Was die Indie Beauty Branche bewegt: die Highlights des Roundtables in Zürich 

Beauty Independent hat im Oktober vergangenen Jahres die Indie Beauty Roundtables ins Leben gerufen, um Menschen zusammenzubringen, die zusammen gehören. Den Auftakt machte München, gefolgt von Düsseldorf, Berlin, Paris und diese Woche Zürich. Am Montag, den 20. Januar trafen sich knapp 30 UnternehmerInnen und ExpertInnen aus der Indie Beauty Branche zum Erfahrungsaustausch und zur Besprechung von Wachstumsstrategien im Mediapark Zürich.

 

Wie steigere ich die Bekanntheit einer neuen Indie Marke?

Alle Teilnehmer/Innen waren sich einig, dass zwischen B2B- und B2C-Bekanntheit unterschieden werden muss. Als wichtigste B2B-Strategiepfeiler sollten Geschäftskontakte zu Handel und Medien aufgebaut werden, aber auch Investoren sind langfristig gefragt, um bei der Finanzierung von Wachstumsplänen unter die Arme zu greifen. DACH Indie Beauty Marken haben aktuell einen schwierigeren Zugang zu externen Investorengeldern als zum Beispiel ihre Gründerkollegen und -kolleginnen in den USA. Die Planung der deutschen Bundesregierung, einen Zukunftsfond für Start-ups in Deutschland aufzusetzen, ist ein erster Anfang, diesem Gefälle entgegenzuwirken.

Am vielfältigsten gestaltete sich die Diskussion darüber, wie die Markenbekanntheit beim Konsumenten gesteigert werden kann. Markenkampagnen in Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel erscheinen vielversprechend, da sie Marketing und Verkauf miteinander kombinieren.

Nach kurzer Zeit fiel auch der Begriff “Social Media”. Dieser Medienkanal ist trotz steigender Preise nach wie vor der beste Channel für Indie Beauty GründerInnen, um Kunden zu erreichen. Während des Roundtables wurden auch kritische Stimmen zu diesem Medium laut: “Social Media und Influencer sind unglaubwürdig.” Es fehlt ein gut recherchierter Journalismus, der kritisch Vor- und Nachteile eines Produktes aufzeigt. Generation X wünscht sich immer noch klassische PR.

Und was ist mit den Generationen Y und Z? Es wurde erwähnt, dass Influencer oben im Marketing-Trichter angesiedelt sind und daher hilfreich sein können, wenn es darum geht, die Bekanntheit zu steigern – nicht jedoch unbedingt die Verkaufszahlen. Dies deckte sich mit Aussagen weiterer TeilnehmerInnen zum Social-Media-Verhalten der Millennials, die den Influencern zwar folgen, aber keine emotionale Verbindung zu den beworbenen Produkten aufbauen. Vor allem Macro-Influencer gehen Kooperationen mit vielen unterschiedlichen Marken ein. Eine Idee war stattdessen, auf Nano- und Micro-Influencer zu setzen. Jedoch: Hat man davon niemandem im eigenen Netzwerk, gestaltet sich die Suche danach schwierig und ist zukünftig noch zeitintensiver und aufwendiger, da Instagram die “Like”-Daten nicht mehr veröffentlichen wird.

Zum Schluss sollte man sich als Beauty Marke auch mit der Generation Z beschäftigen und Aussagen wie “die jungen Leute haben kein Geld!” kritisch hinterfragen. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass sie genügend Budget für iPhones und Markenkleidung haben, jedoch nicht für Pflege. Richtiger wäre es wohl, zu behaupten: “Die jungen Leute haben andere Prioritäten.” Ganz vernachlässigen sollte man sie jedoch nicht.

 

KonsumentInnen richtig ansprechen

Indie Beauty-Markengründer sind Innovatoren in der Beautybranche. Als solche nutzen sie neuartige Inhaltsstoffe, neue Herstellungsverfahren und finden Lösungen zu aktuellen Gesellschaftsfragen (Stichwort Umweltschutz und “zero waste”). Die Kunst ist es, das Know-how und die Vorteile der Innovation einer Marke mit einer einfachen Message an den Endverbraucher zu kommunizieren. Daher reden die meisten Marken nicht über den Wirkstoff selber, sondern über die Vorteile, die dieser bietet. Kritisch wurde auch beleutet, ob man seine Marke zertifizieren soll. Der “Logo-Dschungel” ist für den Konsumenten nicht mehr nachvollziehbar. Daher ergibt sich die Frage, inwieweit die teils doch enorm hohen Kosten für die Zertifizierung für eine junge Marke gerechtfertigt sind, wenn sie nicht dabei helfen, die Kommunikation zum Konsumenten hin zu vereinfachen.

Auch sollte man seine Zielgruppe möglichst genau definieren. Demografische Daten sind Basisdaten, und bereits sich darüber klar zu werden, ob man seine Marke in der Schweiz, Österreich oder Deutschland vermarkten möchte, führt zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Der kulturelle Unterschied besteht auch in DACH.

 

Markenrechte frühzeitig sichern

Bei der Unternehmensgründung stellen einige Unternehmer die Investitionen in juristische Absicherung zurück. Fehlende Kenntnisse zum Markenrecht sowie die Annahme, dass, wenn sie niemanden angreifen, es keinen Bedarf für juristischen Beistand gibt, sind oftmals Grundlage dieser Entscheidung. Mehrere Gründer berichteten, dass eine juristische Absicherung unverzichtbar sei. In einem geschilderten Fall durfte die Gründerin ihre Marke nicht nach ihrem eigenen Nachnamen benennen, da dieser bereits rechtlich geschützt ist. Die Markenlancierung musste folglich um ein Jahr verschoben werden, und es mussten ein neuer Name und ein neues Konzept her. Schadensersatzzahlungen konnten glücklicherweise abgewendet werden, sodass es bei den Anwaltskosten blieb.

 

Vielen Dank an alle Teilnehmer für diesen spannenden Austausch!

 

Hero Pic via Adobe Stock