Sonnenschutz: Was SPF Produkte heute können müssen

Sonnencreme ist vom Urlaubs-Must-have zum Alltags-Must-have avanciert. Dementsprechend spielt es nicht mehr nur eine Rolle, dass sie frei von potenziell hormonell wirksamen und umweltschädlichen Inhaltsstoffen wie Oxybenzon und Octinoxat ist. Vielmehr müssen SPF Produkte Beauty Benefits liefern, die über den Sonnenschutz hinausgehen. Beauty Independent hat einen Blick auf vielversprechende Produktinnovationen geworfen und analysiert, welche Features SPF Produkte heute – und in Zukunft – mitbringen sollten.

 

Wie jede Kategorie im Beauty-Kosmos ist auch das Thema Sonnenschutz über die Jahre hinweg komplexer geworden. Statt schlicht und einfach vor der Frage zu stehen, ob wir Sonnencreme, -Öl oder -Spray verwenden sollten, stellen uns Produktinnovationen vor ganz neue Entscheidungen – etwa zwischen einer chemischen und eine natürlichen Formulierung. Welches Produkt eignet sich am besten für welche Körperpartie? Und wie schmal ist der Grad zwischen einer ausreichenden Versorgung mit Vitamin D und einem Hautkrebsrisiko?

Das Bewusstsein darüber, dass die Sonne Hautalterung in Form von Fältchen, sichtbar werdenden Äderchen und vor allem auch weißen und schwarzen Hautkrebs begünstigen kann, hat jedenfalls den Beauty-Markt stark beeinflusst. Laut einer Umfrage des Online-Reiseservice Opodo sieht man vor allem bezüglich verschiedener Alltagsgruppen einen Unterschied im Umgang mit dem Thema Sonnenschutz: So gaben Millennials im Gegensatz zur älteren Generation (60+) an, dass für sie Sonnenschutz immer schon ein wichtiges Thema war. Und das spiegelt sich im wachsenden Angebot wider: Nachdem Sonnencreme lange eine Kategorie für sich bildete, weder als klassisches Pflegeprodukt, noch als Produkt mit explizitem Beauty-Effekt galt, gibt es heute immer mehr Brands, die ihre Produkte ganz selbstverständlich mit SPF (Sun Protection Factor, zu dt.: Lichtschutzfaktor) ausstatten.

Kopfhaut, Hände und Füße besser schützen

Als Paradebeispiel dient hier nach wie vor die US-amerikanische Marke Supergoop!, die 2007 gegründet wurde. Aus dem Bestreben heraus, mehr Menschen für das Thema Hautkrebs zu sensibilisieren und eine Alternative für die aufgrund ihrer Textur und ihres Geruchs häufig wenig beliebten Sonnencremes zu bieten, hat Gründerin Holly Thaggard Schritt für Schritt ein kleines Sonnenschutz-Imperium aufgebaut. Zum Sortiment gehören inzwischen nicht mehr nur die klassische Sonnencreme, sondern auch Lipgloss oder sogar eine Selbstbräuner-Lotion mit Lichtschutzfaktor 40.

Das Poof Part Powder von Supergoop! wurde speziell zum Schutz der Kopfhaut vor Sonneneinstrahlung entwickelt. Image via Supergoop! PR

Definitiv vielversprechend ist außerdem eine Produktneulancierung aus dem vergangenen Jahr: das Poof Part Powder SPF 45, das Sonnenschutz für die Kopfhaut bietet. Denn auch hier werden KonsumentInnen aufmerksamer, nachdem vor allem der gefährliche schwarze Hautkrebs oft an Stellen auftritt, die beim Eincremen schlichtweg vernachlässigt werden. Und dazu zählen insbesondere die Ohren, Hände und Füße – und eben die Kopfhaut. Die wichtigsten Features des Produkts neben dem hohen (mineralischen) Lichtschutzfaktor: das Puder ist transparent und dementsprechend nicht wahrnehmbar, fettet nicht, lässt sich durch die aerosolfreie Düse direkt an den Haaransatz sprühen und absorbiert zusätzlich überschüssiges Öl, in etwa wie ein Trockenshampoo.

Auf der Suche nach Produkten, die sich speziell zum Schutz für Körperpartien nebst Gesicht, Beinen und Armen eignen, wird neben einer pudrigen Textur für den Haaransatz künftig aber wohl auch vermehrt zu Hand- und Fußcremes mit SPF gegriffen werden. Aktuell richtet sich bei letzteren beiden Produkten die Kommunikation vieler Marken noch an eine ältere Zielgruppe, da in Sachen Marketing üblicherweise der Anti-Aging-Aspekt stark in den Vordergrund gerückt wird. Hier gilt es, etwa mit ansprechendem Packaging à la Glossier künftig auch Millennials abzuholen. Die transparente, gelartige Sonnencreme Invisible Shield der Brand ist seit ihrem Launch 2017 immer wieder ausverkauft, war 2019 zwei Monate lang nicht erhältlich und verantwortlich für einen riesigen Internet-Hype, als sie zurück ins Sortiment kam. In Sachen Textur scheint Gel tatsächlich um Vieles beliebter zu sein als Creme oder eben die weißliche, flüssige Sonnenmilch. Auch Supergoop!s Unseen Sunscreen hat eine gelartige Textur und wird, genau wie Invisible Shield, von KonsumentInnen in der Regel als Primer unter dem Make-up verwendet.

