Twinkle Brow Bar: Doreen Koch begegnet mit ihrem Geschäftsmodell dem Hype um perfekte Augenbrauen

Doreen Koch war deutschlandweit eine der ersten Beauty-Unternehmerinnen, die das Potenzial von spezialisierten Konzepten für Augenbrauen- und Wimpernstyling erkannt hat. Denn gerade auf dem hiesigen Markt wurde dem Thema lange nicht allzu viel Beachtung geschenkt. Inzwischen betreibt die Hamburgerin mit ihrem Mann fünf Filialen ihrer Twinkle Brow Bar und hat zudem verschiedene Pflegeprodukte für Augenbrauen und Wimpern entwickelt. Tatsächlich sind diese beiden Gesichtspartien im Jahr 2020 unheimlich relevant. Nicht zuletzt durch die Beauty Trends, auf Social Media entstehen.

 

Wie stark Social Media Schönheits-Ideale und Beauty-Trends beeinflusst, hat in diesem Jahr ein Beispiel noch einmal mehr als deutlich gezeigt: die Fox-Eye-Challenge auf TikTok. Inspiriert von dem Look von Models wie Kendall Jenner und Bella Hadid, haben UserInnen begonnen, deren geradlinige Augenbrauenform zu übernehmen. Dafür wird vor laufender Smartphone-Kamera der Rasierer gezückt, um sich den äußeren Part der Augenbrauen abzurasieren und ihn schließlich möglichst gerade nachzuzeichnen. Unter dem Hashtag #foxeye findet man auf TikTok inzwischen 65,2 Millionen Videos, Instagram zählt 63.000 Beiträge.

Noch vor zehn Jahren fanden Beauty-Hacks, -Tutorials und -Trends vor allem auf YouTube statt. Heute tauchen perfekt konturierte Gesichter, hervorgehobene Wangenknochen und volle Lippen auf Selfies inzwischen selbstverständlich auf jeglichem Social Media Feed auf. Dabei wird eines immer wichtiger: und zwar, dass wirklich jede Partie im Gesicht bis ins letzte Detail perfektioniert wird. Das gilt also auch – oder vor allem – für Augenbrauen.

USA und England als Vorreiter

Doreen Koch, Geschäftsführerin der Twinkle Brow Bar in Hamburg, hat diese Nische hierzulande als eine der Ersten gesehen. Als Hair- und Make-up-Artistin stellte sie auf berufsbedingten Reisen fest, dass es in Ländern wie England oder den USA bereits eine Vielzahl an spezialisierten Konzepten gab – ganz im Gegensatz zum deutschen Markt. „Schön geschwungene Wimpern und gepflegte Augenbrauen gehörten in diesen Ländern schon damals zum Grundstein für ein gepflegtes Erscheinungsbild dazu. Hierzulande wurden die Augenbrauen hingegen meist als das ‚wenig beachtete Beiwerk’ in Friseursalons oder Kosmetikstudios erachtet“, erzählt sie.

Gemeinsam mit ihrem Mann Jan hat sie die Twinkle Brow Bar 2014 gegründet. Von ihrem Konzept mussten die beiden vor allem am Anfang den einen oder anderen Manager jener Shopping-Center überzeugen, in denen sie ihr Geschäftsmodell sahen. Denn was eine Brow Bar eigentlich ist, davon hatten damals noch die wenigsten in Deutschland eine Vorstellung, ob nun beauty-affin oder nicht.

Inzwischen betreiben Doreen und Jan Koch Filialen an fünf Standorten in Hamburg und haben rund 40 MitarbeiterInnen. Zum Angebot gehört nicht nur Augenbrauen-Styling und –Färben, sondern auch permanentes Augenbrauen-Styling wie Microblading oder „Powder Brows“, eine ayurvedische Gesichtsmassage und Wimpernbehandlungen. Doreen Koch beobachtet stetig den Markt, hält Ausschau nach neuen Behandlungsmethoden und Trends. Als erste Brow Bar Deutschlands führte sie bei Twinkle im vergangenen Jahr „Brow Liftings“ ein ­– eine Behandlung, bei der die einzelnen Härchen nach oben gebürstet und fixiert werden.

Twinkle-Geschäftsführerin Doreen Koch. Image via PR

Diese Art der Behandlung – beziehungsweise buschige, „messy brows“ – sind aktuell auf Social Media, speziell Instagram, ein weiterer großer Trend. Das kann Doreen Koch auch anhand der Nachfrage in ihren Filialen erkennen: „Volle und buschige Augenbrauen will momentan wirklich jeder haben“, sagt sie. Neben permantenten Lösungen sei aber vor allem auch die Nachfrage nach einer individuellen Beratung zu passenden Wimpern- und Brauenprodukten gestiegen. „Durch die große Vielzahl von Produkten auf dem Markt fällt es KundInnen zunehmend schwerer, das passende Stylingprodukt für sich zu finden“, erklärt die Unternehmerin.

