Erfolgreich seit 1999: CEO Maria Hatzistefanis von Rodial bleibt sich treu

Für den eigenen Karriereweg ist es hilfreich, sich Menschen mit erfolgreichen Unternehmen anzusehen. Maria Hatzistefanis von Rodial ist eine davon. Die Beauty-Entrepreneurin gründete 1999 ihre Indie Brand Rodial in London – inzwischen gehören auch die Beauty-Brands Nip + Fab sowie Nip + Man zum Markenportfolio der Rodial Group. Die Produkte von Rodial sind aktuell bei über 2.000 Retailern und Department Stores in 35 Ländern erhältlich. Das Label Nip + Fab bietet seine Artikel international bei 4.600 Retailern und Online-Händlern an. Für die Kult-Produkte mit den einzigartigen Namen Snake Serum und Dragon’s Blood ist Rodial weltweit bekannt – Victoria Beckham und Beyoncé sind Fans. Neben ihrer Arbeit für ihre Indie Brand ist die 42-Jährige auch in der Start-up- und Women Empowerment-Szene unterwegs. 2017 erschien ihr Buch „How to Be an Overnight Success“ – eine ironische Anspielung auf die Presse, die ihren Erfolg gerne als „über Nacht“ bezeichnet. Dass zu einer Erfolgsgeschichte auch Rückschläge gehören und Motivation das wichtigste Utensil für UnternehmerInnen ist, hat sie in ihrem zweiten Buch „How to Make it Happen: Turning Failure into Success“ aufgeschrieben, dass Anfang 2020 erscheint. Beauty Independent spricht mit Maria Hatzistefanis darüber, wie sie sich selbst motiviert, wie Rodial auch nach über 20 Jahren interessant bleibt und welchen Rat sie an junge UnternehmerInnen weitergeben würde.

 

Liebe Maria Hatzistefanis, wie sah Ihre Karriere vor Rodial aus?

Ich sprang zwischen Beauty und Finance hin und her. Meine erste Begegnung mit der Beauty-Industrie war, als ich als Beauty Editor bei dem Teenie-Magazin Seventeen arbeitete – und meine erste offizielle Stelle war im Bereich Unternehmensfinanzierung bei der Investmentbank Salomon Brothers.

Mit wie viel Geld haben Sie Rodial gegründet?

Ich habe mit einer privaten Investition von 20.000 Pfund als Grundlage und für die Produktentwicklung gestartet und viel Arbeit und Herzblut in die Idee gesteckt. Zu der Zeit habe ich mich selbst nicht ausbezahlt.

 

Maria Hatzistefanis, CEO und Gründerin der Rodial Group
Maria Hatzistefanis, CEO und Gründerin der Rodial Group Credit: Rodial

 

Und seit wann ist Ihr Unternehmen profitabel?

Wir sind seit dem dritten Jahr profitabel – als das Unternehmen aus meinem Homeoffice auszog. Meinem Mann und mir gehört Rodial gemeinsam. Wir haben noch nie eine Finanzierung erhalten. Wir haben immer unter dem Gesichtspunkt gearbeitet, das auszugeben, was wir haben und nicht das, was wir verdienen.

Sie haben gerade Ihr zweites Buch geschrieben, in dem es um Motivation geht. Was ist Ihre beste Strategie, um motiviert zu bleiben und voranzukommen?

In meinem neuen Buch „How To Make It Happen“ komme ich zu dem Schluss, dass Motivation wie ein Muskel ist, den wir täglich trainieren müssen. Motivation ist keine natürliche Emotion, es passiert nicht einfach, man muss jeden Tag an sich selbst hart arbeiten, um motiviert zu bleiben und seine Ziele zu erreichen. Genauso mache ich das jeden Tag.

Wie hat Ihnen das in der Vergangenheit geholfen?

Motivation war und ist eine Reise für mich. Früher war ich leicht demotiviert, wenn die Dinge nicht so liefen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wenn ein Retailer meine Produkte nicht verkaufen wollte, nahm ich es persönlich. Ich habe über die Zeit gelernt, dass negatives Denken und sich Dinge zu sehr zu Herzen zu nehmen die Motivation geradezu aus dir heraus saugt. Das ist nicht gesund. Jetzt versuche ich, das Positive in allen Situationen zu sehen und jedes Mal, wenn ich ein Nein bekomme, motiviert es mich, das nächste Mal aus dem Nein ein Ja zu machen.