Pflegende, schützende und optische Effekte

Tatsächlich lautet die Frage: Welches Produkt in der Beauty-Routine wird künftig das sein, das für den UV-Schutz zuständig ist? Die Tagescreme, der Primer, das Make-up selbst? Denn immer wieder steht auch zur Debatte, inwiefern man Sonnenschutz in verschiedenen Schichten auftragen sollte, beziehungsweise wie viel Sonnenschutz tatsächlich nötig ist, sodass der Körper nach wie vor auch ausreichend Vitamin D produzieren kann. Während zu starke Sonneneinstrahlung das Krebsrisiko erhöht, kann Vitamin-D-Mangel nämlich eine Reihe anderer Krankheiten begünstigen, etwa Osteoporose oder Diabetes.

Das Super Serum Skin Tint SPF 40 von Ilia Beauty wurde dieses Frühjahr lanciert. Image via Ilia Beauty PR

Grundsätzlich spielt das Thema Sonnencreme in Zusammenhang mit Make-up aber eine immer größere Rolle. Denn auch hier wird der Markt kleinteiliger. Neben Foundations gibt es immer mehr Produkte, etwa Concealer oder Puder, die mit Lichtschutzfaktor versehen werden. Unter anderem die kanadische Naturkosmetikbrand Ilia Beauty hat eine Reihe an Produkten lanciert, kürzlich etwa erst das Super Serum Skin Tint SPF 40ein Produkt, das sich zutraut, Make-up, Hautpflege und Sonnenschutz zu vereinen.
Das Serum ist leicht, öl-, parfüm-, und silikonfrei, wirkt wegen der dezenten Deckkraft sehr natürlich und schützt die Haut mit mineralischem Lichtschutzfaktor mit nicht-nano Zinkoxid vor UVA, UVB, UVC, Blau- und Infrarotlicht. Es ist in 18 Farben erhältlich. Ein zusätzlicher Benefit neben dem optischen Effekt – einer prall und hydratisiert aussehenden Haut – ist, dass das Serum die Wirksamkeit von Antioxidantien um 200 Prozent erhöht. Dabei wurde Beauty gleich fünffach gedacht – auf dekorativer, pflegender und schützender Ebene sowie in Sachen Textur und modernem Packaging – und somit der Beweis geliefert, was Sonnenschutz tatsächlich alles können kann.

Genderless SPF Produkte

Ein anderer Punkt, der die Beauty-Branche seit geraumer Zeit umtreibt und der bei Sonnenschutz verhältnismäßig leicht zu realisieren ist, ist das Thema genderless Beauty. Und eine Indie Beauty Brand, die hierbei einen bewusst minimalistischen Ansatz gewählt hast, ist das Münchner Unternehmen Muti, 2014 gegründet.

Die Muti Bodycreme mit Lichtschutzfaktor 30 gehört zur Sun-Linie, die die Münchner Indie Brand von Beginn an als Teil des Sortiments entwickelte. Image via Muti PR

Die Sun-Linie der Marke ist aktuell auf der eigenen Webseite größtenteils ausverkauft. Die Produktreihe war eine der ersten, die Muti entwickelt hat – weil die Brand Sonnenschutz von Beginn an als unverzichtbares Beauty Essential begriffen hat. „Uns ist gerade die alltägliche Anwendbarkeit unserer Produkte besonders wichtig. In der Textur bezieht sich das zum Beispiel bei Sonnenschutzprodukten auf eine leichte Textur, die schnell und rückstandslos einzieht. Also nicht weißelt, klebt oder zu fettig ist”, teilt Muti auf Anfrage mit. Hinzu kommt bei den Produkten die Kombination der Inhaltsstoffe. Ähnlich wie beim Super Serum Skin Tint SPF 40 von Ilia Beauty sind auch bei den Sonnenschutzprodukten der deutschen Indie Beauty Brand Antioxidantien und feuchtigkeitsspendende Wirkstoffe enthalten.

Was Muti außerdem am Herzen liegt: „Als verantwortungsbewusste Brand wollen wir auch Aufklärungsarbeit leisten.“ Ein Ansatz, auf dem unter anderem auch der Erfolg von Supergoop! basiert. Muti bewirbt seine Unisex-Sonnenschutz-Produkte deshalb auch bewusst in der kälteren Jahreszeit, obwohl die Nachfrage im Sommer eindeutig erhöht ist. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die ehrliche Aufklärung bei unseren KundInnen gut angenommen wird“, heißt es seitens Muti. Und genau dabei liegen auch Herausforderung und Chance für Beauty Brands nah beieinander: Denn insbesondere beim Thema Sonnenschutz wird immer der gesundheitliche Aspekt mitschwingen – angefangen beim transparenten Umgang mit Inhaltsstoffen, über das Thema Hautalterung bis hin zum Dialog über schwerwiegende Krankheiten. Auch das müssen SPF Produkte also können: Wissen vermitteln.

Hero Image Courtesy of Diane Walton/Unsplash