Sagitta: Das Mikrobiom steht im Fokus

Sagitta kann auf mehr als 100 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblicken. Heute wird die Firma von Stefan und Sabine Fasching in fünfter bzw. sechster Generation als innovatives Vater-Tochter-Start-up geführt. Der Fokus der Marke liegt auf der Erhaltung eines intakten Mikrobioms – eines der spannendsten und zukunftsträchtigsten Themen im Beauty-Kosmos. Dafür investieren Stefan und Sabine Fasching viel Zeit und Arbeit in die Entwicklung und Herstellung ihrer Produkte. Unter anderem ist es Sagitta so gelungen, als bisher einziges Unternehmen lebende Probiotika in einem Deo zu verarbeiten.
Im Interview mit Beauty Independent teilt das Duo nicht nur Historie und Vision ihrer Brand, sondern auch Wissen rund um das Thema Mikrobiom.

 

Die Unternehmensgeschichte von Sagitta ließe sich wohl auch als Familiensaga verfilmen, so viele verschiedene Epochen hat sie überdauert. 1909 aus einer Apotheke in München heraus gegründet, wurden bei Sagitta zunächst Arzneimittel hergestellt und vertrieben. Der Familienbetrieb wuchs und zählte 1944 bereits 120 Mitarbeiter. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Sitz des Unternehmens zerstört, die Arbeit musste eingestellt werden. Doch Anfang der 1950er-Jahre gelang es der Familie in dritter Generation, das Unternehmen schließlich aus eigenen Mitteln heraus wieder aufzubauen und zu etablieren. Ab 1986 verantworteten die Cousins Werner und Stefan Fasching die Geschäftsleitung. Letzterer führt heute das Unternehmen mit seiner Tochter Sabine Fasching gänzlich unabhängig von Investoren und Banken. Gemeinsam haben die beiden Sagitta 2014 vom Chemiekonzern BASF zurückgekauft, der ab Mitte der 90er Jahre über zwei Dekaden die Rechte an der Marke besaß.

Sagitta hat neben der präbiotischen Körperseife auch eine Meersalz-Körperseife und eine Haarseife im Sortiment. Bild via Sagitta

UK, USA und Frankreich sind in Sachen Mikrobiom-Pflege vorne dabei

Mit Blick auf die lange Historie und Tradition hinter Sagitta, ist es umso spannender zu beobachten, welchen Weg das Vater-Tochter-Duo heute mit dem Unternehmen verfolgt. Denn tatsächlich haben sich die Werte – Sabine Fasching nennt Transparenz, Vertrauen und Innovation – nicht verändert. Die Gesundheits- und Beauty-Welt dafür umso mehr. Und genau hier erweist sich der Fokus, den die beiden ganz bewusst mit Blick auf das ihnen so wichtige Thema Gesundheit gelegt haben, als vielversprechend: Sagitta-Produkte sollen trotz verschiedener potenziell belastender Einflüsse, denen wir aufgrund unseres Lebensstils und Gesundheitszustands tagtäglich mal mehr und mal weniger ausgesetzt sind, dabei helfen, das Mikrobiom im Gleichgewicht zu halten.

Damit setzt die Brand auf eine wichtige Tendenz innerhalb der Beauty-Branche, die vor allem in der DACH-Region noch am Anfang steht. Andere Länder sind da ein paar Schritte weiter: Laut einem Report des Marktforschungsunternehmens Mintel fanden 2018 über 37 Prozent der weltweiten Markteinführungen von Gesichtshautpflegeprodukten, die auf das (Haut)mikrobiom abzielen, in Großbritannien statt, gefolgt von den USA (25%) und Frankreich (15%).

Markt für probiotische Kosmetik erreicht 2025 circa 37,8 MiLLionen US-Dollar

Besonders Indie Beauty Brands besetzen langsam aber sicher immer gezielter die Nische rund um das Thema Mikrobiom. Die kalifornische Marke Codex etwa, ausgezeichnet mit dem IBE Best in Show Award 2019, hat erst kürzlich, Anfang Mai, das Microbiome-friendly Siegel der Webseite mymicrobiome.info erhalten. Und laut irischem Marktforschungsunternehmen Research and Markets wird der weltweite Markt für probiotische Kosmetikprodukte bis 2025 voraussichtlich 37,8 Millionen US-Dollar erreichen.

Tatsächlich ist das wichtigste Produkt von Sagitta nach eigenen Angaben aktuell das probiotische Deo auf Basis von lebenden Probiotika. Auf dem Beauty-Markt ist das Produkt eine Innovation, denn bisher hat es keine andere Marke geschafft, lebende Probiotika in einem Deo zu verarbeiten. Die Entwicklung hat ein Jahr gedauert. Und aufgrund der lebendigen Inhaltsstoffe können immer nur kleine Batches frisch hergestellt werden. Die Haltbarkeit ist begrenzt, weshalb eine längere Lagerung in Geschäften, bei nicht zu kontrollierenden Lagerbedingungen, schwierig ist. Deshalb verkauft Sagitta das Deo zurzeit auch nur über den eigenen Online-Shop, auf Anfrage weltweit.

Die präbiotische Körperseife von Sagitta ist handgesiedet. Bild via Sagitta

Neulancierung: Period Pants kommen im Juni auf dem Markt

Neben dem Deo bietet Sagitta auch eine präbiotische, handgesiedete Seifen an. Das Sortiment des Münchner Unternehmens ist noch vergleichsweise klein, wird aber Schritt für Schritt ganz im Sinne der Unternehmensphilosophie erweitert. Und dazu gehört auch das Thema Nachhaltigkeit. Für die Verpackungen des Deos arbeitet Sagitta zum Beispiel mit dem finnischen Start-up Sulapac zusammen, das biologisch abbaubare Verpackungslösungen auf Holz-Basis entwickelt, die quasi prädestiniert sind für verschiedenartige Beauty-Produkte. Auch für die Seifen wird es im Zuge einer Zusammenarbeit mit der kleinen Firma Rebeutel in diesem Jahr noch eine nachhaltige Umverpackung geben.

