Eklektisches Design und eine einzigartig kuratierte Produktauswahl: der Clean-Beauty-Store Saint Francis Place in Melbourne

Eigentlich ist Grace Lim studierte Architektin, beruflich geht sie aktuelle jedoch neue Wege und co-gründete Saint Francis Place: einen Shop, der sich auf Clean Beauty spezialisiert hat. 

„Wir sind Phantomkäufer”, sagt Lim. Die Amerikanerin ist auf Hawaii aufgewachsen, 2011 nach Melbourne gezogen und eröffnete Ende März mit ihrem Ehemann Martin Kwaskowski den 485 Quadratmeter großen Store in Australiens zweitgrößter Metropole. „Bevor bei uns ein Produkt im Regal steht, probieren mein Mann und ich dieses aus.“   Etwa das Restorative Antioxidant Serum von Maison/Made: „Wir haben eine Flasche gekauft, das Produkt getestet und fanden es fantastisch.“ Seitdem thront diese auf einem Bett von getrockneten Ringelblumen im Regal. Gleich daneben steht die Roma Heirloom Tomato-Kerze der L.A.-Brand Flamingo Estate, von der die 33-Jährige von anfang an begeistert war. „Die Brand arbeitet ausschließlich mit Sojawachs und die Glasbehälter sind allesamt recyclebar”, so die Entrepreneurin.

Der Clean Beauty-Store Saint Francis Place befindet sich in der Smith Street 63 im Stadtteil Fitzroy in Melbourne.

Heute besteht das Sortiment zu 90 Prozent aus Hautpflegeprodukten, was in erster Linie einen persönlichen Grund hat. „Schon mein ganzes Leben lang kämpfe ich mit Ekzemen und konnte keine handelsüblichen Produkte verwenden“, so Lim. „Deswegen möchten wir nur das Beste aus der natürlichen Hautpflege anbieten.”

Zu den Produkten, die mindestens zwei Wochen lang getestet wurden und den Eignungstest erfolgreich bestehen, gehören Lina Hanson, Le Prunier, Henné Organics, Wood Spoon Herbs und Kräutertees von Sensecraft. Die Preisspanne der rund 20 Brands aus den USA, Europa und Australien reicht von 70 und 75 australischen Dollar oder zwischen 48 und 52 US-Dollar. 

In Übereinstimmung mit den Grundsätze des Namensgebers des Geschäfts, des Heiligen Franz von Assisi, Schutzpatron der Ökologen und Händler, „konzentrieren wir uns hauptsächlich und kategorienübergreifend auf Marken, die sich durch ihre Inhaltsstoffe auszeichnen, und die pflanzlich sind“, so Lim. Mit anderen Worten: Das Unternehmen legt in erster Linie Wert auf „die Nährstoffversorgung der Haut“. „Wir schauen beim Kauf nicht wirklich auf den Preis“, sagt Lim. „Es geht eher um die Inhaltsstoffe und darum, wofür die Marke, steht, und das zeigt sich dann eben in den Produkten.“

„Mein Mann und ich probieren erst einmal alles aus, bevor wir etwas ins Regal stellen.“

„Die Menschen lieben Öle, die universell für Gesicht, Körper und Haare verwendet werden können“, sagt Lim. Sie erzählt uns, dass die Duft-Kategorie auch deshalb so beliebt ist, weil „die Menschen den aromatherapeutischen Aspekt mögen. Genauso verhält es sich mit anderen Produkten, die sie probieren: Wenn ihnen der Duft nicht gefällt, dann wird das Produkt schnell abgelehnt. Auch wenn ihnen die Textur vielleicht zusagt.”

Saint Francis Place führt rund 20 Marken aus den Vereinigten Staaten, Europa und Australien, darunter auch den weltweiten Bestseller von Le Prunier: das Plum Beauty Oil.

