Die britische Marke UpCircle findet mit ihrer Kreislaufwirtschaft bei Ulta große Resonanz

Für die einen ist es Abfall, für die anderen goldener Boden. Das Nachhaltigkeitskonzept der aufstrebenden Indie Beauty-Marke UpCircle basiert auf dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft – ihr Produkte bestehen unter anderem aus sogenannten natürlichen “Nebenprodukten”: die Peelings sind angereichert mit Kaffeesatz, eingesammelt aus Cafés und Coffeeshops in ganz London; der Face Balm enthält Pulver aus Aprikosenkernen, die in der Lebensmittelindustrie weggeworfen werden, die Seife Chai-Gewürze, die nach dem Aufbrühen von Chai-Teekonzentraten der Marke Henny & Joe’s übrig bleiben, und in ihren Gesichtsmasken werden Olivenkerne weiterverwertet, die bei der Herstellung von Olivenöl keine Verwendung finden. Die Ausrichtung der Marke auf die Weiterverwendung von üblicherweise weggeworfenen Substanzen führt zu einer Umorientierung in der Beauty-Branche, die in Sachen Nachhaltigkeit ihren Fokus bislang auf das Thema Verpackung richtete. UpCircle achtet natürlich auch darauf. Die Glasflaschen, Aluminiumtuben und Pappkartons sind alle wiederverwertbar.

 

“Die Idee für unsere Marke entstand aus der Überzeugung heraus, dass Dinge, die bislang als wertlos galten, ein großes Potenzial haben. Es gibt so viele natürliche Nebenprodukte oder Reststoffe, die normalerweise im Abfall landen, für die Haut allerdings unglaublich wertvolle Wirkstoffe enthalten“, so William Brightman, ehemaliger Händler und Investmentpartner bei der Citibank und MSK Capital, der UpCircle zusammen mit seiner Schwester Anna, zuvor Gebietsleiterin bei Aldi, gegründet hat. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, diese Inhaltsstoffe in natürliche Hautpflegerezepturen einzubinden und so Beauty-Produkte zu schaffen, die nicht nur der Umwelt, sondern auch Ihrer Haut guttun. Wir versprechen Ihnen, dass Sie sich über unglaubliche Ergebnisse freuen können und dass Sie mit Sicherheit noch viel mehr davon möchten.“

 

UpCircle ist in 2.000 Geschäften erhältlich und wird von Ulta Beauty, Credo, Sainsbury’s, Holland & Barrett und Boots vertrieben. Credit: UpCircle

 

Das Konzept der Kreislaufwirtschaft von UpCircle in Sachen Beauty ist bei Ulta auf große Resonanz gestoßen. Im vergangenen Monat nahm die bekannte Kosmetikkette die britische Marke in 768 Geschäften und in ihr Online-Angebot auf. Die Einführung bei Ulta Beauty folgt auf das Debüt von UpCircle im US-Einzelhandel bei Credo und auf die Einführung bei Boots, Sainsbury’s und Holland & Barrett in Großbritannien im vergangenen Jahr. Durch die Expansion der Brand steigt die Gesamtzahl der Geschäfte auf fast 2.000, und es wird infolgedessen mindestens mit einer Verdoppelung des Jahresumsatz gerechnet, der für das im März endende Geschäftsjahr schätzungsweise bei über 1 Million Dollar liegen wird. UpCircle geht davon aus, dass die Vereinigten Staaten in diesem Jahr etwa ein Drittel der Einnahmen ausmachen werden – wobei neben dem Vertrieb über den Einzelhandel etwa ein Viertel über den Direktvertrieb erfolgt.

„Credo hat uns ein wenig beim Aufbau von Vertrieb und Marketing unterstützt, und sie haben ihre Mitarbeiter für unsere Marke begeistern können. Sie haben uns bei der Einführung auf dem US-Markt großartig unterstützt“, sagt William Brightman. Jetzt in 768 Ulta Geschäften in den USA vertreten zu sein, das ist einfach fantastisch. Es liegt nun an uns, aus dieser Gelegenheit das Beste herauszuholen. Das Wichtigste ist zunächst, dafür zu sorgen, dass diese Kooperation eine langfristige und für beide Seiten erfolgreiche Partnerschaft wird. Wir müssen unsere Geschichte erzählen. Wir müssen die VerbraucherInnen darüber aufklären, wer und was UpCircle überhaupt ist, wofür wir stehen und warum es sich lohnt, gerade unsere Produkte aus einem Angebot von Tausenden zu testen.“

 

„Die Idee für unsere Marke entstand aus der Überzeugung heraus, dass Dinge, die bislang als wertlos galten, ein großes Potenzial haben.“

 

Obwohl der ökologische Fußabdruck von Beauty-Marken für die VerbraucherInnen immer wichtiger wird, ist er jedoch noch nicht der wichtigste Entscheidungsfaktor für den Kauf. Um die KundInnen zu überzeugen, muss UpCircle mit seinen Rezepturen und Preisen schon richtig liegen, meint William Brightman. Mit einer preislichen Größenordnung von erschwinglichen 9 bis 24 US-Dollar ist dies der Fall. Zu den Bestsellern der Brand gehören das Organic Face Serum With Coffee Oil and das Coffee Face Scrub Citrus Blend. William Brightman weist darauf hin, dass sich die neuen Produkte wie Cleansing Face Balm and Face Moisturizer von UpCircle von Beginn an rege verkaufen.

