Top 3: Indie Beauty News Juli 2020

In unseren Indie Beauty News für Juli berichten wir über die neue Indie Beauty Brand Wowlabs und richten drei Fragen an Gründerin Talina Müller, die das Duftkerzen-Start-up The Candleporn gelauncht hat. Außerdem gibt es News von einer Reihe weiterer Indie Beauty Brands sowie der Marke Charlotte Tilbury, die – wie es sich seit einiger Zeit bereits ankündigte – nun einen Investoren für sich gewonnen hat.

 

#1 Brand-Neulancierung: Wowlabs

Wowlabs bietet drei verschiedene Skin Retreats, die die Hauterneuerung über 30 Tage hinweg unterstützen. Image via PR

2019 als Derma- und Kosmetiklabor in Bielefeld gestartet, sind die beiden GründerInnen Dr. Thao Binh Steinmann und Martin Ferfers  zum 1. Juli mit ihrer eigenen Indie Beauty Brand gelauncht: Wowlabs. Die Produktrange beschränkt sich aktuell auf drei innovative Intensiv-Serum-Kuren, die den natürlichen Selbsterneuerungszyklus der Haut unterstützen. Dieser dauert rund 30 Tage, und genau so lange findet auch die Anwendung der Wowlabs Skin Retreats statt, die es in drei verschiedenen Varianten gibt – für trockene, gestresste und unreine Haut. Hinter dieser zeitlich begrenzten, intensiven Anwendung steckt der tatsächliche Gedanke eines Retreats, der aus der Wellness-Welt stammt und eine gezielte Zeit der Erholung und Erneuerung meint. „Ich merke an mir selbst, dass ich wahnsinnig hohe Ansprüche an mein Leben habe und mich selbst dabei oft vergesse. Ich habe intuitiv ein Produkt entwickelt, das sich um mich und meine Haut kümmert, wenn ich das mal wieder schleifen lasse“, erklärt Dr. Thao Binh Steinmann.

Wowlabs versteht sich als high-tech Clean Beauty Brand. Im Bielefelder Labor arbeitet ein interdisziplinäres und internationales Team aus Ärzten, Dermatologen und Kosmetologen. Dabei spielt die Forschung an Cosmeceuticals, Antioxidantien und neuartigen Wirkstoffkombinationen eine zentrale Rolle. Dr. Thao Binh Steinmann kann auf mehr als 15 Jahre Expertise in der Pharma- und Kosmetikindustrie zurückblicken und war zuvor bereits für die Entwicklung und Markteinführung neuer Skincare-Brands, Produkte und Wirkstoffe verantwortlich. Unternehmer Martin Ferfers ist in der Vergangenheit an der Gründung zahlreicher Start-ups beteiligt gewesen, wobei Wowlabs sein drittes Projekt im Kosmetik-Bereich ist.

#2 In aller Kürze: Brand News

Auch die Neuauflage der Charity Box von Amazingy, die zahlreiche (Indie) Beauty und Green Beauty Brands enthielt, war in wenigen Stunden ausverkauft. Image via PR

Amazingy

Amazingy hat Ende Juni zum zweiten Mal die Do Good, Look Good, Feel Amazingy Beauty Charity Box auf den Weg gebracht – eine kuratiertes Paket, das eine Vielzahl an Green Beauty Produkten im Wert von rund 500 Euro enthält und das für 129 Euro zum Kauf angeboten wird. Da die Box im vergangenen Jahr so gut ankam, wurde sie 2020 in einer größeren Stückzahl, nämlich 250 statt 150 Boxen, bereitgestellt. Und auch dieses Mal war die Resonanz wieder riesig. „Wir sind um Mitternacht online gegangen und um 8.50 Uhr am Morgen waren alle Boxen vergriffen“, resümiert Ingrid van Onna, Co-Gründerin von Amazingy. Den vollständigen Gewinn aus dem Verkauf der Box hat Amazingy an die Initiative Mama Cash aus Amsterdam gespendet.