Die Konkurrenz immer im Blick, achtet Lim genauestens darauf, was andere Clean-Beauty-Shops in Melbourne anbieten, um sicherzustellen, dass sich das Angebot nicht überschneidet. Doch sind es nicht nur die kleinen Nischen-Brand-Stores, sondern auch große Ketten wie Sephora und Mekka, die den Trend um „reine” und „sorgfältig ausgewählte” Beauty-Produkte erkannt haben. 

Lim selbst lebt in South Melbourne, ihr Shop ist in Fitzroy, einem Vorort der Stadt, den sie als „das kreative Zentrum von Melbourne“ bezeichnet. Ein Nachbar ihres Ladens in der Smith Street ist ein regionaler Radiosender, der sich als „Melbournes Stimme des Widerspruchs seit 1976“ sieht. Eine Ecke weiter liegt die Gertrude Street, in der Modeboutiquen wie Denimsmith, Modern Classic, Leonard Street und Pickings & Parry zu Hause sind und ihr ganz eigenes und kunstvolles Flair pflegen.

„Wir schauen beim Kauf nicht wirklich auf den Preis. Es geht eher um die Inhaltsstoffe und darum, wofür die Marke, steht, und das zeigt sich dann eben in den Produkten.“

„Viele Menschen [in Fitzroy] sind offen für einen alternativen Lebensstil“, erzählt Lim. Es ist in Australien jedoch etwas schwierig, da „die Clean-Beauty-Branche hier nicht so schnell expandiert wie in Europa und Amerika“. Sie glaubt, dass der Grund dafür der Mangel an entsprechender Aufklärung ist.

So wird beispielsweise das ayurvedisch inspirierte Hautpflege-Label Rasasara Skinfood aus dem nahen Surrey Hills, Australien, in der Regel in Reformhäusern bzw. Naturkostläden verkauft. Dieses Vertriebsmodell lässt nicht nur potenzielle Kunden außen vor, die nicht in solchen Läden einkaufen, sondern schränkt auch die Möglichkeit ein, die Produkte auszuprobieren, sagt Lim. Um dieses Problem anzugehen und die Kunden über Clean Beauty aufzuklären, veranstaltete sie im Juli ihren ersten Workshop zusammen mit Sonia Lloyd, der Gründerin von Rasasara Skinfood.

Privat und beruflich ein Paar: Grace Lim und Martin Kwaskowski testen mindestens zwei Wochen lang Produkte, bevor sie beschließen, ob sie für ihr Geschäft geeignet sind oder nicht.

Dass Lim früher Stores für große Modemarken re-designte, half ihr bei dem Interieur von Saint Francis Place, der moderne und antike Elemente vereint: Für den Shop, der in seiner 100-jährigen Geschichte bereits einen Schuhmacher, ein Lederwarengeschäft und sonstige Einzelhandelsgeschäfte als Laden diente, wurden extra schlanke Stahlregale angefertigt. Der dunkelviolette Boden steht im perfekten Kontrast zur weiß gestrichenen Holzdecke, rote Ziegelsteine säumen einseitig die Treppenstufen, über die man in den hinteren Teil des Ladens gelangt. Moderne Möbel im Stil der Jahrhundertwende ergänzen den Look und Teil des Wandputz wurden freigelegt, um  „das Vermächtnis des Gebäudes zu feiern.“

In Zukunft möchte Lim außerdem ganzheitliche Gesichtsbehandlungen, mit dem eigenen Sortiment anbieten. Doch in der Zwischenzeit ist sie weiterhin als Phantomkäuferin unterwegs. „Wir werden unser Sortiment wahrscheinlich um Reinigungsprodukte erweitern, die in flüssiger Form angeboten werden, aber auch als Masken verwendet werden können“, sagt sie. Ebenso stehen Haarpflegeprodukte auf ihrer Einkaufsliste. „Wir suchen noch“, sagt Lim. „Die Leute wollen wissen, welche Alternativen es so gibt, in der Welt der Clean Beauty.“