Auf dem richtigen Vaay: Diese Berliner Brand geht CBD ganzheitlich an

Noch eine weitere CBD-Brand? Ja – aber hier wird noch viel weiter gedacht. Wir haben Co-Gründer Finn Age Hänsel ausgefragt.

Finn Age Hänsel hat sich ein hohes Ziel gesteckt: mit seinen Unternehmen will er zum führenden Player für Cannabis und CBD-Produkte in Europa werden. Gemeinsam mit Co-Gründer Fabian Friede gründeten sie 2018 die Sanity Group, eine Firma, die mit mehreren Unternehmen sowohl den Arzneimittel-Sektor (Vayamed) als auch den B2C-Bereich (Vaay, This Place) abdeckt. Anfang des Jahres erhielt das Duo eine Finanzierung in Höhe von 20 Millionen Euro, die, so heißt es, die bisher größte Venture-Capital-Finanzierungsrunde im Bereich Cannabis in Europa ist.

Ein bisschen mehr Entspannung – das wollen die Produkte von Vaay unter anderem bieten.

Finn Hänsels bisherige Karriere gleicht dabei einem Traum-CV: Boston Consulting Group, Rocket Internet, ProSiebenSat.1 und CEO von Movinga. Und jetzt eben auch noch Cannabis. Vaay ist dabei eine der Marken der Sanity Group, bei der sich alles um die beruhigenden und lindernden Eigenschaften von CBD dreht. Wer in einer Großstadt lebt, dem sind die überdimensionalen Werbeplakate der Brand bestimmt schon das ein oder andere Mal aufgefallen.

Uns erklärt der Gründer, welche konkreten Ziele sie mit ihren Marken verfolgen, was Vaay anders macht und auch, wie tief die beiden Entrepreneure eigentlich im Thema Cannabis drin stecken.

Lieber Finn, kläre uns doch gerne mal auf: Gibt es nun klare Regulierungen in Deutschland für CBD oder ist es immer noch unklar? Wie ist die Rechtslage? 

Es gibt derzeit keine gemeingültige Regulierung von CBD. Die Vorschriften richten sich vielmehr nach der Produktkategorie: CBD in Kosmetikprodukten wie Cremes ist zum Beispiel zulässig; Diskussionen gibt es derzeit vor allem über den Einsatz von CBD aus Hanf-Vollspektrum-Extrakten in Nahrungsergänzungsmitteln und Lebensmitteln. Es geht dabei um die Restmenge von THC, die enthalten sein darf. Grundlage für Produkte auf dem deutschen Markt ist dabei EU-zertifizierter Industriehanf mit einem THC-Gehalt von unter 0,2 Prozent, der legal von Bauern in der EU zu industriellen Zwecken angebaut werden darf.

Der aktuell unklare Status ist daneben auch auf die sogenannte Novel-Food-Verordnung zurückzuführen, nach der Lebensmittel, die vor 1997 nicht in einem nennenswerten Umfang konsumiert wurden, als neuartig eingestuft werden. Bei CBD ist unklar, ob es ein solches neuartiges Lebensmittel darstellt, da auch schon vor dem Stichtag zahlreiche CBD-haltige Hanfprodukte im Markt verfügbar waren. Der Vertrieb von CBD ohne eine Novel-Food-Zulassung ist aber auch hierzulande entgegen der gängigen Auffassung nicht per se illegal. CBD hat keine bewusstseinsverändernde oder betäubende Wirkung, das ist wissenschaftlicher Konsens.

Vaay ist eine Marke der Sanity Group, eine Holding, die du 2018 gemeinsam mit Fabian Friede gegründet hast. Was sind eure Ziele?

Unser Ziel ist es, Menschen in Europa mit neu entwickelten Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten aus der Cannabispflanze zu versorgen. Wir sind fest davon überzeugt, dass Cannabis, richtig eingesetzt, die Lebensqualität von Menschen nachhaltig verbessern kann. Im Fokus stehen dabei neben Arzneimitteln auch Wellbeing- und Kosmetikprodukte auf Cannabinoid-Basis. Parallel arbeiten und forschen wir mit unseren Tochtergesellschaften zudem an neuen Medizinprodukten, innovativen Dosierungsformen sowie technologischen Produkten und Dienstleistungen zur Weiterentwicklung der Infrastruktur. Um das volle Potenzial ihrer gesundheitlichen Vorteile zu nutzen, investieren wir auch in die Grundlagenforschung zur Cannabispflanze und ihrer Wirkstoffe.

Ihr habt stolze 20 Millionen Euro in der Series A Funding Round erhalten – laut Medienberichten ist dieses Investment bis dato die größte Cannabis-Finanzierungsrunde in Europa. Anders ausgedrückt: So etwas hat in Europa bisher noch niemand geschafft. Wie erklärt ihr euch das und wie habt ihr euch gefühlt?

Auch wenn Fabian und ich in der Vergangenheit bereits erfolgreich Unternehmen gegründet und mit aufgebaut und somit schon die eine oder andere Finanzierungsrunde miterlebt haben, ist es natürlich immer wieder etwas Besonderes, wenn man sieht, dass Menschen die gleiche Vision für etwas teilen, Potenzial in deinem Plan sehen und an das Gleiche glauben, wie du selbst. Das ist natürlich ein tolles Gefühl, egal wie hoch das Investment am Ende ausfällt. Es zeigt, dass unsere Investoren Vertrauen in uns, unser Team und unseren Plan haben und es bestärkt uns in unserem Vorhaben.

Heißt das im Umkehrschluss, dass InvestorInnen keine Berührungsängste mit dem Thema mehr haben?