Happybrush

Happybrush verfolgt die Vision, Mundpflege moderner, einfacher und fairer zu machen. Nun ist das Münchner Start-up mit seiner Zahnbürste Schall VIBE 3 für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Design 2021 nominiert worden. Happybrush ist unter anderem aus Die Höhle der Löwen bekannt und aktuell in Deutschland und Österreich vertreten, der nächste Schritt Richtung Internationalisierung soll folgen.

Unrefined Riches

Unrefined Riches gibt es seit Anfang Juli nun auch bei Amazingy zu kaufen, der nach Bemenia nun der zweite Onlineshop ist, der die Hamburger Indie Beauty Brand führt. Im stationären Handel ist Unrefined Riches insgesamt viermal in Deutschland und einmal in der Schweiz vertreten. Außerdem hat die Marke kürzlich einen prominenten Fan gewonnen: Sängerin Vanessa Mai, die via Instagram mehrfach die Produkte der Brand empfohlen hat.

Sqin

Nachdem aus Bequ gerade erst Sqin geworden ist und die Beauty-Tech-Brand die Recommendation-Engine Quin entwickelt hat, gibt es bereits weitere Neuigkeiten von dem Start-up aus Berlin: In Zusammenarbeit mit der Marke ILOVEITILIKEIT hat das Team einen Beauty-Kühlschrank entwickelt, der mit Spiegel, LED und Touch-Sensor ausgestattet ist – und sich darüber hinaus über die Sqin-App füllen lässt. Der Kühlschrank launcht Anfang August.

Muse

Sagitta, die Traditionsmarke, die sich auf die Themen Supplements und mikrobiomfreundliche Hautpflege spezialisiert, hat seit Mitte Juni nun auch Period-Panties mit in ihr Produktportfolio aufgenommen. Unter der Brand Muse by Sagitta ist aktuell ein Style erhältlich. Dabei setzt das Unternehmen auf eine faire Produktion der Periodenunterhose, die zudem vegan, frei von Silber, Zink und Bioziden ist.

Iossi

Die polnische Indie Beauty Brand Iossi wurde zum zweiten Mal in Folge für ein Produkt mit dem Love Cosmetics Award ausgezeichnet – der Award eines der bedeutendsten Branchenportale für Naturkosmetik in Osteuropa. In diesem Jahr hat die Iossi Acerloa Citrus Essenz in der Kategorie Daily Beauty Star überzeugt, im vergangen Jahr bereits das Reis-Kokos-Peeling in der Kategorie vegane Lieblingsprodukte.

 

#3 Investoren: Charlotte Tilbury und Lashilé Beauty erhalten Investment

Charlotte Tilbury

In unseren Mai News hatten wir bereits von den Gerüchten und Spekulationen rund um den Verkauf der Brand Charlotte Tilbury berichtet. Anfang Juni wurde es schließlich konkret: Der spanische, familiengeführte Mode- und Parfümkonzern Puig hat eine Mehrheitsbeteiligung an dem britischen Unternehmen für Make-up und Skincare-Products erworben. Gründerin Charlotte Tilbury selbst behält eine signifikante Minderheitsbeteiligung an ihrer Firma.

Lashilé Beauty

Das französische Nutricosmetics Start-up Lashilé Beauty, das Supplement-Gummibären entwickelt, konnte Joël Palix als Investoren für sich gewinnen. Palix war fünf Jahre Präsident bei der Clarins Fragrance Group und im Anschluss ebenfalls fünf Jahre lang CEO bei Feelunique, Europas größtem Online-Anbieter für Premium-Beauty-Produkte. In der Zeit, in der er für den E-Tailer arbeitete, haben sich die Einnahmen der Plattform verdreifacht und auch das Portfolio verändert, da ebenfalls ein Augenmerk auf Indie Beauty Brands speziell aus dem gehobenen Preissegment gelegt wurde. An Lashilé Beauty hat Joël Palix eine Minderheitsbeteiligung erworben und wird eng mit den GründerInnen Yoann Assouline, Johan Adida und Fanny Adida zusammenarbeiten, vor allem mit Blick auf strategische Themen und das Erschließen von Märkten in anderen Ländern.