„Der Cleansing Face Balm kostet 24 US-Dollar. Laut Bewertungen übertrifft er im Vergleich zu Eve Lom und Clarins sogar diese teureren Marken. Wir legen Wert auf natürliche und nachhaltige Rezepturen und Verpackungen, doch auch die Leistung bzw. Wirksamkeit unserer Produkte muss durch ein hohes Niveau überzeugen“, so William Brightman. „Tatsächlich ist unsere Perfomance in vielen Fällen besser als die anderer, und das ist für uns in dieser ausgesprochen wettbewerbsfähigen Branche wichtig.“

 

Die UpCircle-Gründer und Geschwister Anna und William Brightman.
Die UpCircle-Gründer und Geschwister Anna und William Brightman. Credit: UpCircle

 

Durch die mittlere Preisgestaltung von UpCircle erweitert sich die demographische und kommerzielle Reichweite. Schon früh war William Brightman davon ausgegangen, dass die Zielgruppe der Marke hauptsächlich weibliche Millennium-Konsumenten und Gen Z-Konsumenten sein würden – vor allem jene, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen und sich für ein Instagram-gerechtes Konzept interessieren. Er erzählt, dass UpCircle allerdings auch VerbraucherInnen aus der älteren Generation anzieht, die nicht nur von den Merkmalen wie vegan, cruelty-free und natürlich überzeugt sind, sondern auch von der Wirksamkeit der Produkte, unserem ökologischen Bewusstsein und der Verfügbarkeit der Produkte. Durch ihre Preispositionierung ist die Marke für eine Vielzahl von Einzelhändlern, von Supermarktketten wie Sainsbury’s bis hin zu Fachhändlern wie Ulta Beauty, sehr interessant.

„Unser oberstes Ziel ist es, dass in jedem Haushalt ein Produkt von UpCircle vorhanden ist. Wir werden diese Mission nicht erreichen, wenn wir als Marke zu hochpreisige Produkte anbieten, die nur von wenigen gekauft werden“, sagt William Brightman und fügt hinzu: “Wir möchten erreichen, dass nicht mehr so viel Abfälle oder Nebenprodukte weggeworfen werden, und das kann uns nur gelingen, wenn wir so viel wie möglich verwenden und die Nachfrage so stark wie möglich stimulieren.“

 

„Unser oberstes Ziel ist es, dass in jedem Haushalt ein Produkt von UpCircle vorhanden ist.

 

UpCircle startete 2016 unter dem Namen Optiat mit Körperpeelings. Im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen in UpCircle umbenannt. Im Vorjahr hatte sie in einer Crowdfunding-Runde zwecks Finanzierung der Umfirmierung rund 217.500 Pfund (282.000 US-Dollar) von 377 Investoren gesammelt. Die Marke, die derzeit sieben MitarbeiterInnen in Voll- und Teilzeit beschäftigt, unterhält in den USA ein Lager- und Vertriebszentrum und plant die Einrichtung eines Büros in den USA. William Brightman räumt ein, dass der Liquiditätsfluss eine ständige Herausforderung sei, die mit einem externen Mittelzufluss gemildert werden könnte, was allerdings nicht heißt, dass UpCircle entsprechend auf der Suche ist.

„Wenn wir über die Finanzierung reden, nimmt das Gespräch immer eine interessante Wendung. Einerseits will man wachsen, und zwar möglichst schnell. Gleichzeitig aber möglichst vernünftig und nicht unbedingt unter Einsatz von Investorengeldern. Doch die Branche ist hart umkämpft, und wenn Sie nicht investieren, dann tut es jemand anderes und nimmt Ihnen so die Butter vom Brot. Das ist schon eine heikles Thema“, so William Brightman. „Zu gegebener Zeit werden wir wieder aufstocken, denn mit Factoring und anderen Mitteln zur Aufrechterhaltung Ihres Kapitalflusses stoßen Sie an natürlich an eine Grenze. Wir wollen sicherstellen, dass wir die Chancen nutzen können, die uns Ulta und andere bieten.

Die nachhaltige Beauty-Marke UpCircle verwendet Nebenprodukte aus anderen Branchen zur Herstellung ihrer Rezepturen. So enthält das Körperpeeling beispielsweise Kaffeesatz, der in Cafés und Coffeeshops in ganz London eingesammelt wird. Credit: UpCircle

 

UpCircle beabsichtigt nicht, den Vertrieb sofort aufzustocken, um bei jedem einzelnen Einzelhändler in den Regalen zu landen. Das Unternehmen strebt vielmehr danach, die bereits bestehende Vertriebssituation zu optimieren. „Ulta ist uns mit einem Vertrauensvorschuss entgegengekommen, und jetzt müssen wir uns ihnen gegenüber beweisen“, sagt William Brightman. „Manchmal erwischt man sich schon bei dem Gedanken ‚Einfach bei 10.000 Geschäften gelistet sein und dann einen guten Job machen‘. Doch die Herausforderung für uns liegt darin, dafür zu sorgen, dass der Vertrieb erst einmal solide und leistungsstark wird, bevor wir weiter expandieren.

 

Hero Pic courtesy of Upcircle