Genau an diesem Punkt hat sie angeknüpft, um ihre eigene Pflegereihe zu lancieren. Im Dezember 2018 hat sie das erste Twinkle Produkt auf den Markt gebracht: die Brow Soap. Heute zählen auch ein Augenbrauenstift, eine Augenbrauenschere und ein Wimpernschaum zum Sortiment.

„Es ist wichtig, sich andere Meinungen anzuhören und sie gegebenenfalls in das eigene wirtschaftliche Handeln zu integrieren – dabei aber nicht vom eigenen Weg abzukommen.“
– Doreen Koch

Wie vielen GründerInnen, die ihre eigene Idee auf den Weg bringen, betont Doreen Koch immer wieder den hohen Qualitätsanspruch. Die Unternehmerin weiß, dass die Zufriedenheit der KundInnen am Ende vor allem mit hochqualifizierten MitarbeiterInnen steht und fällt. Deshalb bietet die Twinkle Brow Bar auch eine vier- bis sechswöchige bezahlte Ausbildung zum Brow- und Lash-Artist an und legt wert auf regelmäßige Fortbildungen. Und auch in Sachen Produktentwicklung hat sie im Laufe der Jahre viel gelernt: „Das Vertrauen in sein Produkt und sich selbst ist entscheidend. Es ist wichtig, sich andere Meinungen anzuhören und sie gegebenenfalls in das eigene wirtschaftliche Handeln zu integrieren – dabei aber nicht vom eigenen Weg abzukommen. Das Produkt sollte man erst auf den Markt bringen, wenn es voll und ganz den eigenen Qualitätsansprüchen entspricht – auch wenn sich dadurch der Launch verschieben kann. Am Ende zahlt sich Perfektionismus aus.“

Das scheint im wahrsten Sinne des Wortes auch auf die Erfolgsgeschichte des US-amerikanischen Beauty-Unternehmens Anastasia Beverly Hills zuzutreffen. Gründerin Anastasia Soare ist Selfmade-Millionärin, ihre Company ist laut Schätzungen von Forbes heute mehr als eine Milliarde Dollar wert – und ursprünglich als Brow Business gestartet. Soare immigrierte 1989 in die USA, hatte einst Kunst und Architektur studiert, sprach kaum ein Wort Englisch und arbeitete schließlich in einem Kosmetikstudio. Dort begann sie, die Lehre vom Goldenen Schnitt, die sie aus dem Kunst-Studium kannte, auf das Styling von Augenbrauen anzuwenden. 2000 lancierte sie ihre ersten eigenen Make-up-Produkte speziell für Augenbrauen.

InvestorINNEN zeigen Interesse

Im Interview mit Die Welt erklärte sie im vergangenen Jahr ihren Erfolg: „Jedes Beautyprodukt, das ich entwickelt habe, hat ein Problem gelöst. Wenn man die Brauen überzupft hat, kann man sie mit einem Stift optisch wieder auffüllen. Oder hat man eine Narbe, dann hilft eine Brauenfarbe, sie zu kaschieren. Anders als große Beautykonzerne, die in ihren Büros sitzen und sich nur auf Trendreports und Zahlen verlassen, habe ich meine Produkte entwickelt, weil echte Kunden mit echten Problemen im Salon vor mir saßen.“ Im Jahr 2018 hat Anastasia Beverly Hills eine Minderheitsbeteiligung an das Venture-Capital- und Private-Equity-Beteiligungsunternehmen TPG Capital verkauft.

Auf dem deutschen Markt scheint das Interesse von InvestorInnen an der Kategorie Augenbrauen und Wimpern ebenfalls vorhanden zu sein. Doreen Koch wurden bereits Angebote von InvestorInnen vorlegt. Und auch wenn es seitens Twinkle Brow Bar dahingehend schon Überlegungen gab, haben sich die beiden Gründer vorerst dagegen entschieden. „Unabhängigkeit ist für mich ein sehr großes Privileg“, erklärt Doreen Koch. „Und ich bin stolz darauf, Twinkle ohne Mithilfe von InvestorInnen zum Erfolg geführt zu haben. Dennoch: Sage niemals nie – InvestorInnen bieten eine tolle Möglichkeit, in kurzer Zeit stark zu wachsen.“

Wie für viele Beauty-Stores und -Salons war auch für die Twinkle Brow Bar das Jahr 2020 Corona-bedingt herausfordernd. Deshalb hat es sich das Team, zu dem auch Doreen Kochs Schwester Fanny gehört, für den weiteren Jahresverlauf zum Ziel gesetzt, wirtschaftlich wieder aufzuholen und an alte Wachstumszahlen anzuknüpfen. Langfristig ist jedoch eine Erweiterung des Produktportfolios und die Eröffnung weiterer Brow Bars auch in anderen Bundesländern denkbar.