Sie sind für viele Frauen und UnternehmerInnen ein Vorbild. Welche Werte möchten Sie weitergeben und wie schaffen Sie es, mit diesem Druck umzugehen?

Man kann wirklich alles erreichen, wenn man nur hart genug arbeitet, an sich glaubt und motiviert ist und bleibt. Ich hatte damals meinem Job bei der Bank durch eine Entlassung verloren, bevor ich mit Rodial anfing: Das ist die wichtigste Message aus meinem ersten Buch.

Ich war überrascht darüber, dass so viele LeserInnen dachten, mir wäre der Erfolg nur so zugeflogen. Das war absolut nicht der Fall. Mir wurde damals gekündigt, ich habe häufig Ablehnung erfahren und Produkte entwickelt, die nicht funktionierten. Jeden Tag höre ich ein „Nein“ zu den verschiedensten Dingen. Erfolg zu haben ist nicht leicht, und die Anforderungen auf dem Weg dorthin sind ziemlich anspruchsvoll. Inzwischen kann ich mit dem Ganzen einfach besser umgehen.

Wann haben Sie sich zum ersten Mal erfolgreich gefühlt?

Oft habe ich das Gefühl, dass ich noch immer auf dem Weg zum Erfolg bin! Die Eröffnung des ersten Flagship-Stores 2014 bei Harvey Nichols Knightsbridge war ein großer Moment für mich. Es war eine Zeit, in der es zwar ein paar unserer Produkte in einem Regal zu kaufen gab, aber einen eigenen Counter mit unserem Namen darauf zu haben, war ein unvergessliches Gefühl. Auch die Einführung von Rodial Make-up hat mich stolz gemacht, weil genau das insgeheim ein Traum von mir war.

Welches ist Rodials Hero Produkt und wie ist es entstanden?

Unser erstes Hero Produkt war das Snake Serum. Ich hatte anfangs ein super einfaches und langweiliges Produkt namens Anti-Wrinkle Serum entwickelt. Während ich mit meinem Team arbeitete und es ansah, dachte ich: „Oh mein Gott. Ich finde es ja schon langweilig. Wer soll denn dann an diesem Produkt interessiert sein? Es hört sich überhaupt nicht aufregend an. So möchte ich es nicht auf den Markt bringen.“

Allerdings mussten wir etwas lancieren, weil wir es den Retailern bereits versprochen hatten. Also habe ich mir die Inhaltsstoffe angesehen und festgestellt, dass dieses Peptid namens Syn-Ake-Dipeptid die Wirkung von Viper-Gift nachahmt, indem es die Muskeln einfriert. Ich dachte: „Lass uns diese Story dafür nutzen, um das Anti-Aging-Produkt Snake Serum zu nennen.“ Das war das erste Produkt, mit dem Rodial viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Jeder kennt Rodial so ziemlich für unser Snake Serum.

Wie schaffen Sie es, interessant zu bleiben?

Ich sehe dafür nur eine Möglichkeit: der DNA der Marke treu zu bleiben. Es ist so einfach, sich andere Labels oder Trends anzuschauen und zu denken, „wir sollten es auch so versuchen, die haben damit richtig Erfolg.“ Aber diese Spontan-Entscheidungen, sprich, etwas sein zu wollen, was man nicht ist, sind letztendlich schädlich.

Wir wissen, wer wir sind und wer unser Kunde ist. Diese Formel funktioniert: Rodial ist eine Luxusmarke, unsere Kundinnen sind über 30 Jahre alt und kennen sich mit Hautpflege und Make-up aus. Die Herstellung eines pinkfarbenen Glitzer-Eyeliner wird daher für unsere Zielgruppe weder funktionieren noch unsere Sales vorantreiben.

Was begeistert Sie aktuell am meisten an der Schönheitsindustrie?

In der Beauty-Branche ist gerade viel los! Die Industrie hat sich in den letzten 10 Jahren stark verändert. Viele Celebrities, Make-up-Artists und Blogger haben ihre eigenen Linien lanciert. Der Wettbewerb ist momentan hart, aber das motiviert uns als Traditionsmarke, auf dem heutigen Markt weiterhin interessant zu bleiben.