Am Rande notiert:
Drei Fragen an Talina Müller von The Candleporn

Talina Müller entwickelt für ihre Indie Brand The Candleporn Duftkerzen aus Soja- und Bienenwachs. Image via The Candleporn

In einem neuen Format möchten wir innerhalb unserer Indie Beauty News künftig regelmäßig drei Fragen and GründerInnen neu gelaunchter Indie Beauty Brands stellen. Den Anfang machen wir heute mit Talina Müller, die ihre Marke The Candleporn vor knapp sechs Monaten in Frankfurt am Main initiiert hat.

Wie kam es dazu, dass du ein Start-up für Duftkerzen gegründet hast?

Viele meiner Freunde sind Allergiker und haben beim Geruch von Duftkerzen immer über Kopfschmerzen geklagt. Das hat mich gewundert und ich begann, ein wenig zu recherchieren – und war überrascht. Die Mehrheit der Kerzen wird aus Paraffin hergestellt, einem Nebenprodukt der Erdölindustrie. Diese Erkenntnis war quasi der externe Auslöser dafür, selbst zu gründen. Unsere Kerzen bestehen aus biologisch abbaubarem Sojawachs und sind mit Bienenwachs veredelt.

“Ein ganzheitlicher Wellnessansatz im Beautybereich ist für mich persönlich kein grob skizziertes Konzept mehr, sondern ein Teil unserer neuen Realität.”
– Talina Müller

Bei der Kommunikation rund um The Candleporn setzt du auch auf die Themen Gesundheit und Wohlbefinden – inwiefern glaubst du, dass dieser Ansatz von Wellness und Ganzheitlichkeit im Beauty-Kosmos immer wichtiger wird?

Bei der Verbrennung von Bienenwachs entstehen negative Ionen. Diese binden zum Beispiel Schmutz, Viren oder Bakterien an sich – eine tolle Eigenschaft eines natürlichen Rohstoffes, den wir uns zunutze machen. Gesundheit und Wohlbefinden fangen meiner Meinung nach nicht bei der Feuchtigkeitscreme an und hören beim Selfcare-Day auf. Es geht vielmehr um einen Lifestyle, den man verfolgt, um mit sich selbst im Einklang zu sein. Dieser erfordert manchmal aber eben auch ein kritisches Hinterfragen der eigenen Kaufentscheidungen. Der Beauty-Kosmos wird immer größer und ist oft getrieben von Innovationen, über die wir uns vor 20 Jahren noch keine Gedanken gemacht haben. Wellness und Ganzheitlichkeit, ohne auf hohen Kosten der Umwelt zu leben, spiegeln sich in vielen Verbrauchertrends wider. Somit gehen Wellness und Beauty mittlerweile eine Symbiose ein. Deshalb ist ein ganzheitlicher Wellnessansatz im Beautybereich für mich persönlich kein grob skizziertes Konzept mehr, sondern ein Teil unserer neuen Realität. Unternehmen müssen sich KundInnen anpassen und unter ganzheitlicher Betrachtung Lösungen für Probleme entwickeln, für die oftmals noch gar kein Bewusstsein existiert.

Welches wichtige Learning nimmst du aus der Erfahrung mit, selbst zu gründen?

Start talking and start doing! Von vielen GründerInnen habe ich gehört, dass sie vermeiden, über die eigene Idee zu sprechen, um diese zu schützen. Newsflash – die meisten Ideen werden irgendwann einmal kopiert, allerdings hast du als GründerIn immer mindestens einen Vorteil: Du weißt, was du tust und musst nicht erst auf den nächsten Schachzug warten. Rede so oft es geht über deine Vision, hol dir Feedback von jeder Seite und arbeite konstant daran, jeden Tag ein Stückchen besser zu werden. Da es heutzutage noch weniger Gründerinnen als Gründer in Deutschland gibt, richtet sich der zweite Teil des Learnings insbesondere an Frauen, die auf den perfekten Moment zum Gründen warten – der oft ausbleibt. Meiner Meinung nach gibt es keinen perfekten Moment zum Gründen. Ich habe selbst neben dem Studium gegründet und finde, dass es keinen besseren Weg gibt, praktische Erfahrungen als JungunternehmerIn zu sammeln. Also in diesem Sinne: start talking and start doing!