Sieben wegweisende Trends im Natur-Deo-Segment

Bis vor gut zehn Jahren hatte man sich noch wenig Gedanken darüber gemacht, was man sich unter die Achseln sprayt, rollt oder schmiert; seit jeher werden Gesicht und dem restlichen Körper deutlich mehr Beachtung geschenkt. Als Forscher jedoch 2007 entdeckten, dass bei einer Brustkrebserkrankung die Tumore eine erhöhte Konzentration von Aluminium aufwiesen, geriet diese Körperregion – samt ihrer Pflegemittel – zunehmend ins Visier. Die Gefahr von Aluminiumsalzen in Antitranspiranten ist bis heute unter Experten und Ärzten sehr umstritten. Um auf Nummer sicher zu gehen, setzen Konsumenten vermehrt auf natürliche Deodorants – und gleichzeitig auf Indie-Beauty-Brands, die sie produzieren. 

Eine Statistik zur Entwicklung des deutschlandweiten Umsatzes mit Deodorants zeigt, dass 2018 in dieser Kategorie rund 757 Millionen Euro erwirtschaftet wurden – das umsatzstärkste Jahr seit 2007. Laut des Marktforschungsinstituts Euromonitor gewinnen in diesem Segment insbesondere unabhängige Brands an Beliebtheit, da sie flexibler auf Trends reagieren, diese aufgreifen und umsetzen können. Die Deutschen achten bei ihrer Wahl von Schweiß-Stoppern nicht nur auf Effizienz, sondern eben auch auf natürliche, biologische und nachhaltige Inhaltsstoffe. Beauty Independent hat sieben Trends identifiziert, die das Natur-Deo-Segment zukünftig prägen werden. 

ProbiotiKA

Diese Mikroorganismen bewegen sich vermehrt aus der Lebensmittelindustrie in Richtung Personal-Care-Sphäre. Die Beauty-Bakterien sind schon seit Längerem Geheimwaffen in Kosmetika, etwa bei Annemarie Börlind, Aurelia Probiotic Skincare oder Mother Dirt. Nun erreichen sie auch die Deodorant-Domäne – und das aus gutem Grund, wie die integrative Gesundheitsexpertin Elizabeth Trattner erklärt: „Wenn wir gute Bakterien verwenden, übertrumpfen diese die schlechten Bakterien, die den unangenehmen Geruch verursachen. Natur-Deo-Brands wenden diese Strategie bereits an, weil das funktioniert. Gute Bakterien, ätherische Öle und natürliche Geruchsdämpfer sind ein zuverlässiger Mix, um den Körper von unerwünschten Gerüchen zu befreien und gleichzeitig die Achsel-Mikroflora zu erhalten.“ 

Bye-bye, Backing Soda

Natriumbikarbonat, auch als Backnatron geläufig, kann ein echter Retter bei Achselgeruch sein, aber ebenso ärgerlich. Denn bei manchen Menschen führt es zu Hautirritationen und allergischen Reaktionen. Um der Backpulver-Intoleranz entgegenzuwirken, entwickeln Brands ihre Deos zunehmend ohne diese Substanz, so etwa die angesagten Berliner Körperpflege-Labels Girl Smells und Fine

Das Berliner Label Girl Smells arbeitet ausschließlich mit natürlichen Inhaltsstoffen, die etwa nach Orange oder Pfefferminz duften. (Bild via @girlsmellsberlin)

CBD gegen Geruch und Schmerzen

Cannabidiol, kurz CBD, ist gerade in der Hautpflege-Industrie in aller Munde und wird so langsam auch in Deodorants zum Highlight-Inhaltsstoff. Die US-Brand Sacred Biology hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit CBD den Körpergerüchen den Kampf anzusagen. Katie Elliott, Co-Gründerin der Marke, sagt: „Nachdem wir herausgefunden haben, dass CBD starke antibakterielle Eigenschaften besitzt, waren wir inspiriert, ein komplett natürliches CBD-Deo herzustellen. Die Substanz neutralisiert unangenehmen Achselgeruch, der durch Bakterien entsteht. Darüber hinaus ist CBD schmerzlindernd – hervorragend geeignet für die sensible Achselpartie.“ 

Power in Puderform

Ähnlich wie das Trockenshampoo für die Haare kommen neuerdings auch Trocken-Deos in Puderformulierungen auf den Markt. Diese sollen nicht nur unter den Achseln, sondern auf allen möglichen Körperstellen wie etwa den Füße anwendbar sein. Cindy Jones, Gründerin von Colorado Aromatics, bevorzugt dieses Format, denn: „Roller und Sprays hinterlassen oft ein klebriges, nasses Gefühl. Also habe ich ein Deo in Puderform entwickelt.“ Ein noch weitergedachtes Mehrzweck-Konzept gibt es von Olivia Klein (Achsel- und Haarpuder) sowie von Dr. Hauschka, dessen Seidenpuder sowohl als Antitranspirant, Trockenshampoo und zum Mattieren glänzender Haut verwendet werden kann. 

Magnesium macht’s

Magnesium soll gesund für Herz, Muskeln und Lunge sein, mehr Energie verleihen und für einen besseren Schlaf sorgen. Die amerikanische Körperpflege-Brand Nfuse hat sich komplett dem Mineralstoff verschrieben: „Die Deos ermöglichen dem Körper, sich auf natürliche Weise zu entgiften, ohne die Körperchemie oder Pheromone zu stören“, erklärt Markenvertreter Charlie McEnerney. Kasia Rothe, CEO von Rustic Maka, ergänzt: „Magnesium-basierte Deos sind ideal für Menschen mit überdurchschnittlicher Schweißbildung.“ Das niederländische Unternehmen Zechsal ist ebenfalls seit der Gründung 2010 auf Produkte mit Magnesium spezialisiert.  

In allen Deos des US-Labels NFuse steckt der Mineralstoff Magnesium.

Über die Achseln hinaus

„For Underarms and Private Parts“ steht auf der Produktverpackung von Lume Deodorant, der Körperpflege-Marke von Gynäkologin Shannon Klingman. Sie gründete ihr Unternehmen, nachdem unzählige ihrer Patientinnen über Vaginalgeruch klagten. Ihr klinisch getestetes Ganzkörperdeo lässt sich an jeder (intimen) Stelle anwenden, an der Geruch unerwünscht ist. Deo-Newcomer Type:A hat zwar bisher „nur“ herkömmliche Antitranspiranten im Sortiment, kann sich aber durchaus vorstellen, die Produktpalette auf andere Anwendungsbereiche auszuweiten: „Es ist unfassbar, wie viele Menschen mich nach einem Fuß-Deo fragen“, so Gründerin Allison Moss. 

Vom Duft umhüllt

Ätherische Öle sind die bevorzugten Duftträger in naturbelassenen Deos, etwa bei Aesop, Agent Nateur und Fine. Erfinderin von Cleo&Coco Suzannah Raff findet, dass Natur-Deos ähnlich wie Düfte erlebt werden können: Sie verändern die Stimmung und können je nach Jahres- oder Tageszeit gewechselt werden. „Es ist so, als ob man jeden Tag einen anderen Lippenstift tragen würde“, sagt sie. „Ich fühle mich jedes Mal gut, wenn ich nach dem Duschen mein Deo auftrage, das einen sehr frischen, natürlichen Duft versprüht. Die ätherischen Öle wirken fast psychologisch – sie heben die Stimmung.“