Praktisch und kontaktlos: Wie relevant sind Kosmetikstifte 2020?

Beauty-Produkte sind in der Vergangenheit vor allem nach Performance, Design und Praktikabilität bewertet worden. Dann kam das Thema Nachhaltigkeit hinzu – und seit der Corona-Pandemie ist nun auch der Punkt „Sicherheit“ ausschlaggebend. Kosmetikstifte haben das Potenzial, all diese Aspekte zu vereinen. Bieten sie damit eine zuverlässige Nische, auf die Indie Beauty Brands in Zukunft setzen können?

 

Heutzutage spielen eine Vielzahl an Gedanken in die Kaufentscheidung mit hinein. Die Performance eines Produkts mag weiterhin an vorderster Stelle stehen. Doch es folgen immer wichtiger werdende Fragen wie: Spricht mich das Design des Produkts an? Ist es praktisch in der Anwendung? Ist es clean, green oder vegan? Ist es nachhaltig produziert? Und – seit Covid-19 – ist das Produkt sicher?

Das Marktforschungsunternehmen Mintel berichtete schon Ende März, dass die Pandemie die Nachfrage nach „sicheren und zuverlässigen“ Beauty- und Personal-Care-Produkten ansteigen lässt. Demnach würden mit der zunehmenden Sensibilisierung für Viren und Keime besonders Produkte herausstechen, die so verpackt und designt sind, dass man bei ihrer Anwendung mit den Fingern weder Produkt, noch Gesicht berühren muss. Diese These bildete eine interessante Parallele zu einem Trend, den Future Market Insights bereits im vergangenen Jahr prognostiziert hat: dass der Markt für Kosmetikstifte in den nächsten Jahren kontinuierlich wachsen wird.

Innovationen und überraschende Designansätze sind nötig

Per se ist Kosmetik in Stiftform nichts Neues. Kajalstifte, Lipliner, Eyebrow-Pencils – mit diesen Produkten sind KonsumentInnen schließlich längst vertraut. Hier geht es viel mehr um Innovationen, überraschende Designansätze und Formulierungen in den einzelnen Kategorien von dekorativer Kosmetik, die jetzt besonders interessant sind. Denn vor allem auch die Tatsache, dass es aktuell keine Beauty-Tester in Läden gibt, rückt touchless beauty natürlich stark in den Fokus von VerbraucherInnen.

Eine neue Indie Beauty Brand, die sich dieser Nische auf dem Markt zugewendet hat, ist Gokos. Hinter der Marke steckt Gutberlet Cosmetics aus Nürnberg, ein Unternehmen, das als Private-Label-Hersteller auf mehr als 30 Jahre Erfahrung im Bereich Farbkosmetik zurückgreifen kann. Gokos bietet eine gesamte Range an dekorativer Kosmetik ausschließlich in schlanker Stiftform – und zwar nicht nur Eyeliner und Augenbrauenstift, sondern auch Concealer, Eyeprimer und Lidschatten. Die Stifte, die auf einer pudrigen Formulierung basieren, sind mit einer kleinen Kartusche und einem Applikator samt Federung versehen, sodass das Produkt automatisch aufgenommen und passend dosiert wird. Der Applikator taucht immer nur so weit in die Kartusche ein, wie es die Menge des vorhandenen Produkts zulässt. Auf diese Weise lässt sich das gesamte Produkt restlos aufbrauchen – im Gegensatz zu vielen Beauty-Produkten, die oft so konstruiert sind, dass immer Rückstände in der Verpackung zurückbleiben. Die spezielle Federung hat Horst Gutberlet, Gründer der Firma, einst selbst erfunden. Das Patent dafür ist allerdings inzwischen ausgelaufen.

Kosmetikstifte verfolgen den Anspruch, Hygienisch, sicher und praktisch zu sein

Die Idee zu Gokos entstand bereits vor einigen Jahren, basierend auf dem Gedanken, Kosmetik „to go“ anzubieten. Durch Corona kommt neben dem Argument der Praktikabilität nun eben auch das Argument der Sicherheit hinzu. „Bei unseren Stiften hat man als AnwenderIn gar keinen Kontakt zum Produkt selbst“, erklärt Sales-Managerin Ana Maria Núñez. „Das ist nicht nur hygienisch, sondern insbesondere mit Blick auf die aktuellen Umstände natürlich auch sicher und wahnsinnig praktisch. Heutzutage brauchen wir genau solch praktische Produkte – wir reisen viel, sind ständig unterwegs und ein Touch-up zwischendurch funktioniert mithilfe von Kosmetik in Stiftform schnell und unkompliziert.” Gokos hat seine Website gerade erst lanciert, der eigene Online-Shop folgt im September.

Gutberlet Cosmetics baut mit Gokos als Unternehmen auf seiner langen Historie auf, denn ursprünglich kommt die Firma aus dem Bereich der Entwicklung und des Verkaufs von Schreib- und Zeichengeräten. Tatsächlich haben andere namhafte Schreibwarenhersteller ebenfalls seit Langem Fuß in der Kosmetikindustrie gefasst. So besitzt Schwan-Stabilo seine Division Schwan Cosmetics, globaler Marktführer bei der Herstellung von Kosmetikstiften. Ebenso gehört zu Faber-Castell die Firma Faber-Castell Cosmetics. Beide Firmen sind im Beauty-Bereich als Private-Label-Hersteller aktiv. Zuletzt hat Faber-Castell Cosmetics im Frühjahr dieses Jahres zudem die Kollektion [email protected] vorgestellt, die auf natürlich und vegan formulierte Kosmetikstifte aus nachhaltigem Holz setzt. Gokos nutzt Plastik für seine Verpackungen, deckt aber wiederum den Umweltaspekt insofern mit ab, dass die Kartuschen im Sinne des Low-waste-Gedankens als Refills angeboten werden.

Marken können eine beratende Funktion einnehmen und nutzen

Mit Blick auf touchless beauty und das Argument der „Sicherheit“ von Kosmetikprodukten, sieht Mintel im Übrigen auch den Trend, dass Verbraucher sich zunehmend an Marken wenden werden, um sich beraten zu lassen, wie sie ihre Kosmetika sauber und sicher halten können. Was Umverpackungen, Accessoires und Reinigungsprodukte für entsprechende Applikatoren betrifft, ist das für Brands also eine Möglichkeit, KonsumentInnen abzuholen und für sich zu gewinnen.

Eine weitere Chance, die auch Ana Maria Núñez sieht, sind Kooperationen. Speziell Kosmetikstifte sind – unabhängig von der großen Popularität von Travel Sizes – für die Mitnahme auf Reisen prädestiniert: Sie sparen Platz, sind in der Regel nicht flüssig und auch mobil leicht anwendbar. Neue Konzepte können dabei in die Richtung gehen, nicht nur mit Hotels zusammenzuarbeiten, sondern auch mit Reisegepäckfirmen und Fluggesellschaften.

 

Hero Image Courtesy of Gokos