendung von Vitalpilzen aus der traditionellen Chinesischen Medizin ist die Berliner Supplement Brand Ylumi, bei der Reishi etwa in den Beauty Kapseln zum Einsatz kommt.

Die Berliner Supplement Brand Ylumi verwendet etwa in den Beauty Kapseln den Vitalpilz Reishi.

CBG: Cannabigerol oder CBG ist einer der Cannabinoide, die langsam aber sicher dem Trendstoff von 2019, CBD, die Show stehlen. Die Suchanfragen für CBD sind laut Spate gesunken, aber es besteht vermehrtes Interesse nach CBG, das Entzündungen, Schmerzen und Übelkeit bekämpfen soll. Die prognostischen Daten der Plattform Trendalytics weisen auf, dass seit dem Ausbruch von COVID-19 die Suchanfragen für CBG um 24,6 % angestiegen sind. Die Cannabis-Brand Kush Queen lancierte letzten Monat die Gummies Rx Bliss angereichert mit CBG und sagt, dass das Cannabinoid die Laune hebt sowie dabei hilft, sich ausgeglichener, positiver und glücklicher zu fühlen.

Polysaccharide: Polysaccharide sind Zuckerbestandteile/Kohlenhydrate verantwortlich für die natürliche Feuchtigkeitsretention der Haut und somit essentiell für ihre Reparatur und Erneuerung. Sie werden seit Jahrzehnten in der Hautpflege benutzt und ihre Eigenschaften sind besonders jetzt gefragt. Ein Komplex aus Sacchariden ist ein zentraler Bestandteil der auf Cannabis basierenden Beauty und Wellness Brand Prima, genauer in ihrem Enlightenment Serum. „Wir reden ständig darüber, dass so viele Inhaltsstoffe nur Füllstoffe sind“, so Gründerin Jessica Assaf. „Wir wollten das genaue Gegenteil tun, also haben wir uns für einen potenten Mix an aktiven Stoffen entschieden, der den Teint ebenmäßiger macht und alle weiteren benutzten Produkte einen Boost gibt.“

Vitamin D: Schon bevor das Corona-Virus Menschen auf der ganzen Welt in ihre persönliche Quarantäne zwang, war ein Vitamin-D-Mangel bereits ein weitverbreitetes Problem. Das Verweilen zu Hause bedeutet weniger Sonnenexposition und dies wiederum, dass wir noch weniger des Sonnenvitamins abbekommen. Vitamin D hilft dem Körper dabei, Kalzium und Phosphor zu absorbieren und zu speichern. Beide Minerale sind für den Organismus essentiell. Studien zeigen, dass Vitamin D darüber hinaus Infektionen und Entzündungen kontrolliert. Laut Trendalytics stiegen die Suchanfragen für Sonnenlampen in den letzten drei Monaten um fast 100 % an. Man kann davon ausgehen, dass auch die Verkäufe von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin D ansteigen und KonsumentInnen nach alternativen Methoden zur Einnahme von Vitamin D suchen werden. Brands wie One Love Organics und Zelens haben Hautpflegelinien kreiert, die hohe Dosen Vitamin D an die Dermis abgeben sollen, um die Haut wiederzubeleben und Umwelteinflüsse abzuwehren.

Jod: Das unterschätzte Spurenelement, das eher in der Küche zum Einsatz kommt, wird nun vermehrt unter die Lupe genommen, da KonsumentInnen nach antimikrobiellen und antibakteriellen Inhaltsstoffen suchen. Jod wurde lange als Heilmittel für Wunden verwendet, da es antiseptische Eigenschaften besitzt. Der Stoff, der essentiell für die Schilddrüsenfunktion ist, wird auch genutzt, um Merkur und Blei aus dem Körper zu spülen. Vitamin-Brand Ritual verwendet Jod etwa für deren pränatale Formel. So ist zu erwarten, dass Jod auch zukünftig in der Skincare eingesetzt wird. Die isländische Luxuspflegemarke Hannes Dóttir versetzt deren Seamasque Gesichtsmaske mit Jod. Das Mineral soll „die Zellerneuerung anregen und kleine Fältchen behandeln“, so das Label. Daten von Spate zeigen, warum die Beauty-Branche zukünftig auf den Grundstoff setzen könnte: Jahr für Jahr steigen die Suchanfragen für Jod in Verbindung mit „antiseptisch“ um 17 %. Von Februar bis März erhöhten sie sich sogar auf 221 %.

Seamasque der isländischen Hautpflege-Brand Hannes Dóttir, angereichert mit wertvollem Jod.

Gluconat: Ähnlich wie beim Jod schoss auch die Suche nach Gluconat im Netz in die Höhe. Um ganze 1000 % stiegen laut Spate die Suchanfragen nach der Säure in Kombination mit dem Attribut „antiseptisch“ von Monat zu Monat. Spate Gründerin Yarden Horowitz präzisiert jedoch, dass es sich hierbei um ein geringes Suchvolumen handelt, lediglich 720 monatliche Suchanfragen enthalten Gloconat und antiseptisch als Key Words. Dennoch betrachtet sie den Aufschwung als bemerkenswert, speziell im Zusammenhang mit Zinkgluconat, welches man in Zink-Supplements findet.

Doch Gluconat hat noch mehr vorzuweisen: Die kosmetische Chemikerin und Biophile Skin Gründerin Alison Cutlan erklärt, dass Gluconatsalze entstehen, wenn ein positiv-geladener Stoff auf die negativ-geladene Gluconsäure trifft. Gluconsäure ist ein Resultat der Glukosefermentation bzw. Gärung. Sie sagt weiter, dass Gluconsalze „nicht toxisch, biokompatibel, vollständig biologisch abbaubar und leicht erhältlich“ sind. Desinfizierendes Chlorhexidingluconat findet man zum Beispiel in Seifen, die in Krankenhäusern benutzt werden, etwa um das Operationsbesteck zu sterilisieren. Studien belegen, dass Kalziumgluconat den Heilungsprozess der Haut begünstigt. Cutlan erwähnt, dass Stoffe wie Natriumgluconat und Kalziumgluconat wie eine Art Fänger fungieren, die Schwermetalle im Körper, in Kosmetika und in der Umwelt absondern.