Welcher ist der wichtigste Rat, den Sie GründerInnen an die Hand geben würden?

Haben Sie ein dickes Fell und glauben Sie an sich und Ihre Idee. Eine Unternehmensgründung ist immer ein Risiko. Viele Menschen im engeren Umfeld werden Ihnen raten, lieber auf Nummer sicher zu gehen. Blenden Sie diese Zweifel aus und gehen Sie Ihren Weg!

 

Dragon's Blood von Rodial.
Dragon’s Blood: eines der luxuriösen Kult-Pflegeprodukte von Rodial. Credit: Rodial

 

Wie priorisieren Sie Ihren Tag?

Ich mag es, das Beste aus dem Morgen zu machen, dann, wenn alle noch schlafen. Ich stehe gegen 5 Uhr morgens auf und dann beginnt mein Tag. Normalerweise erstelle ich eine To-do-Liste und ordne die Punkte nach ihrer Priorität. Je nachdem, was ich an diesem Tag erreichen möchte, kann sich die Reihenfolge auch noch ändern.

Wie viele Mitarbeiter arbeiten aktuell für Ihre Brand? Wie haben Sie sich mit Ihrem Führungsstil an die wachsende Mitarbeiterzahl angepasst?

Weltweit beschäftigen wir mehr als 150 Mitarbeiter mit den größten Teams in Großbritannien und den USA. Ich musste tatsächlich lernen, mich anzupassen, da aus einer One-Woman-Show ein Unternehmen geworden ist. Es ist eine enorme Veränderung, wenn innerhalb weniger Jahre aus zwei Mitarbeitern über 100 werden.

Welcher Markt war für Rodial am schwierigsten zu erobern?

Jeder Markt hat seine Tücken. Aktuell expandieren wir nach Asien und freuen uns sehr, diesen neuen Markt zu erkunden.

Welche Marketingstrategie verfolgen Sie?

Wir haben verschiedene Methoden entwickelt, die für Rodial gut funktionieren. Traditionelle PR ist uns nach wie vor wichtig, ebenso wie die Zusammenarbeit mit wichtigen Beauty-Influencern und Bloggern. Wir arbeiten viel mit Celebrity Make-up-Artists zusammen. Auf diese Weise sind Prominente wie Ellie Goulding, Salma Hayek und Jessica Alba zu Anhängerinnen geworden, die unbezahlt immer wieder über unsere Produkte berichten.

Welche neuen Produkte erwarten uns bei Rodial?

Das Motto der neuen Produkte lautet Innovation. Wir hatten bereits großartige Lancierungen im Bereich Hautpflege, wie unsere Bestseller-Linie Pink Diamond. Beim Make-up konzentrieren wir uns mit der Einführung der neuen Skin Lift Foundation und der zwei neuen Primer auf den Ausbau der dekorativen Kosmetik. Ich freue mich sehr auf den Launch der Foundation, da es sich um eine innovative Formel handelt, die hautstraffende Wirkstoffe und eine farbausgleichende Technologie enthält.

Wie gehen Sie als Indie Brand mit Nachhaltigkeit um?

Bei Rodial bringen wir jedes Jahr nur eine kleine Anzahl an Produkten auf den Markt. Der Ansatz von trendgetriebener Fast-Fashion, bei dem hunderte Produkte produziert werden, kommt für uns nicht in Frage. Wir wollen Produkte schaffen, die unsere Kundinnen noch die nächsten 30 Jahre verwenden möchten.

Was können Sie noch nicht so gut?

Ich beschäftige mich momentan viel mit dem Thema Energie. Ich versuche, mir selbst beizubringen, wie man negative Energie in Schach hält, damit die Stimmung davon nicht beeinflusst wird. Wir sind den ganzen Tag lang von den unterschiedlichsten Menschen umgeben, alle mit einer anderen Energie. So werden wir auch mal Zeit mit jemandem verbringen müssen, mit dem es nicht so passt. Ich versuche Wege zu finden, damit umzugehen und so meine Energie schützen zu können.

Vielen Dank für das Interview!

 

Hero pic courtesy of Rodial