Außerdem wagt Sagitta im Juni 2020 den Schritt in Richtung einer ganz neuen Produktkategorie, die zwischen Hygieneartikel, Körperpflege und Wohlbefinden einzuordnen ist: Period Pants. Die Unterhosen werden aus Bambus-Gewebe, das die antibakterielle Substanz Bambus-Kun enthält, hergestellt, ganz ohne Silber und Zink. Die nächste Innovation hin zu einem gesunden Lebensstil aus dem Traditionsunternehmen steht somit also schon in den Startlöchern.

Drei Fragen an Stefan und Sabine Fasching

Im Interview mit Beauty Independent teilen Stefan und Sabine Fasching ihr Wissen zu den Zusammenhängen zwischen Gesundheit und Beauty und rund um das Thema Mikrobiom.

In eurer Instagram-Bio schreibt ihr: „We take care of your microbiome“. Könnt ihr erläutern, was überhaupt das menschliche Mikrobiom ist? Inwiefern ist dieses Thema so interessant für die Beauty-Branche?

Stefan Fasching: Das menschliche Mikrobiom, im gesamten Verdauungstrakt vom Zahn im Mund bis hin zum Darm, aber auch auf Haut und Haar, ist für unsere Gesundheit und unser Wohlempfinden von entscheidender Wichtigkeit. Die Wissenschaft fängt nun so langsam an zu erahnen, welche Querverbindungen, Steuerungen und Regulationsmechanismen vom Mikrobiom, unserem zweiten „Gehirn“, beeinflusst werden. Ein intaktes Mikrobiom in Darm und auf der Haut ist auch Basis für einen funktionierenden Stoffwechsel, eine starke Immunabwehr und eine ausgeglichene Psyche.

Sabine Fasching: Genau. Es gibt also quasi zwei Arten des Mikrobioms, eines im Magen-Darm-Bereich, eines auf der Haut. Auch der Mund zählt dazu, da sind wir gerade ebenfalls an innovativen Produkten dran. Jedenfalls hängen diese drei Körperpartien zusammen und tragen viel zu unserer Gesundheit bei. Der Darm ist zum Beispiel nicht nur essenziell für unser Immunsystem. Wenn dort etwas nicht stimmt, zeigt sich das auch schnell an unserer Haut, am Mund, oder eben an den Haaren. Wir legen unsere Produkte auf genau diese Erkenntnis aus.

Die Umverpackung des probiotischen Deos ist biologisch abbaubar. Bild via Sagitta

Ihr habt mit dem Deo ein probiotisches und mit eurer Seife ein präbiotisches Produkt im Sortiment. Worin unterscheiden sich Prä- und Probiotika und welche Rolle spielen sie für das Mikrobiom?

Sabine Fasching: Probiotika sind gute Bakterien, die der Körper kennt und sich zunutze macht. Präbiotika sind „Futter“ für diese guten Bakterien. Sie bieten ihnen ein gutes Umfeld, sich anzusiedeln und ihre guten Taten zu vollbringen.

Stefan Fasching: Konkret sind Probiotika etwa unter anderem verschiedene Lactobakterien oder Bifidobakterien. Das sind die am häufigsten anzutreffenden und in der Anwendung unproblematischen körpereigenen Bakterien. Verabreicht helfen sie, das Gleichgewicht der tausend verschiedenen Bakterienstämme im Mikrobiom aufrechtzuerhalten oder wieder in Balance zu bringen. Und Präbiotika sind beispielsweise Zuckerarten, die zur Ernährung der Probiotika dienen.

Ihr bietet Supplements zur Unterstützung des Immunsystems an, aber eben auch Körperpflegeprodukte. Als welche Art von Marke versteht ihr euch selbst?

Stefan Fasching: Wir wollen mit Tipps, etwa über unsere Webseite, und mit unseren Produkten dazu anregen, durch bewusstes Handeln die natürlichen Abläufe im Körper sowie den Stoffwechsel zu fördern. Nicht nur die Körperpflegeprodukte, sondern auch Produkte unserer Sagitta Immun Linie enthalten körperbekannte Probiotika und unterstützen dadurch die Modulation der Darmflora, stärken die Immunabwehr und fördern den Stoffwechsel.

Sabine Fasching: Wir kommen definitiv aus der Pharmazie und unser Wissen beruht auf klinischen Studien und Forschung im Bereich Mikrobiologie. Natürlich überschneiden sich da aber Erkenntnisse mit dem Beauty-Bereich. So wenige Arzneimittel, wie wir als Familie nutzen, so wenige Beauty-Produkte verwenden wir auch. Wir finden, in beiden Bereichen gilt die Devise „weniger ist mehr“.
Wie mein Vater schon sagte, ist für uns unsere Webseite und die damit verbundene User Experience und der Customer Service das Wichtige. Wir möchten informieren, Wissen teilen und aufklären. Unser Ziel ist es, dass wir alle unsere Gesundheit wieder mehr in unsere eigenen Hände nehmen – mithilfe einfacher „Healthy Habits“. Am Ende sind es doch immer die vielen kleinen alltäglichen Entscheidungen und Gewohnheiten, die das große Ganze ergeben. „How we spent our days is of course how we spend our lives.“