Das weiß ich nicht. Ich glaube, man kann da nicht pauschalisieren und wir können natürlich auch nicht für andere sprechen. Unsere Investoren waren zunächst geteilter Meinung – einige waren sofort Feuer und Flamme, während andere etwas verhaltener waren, zum Beispiel wegen des Stigmas, das der Cannabispflanze noch anhaftet. Aber alle haben das extrem hohe Potenzial gesehen und teilen unsere Überzeugung, dass der Cannabis-Sektor extrem spannend und vielversprechend ist und möchten die Reise mit uns gemeinsam gestalten. Durch die Cannabis-Legalisierungen vielerorts auf der Welt haben aber wahrscheinlich gerade ausländische Investoren weniger Berührungsängste mit dem Thema.

Erzähle uns gerne von den Anfängen von Vaay. Was hat euch dazu motiviert/inspiriert, eine Brand rund um CBD zu lancieren?

Früher haben wir alle Kaffee getrunken, um wacher, fitter und leistungsfähiger zu sein. Aber dadurch haben wir nicht mehr gut geschlafen und konnten uns weniger gut regenerieren. Jetzt sind wir so wach und dauernd überreizt, dass wir uns nach Ruhe sehnen. Ich habe für mich gemerkt, dass ich sehr gut über mehrere Tage hinweg hart arbeiten kann, aber zwischendurch Auszeiten brauche. Und die braucht jeder, wenn er leistungsfähig bleiben will. Wenn man immer nur ackert, kann das schnell dazu führen, dass man in einen ungesunden Lebensstil rutscht. Unsere Vaay-Produkte sollen dabei helfen, runterzukommen und das zu verhindern.

Ich hatte meine erste CBD-Erfahrung vor ein paar Jahren, nachdem ich in Berlin den Halbmarathon gelaufen bin. Ein Freund von mir, selbst Sportler, riet mir zur Muskelregeneration zu einer CBD-Salbe, deren Wirkung mich überrascht und zugleich überzeugt hat.

Sanity Group Co-Gründer Finn Age Hänsel.

Was hat Vaay, was andere CBD-Brands nicht haben?

Wir verstehen uns nicht als reine CBD-Brand, sondern als Marke für Well-being zur Förderung von Achtsamkeit, Balance und Wohlbefinden im Rahmen eines gesundes Lebensstils. Während es im 20. Jahrhundert zum Beispiel u. a. um Beschleunigung und Leistungssteigerung ging, geht es in diesem Jahrhundert eher um Entschleunigung und Runterkommen: Yoga, Meditation, Down-Sizing, Work-Life-Balance, Sabbaticals, regional einkaufen … Wer kann, drückt mit regelmäßigen Auszeiten den Reset-Knopf. Vaay soll Menschen mit natürlichen Inhaltsstoffen wie CBD dabei helfen, sich und ihrem Körper eine Auszeit zu gönnen, den Fokus-Schalter umzulegen und zu entspannen. Unsere Produkte sind Made in Germany und Europe, und wir setzen auf qualitative Inhaltsstoffe. Unser Team von ExpertInnen, BiologInnen, MedizinerInnen und ForscherInnen entwickelt die Produkte nicht nur, sondern betreibt auch Forschung und Aufklärung rund um die Cannabispflanze, ihre Wirkstoffe und Einsatzmöglichkeiten.

Die meisten Brands investieren ihr Marketingbudget heute praktisch nur noch in Social-Media-Aktivitäten. Warum setzt ihr u.a. auch auf eine „old-school“ Marketingmethode wie große Werbeplakate?

Im Marketing gilt auch heute noch, was schon immer galt: Ein gesunder Marketingmix ist wichtig. Das schließt Online-Aktivitäten genauso ein wie Offline-Kampagnen. Die Out-of-Home-Kampagne zum Beispiel wurde online verlängert und hat großen Anklang gefunden – es zeigt, wie wichtig es ist, sich nicht nur auf einen Kanal zu verlassen.

Welches ist euer Bestseller-Produkt?

Unser Vaay Night-Spray ist sehr gefragt, daneben erfreuen sich unser CBD-Mundspray sowie die Badekugel großer Beliebtheit.

Einen besseren Schlaf verschaffen soll das Night-Spray der Marke.

Wie geht es in Zukunft weiter, was sind eure nächsten Pläne?

Wir sind seit Kurzem mit Vaay in Österreich verfügbar und launchen bald auch in einem weiteren Markt. Daneben arbeiten wir unter dem Motto “Aus Berlin für Berlin” an einer Vaay Limited Edition, für die wir mit Berliner Manufakturen zusammenarbeiten. Natürlich werden wir auch generell unser Produktportfolio nach und nach erweitern.

Diese Woche ist zudem unsere “Schwestermarke” This Place gelauncht, die für funktionale Kosmetik steht. Zum Start gibt es vier Cremes, die Körper und Geist auf nachhaltige Art und Weise dabei unterstützen sollen, die persönliche Ausgeglichenheit im Alltag wiederzufinden. Das Besondere: Die Cremes sind nicht nur Kosmetik aus 100 Prozent natürlichen Inhaltsstoffen – zusammen mit einem unterstützenden Ritual haben sie auch eine Funktion und sollen gezielt bei Unwohlsein während der Perioden helfen, einen erholsamen Schlaf unterstützen, Muskeln entspannen oder das Gesicht zum Strahlen bringen.

Auch auf unserer medizinischen Seite passiert natürlich einiges, dort launchen wir in den kommenden Tagen unsere eigenen Medizinal-Cannabis-Produkte.

Hero Image Courtesy of Sanity Group.